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Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen

Der Wert von Fach und Branche

Ein Hochschulabschluss lohnt sich: Absolventen freuen sich über steigende Löhne. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere aktuelle Gehaltsstudien. Je nach Fachrichtung, Abschluss, Branche, Standort und Unternehmensgröße kann das Einkommen jedoch sehr unterschiedlich ausfallen.

Auf dem Foto sind Euro-Münzen zu sehen.

Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss verdienen heute im Schnitt mehr als im Jahr 2005.

Foto: WillmyCC

„alma mater“, die Personalvermittlung und Karriereberatung für akademische Nachwuchskräfte, meldet gute Neuigkeiten in puncto Einstiegsgehalt: Laut der „Gehaltsstudie 2011“, für die über 900 Unternehmen befragt wurden, verdienen Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss durchschnittlich 40.097 Euro brutto pro Jahr. Das ist verglichen mit dem Durchschnittsentgelt aus dem Jahr 2005 von 37.083 Euro eine Steigerung um gut acht Prozent.

Die Nase leicht vorn haben bei den neuen Abschlüssen häufig Absolventen von Fachhochschulen. Laut den Absolventenbefragungen 2009 und 2010 des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung – Kassel (INCHER), die an 50 Hochschulen durchgeführt wurden, liegen die Einstiegsgehälter für Uni-Abgänger mit dem Bachelor bei durchschnittlich 29.380 Euro brutto. Die Vergütung bei traditionellen Abschlüssen wie dem Diplom beträgt 36.845 Euro brutto, beim Uni-Master 36.145 Euro brutto. Während die Fachhochschüler mit Bachelor (33.799 Euro brutto) und Master (44.920 Euro brutto) beim Berufsstart durchschnittlich mehr als ihre Uni-Kollegen verdienen, haben sie mit einem traditionellen Abschluss mit 36.446 Euro etwas weniger auf dem Gehaltszettel stehen.

Einige Gründe: „An FHs ist die Praxisanbindung im Studium meist größer. Die Studierenden treten früher in Kontakt mit Unternehmen, beispielsweise während Praxissemestern oder dem Verfassen der Abschlussarbeit in der Firma“, erläutert Gregor Fabian, der sich für die Hochschul-Informations-System GmbH ebenfalls mit Gehältern von Uni- und FH-Abgängern beschäftigt. Viele Arbeitgeber könnten die Fähigkeiten der ihnen bereits bekannten Bewerber so realistisch einschätzen und honorierten das Engagement der Berufseinsteiger mit einem Gehaltsplus während der ersten Jahre. Aber: „Nach zehn Jahren im Job liegen die Uni-Absolventen in der Regel vor den FH-Akademikern“, weiß der HIS-Fachmann von den traditionellen Abschlüssen und rechnet nicht damit, dass sich das demnächst ändern wird.

Maßgeblich für das Einstiegsgehalt ist auch das Fach, in dem der Abschluss gemacht wurde. Traditionell ist der Verdienst in Bereichen wie Medizin höher, während Geisteswissenschaftler beispielsweise weniger verdienen. Das belegt etwa die Studie „Staufenbiel JobTrends Deutschland 2011“. Demnach startet zum Beispiel rund ein Drittel der Wirtschaftswissenschaftler mit einem Gehalt zwischen 38.000 und 40.999 Euro. Über fünf Prozent der 329 befragten Unternehmen zahlen Wirtschafts- und Ingenieurabsolventen gar über 50.000 Euro. Besonders gute Karten haben laut der Veröffentlichung auch Juristen. In 42 Prozent der Firmen freuen sie sich über Einstiegsgehälter jenseits der 59.000-Euro-Marke. Dennoch herrschen gerade unter den Berufseinsteigern mit Jura-Examen laut HIS recht große Unterschiede – je nachdem, ob sie nach dem Studium beispielsweise selbständig tätig oder in einer Großkanzlei angestellt sind. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern seien wiederum Fachrichtungen wie Controlling sehr gut bezahlt, während es im Marketing zunächst weniger zu verdienen gäbe. Die geringsten Einstiegsgehälter weist INCHER für die Agrar-, Ernährungs- und Forstwissenschaftler mit durchschnittlich 28.281 Euro sowie für die Kultur- und Sozialwissenschaftler mit 29.686 Euro brutto im Mittel aus. An der Einkommensspitze liegen nach INCHER Absolventen des Fachbereichs Informatik mit 41.281 Euro.

Bayern und Baden-Württemberg vorne, Berlin Schlusslicht

Auch andere Faktoren wie die Größe, Branche oder der Standort des Unternehmens beeinflussen den Betrag, der auf dem Lohnzettel steht. Laut der „alma mater Gehaltsstudie 2011“ ist der Verdienst in der Automotive-Branche mit im Durchschnitt 48.000 Euro für Akademiker besonders gut. Hingegen zahlen Arbeitgeber im Bereich Tourismus durchschnittlich 27.000 Euro. Und: Große Betriebe können ihren Neulingen mehr Geld bieten als kleine. Zu diesem Ergebnis kommt die IG-Metall-Umfrage „Einstiegsgehälter für Absolventen 2011“, die René Rethfeldt (28) mit seinen Erfahrungen bestätigen kann. Der Ingenieur für Biomedizinische Technik startete nach seinem Diplom im Jahr 2006 bei einem Thüringer Unternehmen. „Mein erstes Jahresbruttogehalt lag bei 30.000 Euro, weil der Verdienst in den neuen Bundesländern durchschnittlich geringer ausfällt und es sich um eine kleine Firma handelte.“ Normalerweise seien im Bereich Medizintechnik zwischen 40.000 und 58.000 Euro üblich. Heute arbeitet der 28-Jährige bei der Mebedo GmbH in Koblenz als Fachreferent in der Medizintechnik, wo er mit einigen Jahren Berufserfahrung bei einer größeren Firma in den alten Bundesländern mehr als bei seiner alten Stelle verdient. Laut alma mater werden in Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und im Saarland die höchsten Einstiegsgehälter bezahlt. Bundesweites Schlusslicht ist Berlin.

Egal wo Absolventen letztlich ihre Beschäftigung mit akademischem Abschluss in der Tasche aufnehmen: Bei der ersten Stelle nach dem Studium hat man nur beschränkt Verhandlungsspielraum. Das bestätigt Andreas Eimer, Leiter des Career Service der Universität Münster: „Ein Gehaltsgespräch im Sinne von „Verhandlung“ gibt es bei Berufseinsteigern in der Regel nicht“ (siehe Interview „Das Thema Gehalt nicht überbewerten“). Lohnend ist ein Hochschulabschluss allerdings dennoch – auch mit Blick auf die längerfristige Gehaltsentwicklung: „Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass die Absolventengehälter auf lange Sicht abnehmen“, stellt HIS-Experte Gregor Fabian in Aussicht.

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