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Berufe bei Banken und Versicherungen

Geldanlagen, Wertpapiere und Versicherungspolicen

Banken und Versicherungen haben viel gemeinsam: Immer geht es beispielsweise um Finanzprodukte und -dienstleistungen, um Kundenberatung oder Risikoabwägung. Für Abiturienten öffnet sich hier ein breites und abwechslungsreiches Arbeitsfeld.

Zwei Geschäftsmänner begrüßen sich in einem Hochhaus.

Banken und Versicherungen haben viel mit Finanzdienstleistung und Kundenberatung zu tun.

Foto: Getty Images

Christina Kubitza (20) arbeitet sich gerade in ihr neues Spezialgebiet ein: Die ausgelernte Bankkauffrau sitzt seit Kurzem in der Kreditabteilung der ING-DiBa in Frankfurt am Main und bearbeitet laufende Anträge. Sie prüft etwa Einkommensnachweise und Schufa-Daten, die etwas über die Kreditwürdigkeit von Kunden aussagen.

Foto von Christina Kubitza. Sie hat lange blonde Haare, Sommersprossen, trägt eine helle Bluse und eine Perlenkette.

Christina Kubitza

Foto: Privat

Denn bei der Entscheidung, ob der gewünschte Kreditrahmen bewilligt werden kann, muss sie klare Vorgaben beachten. „Wir prüfen auch, wie bereits bestehende Konten geführt werden und ob eine Lohn- oder Gehaltspfändung vorliegt.“ Kontakt zu den Kunden hat sie selten, dafür gibt es die Abteilung Kundendialog. „Aber wenn sich ein Anliegen nicht über die Hotline klären lässt, werden wir als Fachabteilung eingeschaltet.“ Ihre Ausbildung bei der Direktbank, die im Gegensatz zu Filialbanken keine örtlichen Niederlassungen hat, konnte Christina Kubitza aufgrund ihrer Fachhochschulreife auf zwei Jahre verkürzen. Seit Juli 2010 ist die 20-Jährige fertig. Fest steht, dass sie sich auf jeden Fall noch weiterbilden und vielleicht Betriebswirtschaft studieren möchte.

Vielseitig einsetzbar

„Die Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau ist nach wie vor ein Dauerbrenner“, weiß Christiane-Sabine Musall von der Arbeitsagentur Hamburg. Bankkaufleute können in verschiedenen Abteilungen von Kreditinstituten eingesetzt werden: Sachbearbeitung, Kundenberatung, Kredit oder auch Vertrieb, Marketing, Rechnungs- und Personalwesen. Sie können sich auf bestimmte Bereiche spezialisieren, unter anderem auf die Kreditvergabe, das Wertpapier- oder das Immobiliengeschäft. Durch Weiterbildungen – wie etwa zum/zur Bankfachwirt/in – können sie zum Beispiel auch in Bereichen wie Produktentwicklung, Risikoanalyse oder Revision, also der Prüfung des Rechnungswesens, tätig werden. Außerdem stehen ihnen mit entsprechender Weiterqualifizierung auch Führungspositionen wie etwa die Leitung einer Filiale offen. Solche Weiterbildungen werden oft berufsbegleitend angeboten und meist vom Arbeitgeber finanziert, da gerade Banken ihren Führungsnachwuchs gerne aus den eigenen Reihen rekrutieren.

„Ebenfalls gefragt ist der neu strukturierte Ausbildungsberuf Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“, sagt die Berufsberaterin. Dieser Beruf hat 2006 die Versicherungskaufleute abgelöst hat und wird – je nach Schwerpunkt Versicherung oder Finanzberatung – sowohl bei Banken als auch bei Versicherungen ausgebildet. „Insgesamt bieten beide Branchen sehr gute Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten“, sagt die Berufsberaterin. „Vor allem Bewerber mit Hochschulreife haben gute Chancen, weil die Anforderungen in diesen Berufen sehr hoch gesteckt werden.“ Inzwischen ist auch das duale Studium zu einer festen Größe bei Banken und Versicherungen geworden: Die Teilnehmer kombinieren eine Berufsausbildung mit einem Studium und erwerben so parallel einen akademischem Abschluss, überwiegend in Betriebswirtschaftslehre. „Diese Option ist bei Abiturienten sehr begehrt, da sie bessere und schnellere Aufstiegschancen ermöglicht“, weiß Christiane-Sabine Musall.

Nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler

„Um bei Kreditinstituten oder in Versicherungsunternehmen einzusteigen, ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, etwa mit einem Schwerpunkt auf Finanzen oder Versicherung, eine sehr gute Grundlage“, sagt Christiane-Sabine Musall. Aber auch Quereinsteiger haben nach Ansicht der Berufsberaterin gute Chancen, „wenn sie während des Studiums den Bezug zur Praxis herstellen und zielgerichtet längere Praktika in Unternehmen beider Branchen absolvieren.“ So könnten Juristen, Informatiker oder sogar Geisteswissenschaftler bei einer Bank oder Versicherung Fuß fassen.

Foto von Christine-Sabine Musall. Sie hat kurze dunkelrote Haare und trägt einen Nadelstreifenblazer über der weinroten Bluse.

Christiane-Sabine Musall

Foto: Privat

Einige staatliche Hochschulen bieten auch spezielle, zum Teil duale Bachelorstudiengänge an, die gezielt auf eine spätere Tätigkeit im Bank- oder Versicherungsgewerbe angelegt sind: Unter anderem Versicherungswirtschaft an der Hochschule Coburg und an der FH Dortmund, „Wirtschaftsmathematik/Aktuarwissenschaften“ an der Hochschule Rosenheim oder „Finanzen und Versicherung, Schwerpunkt Recht“ an der Uni Hamburg. Neben einem erfolgreich abgeschlossenen Studium und entsprechendem Branchenwissen zählen im Berufsleben Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Ziel- und Ergebnisorientierung oder auch Belastbarkeit. Gerade wer aufsteigen will, sollte zudem flexibel und mobil sein.

Sowohl Akademikern als auch Fachkräften mit Berufsausbildung stehen bei Banken und Versicherungen viele Aufgabenfelder offen. Bei Versicherungen etwa arbeiten Kaufleute für Versicherungen und Finanzen, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker, Wirtschaftsmathematiker, Aktuare oder Underwriter in Abteilungen wie Schadensachbearbeitung, Produktentwicklung, Aktuariat, IT, Controlling, Vertrieb, Marketing oder Personal. Für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen zum Beispiel ist nicht nur eine Spezialisierung auf Versicherungssparten wie Lebens-, Unfall-, Kranken-, Haftpflicht-, Rechtschutz- oder Kraftfahrzeugversicherung möglich, sondern auch eine Weiterbildung, etwa zum/zur Fachwirt/in für Versicherungen und Finanzen oder zum/zur Fachberater/in für Finanzdienstleistungen.

Arbeitsmarktchancen wieder positiv

Rund 663.000 Beschäftigte waren 2009 im deutschen Bankgewerbe tätig, wie der Bundesverband deutscher Banken mitteilt. Für die deutsche Versicherungswirtschaft weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Jahr 2009 etwa 300.000 Beschäftigte aus.

Insgesamt stehen die Arbeitsmarktchancen für Finanz- und Versicherungsexperten nicht schlecht. „Im Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise scheint der Beratungs- und Informationsbedarf in Bezug auf Bank- und Versicherungsdienstleistungen gewachsen zu sein“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Finanz- und Versicherungsgewerbe wieder gestiegen – zum ersten Mal seit 2002. Auch für 2010 zieht Ralf Beckmann eine positive Bilanz: „Die Nachfrage nach Mitarbeitern nimmt derzeit wieder deutlich zu. Alles in allem bieten sich also gute Beschäftigungschancen für qualifizierte Fachkräfte.“

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