Wegweiser für Erfinder
Andreas Spinrath (29) ist seit Ende 2008 Patentscout an der Universität Bonn. Der Diplom-Biologe sucht erfolgversprechende Erfindungen und hilft den Wissenschaftlern bei der Patentanmeldung.
Andreas Spinrath sucht Erfindungen und hilft deren Erfinder bei der Patentanmeldung.
Foto: Privat
„Ich bin so eine Art Schnittstelle zwischen den Wissenschaftlern im Labor und den Verwaltungen der Forschungseinrichtungen, die für Patente zuständig sind“, erklärt der gebürtige Mönchengladbacher. Derzeit sind in Nordrhein-Westfalen knapp 20 Akademiker als Patentscouts tätig. Seit Ende 2008 läuft dort ein zweijähriges Programm des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums, dessen Ziel es ist, die Zahl der Patentanmeldungen zu erhöhen. Vielen deutschen Wissenschaftlern war es bisher wichtiger, die Ergebnisse in Fachzeitschriften zu publizieren. Sie verzichteten auf die Patentanmeldung und somit auf die Einnahmen, die die Hochschule und der Wissenschaftler dadurch erzielen können.
Andreas Spinrath arbeitet hauptsächlich an der Patentanmeldung im Bereich Lebenswissenschaften. Mitbetreut hat der Biologe beispielsweise ein bildgebendes Verfahren, das einen Kernspintomograph mit Ultraschall kombiniert, so dass bösartiges Gewebe in der Brust erkannt werden kann. Möchte ein Unternehmen das patentierte Verfahren in einem seiner Apparate einbauen, muss es eine Lizenzgebühr an die Universität bezahlen.
Der Diplom-Biologe wollte nach seinem Studium eigentlich eine Ausbildung zum Patentanwalt absolvieren. „Ohne Doktortitel war das als Biologe aber etwas schwierig“, erklärt der 29-Jährige. Als 2008 die Stelle eines Patentscouts in Bonn mit 19 Wochenstunden ausgeschrieben wurde, packte er die Gelegenheit beim Schopfe. Er kann jetzt an seiner Promotion arbeiten, Geld verdienen und praktische Erfahrung sammeln. Die Verantwortlichen seien ihrerseits froh gewesen, so schnell einen geeigneten Wissenschaftler zu finden, der bereits über Vorkenntnisse im Patentwesen verfügte. Andreas Spinrath hat nach dem Abschluss seines Diplomstudiums an der Universität Düsseldorf im Jahr 2006 nämlich ein dreimonatiges Praktikum in der Patentabteilung der QIAGEN GmbH in Hilden, einem Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für die molekulare Diagnostik, akademische Forschung und die pharmazeutische Industrie, absolviert.
Aufwändige Datenbank-Recherchen
Bevor die Uni Bonn ein Patent beantragen kann, muss er recherchieren: „Ich suche in den öffentlichen Datenbanken des Europäischen Patentamts (EPA) und des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) nach bestimmten Begriffen, die die Erfindung beschreiben“. Durch die zunehmende Verfeinerung der Suche sollten am Ende möglichst wenige Dokumente übrig bleiben, die sich in irgendeiner Weise mit den Forschungsergebnissen beschäftigen. „Die sehe ich mir dann genauer an: Ist darin das beschrieben, was der Wissenschaftler erfunden hat? Im Idealfall noch nicht, denn dann kann man eine Patentmeldung beantragen“, erklärt der Patentscout.
Will die Universität das Patent anmelden, übernimmt sie die anfallenden Kosten. Von den später erzielten Bruttoeinnahmen aus seiner Erfindung erhält der Wissenschaftler 30 Prozent, der Rest geht an die Universität.
Fortbildung und Erfahrungsaustausch
Neben der Recherche als Dienstleistung hält Andreas Spinrath auch Recherche-Workshops und Infoveranstaltungen, bei denen er die Wissenschaftler über den gewerblichen Rechtsschutz aufklärt. Die meisten Forscher denken nämlich gar nicht an eine kommerzielle Vermarktung ihrer Erfindung, bei ihnen steht die Publizierung in einem Wissenschaftsmagazin an erster Stelle. Aber wird die Idee veröffentlicht, kann sie nicht mehr patentiert werden. Und nur wenn man eine Idee patentieren lässt, kann man damit Geld verdienen. Das und den langwierigen Prozess der Patentanmeldung, der Jahre dauern kann, erklärt Andreas Spinrath anderen Wissenschaftlern.
Andreas Spinrath hat sich dieses Wissen bei einem für Patentscouts verbindlichen Einführungsseminar bei PROvendis, der Patentverwertungsagentur der nordrhein-westfälischen Hochschulen, erworben. „Auch wenn im Alltag Fragen auftauchen, kann ich mich jederzeit an PROvendis wenden.“ Regelmäßige Erfahrungsaustausche mit anderen Patentscouts runden dieses Angebot ab. Zusätzlich hat sich Andreas Spinrath an der Fernuni Hagen in einem zweisemestrigen Akademiestudiengang über gewerblichen Rechtsschutz zum Patent-Referenten fortgebildet. Denn dem Thema Patente will er sich auch in Zukunft verschreiben, sei es als Scout oder als Patentanwalt. „Man ist nach dem Erfinder der erste, der von einer Innovation etwas erfährt, ist also direkt am Puls der Zeit“, schwärmt er. „Außerdem bleibe ich über mein eigenes begrenztes Studienfeld hinaus fit und kann das breite Wissen, das ich mir während meines Studiums angeeignet habe, weiter anwenden“, erklärt der 29-Jährige.




