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Ingenieur der Verfahrenstechnik

Experte für Nachhaltigkeit

Rüdiger John (40) hat seinen Platz in der freien Wirtschaft gefunden. Als selbstständiger Ingenieur der Verfahrenstechnik berät der Leiter der Kölner Geschäftsstelle des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) große Unternehmen.

Ein Rapsfeld mit Windrädern im Hintergrund.

Die Erneuerbaren Energien befinden sich seit Jahren auf Wachstumskurs.

Foto: Lander

Ingenieure der Verfahrenstechnik entwickeln, realisieren und betreiben Prozesse, in denen Produkte aus Rohstoffen gefertigt werden. Sie bauen und optimieren zu diesem Zweck Anlagen. Rüdiger John hat so erkannt, wo sein Know-how langfristig gefragt ist. „Wir leben in einer dynamischen Zeit“, sagt der Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik. „Für Unternehmen der Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie wird es immer schwieriger, auf Marktveränderungen, technische Innovationen und Gesetzesnovellen zu reagieren. Das erfordert zunehmend strategische und ganzheitlich umsetzbare Lösungen – vor allem zum Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf Rohstoffe und Energie.“ Mit seiner Firma JEC John Engineering & Consulting unterstützt er andere Unternehmen durch die Optimierung biotechnischer oder chemischer Anlagen.

Beratung und Umsetzung

Passfoto von Rüdiger John.

Rüdiger John

Foto: Privat

Wie können wir die vorhandene Technik reduzieren? Wo liegen Energiesparpotenziale? Wodurch lässt sich die Effektivität der Anlagen steigern? Fragen wie diese sollen gelöst werden, wenn Rüdiger John sich mit den Betriebsverantwortlichen zusammensetzt. Er nennt ein Beispiel: „Seit August 2009 berate ich einen großen Lebensmittelhersteller, der schon viele Maßnahmen zum Thema Energieeffizienz ergriffen hat und sein Wissen mit externer Unterstützung ergänzt.“ Seine Aufgabe ist nun, zu zeigen, was man vielleicht noch verbessern könnte. „Bei der Stickstofferzeugung verwendet der Betrieb ein spezielles Filtersystem, wodurch Gas mit erhöhtem Sauerstoffgehalt wieder ausgeblasen wird. Meine Idee war nun, die örtliche Nähe zum Kesselhaus zu nutzen und dieses sauerstoffreiche Gas mit in die Verbrennungsluft einzubringen. Dadurch wird der Verbrauch von Erdgas reduziert.“ Der Vorschlag soll voraussichtlich noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

„Wer wirklich etwas erreichen will, findet einen Weg“, weiß Rüdiger John aus persönlicher Erfahrung. Seinen akademischen Abschluss hat er sich von Grund auf erarbeitet. Nach dem Hauptschulabschluss entschied er sich zunächst für eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter bei der Hüls AG. „Schon damals hat mich das Thema sehr interessiert. Ich habe die Anlagen bedient und gedacht: Die Armaturen auf- und zudrehen, das kann es doch nicht gewesen sein.“ Über den zweiten Bildungsweg holte er das Fachabitur mit dem Schwerpunkt Chemie nach, anschließend schrieb er sich an der Fachhochschule Köln ein. Weil seine Erstausbildung anerkannt wurde, musste er zu Beginn des Studiums kein Grundpraktikum absolvieren. „Fähigkeiten wie Schleifen, Sägen, Bohren und Feilen hatte ich ja längst. Im Hauptstudium war aber noch ein Praxissemester Pflicht, das konnte ich in meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb absolvieren. Das war eine gute Gelegenheit, den Betrieb auch von einer anderen Seite kennen zu lernen.“

Werdegang ein entscheidender Vorteil

1995 hielt Rüdiger John schließlich sein Diplom der Anlagen- und Verfahrenstechnik in den Händen. „Dann war es mir erst einmal wichtig, Berufserfahrung als Ingenieur zu sammeln. Allerdings war es damals sehr eng auf dem Stellenmarkt“, sagt er. Er schrieb zahlreiche Bewerbungen, fuhr für Vorstellungsgespräche bis in die Schweiz und besuchte die Umweltmesse in Köln. Schließlich kam der erste Erfolg: Rüdiger John fand eine Anstellung bei einem Ingenieurdienstleister und fasste Fuß in der Projektabwicklung für verschiedene Kunden.

Im Jahr 2003 machte er sich selbständig, da dies schon immer sein Traum gewesen war. Er engagiert sich außerdem ehrenamtlich im Verein Deutscher Ingenieure (VDI), lädt als Arbeitskreisleiter für die Bereiche Umwelt- und Verfahrenstechnik sowie Biotechnologie zu Veranstaltungen ein und betreut als Geschäftsführer halbtags die Kölner Geschäftsstelle. „Auf diese leitende Funktion hat mich das St. Galler Managementseminar für Klein- und Mittelunternehmen vorbereitet, das ich zusätzlich absolviert habe.“ Sein Werdegang vom Azubi bis zu einer Führungsrolle brachte Rüdiger John einen entscheidenden Vorteil. „Ich kenne die Denkweise auch von der Prozessseite her, weiß zum Beispiel, wo sich Schadstoffe am ehesten vermeiden lassen, damit ein Umwelttechniker sich gar nicht erst um die Beseitigung kümmern muss.“

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