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Forstingenieurin

Bürgernähe vor dem Hochsitz

Ihr Revier ist der Erfurter Stadtwald: Uta Krispin (42) arbeitet als Forstingenieurin im öffentlichen Dienst. Damit ist sie auch eine fachkundige Ansprechpartnerin für die Presse und klärt die Bevölkerung über die Bedeutung der Forstwirtschaft auf.

Auf dem Bild ist ein Waldweg zu sehen.

."Wer Forstingenieur werden will, sollte sich vor dem Studium schon eine Weile im Wald aufgehalten haben, und zwar nicht nur zum Spazierengehen.", findet Uta Krispin.

Foto: Deco/WillmyCC

Jogger drehen ihre Runden, Familien gehen Kastanien sammeln, Verliebte spazieren auf lauschigen Pfaden … Die Erfurter lieben ihren „Steiger“, das Waldgebiet im Südwesten der Stadt. Zugleich aber ist das Gebiet ein ausgewiesener Nutzwald, das macht die Aufgaben von Uta Krispin zu besonderen Herausforderungen. „Nicht immer lassen sich Forstwirtschaft und stark besuchte Wälder auf optimale Weise vereinen. Manche Erholungssuchende fühlen sich beeinträchtigt und beschweren sich, wenn es zum Beispiel etwas wüst aussieht wegen eines Holzeinschlages, der gerade erfolgt ist“, sagt die Revierförsterin, die seit fünf Jahren den Wald im Landschaftsschutzgebiet betreut. Da ist gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Besänftigung gefragt.

Ansprechpartnerin für Waldfragen

Auf Führungen und Exkursionen informiert Uta Krispin über ihre Forsteinsätze und die Tätigkeiten der Waldarbeiter. „Ich erkläre zum Beispiel, dass wir auch gesunde Bäume fällen müssen, weil nur daraus hochwertiges Holz gewonnen werden kann, das wiederum für den Möbelbau erforderlich ist. Oder dass wir nicht nur die kranken Tiere, sondern wegen der Bestandspflege auch gesunde Rehe schießen.“ Zusammen mit ihren Kollegen ist die Forstingenieurin dafür verantwortlich, dass sämtliche Forstbetriebsmaßnahmen laufen. Sie ist auf den Staatswaldflächen für die Jagd zuständig, verteilt Aufgaben an die Waldarbeiter und sorgt für einen möglichst effektiven Einsatz technischer Mittel, etwa bei Pflegeeingriffen wie Durchforstungen. Dabei muss sie gut und eigenständig organisieren können. „Flexibilität und Mobilität sind Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Man bewegt sich in einem großen Territorium und muss schnell zu verschiedenen Einsatzplätzen kommen können.“ Anders, als viele Außenstehende vermuten, muss sie auch Kontaktfreudigkeit und Kompetenz im Umgang mit Menschen beweisen. „Die Vorstellung vom verschrobenen Förster, der allein durch den Wald streift, ist ein Klischee“, schmunzelt Uta Krispin. „Auch in der Forstwirtschaft ist der Kontakt zur Klientel entscheidend.“ Sie kommuniziert mit Landwirten, Waldbesitzern und Behörden, das erfordert auch regelmäßige Bürotätigkeiten. Jeden Dienstag steht sie zudem in der Sprechzeit von 14:30 bis 17 Uhr für Anfragen der Bevölkerung zur Verfügung.

Neben kommunalen Waldbeständen betreut Uta Krispin auch private Nutzflächen. „Für deren Besitzer wirtschaften wir als Dienstleister. Teilweise machen auch Gesetze unsere Einsätze erforderlich, etwa wenn wir als Träger öffentlicher Belange in Planungsverfahren Stellungnahmen abgeben, zum Beispiel bei Bebauungen oder bei Straßen und Bahntrassen.“ Deshalb muss sie sich auch gut mit den juristischen Hintergründen auskennen, immer auf dem Laufenden bleiben und auf ein umfassendes Fachwissen zugreifen können. Die Grundlagen dafür erwarb sich die Diplom-Ingenieurin während ihres Studiums der Forstwirtschaft in Schwarzburg/Thüringen, das sie im Jahr 1992 abschloss. Vor ihrer akademischen Laufbahn aber schuf sie eine solide Basis mit hohem Praxisbezug. „Ich habe erst eine Ausbildung zur Forstwirtin gemacht, der Beruf hieß damals bei uns Forstfacharbeiterin. Dann habe ich zweieinhalb Jahre Berufserfahrung gesammelt.“

Die Berufsausbildung sei in der DDR eine Voraussetzung für die Zulassung zum Ingenieurstudium gewesen. Heutzutage ist eine Ausbildung keine Voraussetzung mehr, aber viele Hochschulen verlangen beispielsweise Vorpraktika. Uta Krispin sieht die Praxiserfahrung rückblickend als große Bereicherung. Wer direkt vom Abitur komme, habe noch zu wenig Bezug zu der Materie. „Ich würde auch heute jedem angehenden Förster zu einer Erstausbildung raten. Man sollte sich vor dem Studium schon eine Weile im Wald aufgehalten haben, und zwar nicht nur zum Spazierengehen.“

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