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Sozialwissenschaftler

Vom Studenten zum Geschäftsführer

Kurz vor dem Vordiplom stürzte er in eine Sinnkrise. Was zum Teufel würde er mit dem Wissen anfangen, das er sich in seinem Sowi-Studium aneignete, fragte sich Kamuran Sezer (31). Zum Glück hielt er doch durch. Inzwischen hat er sich mit dem futureorg Institut in Dortmund selbstständig gemacht.

Kamuran Sezer bei einer Veranstaltung.

Kamuran Sezer (Mitte) hat sich nach seinem Studium mit dem futureorg Institut selbstständig gemacht.

Foto: Privat

„Es war in einem Seminar zur Geschlechterforschung“, erinnert sich der 31-Jährige, „als mich plötzlich die Verzweiflung packte. Ich war überzeugt, niemals einen Job zu bekommen. Was würde mein Wissen zur Gender-Problematik einem späteren Arbeitgeber nützen? Nichts!“

Dass dem nicht so war, sollte Kamuran Sezer erst im letzten Moment erkennen. Er hatte sich schon so gut wie entschieden für den Wechsel zu BWL und Informatik, als er auf die Organisationssoziologie stieß. „Plötzlich war mir klar, es gibt in der Soziologie sehr wohl wichtige Themen und Instrumente, die man in der Praxis anwenden kann“, erklärt er.

Das Problem, wie die Organisation eines Unternehmens in Hinblick auf Wissens- und Personalmanagement, Workflows und Technik so verbessert werden kann, dass es effizienter arbeitet, löste er theoretisch an der Uni – und während eines Praktikums im Rechnungswesen bei ThyssenKrupp dann auch so erfolgreich in der Praxis, dass man ihm am Ende 2.000 Mark Bonus zahlte.

Zum ersten Mal hatte der Student erfahren: Soziologische Kompetenzen rentieren sich. „Mein Studium hatte mich in die Lage versetzt, das Problem der Abteilung zu erkennen, ohne irgendetwas von Rechnungswesen zu verstehen, es zu analysieren und eine Lösungsstrategie zu entwickeln.“

Probleme bei der Jobsuche

Auch in der studentischen Unternehmensberatung, für die Kamuran Sezer mehrere Jahre arbeitete, interessierte ihn wieder besonders die Unternehmensentwicklung.

Trotz guter Zeugnisse und hervorragender Referenzen tat sich der Soziologe nach der Uni aber schwer damit, einen Job zu finden. Auf 160 Bewerbungen kam nur eine einzige Einladung. Davon ließ sich Kamuran Sezer aber nicht beirren. Er vertraute seinem Wissen und seinem Handwerk genug, um sich gleich nach dem Abschluss 2006 mit dem „futureorg Institut für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung“ selbstständig zu machen. Das erste Projekt des Instituts: eine Studie, in deren Rahmen türkischstämmige Akademiker über ihre Bildung, Ausbildung, familiäre Unterstützung und über ihre beruflichen Ziele befragt wurden. Da im Ergebnis der Großteil der Befragten in das Land der Eltern oder Großeltern zurück wollte, hat sich der Sozialwissenschaftler weiter mit dem Thema „Migranten“ befasst. Er hält Vorträge und wird als Experte immer wieder von Politikern zu dem Thema befragt.

Inzwischen hat Institutsleiter Kamuran Sezer neun Mitarbeiter. Das Institut hat sich noch ein weiteres Standbein zugelegt: die Markt- und Zukunftsforschung. Für unterschiedliche Kunden werden Online- oder Telefonbefragungen durchgeführt. In die Trendanalyse werden auch gesellschaftliche Veränderungen wie Werte und Bedürfnisse von Menschen mit einbezogen, um Prognosen über künftige (Markt-)Entwicklungen machen zu können. Kamuran Sezers Pläne für die Zukunft? „Sehr schnell einen studentischen Mitarbeiter einstellen, weiter wachsen und vor allem in die Strategie-Beratung einsteigen.“

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