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Senior Research Specialist

Perspektive ohne Führungsverantwortung

Wie verkaufe ich mehr Schokolade? Wie verpacke ich mein Parfüm? Und mit welcher Strategie lassen sich meine Solaranlagen am sinnvollsten bewerben? Analytische Antworten auf solche Unternehmensfragen liefert Kerstin Eckstein. Die 39-Jährige arbeitet als Senior Research Specialist bei der Nürnberger GfK in der Marktforschung — und macht in ihrer Fachlaufbahn Karriere ohne Personalverantwortung.

Eine Frau sitzt vor einem Computerbildschirm und wertet Daten aus.

Research Spezialisten wie Kerstin Eckstein analysieren die Ergebnisse der GfK-Umfragen und finden so z.B. heraus, warum die Befragten zu einem bestimmten Produkt greifen.

Foto: WillmyCC

„Ich habe mich für eine Fachkarriere entschieden, weil ich gerne operativ arbeite“, erklärt Kerstin Eckstein. Das bedeutet: Die 39-Jährige wirkt in Projekten aktiv mit und erledigt anfallende Aufgaben gerne selbst, anstatt sie an Untergebene zu delegieren. Damit erfüllt die Diplom-Betriebswirtin eine wichtige Grundvoraussetzung für eine Fachlaufbahn, bei der qualifizierte Arbeitskräfte innerhalb ihres Spezialgebiets gut aufsteigen können, allerdings keine Personalführung übernehmen müssen. Schließlich ist nicht jeder zum Chef gemacht. Vor allem, wenn es darum geht, das Unternehmen nach außen zu vertreten, kritische Diskussionen mit Mitarbeitern zu führen oder gar Kündigungen auszusprechen. Die Möglichkeit zur Fachkarriere bezeichnet die 39-Jährige als „echte Perspektive für Menschen, die Entwicklungsmöglichkeiten suchen, jedoch an Führungsverantwortung nicht interessiert sind“.

Porträt-Foto von Kerstin Eckstein

Kerstin Eckstein

Foto: Privat

Statt sich mit Verwaltungsaufgaben herzumzuschlagen, liefert Kerstin Eckstein wertvolle Ergebnisse. In einem kleinen Team wertet sie als Senior Research Specialist gemeinsam mit drei Kollegen Marktforschungs-Befragungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg aus. Zuvor erstellt ein Projektteam gemeinsam mit dem Auftraggeber, beispielsweise eine Firma aus dem Bereich Lebensmittel oder Energie, einen Fragebogen. Mit diesem soll etwa ermittelt werden, aus welchen Gründen die Zielgruppe zu einem bestimmten Produkt greift oder welche Verpackung zum Kauf animiert. Dies herauszufinden ist eine Kernaufgabe der 39-Jährigen. Dazu analysiert sie die Ergebnisse der fertigen GfK-Umfragen, die in der Regel auf der Straße, am Telefon oder online erfolgen. „Wir müssen beispielsweise gewichten, welche Fragen und Antworten für die Ziele des Auftrag gebenden Unternehmens wichtiger sind. Zum Beispiel: Was führt dazu, dass eine Marke häufiger gekauft wird?“, erläutert Kerstin Eckstein. Dabei obliegt ihr auch die Entscheidung, welche statistischen Methoden sie für die Auswertung nutzt: „Das hängt unter anderem von der Fragestellung oder der Zahl der Befragten ab. Bei 200 verwenden wir ein anderes Tool als bei 20.“ Ihre Forschungsresultate leitet sie in Schriftform an das zuständige Projektteam weiter, das diese beim Kunden präsentiert und Handlungsempfehlungen ausspricht. So können unter anderem Entscheidungen über Marketingkampagnen getroffen werden.

Bei ihrer Tätigkeit schätzt die Marktforscherin besonders die flachen Hierarchien – keine Seltenheit in Unternehmen, die Fachkarrieren anbieten. „Wir können hier auf dem kurzen Dienstweg unkompliziert über fachliche Probleme diskutieren.“ Und diese effektiv lösen: Da Kerstin Eckstein relativ wenig Zeit für Organisatorisches aufwenden muss, kann sie sich auf ihr Fachgebiet der statistischen Analyse konzentrieren und ihr Know-how so ständig erweitern. Auch mit Hilfe von Workshops und Schulungen. Dazu gehört natürlich eine gehörige Portion Begeisterung für die jeweilige Thematik: „Wer eine Fachlaufbahn anstrebt, sollte viel Leidenschaft für sein Spezialgebiet mitbringen.“

Wenig Kundenkontakt und keine Personalverantwortung

Die wurde bei der Akademikerin bereits während des BWL-Studiums geweckt, als sie als studentische Aushilfe bei der GfK anheuerte. „Ich habe damals schnell gemerkt, dass ich Verwaltungsaufgaben lieber weniger machen möchte“, erinnert sie sich. Somit fiel die Entscheidung für eine Fachlaufbahn nach dem Diplom an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg im Jahr 2002 leicht. Kerstin Eckstein schlug ihren Weg als Specialist ein, die sich beim Marktforschungsunternehmen in erster Linie um die konkrete Auswertung von Studien kümmern. Typisches Merkmal: wenig externer Kundenkontakt. Anders ist das beim zweiten Zweig der GfK – den Consultants. Bei ihnen liegt der Fokus auf der Beratung und Präsentation von Studienergebnissen.

Für Kerstin Eckstein ist der Wechsel ins klassische Management zunächst keine Option. Schließlich konnte sie auch ohne Chefsessel die Karriereleiter hochklettern: Zunächst als Junior Research Specialist bei der GFK gestartet, durfte sie sich bereits nach zwei Jahren des Titels „Junior“ entledigen. Inzwischen prägt die Bezeichnung Senior Research Specialist die Visitenkarte der Nürnbergerin und verweist auf erweiterte Fachkenntnisse auf dem Gebiet der Marktforschung – und ein höheres Salär auf dem Gehaltszettel.

Mit ihrer Position hat die GfK-Expertin bereits die höchste Stelle innerhalb der Fachlaufbahn inne, mit der sie bislang sehr zufrieden ist. Und sollte die Betriebswirtin doch eine Stelle im Management anstreben, ist die Tür hierzu nicht verschlossen. „Die nächste Stufe wäre der Research Manager, bei dem sich die beiden Zweige Consultant und Specialist allerdings wieder vereinen. Das heißt, hier hätte ich auch mit Managementaufgaben zu tun.“

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