Bürojob mit Tiefgang
Am Schreibtisch behält sie den Welthandel im Blick: Als Schifffahrtskauffrau hat Christiane Becker (22) sich für die Fachrichtung Trampschifffahrt entschieden. Und kümmert sich nun um Fracht gen Afrika und innerhalb Europas.
Sie hat mit Kunden aus der ganzen Welt zu tun: Christiane Becker.
Foto: Privat
Ein Schülerpraktikum in der neunten Klasse war wegweisend. Christiane Becker schnupperte Betriebsluft bei einer Reederei in Leer. „Da wusste ich, dass ich Schifffahrtskauffrau werden wollte.“ Gleich nach dem Abitur schrieb sie Bewerbungen. Das zweite Vorstellungsgespräch brachte die Zusage von Beluga Shipping in Bremen.
Christiane Becker hat sich für die Fachrichtung Trampschifffahrt entschieden. Im Gegensatz zur Linienfahrt bedeutet das: Unregelmäßige Fahrtzeiten, weltweite Ziele und die verschiedensten Ladungen müssen kombiniert und aufeinander abgestimmt werden. „Dieser Bereich erfordert viel Spontaneität, aber dadurch wird die Arbeit nie eintönig. Es ist ein Job, der bestimmt noch nach 20 Jahren Spaß macht“, ist sich die 22-Jährige sicher.
Reisebuchung für Waren
Heute ist sie als Junior Chartering Broker Europe/Africa für die Befrachtung von Schiffen zuständig. Diese internationale Bezeichnung ist mit Schifffahrtskauffrau gleichzusetzen, definiert das Tätigkeitsfeld aber noch genauer. Der Unternehmensbereich „Chartering“ befasst sich mit Buchungen und Routenplanung, die Kollegen in der Abteilung „Operations“ kümmern sich dagegen um die Abwicklung der Reise.
Schiffe sind laufend auf allen Weltmeeren unterwegs, unabhängig davon, wie spät es gerade in Deutschland ist. Schnelles Urteilsvermögen, Organisationstalent und Flexibilität sind in diesem Beruf entscheidend. Die Projekt- und Schwergutladung setzt zudem besondere Planungen und Berechnungen voraus. „Jedes Schiff, das Ziele in Europa oder Afrika anläuft, wird von uns betreut und schnellstmöglich mit einer neuen, rentablen Ladung befrachtet“, erklärt Christiane Becker. Dabei hat sie vor allem mit Schiffsmaklern zu tun, die zwischen dem Kunden und der Reederei vermitteln.
Ihr Arbeitstag beginnt mit dem Durchsichten der E-Mail-Korrespondenz, gefolgt von einem großen Morgenmeeting mit allen Kollegen aus Chartering und Operations. So erfährt die Schifffahrtskauffrau, wie der Markt steht, welche Ladungen noch zu verschiffen sind und mit welchem Makler sie in Verbindung treten muss. Welche Häfen werden angelaufen? Genügt die Kapazität der Kräne? Dies sind tägliche Fragen, die es abzuklären gilt. Wenn Reederei und Kunde sich einig werden, kommt es zum Vertrag, und die Ladung kann auf den Weg gebracht werden. Schifffahrtskaufleute verbringen ihren Tag meist im Büro. Sie sind aber auch oft unterwegs: Präsenz auf internationalen Messen ist ein Muss. „Im Chartering sind Kundenkontakte das A und O. Deshalb haben wir auch die Möglichkeit, uns jederzeit Verladungen anzusehen“, sagt Christiane Becker.
Erweiterter Horizont
Der Berufseinstieg fiel Christiane Becker leicht. Sie konnte schon das letzte halbe Jahr ihrer Ausbildung in der Abteilung Befrachtung verbringen und sich das Basiswissen aneignen. Hinzu gekommen ist jedoch die Verantwortung. „Nun wird erwartet, dass wir auch schwierige Aufgaben und Probleme eigenständig lösen und bearbeiten können.“ Es gilt, ein Gefühl für den Markt zu entwickeln. Nur so lässt sich einschätzen, welche Ladungen wo gebraucht werden und wie lukrativ die Vertragsabschlüsse sind. Dabei musste sie fundierte Kenntnisse über ein besonderes Marktsegment erwerben: Beluga Shipping ist Weltmarktführer für Projekt- und Schwergutverschiffungen, organisiert also zum Beispiel Transporte von Windkraftanlagen, Fabrikteilen oder Anlagenkomponenten.
Christiane Becker wächst mit den Anforderungen. Die Kunden der Schifffahrtskaufleute verteilen sich über den gesamten Globus. Auch die Belegschaft kommt zu großen Teilen aus fremden Ländern. Geografisches Wissen und Englisch für die tägliche Konversation sind also ganz wichtig: „Das Kennenlernen anderer Kulturen erweitert den Horizont enorm und stärkt das Selbstvertrauen.“





