"Mit dem Sender verheiratet"
Auf eine feste Redakteursstelle hat Maurice Gully (33) eigentlich nie bewusst hingearbeitet. "Ich hätte auch als Freier gut über die Runden kommen können", ist er sich sicher. "Ich bin sehr gut vernetzt." Doch sein Volontariat beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) brachte ihm schließlich nicht nur zahlreiche Kontakte, sondern auch eine Festanstellung.
Maurice Gully (33): Außer für Comedy, Musik, Stars und Lifestyle ist er für alle Themenbereiche zuständig.
Quelle: WDR
Seit 2004 arbeitet der 33-Jährige beim öffentlich-rechtlichen WDR-Sender 1LIVE in Köln, der sich vor allem an junge Hörer richtet. Schon seit seinem Schulpraktikum als 14-Jähriger beim Lokalsender Radio Hagen stand für Maurice Gully fest, dass er zum Radio wollte. Der Weg zur festen Stelle führte für ihn über verschiedene freie Mitarbeiter-Jobs vor allem beim Radio, aber auch bei Zeitungen und beim Fernsehen, über ein schnell durchgezogenes Studium der Germanistik, Kultur- und Erziehungswissenschaften zum Volontariat. „Ich wollte das Volontariat unbedingt machen, um mir einige Optionen offen zu halten, und weil ich eine richtige Berufsausbildung absolvieren wollte“, sagt er. „Ich hätte auch gern Publizistik oder Journalistik studiert, aber da war der NC zu hoch.“ Während seines Volontariats beim WDR musste er dann verschiedene Stationen beim Radio und beim Fernsehen durchlaufen – von der Redaktion der „Lindenstraße“ über die „Sportschau“ und das Auslandsstudio Brüssel bis eben zu 1LIVE.
Das Programm gestalten
Dort ist er nun so genannter Redakteur vom Dienst, das heißt er ist verantwortlich für einen Großteil des 1LIVE-Tagesprogramms. Mit der Arbeit beginnt er im Grunde schon morgens kurz nach dem Aufstehen. In der Zeitung und im Internet informiert er sich zu Hause, was gerade Wichtiges in der Welt passiert und was seit dem Vortag neu hinzugekommen ist. Gegen 10 Uhr beginnt dann sein Dienst im Sender mit einer ersten Konferenz und geht bis 18.00 oder 18.30 Uhr. Dazwischen ist er als Redakteur vom Dienst vor allem damit beschäftigt, Themen zu suchen, Autoren einzukaufen und zu beauftragen und Herangehensweisen für Radiobeiträge abzusprechen. Außer für Comedy, Musik, Stars und Lifestyle ist er für alle Themenbereiche zuständig. „Man hat die Verantwortung für das Programm, kann gestalten und entscheiden“, sagt Maurice Gully. „Das mag ich an meinem Job!“
Als Redakteur zu arbeiten bedeutet aber auch viel Management und Schreibtischarbeit. „Es ist ein Nachteil, dass man weniger selbst machen kann und dass damit vieles in den Hintergrund tritt, was den Job eigentlich auch mit ausmacht – also Kontakt zu vielen, ganz unterschiedlichen Menschen zu haben, Missstände aufzuklären oder einfach nur zu unterhalten“, berichtet Maurice Gully. Doch er hat für sich eine ideale Mischung gefunden: Immer mal wieder nimmt er sich kurze Auszeiten von der Redakteurstätigkeit im Büro und taucht als Reporter ins Leben ab, um selbst herauszufinden, was draußen so los ist und den Menschen unter den Nägeln brennt. Meist recherchiert er dabei zu Themen aus der Region. Einmal flog er aber auch nach Ghana, um ein Entwicklungsprojekt vorzustellen. Oder nach Sydney zum Weltjugendtag.
Allerdings hat er mit dem festen Job in der Redaktion noch eine andere Verantwortung, auch nach Feierabend rotieren die Gedanken: Ob er am Tag, der hinter ihm liegt, alles richtig gemacht hat? Oder wie wohl der nächste Tag werden wird? „Als freier Journalist ist man in der Regel nur für sein Stück verantwortlich“, erklärt Maurice Gully. „Als Redakteur vom Dienst ist man hingegen dauerhaft mit dem Sender verheiratet.“




