Schnell und technikaffin
Jessica Quick (31) weiß, wie schwierig es für heutige Absolventen ist, den Einstieg in den Journalismus zu schaffen. Feste Stellen sind rar gesät. Sie selbst arbeitet nicht nur als Onlineredakteurin bei der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) in Halle, sondern bereitet als Dozentin auch Studierende auf ihren Berufseinstieg in den Onlinejournalismus vor.
Jessica Quick hat den Einstieg in den Onlinejournalismus geschafft.
Foto: Verena Hanreich
Manchmal muss man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, weiß Jessica Quick aus Erfahrung. So hängt ihr Einstieg als Onlineredakteurin bei der MZ mit ihrer aktiven Zeit als Basketballspielerin zusammen. Während sie an der Universität Halle Germanistik im Hauptfach und Sportwissenschaften sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften in den Nebenfächern studierte, erstellte sie in ihrer Freizeit eine Internetseite für ihre Basketballmannschaft und versorgte diese regelmäßig mit Inhalten: „Wie man eine Internetseite aufbaut, habe ich mir damals selbst beigebracht – einfach aus Interesse“, erzählt die 31-Jährige.
Wobei sie beteuert, dass sie zwar technikaffin sei, aber keine Programmiererin. Journalistin zu werden, war von Anfang an ihr Berufsziel: „Dabei hatte ich die Sportredaktion der Printausgabe vor Augen, in der ich bereits ein Praktikum absolviert hatte“, sagt sie. Dass es dann die Onlineredaktion wurde, verdankte sie einem Vorstandsmitglied aus dem Sportverein, der ihr den Tipp gab, dass die MZ plane, eine Onlineredaktion aufzubauen, und sie weiterempfahl.
Schnelligkeit ist gefragt
Jessica Quick stieg als Praktikantin ein und arbeitete zunächst an der Konzeption und den Aufbau der Sportseiten mit. Mittlerweile ist sie in allen Ressorts zuhause: „Vom Autounfall in der Region bis zum großen Boxkampf von Klitschko“, umreißt sie die Themen. Die Onlineredaktion befindet sich in einem großen Verlagsgebäude, im selben Flügel, in dem auch die Printredaktion untergebracht ist. Anders als in der Printausgabe kommt es in der Onlineredaktion noch mehr auf Schnelligkeit an: „Ich verfolge die Agenturmeldungen, habe unterschiedliche RSS-Feeds (= Nachrichtenticker) und Twitter-News (= Meldungen aus einem großen, öffentlich einsehbaren Internet-Netzwerk) im Blick und entscheide, was reinkommt“, sagt sie. Das Auswerten nehme dabei viel mehr Raum ein, als das Schreiben selbst. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus der Printredaktion wichtig: „Wenn etwas in der Region passiert, informieren uns die Kollegen sofort“, so Jessica Quick. Ein Vorteil im Onlinejournalismus ist, dass sie an den Klicks unmittelbar erkennen kann, welche Themen bei den Lesern besonders gut ankommen.
Das Redaktionsteam, das seit der Gründung stetig gewachsen ist, arbeitet im Schichtdienst. Über zehn Journalisten besetzen die Redaktion von halb acht morgens bis halb zwölf in der Nacht. Während im Printbereich der Einstieg mittlerweile problematisch geworden ist, sieht Jessica Quick im Onlinejournalismus noch gute Einstiegschancen, wobei auch hier praktische Erfahrungen unerlässlich sind, um überhaupt an ein Volontariat oder ein Praktikum zu kommen. Dass sie selbst nach wie vor halbtags arbeitet, hängt damit zusammen, dass sie zusätzlich als Dozentin an der Universität Halle im Masterstudiengang Onlinejournalismus tätig ist: „Zum einen macht mir die Arbeit mit den Studenten sehr viel Spaß, zum anderen ist es eine gute Ergänzung, da unser Verlag den Studiengang mitfinanziert und ich zwischen den beiden Seiten vermitteln kann“, erklärt sie. Hinzu kommt, dass sie durch ihre Lehrtätigkeit ein zweites berufliches Standbein hat und selbst flexibel bleibt.
Flexibel bei der Arbeitssuche
Ebenso wie sich Jessica Quick selbst vom ersten Semester an den Anforderungen des Arbeitsmarktes orientiert hat, bringt sie dies auch ihren Studierenden bei. Dazu gehört zum Beispiel, sich mit neuen Technologien im Bereich Onlinemedien vertraut zu machen: „Man muss nicht programmieren können, aber es ist wichtig zu wissen, welche Kommunikationsmöglichkeiten das Web 2.0 leisten kann, wie man sich mit einem RSS-Feed auf dem Laufenden hält oder welche Informationen Twitter bietet“, sagt sie. Außerdem schreiben ihre Studierenden nicht für den Papierkorb, sondern für ein Campus-Magazin, so dass sie bei ihrem Abschluss jede Menge Veröffentlichungen mitbringen. Trotzdem müssten auch diejenigen, die im Onlinejournalismus eine Stelle suchen, flexibel bleiben: „Nicht jeder kommt in einer Redaktion unter. Man muss etwa auch für PR-Agenturen und sonstige Öffentlichkeitsarbeit aufgeschlossen sein“, so ihr Rat.






