Moderner Informationsdienstleister
Claudius Herkt-Januschek (30) arbeitet als Bibliotheksfachreferent in Hamburg. Er versteht sich als Dienstleister seiner Kunden: "In welche Richtung wir unser Angebot weiterentwickeln, hängt davon ab, inwieweit es unseren Kunden nützt!"
"Ich muss keine Datenbanken programmieren können, aber es ist sehr wichtig zu verstehen, wie die Systematik funktioniert, wie eine Recherche aufgebaut ist und wie Suchschlüssel zusammenhängen", erklärt Claudius Herkt-Januschek.
Foto: Privat
Claudius Herkt-Januschek hat während der Arbeit selten ein Buch in der Hand und das, obwohl er Fachreferent – so bezeichnet man die Einstiegsposition als wissenschaftlicher Bibliothekar – an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg ist. „Dass Bibliothekare hinter Bücherbergen versinken, stimmt ganz und gar nicht. Im Zentrum unserer Arbeit stehen nicht die Bücher, sondern die Dienstleistungen, die wir unseren Kunden anbieten“, sagt der 30-Jährige. Zwar gehört die Entwicklung des Bestands für die Fachgebiete Mathematik, Informatik, Allgemeine Naturwissenschaft, Küsten- und Hochseefischerei, Land-, Forst- und Hauswirtschaft zu seinen zentralen Aufgaben, aber Erwerb, Auswahl und Katalogisierung sind EDV gesteuert und gehen weit über das Medium Buch hinaus. „Ich muss keine Datenbanken programmieren können, aber es ist sehr wichtig zu verstehen, wie die Systematik funktioniert, wie eine Recherche aufgebaut ist und wie Suchschlüssel zusammenhängen“, erklärt er.
Den Horizont erweitern
Wenn er nicht am Computer arbeitet, ist Claudius Herkt-Januschek in dem riesigen Gebäudekomplex unterwegs, gibt Fachführungen, erteilt Auskünfte oder weist Besucher in fachspezifische Datenbanken ein: „Dazu gehören spezielle bibliografische Datenbanken, aber auch Medien, in denen neue Titel besprochen oder Aufsätze rezensiert werden.“ Dabei gehe es nicht darum, einzelne Programme vorzustellen, sondern den Horizont der Studierenden, Wissenschaftler und sonstigen Kunden zu erweitern: „Wenn jemand recherchiert, kann zum Beispiel Wikipedia eine gute erste Anlaufstelle sein, aber wenn es um qualitätsgeprüfte Informationen geht, reicht googeln oft nicht aus.“ Dann sind Infos aus seriösen Quellen gefragt. Zudem sind längst nicht alle Datenbanken frei im Internet verfügbar. Universitätsbibliotheken erwerben für wichtige Datenbanken Lizenzen, so dass die Kunden diese über ihre Mitgliedschaft sowohl von Zuhause aus als auch im Lesesaal nutzen können.
Neben seinem tagtäglichen Geschäft stehen immer wieder Projektaufgaben an. Ein Beispiel: Im Lesesaal und in der Lehrbuchsammlung wurde Informatik bisher als Teilgebiet der Mathematik zugeordnet. Das soll sich nun ändern. Ziel ist es, die Informatik als eigenständiges Teilgebiet aufzubauen. Aber wie soll die neue Systematik aussehen und wie kann der Umzug von statten gehen, ohne dass der tägliche Betrieb gestört wird? Wie viel Personal ist nötig, um die betreffenden 800 Titel umzuräumen? Das sind Fragen, die Claudius Herkt-Januschek erst einmal klären muss.
Der Generalist
Allein die Vielzahl der Fachgebiete von Mathematik bis zur Hochseefischerei zeigt, dass er nicht in jedem Metier Spezialist sein kann: „Ich bin ein Generalist mit vielen Interessen, der die Fachgebiete einschließlich der Randgebiete mit den interdisziplinären Verzweigungen im Blick haben muss, ohne dabei fachlich in die Tiefe gehen zu müssen“, meint Claudius Herkt-Januschek. Da er mit den Wissenschaftlern auf Augenhöhe kommunizieren muss, ist ein Fachstudium aber unabdingbar. Er selbst hat an der Universität Hamburg Physik und Geschichte der Naturwissenschaften studiert. Ein bestimmtes Berufsbild hatte er zu Studienbeginn noch nicht vor Augen. Um Geld zu verdienen, aber auch aus Interesse, begann er während seines Studiums in einer Fachbibliothek der Universität zu arbeiten. Somit brachte er beste Voraussetzungen mit, als er sich nach seinem Abschluss zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Staats- und Universitätsbibliothek bewarb: „Dabei ging es um ein Projekt, das einen Nachlass zur Digitalisierung vorbereiten sollte“, erzählt er. „Das ist ein spannender Prozess, da es kaum Konzepte gibt, wie so ein Arbeitsablauf gestaltet werden kann.“ Auf weiten Strecken sei das Pionierarbeit gewesen. Entschlossen, diesen beruflichen Weg weiter zu verfolgen, nahm er im Herbst vergangenen Jahres das Fernstudium „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ an der Humboldt-Universität Berlin auf. „Das Studium ist eine Voraussetzung, um als Fachreferent arbeiten zu können“, erklärt er. Als dann ein paar Monate später seine heutige Position ausgeschrieben wurde, bewarb er sich – mit Erfolg!




