"Es reicht nicht, wenn ein Buch nur schön ist"
Bücher sind seine große Leidenschaft: Der Münchner Buchhändler Sebastian Siebler (34) leitet aktuell die Abteilung Kinder- und Jugendbuch, Kochbuch und Sachbuch von Hugendubel am Marienplatz, der größten von 54 Filialen des Buchhandelsriesen.
Buchhändler verkaufen nicht nur Bücher, sondern müssen auch den Umsatz im Blick und neue Entwicklungen auf dem Buchmarkt im Hinterkopf behalten.
Foto: Neuner
„Es war das beste Bewerbungsgespräch“, erinnert sich Sebastian Siebler. Dabei hatte er als Abiturient 1998 auch mit dem Lehramt für Grundschulen geliebäugelt und den Medienkaufmann Digital und Print in Betracht gezogen. Geklappt hat es mit dem Buchhandel und Sebastian Siebler begann in Pasing seine Lehre. In der übersichtlichen Hugendubel-Filiale war der Azubi sofort mittendrin. „Ich habe viel über die Kollegen mitbekommen“, sagt er. Angefangen bei den verschiedenen Themengebieten über Neuerscheinungen und die Präsentation im Laden bis hin zum Bestellwesen. Die Berufsschule fand im Blockunterricht statt. „Wir haben mit den Werbekaufleuten dort auch einmal ein Konzept zur Entwicklung einer Buchhandlung erstellt.“
Nach der Abschlussprüfung leistete Sebastian Siebler seinen Zivildienst und kehrte 2002 in die Filiale am Marienplatz zurück. Von dort aus hat er sich „hochgearbeitet“: vom Erdgeschoss in die Abteilung Taschenbuch und Belletristik, dann zum Fachbuch. Daneben betreute er die Auszubildenden – in Spitzenzeiten bis zu zehn bei Hugendubel am Marienplatz – und wechselte dann in den Wareneinkauf, wo er für den Einkauf und die Disposition von Novitäten zuständig war. Ab Januar 2008 leitete er die Abteilung Reise, Geschichte und Politik. 2011 stand ein erneuter Wechsel an. Seit Mai steht er der Abteilung Kinder- und Jugendliteratur, Kochbuch und Sachbuch vor. Wird ihm da nicht schwindelig? „Mir gefällt das gut, denn mir darf es nicht langweilig werden“, sagt Sebastian Siebler. Seit seinem erneuten Wechsel liest er wieder mehr – und erobert sich so die Kinder- und Jugendbücher. Als Abteilungsleiter koordiniert Sebastian Siebler mehr als ein Dutzend Mitarbeiter, er nimmt an vielen Besprechungen mit Marketing, Einkauf oder Filialleitung teil und spiegelt auch mal die Hauspolitik in seine Abteilung zurück. Nicht zuletzt ist er dafür verantwortlich, dass seine Etage gut aussieht und die Bücher ansprechend präsentiert werden. „Früher musste ein Buch nur schön sein. Heute muss ich auch schauen, dass ich es verkaufe“, sagt Sebastian Siebler mit Blick auf die in Sachen Werbung verwöhnte Kundschaft.
Nie an ein Studium gedacht
Die Dynamik und nötige Umstrukturierungen sind nicht immer einfach zu handhaben. Dennoch hat Sebastian Siebler nie an ein Studium gedacht. Seit fast zehn Jahren findet er seinen Weg in immer wieder neue Funktionen. „Ich bin hier groß geworden und noch mit Herzblut dabei“, bekennt er. Das ist auch daran zu erkennen, dass er weiterhin Kontakt zur Ausbildung hält. Seit fünf Jahren schon gehört er zum Prüfungsausschuss der IHK und nimmt die mündliche Prüfung der Buchhändler ab. Literaturkenntnisse, Präsentation, der Umgang mit Kunden und Betriebswirtschaft – all das gehört dazu.
„Privat lese ich querbeet“, sagt Sebastian Siebler. Sein Lieblingsbuch: „Picknick auf dem Eis“ von Andrej Kurkow. Ein arbeitsloser Kurzgeschichtenschreiber, von seiner Muse verlassen, lebt mit Pinguin Mischa zusammen und schreibt um beider Existenz. „Das ist so skurril, auch was sich daraus ergibt.“





