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Archäologe

Hüter der Vergangenheit

Sein Metier sind Überreste früherer Zeitalter: Nachdem Christian Later (34) viele Jahre an Grabungen beteiligt war, widmet sich der frisch promovierte Archäologe derzeit der Dokumentation und Inventarisierung so genannter "Bodendenkmäler".

Auf dem Foto ist Christian Later zu sehen, wie er ein großes Holzstück in beiden Händen hält. Er befindet sich in einem Erdloch, das Wasser steht kniehoch.

Spezialgebiet Bodendenkmäler: Christian Later arbeitet im Landesamt für Denkmalpflege.

Foto: Privat

Den klassischen Archäologen stellt man sich meist auf Feldern und Äckern vor, wie er dort nach Keramikscherben oder ähnlichem gräbt. Das kann eine typische Aufgabe dieses Berufs sein, muss aber nicht. Als Gebietsreferent im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), Dienststelle Regensburg, ist Christian Later zum Beispiel ausschließlich vom Schreibtisch aus tätig. „Ich sichte alle Infos und Dokumente zu archäologischen Funden und Ausgrabungen vor Ort, von Kartenmaterial aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu Luftbildern aus der jüngsten Zeit, werte sie aus und führe sie für eine umfassende und aktuelle bayerische Denkmalliste zusammen.“ Der Archäologe überträgt dabei die frühere Ausdehnung, beispielsweise eines Schlosses am Computer auf moderne digitale Flurkarten und arbeitet so auch der praktischen Denkmalpflege zu: „Weiß der Kollege, wo der Wassergraben des Schlosses verlief, sorgt er dafür, dass beim Verlegen eines neuen Kabels ein Archäologe anwesend ist. Schließlich sind dann entsprechende Funde zu erwarten.“

 

Bodendenkmal

Alle unbeweglichen und beweglichen Denkmäler, die sich entweder im Boden befinden oder befanden, werden als Bodendenkmäler bezeichnet. Das können beispielsweise Überreste von Befestigungsanlagen, Gräber- und Religionsbauten, Siedlungen, Grenzziehungen, Wirtschaftsbetrieben oder Verkehrswegen sein.

 

Die Arbeit an der Datenbank erledigt der Archäologe – inklusive der Literaturrecherche – in der Regel ebenfalls vom Schreibtisch aus im Amt in Regensburg. Das ist möglich, weil das Landesamt hervorragend ausgestattete Bibliotheken hat. Für Ortstermine fehlt Christian Later auch meist die Zeit. Dazu kommen weitere Aufgaben: Der Archäologe beantwortet beispielsweise Anfragen von Gemeinden, die einen Flächennutzungsplan, also den Bebauungsplan einer Gemeinde, aufstellen und wissen wollen, welche Bodendenkmäler sie gegebenenfalls berücksichtigen müssen. Und gelegentlich stehen bei ihm auch Sammler mit einem Schächtelchen unter dem Arm vor der Tür, die ihre Funde bestimmt haben möchten. „Für mich kann das dann bedeuten, dass ich ein neues Bodendenkmal in unsere Liste aufnehmen darf.“

Häufig später Berufseinstieg

Dass Christian Later mit 34 Jahren beim Landesamt für Denkmalpflege als „Gebietsreferent Niederbayern und Oberbayern Nord“ erstmals eine feste, wenn auch befristete, Anstellung hat, die auf die Krankheit eines Kollegen zurückzuführen ist. Wenn dieser wieder gesund ist, wird er am Münchener Hauptsitz seines Arbeitgebers erst einmal das wissenschaftliche Volontariat abschließen, das er im vergangenen August angefangen hatte. Eine Promotion war in der Ausschreibung ausdrücklich gefordert. „Ob Landesamt, Museum oder Universität – in der Archäologie ist es normal, dass man auch nach der Promotion nicht gleich die Festanstellung fürs Leben bekommt, sondern sich erst über Volontariate Berufserfahrung aneignen muss.“ Gerne würde der Archäologe dann weiter beim Landesamt für Denkmalpflege arbeiten.

Berufserfahrung hat Christian Later aber auch während des Studiums an der Ludwig-Maximilians-Universität München und bei privaten Grabungsfirmen gesammelt: „Ab dem dritten Semester habe ich regelmäßig an Ausgrabungen im Rahmen von Forschungsprojekten des Instituts für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie teilgenommen, später auch studentische Neulinge angeleitet. Zwei Sommer habe ich mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Schweiz ein frührömisches Militärlager prospektiert. Das heißt, wir sind dabei systematisch ein Gelände abgegangen und sammelten auf, was herumlag.“

Um Geld zu verdienen, arbeitete er außerdem als freiberuflicher Archäologe bei privaten Grabungsfirmen, nach dem Abschluss des Magister Artium (M.A.) auch als Grabungsleiter. In dieser Funktion führte Christian Later Projekte von der Organisation der Mitarbeiter über die Kommunikation mit Grundstückseigentümern bis hin zum Grabungsbericht selbständig durch.

Ganz oder gar nicht

Seit seiner Kindheit ist Christian Later von Burgen, Rittern und allgemein dem Mittelalter begeistert. Manchmal vermisst er allerdings die Grabungstätigkeit in seinem jetzigen Job, ist sich aber durchaus der Vorzüge seiner Arbeit bewusst: „Den großen Überblick über Fundlandschaften, den mir meine Tätigkeit erlaubt, finde ich aber ebenfalls sehr reizvoll.“ Und mit der Kernaufgabe des Landesamts für Denkmalpflege, möglichst viele Denkmäler für künftige Generationen zu erhalten, kann der 34-Jährige sich so gut identifizieren, dass er dort gern weiter beschäftigt bleiben möchte. Im Übrigen betont er: „Wenn man Archäologie ernsthaft betreiben möchte, muss man in diesem Fach vollkommen aufgehen können. Als Wissenschaftler möchte ich ja auch weiter Vorträge halten und Aufsätze schreiben – und das geht nun mal nicht während der regulären Arbeitszeit.“

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