Die moderne Historikerin
Kyriaki Doukelli (33) hat den Spagat zwischen geisteswissenschaftlichem Studium und Berufsleben gemeistert: Die promovierte Historikerin arbeitet heute als Arbeitsvermittlerin im Hochschulteam Mannheim.
Unterstützung bei der Stellensuche: Kyriaki Doukelli arbeitet als Arbeitsvermittlerin und hilft Akademikern dabei, einen Job zu finden.
Foto: Striegl
Griechenland und Bulgarien im 19. Jahrhundert: Wie haben sich Auseinandersetzungen auf politischer und diplomatischer Ebene auf das Alltagsleben von „Otto-Normal-Bürgern“ in beiden Ländern ausgewirkt? Dieser Frage ist die heute 33-jährige Kyriaki Doukelli in ihrer Promotion an der Universität Mannheim nachgegangen. „Mich hat interessiert, was der Streit, der auf einer institutionellen Ebene stattgefunden hat, für das tägliche Leben der makedonischen Bevölkerung bedeutet hat“, erklärt die Historikerin. Dieser Balkankonflikt war schon während ihres Geschichtsstudiums an den Universitäten in Athen und Mannheim ihr Schwerpunkt.
Vergangenheit und Gegenwart verbinden
Heute arbeitet sie in der Arbeitsagentur Mannheim als Arbeitsvermittlerin im Hochschulteam. Die Historikerin, die in der Vergangenheit forschte, und die Arbeitsvermittlerin, die in einer modernen Verwaltung Menschen im „Hier und Jetzt“ betreut – für Kyriaki Doukelli gibt es durchaus Parallelen. „Historikern wird oft unterstellt, dass sie in einem Elfenbeinturm leben. Wir tauchen im Studium in fachspezifische Themen ein, die oftmals zeitlich so weit zurückliegen, dass sie auf den ersten Blick nur schwer mit der Gegenwart in Verbindung zu bringen sind“, räumt sie ein. Dass sie jedoch als Historikerin keine berufsrelevanten Kompetenzen mitbringe, weist sie weit von sich: „Ein geisteswissenschaftliches Studium vermittelt auch sehr viel Allgemeinbildung, die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, auch im internationalen Kontext, sowie die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren“, zählt sie auf.
Die eigenen Fähigkeiten erkennen
Bereits während des Studiums war Kyriaki Doukelli klar, dass der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler schwierig ist, und dass das Fachwissen allein nicht reicht. Erste Berufserfahrung sammelte sie neben ihrem Studium als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Archiv der Universität. Dort lernte sie unter anderem, wie eine moderne Verwaltung funktioniert. Auch das Führen von Beratungsgesprächen war kein Neuland für sie. Während ihres Studiums engagierte sie sich ehrenamtlich in einem Mannheimer Projekt, das ehemaligen Strafgefangenen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft hilft: „Ich finde es wichtig, hilfsbereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu unterstützen“, meint sie. Dass sie sich nach ihrer Promotion auf die Stelle als Arbeitsvermittlerin bei der Arbeitsagentur bewarb, hing eng mit ihrem Ehrenamt zusammen: „Als ich auf Stellensuche war, wollte ich im öffentlichen Bereich arbeiten. Dabei war ich offen für Vieles“, erklärt sie.
Heute berät sie Akademiker über deren Chancen am Arbeitsmarkt und berufliche Alternativen, sie unterbreitet Vermittlungsvorschläge und unterstützt durch die Bewilligung besonderer Leistungen die Arbeitssuchenden. Neben einer Einarbeitung, bei der sie erfahrenen Kollegen bei Beratungsgesprächen über die Schulter schaute, nahm sie an mehreren Schulungen über Gesprächsführung, juristisches Fachwissen und Abläufe in der Arbeitsagentur teil.
Ihre eigene Laufbahn belegt, was sie heute vielen Akademikern, vor allem Geisteswissenschaftlern, in ihrer Beratung mit auf den Weg gibt: „Man muss das eigene Potenzial analysieren, seine Fähigkeiten erkennen und in den Bewerbungsunterlagen richtig darstellen. Selbstbewusstsein und Eigeninitiative zu entwickeln und sich über das Studium hinaus eigene Ressourcen zu erschließen, ist der erste Schritt", so ihr Rat.






