Den Arbeitsschwerpunkt gestalten
Von der Ausstellungsgestaltung bis zur Veröffentlichung von Fachpublikationen reichen die Aufgaben im Berufsalltag von Michael Höveler-Müller. Der 36-jährige Ägyptologe ist seit 2009 Kurator des Ägyptischen Museums in Bonn.
Ägyptologen können beispielsweise in Museen arbeiten. Andere Einsatzgebiete sind etwa Archive, Bibliotheken, Hörfunk und Fernsehen oder Fachredaktionen.
Foto: Deco
„Als Ägyptologe kann man seinen eigenen Schwerpunkt finden“, sagt der 36-Jährige, der sein Magisterstudium 2001 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn abgeschlossen hat. „Es ist möglich, sich auf die archäologischen oder denkmalpflegerischen Aspekte zu konzentrieren. Oder man kann sich zum Beispiel mit den verschiedenen Sprachstufen des Ägyptischen befassen, die vom Alt-, Mittel- und Neuägyptischen bis zum Koptischen reichen, und als Philologe arbeiten.“ Schon im ersten Semester seines Studiums hat sich Michael Höveler-Müller am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Kairo um einen Praktikumsplatz beworben. „Doch so einfach war das nicht. Mir wurde gesagt, ich solle erst mal in Deutschland Erfahrung mit Ausgrabungen sammeln“, erinnert er sich.
Das machte der Student in den Semesterferien und hatte Glück: Einige Semester später akzeptierte das DAI seine Bewerbung und er konnte bei Ausgrabungen in einem frühzeitlichen Königsfriedhof, rund 500 Kilometer südlich von Kairo entfernt, dabei sein. „Danach habe ich noch an zwei weiteren Ausgrabungen in Ägypten teilgenommen und somit einige Zeit im Land gelebt“, berichtet der gebürtige Solinger, der bereits mit acht Jahren den unumstößlichen Entschluss gefasst hatte, später einmal Ägyptologe zu werden.
Während seines Studiums hat Michael Höveler-Müller schon am Aufbau des Ägyptischen Museums in Bonn mitgearbeitet. Dennoch war der Berufseinstieg nicht leicht. „Das Problem ist, dass viele Stellen zeitlich befristet sind“, räumt er ein. Bevor er die Leitungsfunktion übernehmen konnte, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Projekt des Stadtarchivs Rheinbach sowie am Emslandmuseum Lingen. Außerdem hat er neben zahlreichen Fachpublikationen einen historischen Ägyptenroman veröffentlicht und an Ausstellungen, zum Beispiel über den Pharao Tutanchamun, mitgearbeitet.
Vielseitiger Berufsalltag
„Mein Arbeitsalltag ist vielschichtig“, sagt der Ägyptologe. „Morgens werfe ich oft zuerst einen Blick auf die Sammlung, in der sich einige sehr empfindliche Stücke befinden, darunter ein 4.000 Jahre altes Kleid.“ Gemeinsam mit Mitarbeitern organisiert er das Besucherprogramm und führt manchmal selbst Besucher durch die Sammlung. „Die Kultur des alten Ägyptens erklären wir anhand der drei zentralen Lebensräume: dem Haus, dem Tempel und dem Grab. Daran lassen sich die Bereiche Alltag, Religion und Totenkult für Laien gut verständlich machen.“ Zweimal im Jahr bereitet der Ägyptologe eine Sonderausstellung vor. „Man braucht Kreativität und Ideen. Die Ausstellung muss nicht nur konzipiert werden, oft gebe ich auch einen Katalog heraus, für den ich selbst Beiträge verfasse“, sagt der 36-Jährige. Nach dem Studium hat er eine Zusatzausbildung zum Fachreferenten für Museumsdokumentation und Kulturmanagement absolviert. Dabei hat er etwa gelernt, wie man Exponate fachgerecht versendet, wenn sie als Leihgabe anderen Museen zur Verfügung gestellt werden.
Auch die Bonner Sammlung hält bisweilen noch immer eine Überraschung bereit. „Vor zwei Jahren haben wir in einem verschlossenen Flakon eingetrocknete Überreste eines 3.500 Jahre alten Parfums entdeckt, nachdem wir ihn mit dem Computertomografen durchleuchten ließen. Über den Fund haben viele Medien berichtet“, erzählt der Museumskurator. Auch angesichts der aktuellen Ereignisse in Ägypten wird Michael Höveler-Müller derzeit häufiger von Journalisten kontaktiert. „Aufgrund der Demonstrationen in Kairo werde ich um eine Einschätzung zur Sicherheit der dortigen Kunstschätze gebeten.“





