Risiken objektiv einschätzen
Diplom-Betriebswirtin Nadine Rade arbeitet als Underwriter im Bereich Firmenkunden für eine große Versicherungsgruppe in Berlin. Eine ihrer Hauptaufgaben ist das Kalkulieren von Risiken. Als trockene Materie empfindet die 29-Jährige ihre Arbeit keineswegs, weil sie Einblick in viele verschiedene Branchen bekommt.
Nadine Rade arbeitet bei Zurich als Underwriter und bekommt so viele Einblicke in verschiedene Branchen.
Foto: Privat
„Ich habe mich nach dem Abitur für ein betriebswirtschaftliches Studium interessiert und bin dann auf den dualen Studiengang an der Fachhochschule für Wirtschaft gestoßen“, blickt die gebürtige Berlinerin auf ihre Berufswahl zurück. Also studierte Nadine Rade Betriebswirtschaftslehre im Fachbereich Versicherungswesen. Bei ihrem Ausbildungsunternehmen HDI sei sie dank ihres Studiums von Anfang an mehr als eine einfache Auszubildende gewesen, berichtet sie. „Ich war dadurch schon einen Schritt weiter und hatte mit meinem Diplom bessere Übernahmechancen.“
Aussicht auf Verantwortung
Diese Hoffnung war berechtigt: Bereits ein halbes Jahr vor dem Ende des Studiums – die Ausbildung fand abwechselnd je drei Monate in der Fachhochschule und im Betrieb statt – bekam sie die Zusage für eine Arbeitsstelle im Bereich Industrieversicherungen und konnte sich so nahtlos einarbeiten. 2008 wechselte Nadine Rade zur Versicherungsgruppe Zurich, wohin sie die Aussicht auf mehr Verantwortung im Underwriting lockte.
Underwriter beurteilen Versicherungsrisiken, kalkulieren daraus entsprechende Versicherungsprämien und erstellen Angebote. Außerdem zeichnen und verwalten sie Versicherungsverträge und gestalten Versicherungsprogramme. Zu den Aufgaben eines Underwriters gehört außerdem, neue Verkaufskonzepte zu entwickeln und bestehende zu optimieren. „Ich unterstütze vor allem unseren Vertrieb“, erzählt Nadine Rade. Regelmäßig besucht sie Industriekunden, um sich vor Ort ein Bild über die Produktionsabläufe, Umweltrisiken und Sicherheitsvorkehrungen zu machen.
„Anhand meiner Eindrücke und objektiver Merkmale, wie etwa der Größe eines Tanks für Gefahrstoffe, ermittle ich dann mit Hilfe von Tarifen die Prämie“, erklärt die Underwriterin. Ihr Arbeitsalltag spielt sich überwiegend im Büro ab, wo sie viele E-Mails schreibt und Telefongespräche führt, denn „die Versicherungsbranche ist ein sehr schnelles Business“. Mindestens ein bis zwei Mal im Monat fährt Nadine Rade zu ihren Kollegen in die Hamburger Geschäftsstelle ihres Arbeitgebers. Abgesehen von Web- und Telefonkonferenzen sei das nach wie vor der beste Weg, um sich über Neuerungen auszutauschen, ist sich die 29-Jährige sicher. Wie abwechslungsreich ihr Beruf ist, zeigt sich ebenfalls daran, dass auch Schulungen von Maklern und Mitarbeitern aus dem Vertrieb zu ihren Aufgaben gehören.
Schulungen und Geschäftsreisen
Den Wechsel zu ihrem heutigen Arbeitgeber habe sie nicht bereut. „Man kann sehr viel lernen“, erzählt sie, „vor allem reizte mich die Tatsache, dass Zurich hier in Berlin ein neues Underwriting-Zentrum gegründet hat.“ Es sei schön, am Aufbau neuer Strukturen mitwirken zu können und nicht als Neue in ein vielleicht seit Jahren zusammenarbeitendes Team zu stoßen. Zusätzliche Qualifikationen eignete sich Nadine Rade während eines Lehrgangs bei der Deutschen Versicherungsakademie an, der mit dem Zertifikat „Haftpflicht Underwriter (DVA)“ abschloss. „Ein Jahr lang, immer samstags“, erklärt sie, „das bringt schon sehr viel, weil es eine gute Mischung aus Theorie und Praxis war.“
Um erfolgreich als Underwriter zu arbeiten, erachtet die junge Frau ein gutes analytisches und wirtschaftliches Denkvermögen als wichtig: „Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wann etwas ökonomisch sinnvoll ist oder nicht – und natürlich mit Zahlen umgehen können.“ Zudem legen global agierende Unternehmen Wert auf gute Englischkenntnisse.
Ihr Job sei manchmal stressig, räumt Nadine Rade ein, „aber Zeitdruck hat man ja nicht nur in dieser Branche“. Als kräftezehrend empfindet sie auch die viele Zeit im Büro, „doch wenn ich dann wieder übers Land zu den unterschiedlichsten Industriebetrieben fahre, entschädigt das für vieles“.




