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Steuersündern auf der Spur

Finanzbeamtin Bettina Franz in ihrem Büro
Mal im Büro, mal unterwegs zu Betriebsprüfungen: Finanzbeamtin Bettina Franz (29) liebt ihren Job, weil er abwechslungsreich ist.
Foto: Privat

Finanzbeamtin

Steuersündern auf der Spur

Mit Laptop und Hosenanzug auf der Suche nach Steuerschuldnern: Finanzbeamtin Bettina Franz (29) prüft bei nordbayerischen Firmen, ob die Bilanzen stimmen. Ihr Urteil: ein spannender und abwechslungsreicher Job.

„Ich sehe mich am ehesten als Detektivin“, sagt die 29-Jährige. Mit Lupe und Pfeife ist sie dabei nicht unterwegs. Ihr Werkzeug: Ein Laptop, und ohne den verlässt sie das Amt nicht. In den Unternehmen spielt sie sich dann mit einer speziellen Buchhaltungssoftware die Jahresabschlüsse auf den Rechner und schaut sich die Buchungen an.

Interessante Details

 „Ich prüfe, ob alles korrekt verbucht ist und ob die Buchungen auch richtig beim Finanzamt angegeben worden sind“, sagt die Betriebsprüferin. Dabei achtet sie darauf, dass die aktuellen Gesetze korrekt angewandt werden. Im Gespräch mit den Firmenchefs klärt sie offene Fragen und sammelt weitere Informationen.  „Im persönlichen Gespräch erfahre ich häufig noch interessante Details“, sagt die Betriebsprüferin. Doch mehr zu wissen bedeutet nicht automatisch, dass die Steuerlast für die Betriebe höher wird. „Teilweise ergeben meine Prüfungen auch, dass die Firmen weniger Steuern zahlen müssen.“

Erhöht sich die Steuerschuld allerdings, kann es auch mal heiß hergehen. Denn: Es geht ums Geld. Das erfordert eine hohe Kommunikationskompetenz und Einfühlungsvermögen. „Ich bleibe sachlich und versuche Konflikte zu entschärfen“, sagt Bettina Franz. Das gelingt ihr in der Regel sehr gut. Das Rezept: „Auf die Menschen eingehen und gemeinsam eine Lösung finden.“ Heißt: Das Ergebnis der Betriebsprüferin wird mit der Geschäftsleitung besprochen. „Am Ende steht ein Kompromiss. Mal gebe ich nach und mal geht der Chef auf das Finanzamt zu.“ Auch bei der Wahl der Kleidung passt sie sich ihrem Gegenüber an. „Wenn ich eine Bank oder eine Versicherung prüfe, wähle ich einen Anzug. Wenn ich im Amt die Abschlussberichte schreibe, trage ich Jeans und Pullover.“

 Schwarzarbeit, Schwarzgeld: Betriebsprüfer beim Finanzamt suchen nach den verborgenen Millionen und sorgen so dafür, dass dem Staat die gesetzlich vorgeschriebenen Steuern zufließen. Seit vier Jahren führt Bettina Franz beim Finanzamt Nürnberg-Nord allerdings keine kompletten Betriebsprüfungen mehr durch, sondern ist als Fachprüferin für die betriebliche Altersvorsorge beim Bayerischen Landesamt für Steuern in Nürnberg tätig. „Jetzt werde ich von den Kollegen in der Betriebsprüfung hinzugezogen und gebeten, den Sonderbereich betriebliche Altersvorsorge zu prüfen.“ Hintergrund ist, dass Unternehmer Steuern sparen wollen, indem sie große Summen in die betriebliche Altersvorsorge schieben, da sie zurzeit steuerfrei sind. Was aber nicht heißt, dass die Arbeitnehmer auch wirklich das ganze Geld bekommen. Deshalb korrigiert sie – falls nötig - die Bilanzen.

Test bestanden

Der Fachprüfer ist eine Spezialsierung und somit auch ein Karriereschritt. Bettina Franz ist seit 2001 beim Finanzamt. Ihre Ausbildung hat sie in Amberg absolviert. In der zwölften Klasse hat die Oberpfälzerin den vorgeschriebenen Eignungstest absolviert. Als Wunschbereiche hat sie Finanzverwaltung und Innere Verwaltung angegeben. Den Test hat sie bestanden, erhielt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und dann das Angebot vom Amberger Finanzamt für das duale Studium für den gehobenen Dienst in der  Finanzverwaltung. Doch um das duale Studium beginnen zu können, müssen die Bewerber die allgemeine Hochschulreife beziehungsweise die Fachhochschulreife vorweisen können.

Das duale Studium dauert drei Jahre. Die Hälfte davon verbrachte sie an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Herrsching am Ammersee. Beim Amt hat sie alle Abteilungen durchlaufen, an der Hochschule Fächer wie Einkommenssteuer-, Umsatz- und Bilanzsteuerrecht. Auf dem Stundenplan standen aber auch Fächer wie Kommunikationstechniken und Rhetorik.

„Alles richtig gemacht“

Nach der Ausbildung war sie zuerst Beamtin auf Probe und dann folgte die Verbeamtung auf Lebenszeit.  Warum sie Finanzbeamtin werden wollte? „Ich war mir in der Schule schon sicher, dass ich etwas in diesem Bereich machen möchte. Die Alternative wäre ein BWL-Studium gewesen. Aber ich wollte ein Studium mit Praxisbezug und am liebsten auch schon Geld verdienen.“ Also alles richtig gemacht? „Ja, auf jeden Fall. Mein Job ist abwechslungsreich, ich habe mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und lerne Unternehmen kennen, die in ganz unterschiedlichen Branchen arbeiten.“

Verdienst

Das Einkommen von Beamten und Beamtinnen regelt das Bundesbesoldungsgesetz beziehungsweise die Landesbesoldungsgesetze. Beamten und Beamtinnen im gehobenen nichttechnischen Dienst wird als Eingangsamt die Besoldungsgruppe A 9 zugewiesen. Der Bruttogrundgehaltssatz nach der Bundesbesoldungsordnung beträgt in der Stufe 1 der Besoldungsgruppe A 9 € 2.261, in der Stufe 8 der Besoldungsgruppe A 13 € 4.485 im Monat. Die Grundgehaltssätze der Bundesländer orientieren sich an diesen Beträgen, können aber davon abweichen.

Quelle: Berufenet der Bundesagentur für Arbeit

abi>> 24.02.2012