Räumliche Fragestellungen digital lösen
Informationen über Städte, Denkmäler, Gewerbeflächen, Bauland oder Naturschutzgebiete abrufen: Geodatendienste machen's möglich. Der Geoinformatiker Johannes Föll (25) arbeitet beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL) am Aufbau des Geoportals Baden-Württemberg mit, das solche Informationen zentral bereitstellen soll.
Der Geoinformatiker Johannes Föll ist am Aufbau des Geoportals Baden-Württemberg beteiligt.
Foto: Privat
„Normalerweise liegen Geodaten getrennt bei verschiedenen Einrichtungen“, erklärt Johannes Föll. „Zum Beispiel gibt es bei Städten und Gemeinden Daten zu Bauplanung, Verkehrsnetz oder Denkmälern. Das baden-württembergische Umweltministerium hält etwa Daten zu Naturschutzgebieten oder Lärmbelastung bereit.“ Aufgabe des GDI-Kompetenzzentrums beim LGL in Stuttgart, dem der Geoinformatiker angehört, ist es, die Geodateninfrastruktur (GDI) des Bundeslandes aufzubauen, also ein Netzwerk zum Austausch von Geodaten. Künftig sollen nämlich solche Daten über entsprechende Geodatendienste zentral über ein Geoportal zugänglich gemacht werden. Der Zweck: „Verwaltungsbehörden, Wirtschaftsunternehmen oder auch Privatpersonen sollen für sie interessante Geodaten im Portal ganz einfach abrufen können. Für einen Betrieb, der sich ansiedeln will, können beispielsweise Daten zu kommunalen Bebauungsplänen interessant sein. Eine Stadt könnte etwa auf einfachem Weg Daten über das Abwassernetz der Nachbarkommune erhalten. Und Touristen können sich so über Wanderwege und Ausflugsziele informieren.“
Angezeigt werden die Geodaten der einzelnen Dienste über entsprechende Geoanwendungen. Das können zum Beispiel Kartenansichten sein, wie man sie etwa von Google Maps kennt. „Natürlich ist die Verwendung an Nutzungsbedingungen geknüpft, die je nach Art der Daten unterschiedlich ausfallen. Das stellen wir im Geoportal aber transparent dar“, erklärt der Geoinformatiker.
„Wir sind ein kleines Team mit sehr weit gestreuten Aufgaben, weil die GDI viel umfasst und sich ja noch alles im Aufbau befindet“, erzählt Johannes Föll. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, die Qualität der Metadaten, also der Daten über die Daten, zu prüfen. „Dazu gehören Angaben wie: Wann sind die Geodaten entstanden? Wer ist der Urheber? Oder: Welches Gebiet erfassen sie?“ Außerdem berät er zum Thema GDI und betreut und pflegt die Inhalte im Geoportal.
Wenn alles klappt, steht das Portal im Frühjahr 2011. Aber nicht nur Baden-Württemberg baut derzeit eine entsprechende Geodateninfrastruktur auf – diesen Auftrag haben alle Bundesländer. „Die einzelnen Geodateninfrastrukturen speisen die nationale Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE), die wiederum zum Aufbau der European Spatial Data Infrastructure (ESDI) auf EU-Ebene beiträgt“, erläutert Johannes Föll. Langfristiges Ziel des internationalen Projektes ist es, Geodaten EU-weit über Ländergrenzen hinweg verfügbar zu machen.
Junges Arbeitsfeld
An seinem Beruf gefällt dem 25-Jährigen besonders die Tatsache, dass die Geoinformatik ein junges und innovatives Forschungs- und Arbeitsgebiet darstellt. „Ziel ist es, räumliche Fragestellungen am Computer zu lösen“, erklärt er. „Fragen wie ‚Wo befinde ich mich?‘ oder ‚Wie komme ich an einen bestimmten Ort?’.“ Nicht nur die Aufgabenstellungen – bedingt durch die rasanten Entwicklungen in der Informationstechnologie – sind neu, auch der Studiengang an sich ist relativ jung. Johannes Föll hat von 2006 bis 2009 an der Universität Osnabrück Geoinformatik studiert und mit dem Bachelor of Science abgeschlossen. „Ich war damals einer der ersten, die diesen Studiengang aufgenommen haben“, erinnert sich der Stuttgarter, der sich an der Uni als Hiwi und auch als studentischer Vertreter im Institutsvorstand, Prüfungsausschuss und in der Fachschaft engagiert hat. Nach dem Abitur war er allerdings sehr offen an die Suche nach einem geeigneten Studium herangegangen: „Ich habe mich auch für BWL oder Wirtschaftswissenschaften interessiert.“ Bei der Recherche stieß er dann auf die Universität Osnabrück und die Geoinformatik. Da er die nötigen Voraussetzungen mitbrachte – Interesse an geografischen Fragestellungen, an Informatik sowie auch eine „Kernkompetenz“ in Mathematik und Statistik – hat er sich für dieses Studium entschieden.
Seine Entscheidung hat Johannes Föll nicht bereut. „Natürlich musste ich einige Bewerbungen schreiben, aber schon vier Wochen nach Abschluss meines Studiums habe ich eine Arbeitsstelle gefunden“, sagt er. Vier Monate lang war der Geoinformatiker bei einem öffentlich bestellten Vermesser in Leinfelden-Echterdingen tätig, wechselte dann zum LGL. „Hier kann ich meinen Studienschwerpunkt Geodatendienste stärker einbringen“, erläutert der Geoinformatiker. Neben der fachlichen Kompetenz gehört für Johannes Föll allerdings auch Kommunikationsfähigkeit zu den Voraussetzungen, um in seinem Beruf erfolgreich zu sein. Geoinformatiker erwarte seiner Erfahrung nach ein abwechslungsreicher Beruf „und das beginnt bereits im Studium“.





