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Kamerafrau

Filme mit Anspruch

Seit sieben Jahren arbeitet sie in einem Beruf, um den sie viele beneiden: Anne Misselwitz (33) ist freie Kamerafrau. Dieses Ziel hat sie durch Eigeninitiative und harte Arbeit erreicht: Zunächst hat sie den Bachelorstudiengang "Film und Video" am London College of Communications absolviert und dann noch den Diplomstudiengang "Kamera" an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam (HFF) drangehängt.

Es ist ein Porträtfoto einer blonden Frau.

Anne Misselwitz: "Leicht war es nicht, einen von zehn Studienplätzen zu bekommen, für den sich bis zu zweihundert Interessenten bewerben."

Foto: Privat

Die Arbeit als freie Kamerafrau macht Anne Misselwitz sehr viel Spaß. Dieses Jahr hat sie unter anderem für die ARD-Reihe „Deutschland, deine Künstler“ eine Fernseh-Dokumentation über Katharina Thalbach gedreht. Für das Schauspielerinnen-Porträt war sie rund zehn Tage im Einsatz. „Wir haben Katharina Thalbach in Portugal besucht, wo sie gerade für eine Premiere in Lissabon geprobt hat, danach gab es weitere Drehtage in Berlin“, erzählt die Diplom-Kamerafrau.

Bei einem solchen Dreh arbeitet Anne Misselwitz mit einem kleinen Team bestehend aus Toningenieur, Regisseur und manchmal mit einem Produktionsleiter zusammen. „Eine Dokumentation ist informativ und textlastig, meist gibt es ein Voice-over, also einen Kommentar. Die Bilder dienen oft der Illustration. Bei einem Dokumentarfilm dagegen gibt es in der Regel keinen Kommentar. Die Erzählweise setzt auf die Bilder, die zusammen mit anderen filmischen Mitteln atmosphärischer und dichter am menschlichen Erleben erzählen können – ähnlich wie bei einem Spielfilm“, sagt sie.

Wenn sie einen Dreh hat, bedeutet dies für die Kamerafrau einen komplett mit Arbeit ausgefüllten Tag. „Man geht morgens früh aus dem Haus, kommt spät zurück und freut sich, wenn man einige Stunden Schlaf hat, bevor es weitergeht.“ Neben dem Drehen von Filmen bereitet sie neue Projekte vor oder schließt alte ab: Sie trifft sich zum Beispiel zu Vorgesprächen mit Regisseuren. Manchmal wird sie auch eingeladen, sich den Rohschnitt, also den ersten Entwurf des Films anzusehen oder den Feinschnitt zu beurteilen, wenn der Film komplett fertig ist.

„Meine Aufträge erhalte ich meist über Empfehlungen oder weil ein Regisseur oder Produzent etwas von mir gesehen hat.“ Dabei hat es nicht immer nur Vorteile, frei zu arbeiten. Es bleibt nämlich immer ein Stück Unsicherheit: Man muss beispielsweise einkalkulieren, dass Aufträge wieder abgesagt werden. „Ich weiß, was ich die nächsten zwei bis drei Monate mache, der Rest ist vage. Eine langfristige Planung ist deshalb oft nicht möglich und ich behalte mir zur Sicherheit immer ein Polster auf meinem Konto“, erklärt die Kamerafrau.

Es besteht ebenfalls die Gefahr, dass man sich zu viel zumutet, da man nichts absagen möchte und am liebsten alle Angebote annimmt. Urlaub kann da schon einmal zu kurz kommen. Daher sei es am Anfang schwierig gewesen, das Drumherum zu organisieren, also Dinge wie die Buchhaltung zu machen oder sich die richtige Krankenversicherung für freiberuflich Tätige zu beschaffen. Aber Anne Misselwitz hat heute eine gute Steuerberaterin und ist zudem Mitglied in einem Verein für freiberuflich Filmschaffende, wo sie sich mit anderen austauschen kann.

Fundierte Ausbildung

Auf den Beruf ist die Kamerafrau durch ihre Hobbys gekommen. Schon immer hat sie viel gezeichnet, fotografiert und Videos gedreht. „Kreativ war ich schon immer“, sagt Anne Misselwitz. „Eigentlich wollte ich deshalb zunächst Kunst studieren. Doch ich arbeite gern mit anderen zusammen. Am Filmemachen fasziniert mich, dass mehrere Menschen zusammen arbeiten und wenn jeder sein Bestes gibt, kann etwas entstehen, was sich eine Person alleine nie hätte ausdenken können.“

Um ihre Englischkenntnisse zu verbessern, ging die heute 33-Jährige nach London und absolvierte einen einjährigen Medien-Grundlagenkurs. Doch ihr gefiel es an dem College so gut, dass sie dort den Bachelorstudiengang „Film und Video“ absolvierte. Die Studiengebühren waren moderat, ihre Eltern unterstützen sie finanziell und sie jobbte auch etwas nebenbei.

Doch Anne Misselwitz wollte gerne nach Deutschland zurück. Allerdings wusste sie, dass sie nicht über genügend Kontakte verfügte, um dort in diesem Beruf, in dem viel über  Empfehlungen läuft, zu arbeiten. Da sie in Berlin niemanden in der Branche kannte, musste sie dafür sorgen, dass sie sich ein entsprechendes Netzwerk aufzubaute. Auch aus diesem Grund hat sie sich dann an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam beworben. „Leicht war es nicht, einen von zehn Studienplätzen zu bekommen, für den sich bis zu zweihundert Interessenten bewerben. Mir hat geholfen, dass ich bereits Erfahrungen durch mein Bachelorstudium hatte, über ein klares Berufsbild verfügte, ausreichend Talent besaß und eine hohe Motivation mitbrachte, dazu zu lernen.“

Für ihre Bewerbung hat Anne Misselwitz eine Mappe mit Fotos, eine Diaserie und ein 15-minütiges Video eingereicht. Während der wissenschaftlichen, künstlerisch-theoretischen und künstlerisch-praktischen Ausbildung konnte sie sich intensiv mit Kameratechnik, Filmgeschichte sowie Bildgestaltung befassen. „Und nebenbei ist man eigentlich immer am Drehen.“ Für ihr Abschlussprojekt, „Der Die Das“, einem 93-minütigen Kino-Dokumentarfilm, wurde sie 2009 mit dem Dortmunder Preis für Bildgestalterinnen im Bereich Dokumentarfilm ausgezeichnet. Dass sie viele interessante Projekte machen kann, darüber ist Anne Misselwitz glücklich. „Allerdings muss ich mit meinen Kräften haushalten und darf mich nicht verausgaben. In Zukunft würde ich am liebsten überwiegend längere Filme drehen, sowohl Spiel-, als auch Dokumentarfilme“, sagt sie.

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