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Chief Development Architect

Freie Fahrt für kreative Ideen

Während andere über Mitarbeiterakten brüten, entwirft Ralf Halbedel innovative Konzepte für Softwareprogramme. Der 40-Jährige hat nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik eine Fachkarriere bei SAP begonnen — und schätzt dabei besonders seine Gestaltungsspielräume. Um Personalführung oder ausufernde Verwaltungsaufgaben muss er sich hingegen nicht kümmern.

Computer, Hande, Tastatur

"Ich habe die Freiheit, eigene Ideen in die Gestaltung von Software einfließen zu lassen." , sagt Ralf Halbedel

Foto: Uwe Niklas

„Urlaubsanträge verwalten und Mitarbeitergespräche führen – das ist einfach nicht mein Fall.“ Ralf Halbedel weiß genau, warum er sich gegen eine Managementlaufbahn entschieden hat. Dabei hätte der 40-Jährige mit seinem Diplom in Wirtschaftsinformatik und fundierten Fachwissen nach dem Studium durchaus den Weg zum Chefsessel einschlagen können. Stattdessen gab er einer Fachkarriere den Vorzug – und hat seinen Entschluss nicht bereut.

Warum auch: die Fachlaufbahn beim Walldorfer Softwareunternehmen SAP bietet dem IT-Spezialisten gute Aufstiegsmöglichkeiten – ohne Personal- oder Budgetverantwortung übernehmen zu müssen. Nach seinem Firmeneinstieg 1996 hat sich Ralf Halbedel innerhalb von zwei Jahren zum Senior-Software-Entwickler hochgearbeitet, im Jahr 2001 war er bereits Development Architect mit gestiegener Projektverantwortung. Inzwischen darf sich der Baden-Württemberger Chief Development Architect nennen, erhält mehr Gehalt und arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen mit durchschnittlich zehn Kollegen zusammen. Gemeinsam stecken sie ihr Know-how in die Entwicklung und Verbesserung von Softwareanwendungen für Unternehmen, beispielsweise für die Buchführung, den Vertrieb oder das Personalwesen, und in die Verbesserung der zugrundeliegenden Basistechnologie. Derzeit arbeitet Ralf Halbedel an einem technischen Konzept für das Sicherheits- und Identitätsmanagement bei einer neuen Generation von SAP-Anwendungen, unter anderem um sicherzustellen, dass kritische Geschäftsdaten nur mit den notwendigen Berechtigungen angezeigt und geändert werden dürfen. Was die einzelnen Programme leisten sollen, ist in der Regel festgelegt; bei der Entscheidung, wie sie das tun, kann der Chief Development Architect weitgehend selbst entscheiden. Allerdings muss er dabei unternehmensweite und gesetzliche Richtlinien, wie etwa die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, berücksichtigen und in seine Arbeit einfließen lassen.

Dabei schätzt der Akademiker besonders die Freiräume, die ihm seine Fachlaufbahn ermöglicht: „Ich habe die Freiheit, eigene Ideen in die Gestaltung von Software einfließen zu lassen. Da darf ich meiner Kreativität schon mal freien Lauf lassen.“ Im Gegensatz zu vielen Managern, die sich im täglichen Verwaltungsdschungel und Organisationsaufwand häufig nicht mehr um ihr ursprüngliches Fachgebiet kümmern können. Für Ralf Halbedel ist das bislang keine Option. Er möchte ungern auf die Gestaltungsspielräume verzichten, die ihm SAP im Rahmen einer Fachkarriere einräumt. Dazu gehört auch, bereits existierende Software weiterzuentwickeln oder neue Lösungen auszutüfteln. Frische Ideen erschließen sich für ihn häufig aus aktuellen Trends, wie der Nutzung von Programmen mit Smartphones. 

Wertschätzung durch das Management

Davon profitiert das Unternehmen, wie der Diplom-Wirtschaftsinformatiker erläutert: „In unserer Branche kommt es auf Innovationen an, da in der IT ständig neue Lösungen benötigt werden. Schon allein wegen ihres Zeitdrucks können Manager allerdings nicht alle Ideen selbst haben.“ Hier kommt der 40-Jährige mit seinem Team ins Spiel. Denn bei der Entwicklung von Prototypen ist Experimentierfreude gefragt. „Es kommt oft das Management auf uns zu und bittet um Empfehlungen. Mit einer Fachkarriere erfährt man hier also durchaus viel Wertschätzung.“

Das drückt auch der Gehaltszettel aus. Als Chief Development Architect mit Fachlaufbahn verdient Ralf Halbedel etwa so viel wie ein Angestellter im mittleren Management. Mit seiner aktuellen Postenbezeichnung ist er allerdings am oberen Ende der Fachlaufbahn bei SAP angelangt. Ein Wechsel ins Management ist jedoch bei Eignung grundsätzlich ohne Probleme möglich. Für den 40-Jährigen im Augenblick kein Thema: „Ich fühle mich in meiner derzeitigen Position sehr wohl.“

Vielleicht auch deshalb, weil der studierte Wirtschaftsinformatiker viele Eigenschaften mitbringt, die einen guten Mitarbeiter in einer Fachlaufbahn ausmachen. „Man sollte keine Angst haben, Neues auszuprobieren, sich dabei aber auch nicht verzetteln“, erklärt der Chief Development Architect und betont, wie wichtig Struktur bei der Arbeit ist. Schließlich werden die anfallenden Tätigkeiten bei der „Karriere vom Fach“ nicht delegiert, sondern selbst erledigt. Häufig im Team. Auch deshalb, so Ralf Halbedel, ist Kommunikationsfähigkeit ein absolutes Muss.

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