Die Vereinigung von Ästhetik und Funktion
"Kein Zahn ist wie der andere. In der Zahntechnik hat man so viele Möglichkeiten zu gestalten." Johanna Schäfer (24) aus Sankt Wolfgang bei Erding arbeitet seit zwei Jahren als Zahntechnikerin bei der Markt Schwabener Trident Zahntechnik GmbH.
Johanna Schäfer bei der Anfertigung einer Teleskopprothese. Seit zwei Jahren arbeitet sie als Zahntechnikerin.
Foto: privat
„Ein Millimeter in der Zahntechnik ist wie ein Zentimeter im realen Leben“, sagt Johanna Schäfer, denn man müsse als Zahntechniker sehr präzise und konzentriert arbeiten. Vor zwei Jahren hat die 24-Jährige ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seitdem in der Edelmetallverarbeitung. „Wenn ich beispielsweise eine Krone falsch modelliere, kann der Patient durch überstehende oder zu große Teile Kopf- oder Gliederschmerzen bekommen“, erklärt sie.
Die Anfertigung einer Vollgusskrone dauert etwa zwei Tage. Hierbei wird der Zahn zunächst aus Wachs modelliert. Seine äußere Form und die typischen Hügel und Täler der Kaufläche werden anschließend mit der Hand modelliert und dem ursprünglichen Zahn detailgetreu nachempfunden. Später wird das Wachs mit einem speziellen Verfahren im Ofen ausgedampft, so entsteht ein Negativ des Zahns. In die so entstandene Form wird im sogenannten Druck- und Schleuderguss anschließend Edelmetall geschossen.
Kombinatorisches Arbeiten ist Pflicht
Danach muss das Modell mehrere Stunden abkühlen, bevor die 24-Jährige mit dem Feinschliff beginnen kann: Sie trägt weitere Schichten auf, die ebenfalls in die Krone eingebrannt werden, und behandelt die Oberflächen abschließend mit verschiedenen Schleifwerkzeugen, damit sie schön glatt sind und keine Verletzungsgefahr besteht. Die Brenn- und Abkühlzeiten überbrückt Johanna mit anderen Arbeiten. „Kombinatorisches Arbeiten“, erklärt die 24-Jährige, „sollte ein Zahntechniker in jedem Fall können, um effektiv zu arbeiten.“ Für sie macht es sogar den Reiz ihres Berufs aus.
Zudem sollten Zahntechniker Kenntnisse in Physik haben, um Verarbeitungsprozesse verstehen zu können, Mathe mögen, um beispielsweise Mischungsverhältnisse zu berechnen, und fit in Werken und Technik sein, damit sie Werkstücke präzise bearbeiten können. Und: Sie brauchen ein Auge für Ästhetik. Jeder Zahnersatz, egal ob Krone, Inlay oder Vollprothese, muss perfekt in den Kiefer und das Gebiss des Patienten passen. Aber erst durch die Wahl der richtigen Zahnfarbe fügt sich der Ersatz optimal ins Gesamtbild ein. Hierfür gibt es Farbpaletten, die Info für die richtige Farbe kommt in der Regel vom behandelnden Zahnarzt. Es komme aber auch vor, dass die Zahntechniker selbst in der Praxis vorbeischauen oder der Patient zur Farbabstimmung ins Labor kommt.
Feingefühl und Geschicklichkeit
Auch wenn die Entscheidung für die Edelmetallverarbeitung ihr Arbeitgeber traf, ist Johanna Schäfer damit sehr zufrieden, da man dort „alles wunderbar grazil gestalten“ kann. Zudem darf sie im Labor manchmal in anderen Abteilungen mithelfen, je nachdem, wo sie gerade gebraucht wird. Der Austausch mit Kollegen ist ihr dabei besonders wichtig, um von deren Erfahrungen zu lernen. Einer der rund 40 Kollegen der 24-Jährigen schätzt die Zeit, bis ein Zahntechniker mit den meisten Unwägbarkeiten seines Berufs vertraut ist, auf drei bis vier Jahre.
„Eigentlich wollte ich direkt nach dem Abi Zahnmedizin studieren, habe aber leider keinen Studienplatz bekommen“, erzählt Johanna Schäfer. Sie entschied sich für die Ausbildung, rief alle Zahnlabore in der Nähe an und hatte Glück: Bei der Trident Zahntechnik GmbH war kurzfristig eine Ausbildungsstelle frei. Jetzt sammelt sie Wartesemester, bewirbt sich jedes Semester neu über die Stiftung Hochschulstart, die die Studienplätze etwa für Zahnmedizin zentral vergibt, und hofft, dass es doch noch klappt: „Sollte ich dennoch keinen Studienplatz bekommen, könnte ich mir aber auch vorstellen, in ein paar Jahren den Meister zu machen.“




