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Sozialpädagoge

"Trainieren für den Alltag"

Der Sozialpädagoge Georg Stenger (32) hilft Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, sich wieder im Alltagsleben zurechtzufinden.

Georg Stenger im Gespräch.

Georg Stenger ist Teil eines Teams. "Der Austausch untereinander ist enorm wichtig. Vor allem, um nicht alleine mit der Belastung aus der Arbeit rauszugehen", sagt er.

Foto: Vähning

Ein Mehrparteienhaus in einer Wohnsiedlung, der gelbe Anstrich wirkt freundlich. Auf der Türklingel stehen neun Namen. Georg Stenger steht nicht auf der Liste, obwohl er hier jeden Tag ein und aus geht. Der 32-Jährige ist Sozialpädagoge und betreut im Rahmen eines Wohngruppenprojekts die Bewohner, die alle an psychischen Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen oder Schizophrenie leiden. „Hier werden Menschen aufgenommen, die ihre Krankheit so weit im Griff haben, dass sie nicht mehr stationär behandelt werden müssen. Unser Ziel ist es, dass sie nach zwei Jahren durch ein Training ihr Alltagsleben, den Umgang mit der Krankheit und vielleicht auch ein Berufsleben selbst bewältigen können.“ Die Bewohner sind bunt gemischt: „Das kann ein 21-Jähriger sein, bei dem Drogen eine Psychose ausgelöst haben, oder ein 50-Jähriger, der gerade eine Lebenskrise durchlebt.“

Teamarbeit

Georg Stenger trainiert in den ersten Monaten ganz einfache, selbstverständliche Dinge mit ihnen wie Aufstehen, Anziehen, regelmäßig Kochen und Essen, Putzen bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen. Beim Filzen oder Malen in der hauseigenen Werkstatt werden zum Beispiel Fähigkeiten wie Konzentration oder das selbstständige Einteilen der Kräfte geübt. Zudem führt er als persönlicher Betreuer Einzelgespräche. „Wenn die Klienten zu uns kommen, formulieren wir gemeinsam Ziele, auf deren Grundlage wir dann pädagogisch mit ihnen arbeiten.“ Er ist Teil eines Teams, bestehend unter anderem aus vier Sozialpädagogen und einer Ergotherapeutin, die im Schichtdienst arbeiten. „Der Austausch untereinander ist enorm wichtig. Nicht nur, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen, sondern vor allem auch, um Erlebnisse zu teilen und nicht alleine mit der Belastung aus der Arbeit rauszugehen.“

Der Aufenthalt in der Wohngruppe ist freiwillig. Für die Arbeit ist deshalb psychologisches Feingefühl gefragt: „Wenn ich jemanden überzeugen oder motivieren möchte, funktioniert das nur, wenn ich durch mein Auftreten meine Haltung untermauern kann. Ich muss persönlich hinter dem stehen, was ich jemanden vermitteln möchte“, meint Georg Stenger. Das erfordere Gesprächstechniken und Erfahrung im Umgang mit den Krankheitsbildern. Manchmal gibt es auch Rückschläge, etwa wenn ein Bewohner in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Nicht alle Bewohner schaffen es, nach den zwei Jahren ihr Alltagsleben zu meistern. „Auch damit muss man umgehen können!“ Für ihn hat der Beruf trotzdem sehr viele schöne Seiten: „Zu merken, wie jemand wieder auf die Beine kommt, ist jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis.“

Praxiserfahrung während des Studiums

Entschieden hat er sich für den Beruf aufgrund der Erfahrungen während seines Zivildiensts: „Ich habe im Zivildienst mit psychisch kranken Menschen und Behinderten gearbeitet und gemerkt, dass ich einen Zugang zu diesen Menschen habe, und dass mir diese Arbeit etwas gibt“, erzählt Georg Stenger. Seinen Abschluss in Sozialpädagogik hat er an der Fachhochschule Regensburg gemacht, allerdings über Umwege: „Erst habe ich zwei Semester Pädagogik an der Universität München studiert. Das Studium war jedoch erziehungswissenschaftlich ausgerichtet und bot nicht die Anwendungsmöglichkeiten, die ich mir vorgestellt hatte.“

Er hat sein Studium in Regensburg noch als Diplomsozialpädagoge abgeschlossen: „Wichtig fand ich das praktische Jahr, das ich bei meinem heutigen Arbeitgeber absolviert habe. Psychisch kranke Menschen können einen sehr stark in Beschlag nehmen. Da ist es wichtig, eine feste Grundhaltung zu haben. Die konnte ich mir in dieser Zeit aneignen.“ Die Verknüpfung von Praxis und Theorie ist auch für Dr. Klaudia Winkler, die an der Fakultät Sozialwesen der FH Regensburg lehrt, ein zentrales Thema: „Das Bachelorstudium sieht zwar nur noch ein Praxissemester vor, aber das muss kein Nachteil sein. Wir haben bei der Umstellung zum Beispiel die Praktikumsbetreuung intensiviert und legen Wert auf qualitativ hochwertige Praktikumsplätze, die auch zum Studium passen.“ Um besser auf die Bandbreite an beruflichen Einsatzfeldern reagieren zu können, hätten die Studierenden zudem durch die Wahlmöglichkeiten bei den Modulen viele Freiheiten, betont sie.

Die Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten weiß auch Georg Stenger an seinem Beruf zu schätzen: „Das Studium liefert eine gute Grundlage, um mit Menschen in allen möglichen Altersgruppen arbeiten zu können.“

Mehr zu diesem Thema:

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  • Weitere Infos zum Beruf Sozialpädagoge/-pädagogin gibt es in der abi>> Infomappe 13.2 "Sozialwesen und Religion" im BiZ (Überblick über alle Mappen im Online-Katalog).

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