"In Jugendliche hineinversetzen"
Von der Personalberatung bis zur Uni-Klinik: Jutta Zeyer-Wolf hat schon verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Psychologen kennen gelernt.
Jutta Zeyer-Wolf hat während ihres Studiums den Schwerpunkt "klinische Psychologie" gewählt. Jetzt arbeitet sie als Psychologin in der Uni-Klinik Köln.
Foto: Jardner
Jutta Zeyer-Wolf wollte gerne mit Methoden arbeiten, mit denen man Veränderungen im menschlichen Verhalten messen kann. Aus diesem Grund wechselte sie nach zwei Semestern Jurastudium in den Studiengang Psychologie. „Die ersten Semester waren sehr statistiklastig", erinnert sich die 36-Jährige. „Viele haben das Studium abgebrochen, weil sie sich etwas ganz anderes darunter vorgestellt hatten." Nach dem Grundstudium an der Uni Düsseldorf wechselte die gebürtige Rheinländerin an die Universität in Bonn, wo sie sich auf den Schwerpunkt klinische Psychologie konzentrierte.
Praxiserfahrung während und nach dem Studium
Einen guten Einblick in den Alltag von Psychologen erhielt Jutta Zeyer-Wolf schon während ihres Studiums durch Praktika: Sie beschäftigte sich in der Gerontopsychiatrie mit alten Menschen und arbeitete als psychologische Hilfskraft sowie als Pflegehelferin im psychiatrischen Fachkrankenhaus. „Diese praktischen Erfahrungen haben mir geholfen, eine reale Vorstellung von dem Berufsbild zu bekommen", meint die Diplom-Psychologin.
Obwohl sie sich im Studium auf die klinische Psychologie spezialisiert hatte, stieg sie nach ihrem Abschluss zunächst in eine Personalberatung ein. „Dort habe ich Beratungsprojekte geleitet, Führungskräfte gesucht und ausgewählt und die Eignung von Kandidaten getestet." Auf die Dauer war der Job allerdings nicht das Richtige für sie. „Ich wollte doch lieber im therapeutischen Bereich arbeiten."
Also nahm Jutta Zeyer-Wolf eine fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zur Psychotherapeutin mit Vertiefung Verhaltenstherapie auf und arbeitete danach zunächst in der Erwachsenenpsychiatrie. Seit 2007 ist sie als Stationspsychologin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln tätig und beschäftigt sich mit jungen Menschen, die Essstörungen haben. Sie organisiert die Behandlungspläne der Jugendlichen und führt Einzelpsychotherapien durch. „Dazu sollte man sich gut in die Jugendlichen hineinversetzen können", erklärt die Expertin. „Während Erwachsene meist aus eigenem Antrieb in die Therapie kommen, müssen wir die Jugendlichen oft stark motivieren, damit die Therapie Erfolge zeigt." Dabei arbeitet die Psychologin mit vielen Kollegen zusammen, zum Beispiel mit Ergo-, Musik- oder Bewegungstherapeuten. „Ich habe gelernt, andere Sichtweisen zu akzeptieren. Manchmal hat man mit schwierigen Krankheitsverläufen zu tun, die einem auch persönlich nahe gehen. Dazu muss man lernen, sich abzugrenzen."
Wer wie Jutta Zeyer-Wolf in der klinischen Psychologie arbeiten will, muss ein meist unbezahltes klinisches Jahr absolvieren, und auch die Psychotherapieausbildung kostet Geld. „Man sollte sich also im Klaren darüber sein, dass man in diesem Bereich in der Regel nicht sofort nach dem Studium Geld verdient", meint die Psychologin. Für sie haben sich der Einsatz und ihr Engagement gelohnt: „Eine feste Anstellung in einer Uni-Klinik ist für einen Psychologen keine Selbstverständlichkeit."

