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Logopädin

"Sssss" wie die Biene

Lispeln, Probleme mit dem "Sch", falsche Zungenstellung: Logopädin Verena Nienhaus (25) hilft Kindern in einer Praxis in Osnabrück ihre Sprachprobleme in den Griff zu bekommen. Daneben unterrichtet die Hochschulabsolventin als Dozentin in der Logopädenausbildung.

Eine Schale mit Erdbeeren

Obst und Obstsalat - auch mit solchen Mitteln versucht die Logopädin Verena Nienhaus zu helfen.

Foto: Willmy CC

Für zehn Stunden ist das Rezept des Arztes meistens ausgestellt, mit dem die Patienten zu Verena Nienhaus  kommen. Eine Therapiestunde dauert zwischen 30 und 60 Minuten, in dieser Dreiviertelstunde beschäftigt sie sich mit den verschiedensten Sprachstörungen und deren Ursachen. Am häufigsten kommen Kinder, die einen Laut, zum Beispiel „Sch“ nicht aussprechen können, oder Kinder, die einen zu geringen Wortschatz haben und sich dadurch nicht richtig ausdrücken können.

Spielerisch zum Erfolg

Am Anfang jeder Therapie führt die Logopädin eine Anamnese durch, das ist ein Gespräch mit den Eltern, die auch in die Therapie mit eingebunden werden, über die vergangene Entwicklung des Kindes. Im Folgenden untersucht sie das Kind. Dazu führt sie unter anderem verschiedene Sprachtests durch, um die Sprachentwicklung zu testen. Danach stellt die Logopädin die Diagnose, die kann beispielsweise „Sprachentwicklungsstörung mit Wortschatzdefizit“ heißen. Diese Störung kann verschiedene Ursachen haben, etwa allgemeine Entwicklungsstörungen, Hörstörungen bis hin zu Schädel-Hirn-Traumata oder Hirntumoren.  Um den Wortschatz des Kindes zu vergrößern, nimmt sich Verena Nienhaus für jede Therapiesitzung ein Wortfeld vor. Lautet dieses Obst, bringt sie verschiede Obstsorten mit. „Bei Kindern ist es wichtig, die Therapie sehr spielerisch zu gestalten, damit sie auch Spaß daran haben. So lernen sie besser. Ich spiele dann mit den Kindern einkaufen oder mache einen Obstsalat mit ihnen, irgendwas, was eben zum Thema passt und Spaß macht“, erläutert die 25-Jährige.

Lispelt der kleine Patient, so müssen andere Behandlungsmethoden angewendet werden. Eine falsche Zungenposition beim Sprechen ist die Ursache, deswegen zeigt sie dem Kind, wo die Zunge normalerweise hingehört. Dann wird der Laut geübt. Am Anfang nur als Bienensummen, später Silben und am Ende ganze Wörter, bis der Laut in den normalen Sprachgebrauch übergeht. Verena Nienhaus muss jede Stunde einzeln planen und dokumentieren. Einen Endbericht erhält der zuständige Arzt, da dieser über die weitere Behandlung entscheidet.

Zukunftsorientiert

Nach ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule für Logopädie am Uniklinikum Münster hat Verena Nienhaus im ersten Jahrgang „Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie“ an der FH Osnabrück studiert. Als Zulassungsvoraussetzung müssen die Bewerber unter anderem eine Erstausbildung zum Logopäden vorweisen. „Zum einen wollte ich mehr machen als ‚nur’ die Ausbildung, da ich auch in die Lehre möchte, und zum anderen glaube ich, dass der akademische Abschluss in der Logopädie zukunftsweisend ist“.

Im Studium wurden Kurse wie Statistik und Gesprächsführung mit allen Studierenden, also auch den Ergotherapie- und Physiotherapiestudierenden, zusammen unterrichtet. Auch Recht und Qualitätsmanagement waren Themengebiete. Lediglich berufsgruppenspezifische Kurse wie Konzepte zur Förderung des Spracherwerbs und der Sprachverarbeitung besuchten nur die Logopäden. „Wir mussten mindestens vier Stunden pro Woche mit praktischer Arbeit füllen“, erklärt Verena Nienhaus. Diesen Praxisanteil deckte sie mit einem Job bei ihrem heutigen Arbeitgeber, einer Praxis für Logopädie in Osnabrück ab.

Lehre und Praxis

Ihre Zukunft stellt sie sich so vor: „Eine halbe Stelle als Lehrlogopädin und eine halbe Stelle in einer Praxis fände ich sehr gut“, sagt sie. Und sie ist auf dem richtigen Weg. Neben ihrer Tätigkeit in der Praxis unterrichtet sie schon als freie Mitarbeiterin in der Logopädieschule der DAA (Deutsche Angestellten-Akademie) in Dortmund, aber nur unregelmäßig, da sie wegen der Distanz nur Blockunterricht geben kann.

Daneben lernt die Logopädin weiter. Obwohl sie ihr Studium erst Anfang 2010 abgeschlossen hat, hat sie schon eine Fortbildung im Bereich Kindersprache besucht, im Oktober 2010 folgt die nächste. Es ist sehr wichtig, dass sich Logopäden fortbilden, da es immer neue Erkenntnisse und Methoden gibt. Für selbstständige Logopäden herrscht sogar eine Fortbildungspflicht, weil sie den Krankenkassen garantieren müssen, auf dem neusten Stand zu sein.

Verena Nienhaus ist glücklich mit ihrer Berufswahl. „Ich mag die Nähe zu meinen Patienten und das Gefühl, jemandem helfen zu können.“

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