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Rubrik Lehrer und Eltern


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Kunsttherapeutin

Malen gegen die eigene Unsicherheit

Wer in sozialen Brennpunkten aufwächst, hat häufig wenig Zugang zu künstlerischen Angeboten. Daran will Aurea von Frankenberg (34) etwas ändern. Die Kunsttherapeutin unterstützt im Auftrag eines Bremer Kulturvereins Kinder aus strukturell benachteiligten Stadtteilen bei ihrer kreativen und sozialen Entwicklung. Das Ziel: sich selbst und andere positiv wahrzunehmen.

Aurea von Frankenberg steht in Jeans und Parka vor einem grasgrün-dunkelblauen, sehr langen LIeferwagen mit Aufschrift "Mobiles Atelier".

Immer unterwegs im Auftrag von Kreativität und Selbstbewusstsein: Aurea von Frankenberg vor ihrem Einsatzwagen, dem "Mobilen Atelier".

Foto: Privat

„Wir arbeiten nicht therapeutisch, sondern pädagogisch. Doch die Grenzen sind oft fließend", erklärt Aurea von Frankenberg. Die 34-Jährige ist als freiberufliche Kunsttherapeutin für den Bremer Verein „Kultur vor Ort e.V." tätig. In einem strukturell benachteiligten Stadtteil fahren sie und ihre Kollegen mit dem „Mobilen Atelier", einem markanten blaugrünen Bus, zu Schulen, Kindergärten und öffentlichen Plätzen. Dort malen, zeichnen oder modellieren sie mit Kindern und Jugendlichen, die zwischen zwei und 17 Jahren alt sind. Pinsel, Staffeleien, Werkzeug und verschiedene Arbeitsmaterialien haben die Kunsttherapeuten und -pädagogen stets im Gepäck.

Mut zu neuen Motiven

Viele der Kinder und Jugendlichen stammen aus sozial schwachen Familien und erleben oft physische oder verbale Gewalt. „Wir möchten die Kinder und Jugendlichen dabei unterstützen, sich selbst und den anderen positiv wahrzunehmen. Eigene Grenzen zu überwinden, fördert die Entfaltung von gesundem Selbstvertrauen", erläutert Aurea von Frankenberg. Dabei leistet sie oft viel Erziehungsarbeit, gibt Halt und Unterstützung. Manche Kinder tragen schon früh viel Verantwortung etwa für ihre jüngeren Geschwister, andere sind aufgrund ihrer Lebenserfahrungen oft sehr unsicher. „Das drückt sich zum Beispiel dadurch aus, dass ein Kind über einen längeren Zeitraum immer dasselbe Motiv malt. Etwas Neues zu wagen, ist schwer. Hier kann ich Impulse geben, zum Beispiel indem ich zusammen mit dem Kind eine Weiterentwicklung des Motivs suche oder ein anderes Format oder Material vorschlage."

Die heute 34-Jährige hat in Niedersachsen an der Fachhochschule (FH) Ottersberg den Studiengang Kunsttherapie/Kunstpädagogik absolviert - damals noch auf Diplom. Heute wird ein vierjähriger Studiengang zum Bachelor of Arts mit dem Titel „Kunst im Sozialen. Kunsttherapie" angeboten. „Unserer Erfahrung nach kommen immer mehr Absolventen - rund zwei Drittel - in sozialen, pädagogischen und sozio-kulturellen Einrichtungen unter und nicht mehr schwerpunktmäßig in Kliniken. Daher haben wir den Studiengang ein wenig umstrukturiert und beispielsweise - neben den Professuren für kunsttherapeutische Forschung und ästhetische Bildung - auch eine Professur für Soziokultur eingerichtet", erläutert Albrecht Lampe, Kurator der FH.

Individueller Therapieansatz

Aurea von Frankenberg gefiel das deutschlandweit einzigartige Konzept der Fachhochschule: „Es ist ein sehr praxisorientierter Studiengang, bei dem man sich künstlerisch weiterentwickelt und viel Handwerkszeug für das spätere Arbeiten mit auf den Weg bekommt. Beispielsweise habe ich gelernt, wie ich meine Klienten an die Form- und Farbsprache heranführen und die verschiedenen Qualitäten dieser ‚Sprache' vermitteln und einsetzen kann."

Das Studium ist in Trimester unterteilt. Es vermittelt neben Farbenlehre und grafischer sowie plastischer Gestaltung auch die Anforderung an die künftigen Kunsttherapeutinnen, eine eigene künstlerische Position entwickeln zu müssen. In den therapeutischen Trimestern wird das Wissen erworben, wie man therapeutisch mit Farben und Formen arbeitet. Hier setzen sich die Studierenden unter anderem mit psychosomatischen und psychiatrischen Krankheitsbildern und Traumata auseinander. Und sie erfahren, was in solchen Fällen ein heilender Impuls sein kann, aber auch, dass jeder Mensch einzigartig und ein individueller Therapieansatz wichtig ist - Erkenntnisse, die der jungen Kunsttherapeutin auch bei ihrer sozialen Arbeit mit den Kindern helfen.

Noch nicht bereit für die Klinik

Als Aurea von Frankenberg 2001 ihr Studium abgeschlossen hatte, fühlte sie sich noch nicht reif für die Arbeit in einer Klinik. „Da ich bereits vor meinem Studium für vier Monate in einem Kibbuz in Israel und ein Jahr lang in einer sozialen Einrichtung für Kinder in Berlin gearbeitet hatte, lag mir die soziale Arbeit sehr nahe", erzählt sie. Es freute sie daher, dass sie der Bremer „Kultur vor Ort e.V.", bei dem sie während des Studiums ein Berufspraktikum absolviert hatte, für ein zweijähriges Kinderprojekt und viele Folgeprojekte engagierte.

Neben der kunstpädagogisch/-therapeutischen Arbeit übernimmt sie auch vielfältige Managementaufgaben und erstellt beispielsweise Finanzpläne, verwaltet Budgets, akquiriert Sponsoren und ist für Konzeptentwicklung sowie Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wer, wie sie, in der Projektarbeit tätig ist, sollte flexibel und mobil sein, denn feste Arbeitsverträge sind selten. Eine Tätigkeit an einer Klinik schließt Aurea von Frankenberg heute nicht mehr aus.

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