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Rubrik Lehrer und Eltern

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Förderschullehrerin

Starke Nerven gefragt

Lehrer an Förderschulen müssen oft mehr Zeit für Beziehungsarbeit als fürs Unterrichten aufbringen. Diese Erfahrung macht auch Jennifer Dufner (26), die in Kürze ihr Referendariat in Mönchengladbach abschließt.

Jennifer Dufner im Freien mit einem schörkeligen Baum.

"Man muss sich abgrenzen können, darf nicht alle Probleme mit nach Hause nehmen", weiß Jennifer Dufner.

Foto: Privat

Die 26-Jährige, die an der Uni Köln studiert hat, liegt in den letzten Zügen ihres Referendariats an einer Förderschule in Mönchengladbach. Zu Jennifer Dufners Schülern gehören vorrangig junge Menschen, die Lernschwierigkeiten haben, sei es wegen Entwicklungsverzögerungen oder wegen familiärer Probleme, wie etwa die Arbeitslosigkeit der Eltern oder Gewalt in der Familie.

Vermittlung von Wissen zweitrangig

„Wir stecken viel Zeit in den Aufbau von Beziehungen und in die persönliche Arbeit mit den Schülern“, erklärt die gebürtige Ostwestfälin, die Mathe und Gesellschaftslehre studiert hat, heute aber, wie üblich an Förderschulen, alle Fächer unterrichten muss. „Die Vermittlung von Wissen steht jedoch erst einmal an zweiter Stelle. In den Klassen sieben und acht unterrichte ich derzeit den Stoff, den man normalerweise in der Primarstufe, also der Grundschule, durchnimmt.“

Häufig kommen die Schüler mit ungeklärten Konflikten in den Unterricht: ein heftiger Streit auf dem Schulhof, Probleme mit der Polizei – für alles muss Jennifer Dufner ein offenes Ohr haben. „In unserer Schule ist es wichtig, den Schülern erst einmal Basiskompetenzen wie Toleranz, Offenheit und Ehrlichkeit zu vermitteln“, meint die Referendarin. Dafür brauche man natürlich starke Nerven. „Und man muss sich abgrenzen können, darf nicht alle Probleme mit nach Hause nehmen. Als ich die Schüler noch nicht so gut kannte, habe ich vieles persönlich genommen. Heute weiß ich, dass die Schüler gar nicht unbedingt mich meinen, wenn sie ausfallend werden.“ Merkt Jennifer Dufner, dass die Probleme für sie eine Nummer zu groß werden, kann sie auch Kollegen oder die Schulleitung zu Rate ziehen.

Unterrichtsvorbereitung am Nachmittag

Nach Schulschluss ist die Arbeit für die angehende Lehrerin natürlich noch lange nicht vorbei: Jeden Nachmittag und oft bis in die Abendstunden hinein muss sie den Unterricht für den folgenden Tag vorbereiten. „Das dauert oft doppelt so lange, wie die Schulstunde selbst“, sagt sie. Da es für die Arbeit an einer Förderschule selten individualisiertes Unterrichtsmaterial gibt, muss sie vieles umarbeiten. „Unterrichten nach Lehrbuch ist bei uns kaum möglich. Man muss sehr flexibel auf die vorhandenen Kenntnisse der Schüler eingehen.“ Zusätzlich kommen momentan noch die Lehrproben hinzu, bei denen Jennifer Dufner von den Ausbildern während des Unterrichts beobachtet wird. Das Ergebnis dieser Lehrproben fließt in die Examensnote mit ein. So geht auch das Wochenende häufig für Unterrichtsvorbereitungen drauf.

Jennifer Dufners Tipp für alle, die wie sie Sonderpädagogik studieren wollen: „Man sollte sich vor dem Studium in einem Info-Praktikum eine Förderschule oder auch eine Behindertenwerkstatt anschauen und sich mit den Referendaren dort austauschen.“ Sie versuche immer, unvoreingenommen auf ihre Schüler zuzugehen. Gleichzeitig sei es wichtig, ihren Hintergrund zu kennen, um ihre Reaktionen zu verstehen. „Mein Alltag steckt oft voller Überraschungen. Und trotz vieler Probleme bekomme ich von meinen Schülern so viel zurück. Wenn man zum Beispiel merkt, dass sich stille Schüler plötzlich öffnen, ist das ein sehr schönes Gefühl und eine Bestätigung für meine Arbeit.“

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