Ganz sozial ins Stadion
"Das Reizvollste ist, dass ich mein Hobby mit meinem Beruf verbinden kann": Till Schüssler (26) ist ein eingefleischter Werder Fan und nun seit fünf Monaten offizieller Fanbetreuer beim Bremer Fußball-Erstligisten.
Bei der Arbeit: Till Schüssler, Andree Wiedener und Julia Ebert. (v. l.)
Foto: Privat
Belek, Türkei, im Januar 2011: Die Mannschaft von Werder Bremen befindet sich im Trainingslager. Mitgereist sind rund 90 Werder-Fans – und Till Schüssler. „Eine gute Gelegenheit, um sich nicht nur mit der Mannschaft zu unterhalten, sondern auch die Kontakte zu den Fans zu pflegen“, sagt der 26-Jährige.
Krawalle vermeiden
War Till Schüssler in jungen Jahren ein klassischer Fan, der in der Ostkurve des Weserstadions seine Mannschaft anfeuerte, so steht er heute auf der Seite der „Macher“. Zumindest in der Werder Fan- und Mitgliederbetreuung wird das Vorurteil „Männergeschäft Fußball“ widerlegt. Mit seiner Chefin und einem Kollegen baut er seit August 2010 die gleichnamige Abteilung auf. Dabei setzen sie auf Antidiskriminierungsarbeit. „In unserem Team entwickeln wir zum Beispiel Strategien, wie wir Rassismus und Vorurteile aus dem Stadion verdrängen und wie wir die Fans sensibilisieren können“, erklärt Till Schüssler. „Wir greifen ein, bevor es handgreiflich wird.“ Derzeit arbeitet er zudem an einem Konzept, das „strafrechtlich auffällig gewordenen Fans“ die Möglichkeit bieten soll, sich in einer sozialen Maßnahme, die bei Werder Bremen stattfindet, zu bewähren. Damit soll ein Stadionverbot umgangen werden.
„Wir sind in der Fan-Szene bekannt und haben somit die Möglichkeit, deeskalierend einzuwirken“, sagt Till Schüssler. Dabei ist es wichtig, sich auf den einzelnen Menschen einzustellen. Denn: „Es gibt viele unterschiedliche Fans. Man muss sich auf alle einlassen und vor allem offen sein.“ Gerade für den Kontakt bei internationalen Spielen seien gute Englischkenntnisse daher ein Muss.
Um eine Eskalation zu vermeiden, ist es wichtig, Kompetenzen etwa im Konfliktmanagement oder in der Gesprächsführung zu haben. Um beim Thema Sicherheitskonzepte oder Interventionsmöglichkeiten möglichst „up-to-date“ zu sein, besucht der 26-Jährige jährlich mehrere Weiterbildungsseminare.
Flexible Arbeitszeiten
Da hilft ihm natürlich sein Studium sehr. Till Schüssler studiert Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen. „In Seminaren wie Selbst- und Fremderfahrung werde ich gut auf den Berufsalltag vorbereitet.“ Derzeit ist er im fünften Semester, zwei Jahre hat er noch vor sich, denn er muss nun Werder und Studium unter einen Hut bringen. Seine Bachelorarbeit will er – wie nicht anders zu erwarten – über seinen Verein schreiben. „Angedacht ist, ein neues Konzept zum Fanmanagement zu entwickeln.“ Studium und Beruf kann er gut vereinbaren, weil er flexible Arbeitszeiten ausgehandelt hat. Was für ihn zählt, ist sein Job, an weitere Karriereschritte denkt er derzeit nicht: „Ich habe einen interessanten und abwechslungsreichen Beruf. Mir macht es viel Spaß, mit Werder durchs Land zu reisen.“




