8 Uhr morgens, Übergabe vom Nachtdienst: „Eine Neuaufnahme, ansonsten keine Besonderheiten“, resümiert der diensthabende Kollege von Iris Lehmann. Auch auf der Wachstation, wo instabile Patienten mit speziellen Monitoren überwacht werden, war alles ruhig. Die 30-jährige Ärztin arbeitet in einer Klinik für geriatrische Rehabilitation und Akutgeriatrie im oberbayerischen Haag.
Geriatrie = Altersmedizin
Geriatrie bedeutet Altersmedizin, behandelt werden typische internistische Krankheitsbilder wie zum Beispiel der Zustand nach einem Herzinfarkt, Bypass- oder Herzklappenoperation, Diabetes mit Folgeerkrankungen, Niereninsuffizienz, aber auch chirurgische und neurologische Erkrankungen, wobei nicht einzelne Krankheitsbilder für sich stehen: „Bei uns geht es um die Selbstversorgungsfähigkeit des Patienten“, erklärt die 30- Jährige den therapeutischen Ansatz. In das geriatrische Team eingebunden sind Pflegekräfte, Therapeuten, Psychologen und Ärzte.
Nach der Absprache mit dem Nachtdienst beginnt für sie die Visite. Von den 30 bis 40 Patienten auf der Station ist sie für zehn bis 15 Patienten zuständig. Sie schaut Kurven und Vitalparameter an, entscheidet, ob bei der Medikamentenverschreibung etwas verändert werden soll und welche Untersuchungen anstehen: „Manche Behandlungen kann ich vor Ort vornehmen, andere technische Untersuchungen wie etwa Röntgenaufnahmen oder Ultraschall führe ich in der jeweiligen Fachabteilung durch.“ Nach der Mittagsrunde, bei der Röntgen- und andere Untersuchungsbefunde durchgesprochen werden, steht neben weiteren Behandlungen Schreibtischarbeit auf dem Plan. Die nimmt aufgrund der wachsenden Dokumentationspflicht zunehmend Raum ein: Entlassungsbriefe, Anträge, aber auch das Sichten von Laborbefunden.
Wie weit ihr eigener Entscheidungsrahmen geht, wird je nach Situation bestimmt: „Das hängt von der Zusammenarbeit mit dem Oberarzt und von der eigenen Erfahrung ab.“ Drei Jahre hat sie in der „Inneren“ gearbeitet, bevor sie zur Geriatrie wechselte. Noch ist sie Assistenzärztin und hat ihre Facharztausbildung Richtung „Innere Medizin und Allgemeinmedizin“ nicht ganz abgeschlossen – es fehlt eine mündliche Prüfung. Der Inhalt einer Facharztausbildung ist Ländersache. Welche Untersuchungen und Weiterbildungen sie ablegen muss, legt die bayerische Landesärztekammer in einem Katalog fest. Ihre Facharztausbildung für Innere Medizin dauert sechs Jahre, davon muss ein halbes Jahr auf einer Intensivstation abgelegt werden.
Kleinere Kommunalklinik
Als Iris Lehmann sich nach ihrem Staatsexamen an der LMU München für die praktische Ausbildung zum Facharzt bewarb, erhielt sie mehrere Angebote aus dem Münchner Umland, unter anderem von den Mühldorfer Kliniken, zu der auch das Krankenhaus in Haag gehört. Angefangen hat sie die Facharztausbildung in Mühldorf, später ist sie in die Klinik nach Haag gewechselt: „Eine kleinere Kommunalklinik hat den Vorteil, dass das Team zügig zusammenwächst und man recht schnell eigenverantwortlich handeln kann. Zudem hat man mir eine Hospitanz angeboten, so dass ich die Möglichkeit hatte, andere Ärzte zu befragen und abzuklären, wie die Einarbeitungszeit abläuft.“ Ihr war zum Beispiel wichtig, nicht gleich am Anfang Nachtdienste übernehmen zu müssen. Rückblickend ist für sie der Übergang von dem theorielastigen Studium in die Praxis sehr gut verlaufen und sie hat ein Fachgebiet gefunden, in dem sie sich gut aufgehoben fühlt.





