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Die eigene Praxis

Dr. Claudia Wildführ (41) führt einen Ultraschall bei einer Patientin aus.
Dr. Claudia Wildführ (41): "Mittlerweile behandle ich ganze Familien, von der Großmutter bis zum Säugling."
Foto: Privat

Allgemeinmedizinerin

Die eigene Praxis

Eigentlich wollte Claudia Wildführ (41) immer in einer Klinik arbeiten. Heute hat sie ihre eigene Hausarztpraxis auf dem Land. Tauschen möchte sie nicht mehr, weil sie als Hausärztin einen festen Platz im Leben ihrer Patienten eingenommen hat.

Während ihrer Facharztausbildung in der Klinik dachte sie noch, dass sie in einer Klinik bleiben wolle: „Ich mochte die Atmosphäre im OP und das Arbeiten im Klinikteam“, sagt Dr. Claudia Wildführ mit einem breiten Lachen. Heute führt sie im ländlichen Raum eine eigene Praxis und ist hochzufrieden. Eine Einzelkämpferin ist sie trotzdem nicht geworden: „Ich treffe die meisten Entscheidungen zwar alleine, aber ich habe auch intensiven Kontakt zu ehemaligen Kollegen aus der Klinik oder zu Fachärzten. Ich überweise Patienten dorthin und spreche mit den Kollegen die Befunde durch.“

Aus privaten Gründen

Dass sie den Klinikalltag gegen die eigene Praxis getauscht hat, hat sich eher aus privaten Gründen ergeben und ist nicht Resultat einer langjährigen Planung. Wegen ihrer zwei Kinder wollte sie eine Teilzeitstelle, aber die sind in Kliniken zurzeit noch rar. Bevor sie ihre eigene Praxis eröffnete, konnte sie in einer Arztpraxis mitarbeiten. Als sie in ihrem Wohnort in Fensterbach in der Nähe von Amberg von einer Ärztin einen Praxissitz übernehmen konnte, zögerte sie nicht lange. Obwohl die Praxis ihrer Vorgängerin seit zwei Jahren geschlossen war, gelang es ihr, innerhalb kürzester Zeit wieder einen Patientenstamm aufzubauen.

„Mittlerweile behandle ich ganze Familien, von der Großmutter bis zum Säugling.“ In den Sprechstunden am Vormittag kommen im Schnitt 30 Patienten, bei denen vom Gesundheitscheck über Rückenschmerzen bis hin zur Wundversorgung alles dabei ist. Wer sich heute als Haus- oder Facharzt niederlassen möchte, muss eine Facharztprüfung absolviert haben. Claudia Wildführ ist Allgemeinmedizinerin und hat für ihre Facharztprüfung unter anderem eineinhalb Jahre in der Chirurgie, weitere eineinhalb Jahre in der Inneren Medizin gearbeitet sowie eine Weiterbildung zur Kinderärztin und obendrein freiwillig eine dreimonatige Ausbildung in Naturheilverfahren durchlaufen.

In ihrem praxiseigenen Labor führt sie mit ihren zwei medizinischen Fachangestellten Blutuntersuchungen durch; auch Belastungs-EKGs, chronisches Wundmanagement und einfache Lungenfunktionstests kann sie in der Praxis anbieten. Ein Großteil ihrer Patienten sind Kinder: „Da geht es neben den normalen Pflichtuntersuchungen um klassische Kinderkrankheiten und um Impfprogramme.“

Manchmal wird sie eingeladen von Vereinen oder Organisationen, um Vorträge zu halten: „Ich erzähle zum Beispiel etwas über Kneippanwendungen, Homöopathie oder Kräuterkunde.“ Für sie gehört das zur Patientenpflege dazu. Auch an drei Nachmittagen ist die Praxis für zwei Stunden geöffnet, dazwischen führt sie Hausbesuche durch. Ihr Pensum ist zwar alles andere als eine Teilzeitstelle, aber da sich die Praxis gegenüber ihrem Wohnhaus befindet, kann sie Familien- und Berufsleben ganz gut miteinander vereinbaren.

Gestaltungsspielraum

„Das Schöne an der eigenen Praxis ist, dass ich meine Umgebung gestalten kann“, meint Claudia Wildführ. Das betrifft nicht nur die Einrichtung: „Mir ist es wichtig, dass Patienten, die regelmäßig kommen, mit Namen angesprochen werden und dass kein Fachchinesisch gesprochen wird.“ Zwar nimmt auch der Papierkram einige Zeit in Anspruch, aber sie ist technisch so gut aufgestellt, dass sie längst nicht alle Befunde eintippen muss: „Vieles geht automatisch.“

abi>> 19.03.2012