Von Stuttgart nach Seoul
Das Herz von Thomas Geyer schlägt für Südkorea. Der 41-Jährige ist seit 16 Jahren mit einer Koreanerin verheiratet und lebt und arbeitet seit 2007 in Seoul.
"Ich kann den Weg über eine deutsche Firma mit Kontakten nach Asien nur empfehlen", sagt Thomas Geyer.
Foto: Privat
Durch Familienbesuche kannte er das Land bereits, hatte Grundkenntnisse in der Sprache und konnte sich gut vorstellen, dort eine Zeitlang zu leben. „Ich habe mir in Deutschland ein Unternehmen gesucht, das Kontakte nach Südkorea hat“, skizziert der Diplom-Informatiker, der in Erlangen studiert hat, seinen Weg nach Asien. Fündig wurde er bei dem Stuttgarter Automobilzulieferer Vector Informatik, der Werkzeuge zur Entwicklung elektronischer Bauteile fertigt. Nach zwei Jahren Einarbeitung in Stuttgart ging Thomas Geyer nach Südkorea, um dort eine eigene Niederlassung für sein Unternehmen aufzubauen. Diese vertreibt die deutschen Produkte und unterstützt ihre koreanischen Kunden bei der Einführung der Werkzeuge oder bei Problemen. „Ich kann den Weg über eine deutsche Firma mit Kontakten nach Asien nur empfehlen“, zieht der heutige Geschäftsführer Bilanz. „Eine andere Option wäre es, sich bei koreanischen Unternehmen in Deutschland – wie Samsung, LG oder Kia – nach einer Stelle umzusehen und später nach Seoul zu wechseln.“
Hierarchische Gesellschaft
16 Mitarbeiter hat die asiatische Vector-Niederlassung mittlerweile, 14 von ihnen sind Koreaner. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist hier anders als in Deutschland – auch wenn Südkorea eines der modernsten asiatischen Länder ist“, erklärt der Informatiker. Die koreanische Gesellschaft ist generell sehr hierarchisch geprägt, Titel auf der Visitenkarte sind äußerst wichtig, und alte Menschen haben einen hohen gesellschaftlichen Status. „Selbst mit meinen 41 Jahren werde ich von älteren Geschäftspartnern nicht immer voll anerkannt“, berichtet der Deutsche. „Zu manchen Verhandlungen nehme ich deshalb bewusst ältere Mitarbeiter mit.“ Der Umgang innerhalb seiner Firma sei sehr formell. „Ich musste meinen Mitarbeitern zum Beispiel erst einmal beibringen, dass die Ideen nicht immer vom Chef persönlich kommen müssen.“ Bei Verhandlungen komme es zunächst darauf an, den Geschäftspartner gut kennen zu lernen – was manchmal erst nach mehreren Geschäftsessen der Fall sei. „Viele Unternehmen legen einen hohen Wert auf die Trinkfestigkeit ihrer Mitarbeiter“, berichtet Thomas Geyer schmunzelnd. Bei der Arbeit reizen ihn vor allem die vielen Möglichkeiten, die der noch recht junge Markt Korea bietet. „Wir haben hier jedes Jahr hohe Wachstumsraten, und von der Wirtschaftskrise haben wir wenig bemerkt.“
Er empfiehlt Hochschulabsolventen, die in Seoul arbeiten wollen, unbedingt die Sprache zu lernen, „denn nur dann hat man die Chance, Koreaner und ihre Gesellschaft ein bisschen besser kennen zu lernen“. Allein für die Arbeit reiche Englisch allerdings zur Verständigung aus. Neben Grundkenntnissen der Sprache sollten Interessenten auf jeden Fall offen sein für die fremde Kultur, und sie sollten ihre Wertvorstellungen aus Deutschland nicht automatisch auf das asiatische Land übertragen.
Ein paar Jahre möchte der Informatiker auf jeden Fall noch in Südkorea bleiben – danach ist für ihn eine Rückkehr nach Deutschland nicht ausgeschlossen.
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