Die Möglichkeiten ausschöpfen

Frau mittleren Alters zeigt Jungen etwas am MacBook
Die Vereinbarkeit von Familie mit Studium und Beruf gewinnt immer mehr an Bedeutung. So bieten einige Hochschulen beispielsweise Kinderbetreungsplätze am Campus an.
Foto: Weishart

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Hintergrund

Die Möglichkeiten ausschöpfen

Damit Frauen und Männer den Spagat zwischen Familie auf der einen, sowie Ausbildung, Studium oder Beruf auf der anderen Seite schaffen, braucht es möglichst flexible Rahmenbedingungen. In der Praxis gibt es deshalb zahlreiche Modelle, Beratungsstellen und finanzielle Fördermöglichkeiten. Auch Hochschulen rüsten in puncto Familienfreundlichkeit nach.

Als sie erfuhren, dass sie Zwillinge bekommen, haben Alice Werther und ihr Mann sich überlegt, wie sie die Betreuung der Kleinen stemmen können. „Für uns stand von Beginn an fest, dass wir die Kinderbetreuung auf beide Schultern verteilen wollen“, erzählt die 35-Jährige. Bereits weit vor der Geburt haben sie sich zudem bei mehreren Kitas angemeldet. „Uns war wichtig, dass die Kita in der Nähe unserer Wohnung liegt, damit wir beide die Kinder abholen und bringen können“, erklärt sie. Das hat geklappt.

Nachdem die Kinder auf der Welt waren, hat sich Alice Werther sechs Monate lang allein um die Kinder gekümmert. Nach sechs Monaten, stieg die Sozialwissenschaftlerin und Ingenieurin mit acht Stunden pro Woche wieder in ihren Beruf ein und ihr Mann, der bei einem IT-Unternehmen angestellt ist, ging für drei Monate in Elternzeit. Nach knapp einem Jahr wurden die Kinder dann Schritt für Schritt in die Kita eingewöhnt. Alles lief gut, daher konnten beide wieder in ihren Berufen starten – zunächst in Teilzeit. Mittlerweile sind die Kinder zwei Jahre alt. Alice Werther arbeitet aktuell 25 Stunden pro Woche, ihr Mann in Vollzeit.

Finanzielle Unterstützung

Ein Porträt-Foto von Alice Werther

Alice Werther

Foto: Diana Feuerer

Es gibt verschiedene staatliche Angebote, die bei der Finanzierung der Elternzeit helfen: Elterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus: „Welche Varianten die günstigsten sind, kann man mithilfe eines Onlinerechners durchspielen oder sich beraten lassen“, erinnert sich Alice Werther. Selbstverständlich muss man sein Vorhaben aber auch mit dem Arbeitgeber abklären.

Sabine Schwarz, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz der Bundesagentur für Arbeit, rät, sich unbedingt rechtzeitig eine Rückkehrstrategie zu überlegen: „Dazu gehört etwa, dass man frühzeitig Gespräche mit dem Arbeitgeber über die berufliche Zukunft führen sollte.“ Gerade am Anfang sind eingeschränkte Beschäftigungen möglich, etwa Urlaubs- oder Krankenvertretung, Projektarbeit und Telearbeit. „Im Rahmen der Elternzeit sind bis zu 30 Stunden Teilzeitarbeit möglich“, weiß die Expertin.

Option Teilzeitausbildung

Aber nicht immer läuft alles nach Plan. Mitunter gibt es Herausforderungen in der Karriereplanung, etwa wenn junge Menschen sehr früh eine Familie gründen, Angehörige pflegen oder andere individuelle Lebensumstände einen Plan B erfordern. „Leider zu wenig bekannt ist die Möglichkeit einer dualen Ausbildung in Teilzeit“, sagt Sabine Schwarz. Die Teilzeitausbildung ist seit 2004 im Berufsbildungsgesetz verankert. Wer eine Teilzeitausbildung macht, besucht die Berufsschule in Vollzeit. Die Arbeitszeiten im Betrieb werden hingegen individuell angepasst. Bei insgesamt unter 25 Stunden pro Woche (Schule plus Arbeitszeit im Betrieb) verlängert sich die Ausbildungszeit um ein Jahr. Bei über 25 Stunden bleibt es bei der regulären Ausbildungszeit.

Immerhin sechs Prozent der Studierenden in Deutschland haben laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ein oder mehrere Kinder. „Die Eltern müssen ein ausgeprägtes Organisationstalent an den Tag legen, um Vorlesungen, Seminare und Praktika mit den Betreuungszeiten der Kinder zu vereinbaren“, sagt Sabine Schwarz. Wertvolle Unterstützung leisten hier die Studentenwerke mit einem vielfältigen Beratungs- und Betreuungsangebot, auch was finanzielle Zuschüsse angeht.

Zwischen Campus und Kita – familiengerechte Hochschule

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Studium wurden von vielen Bundesländern Programme aufgelegt, um bei der Kinderbetreuung das Angebot an den Hochschulen auszubauen. Dazu gehören beispielsweise die Einrichtung von Elternservice- oder Familienbüros, Kinderbetreuungsplätze an den Hochschulen, Sozialberatungsstellen der Studentenwerke, Studien- und Prüfungsregeln für eine familiengerechte Studiengestaltung oder auch die Berücksichtigung der Ortsbindung als Härtefallbegründung bei der Studienplatzvergabe.

Zahlreiche Hochschulen haben zudem das Audit „familiengerechte Hochschule" absolviert, das eine familien- und lebensphasenbewusste Gestaltung ihrer Studien- und Arbeitsbedingungen bescheinigt.

Weitere Informationen

Bundesagentur für Arbeit

Inforamtionen zur Teilzeitberufsausbildung

www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung/ausbildungsdauer-verlangerung-verkuerzung

Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“

Eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

www.erfolgsfaktor-familie.de

Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM)

Der Verband gibt das „Dschungelbuch“ heraus, ein Leitfaden für berufstätige Mütter und solche, die es werden wollen (Leseprobe online).

www.vbm-online.de

Familien-Wegweiser.de

Die Plattform des Bundesfamilienministeriums informiert (werdende) Eltern über die wichtigsten Leistungen, rechtlichen Regelungen und Betreuungs- sowie Beratungsangebote.

www.familien-wegweiser.de

berufundfamilie

Die Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung zertifiziert familienfreundliche Unternehmen, Hochschulen und öffentliche Institutionen, alle aktuellen Zertifikatsträger finden sich in einer Übersicht.

www.beruf-und-familie.de

Bundesforum Männer

Eine Interessenvertetung für Jungen, Männer und Väter. Die Website bietet Stellungnahmen zu (familien-)politischen Themen sowie Veranstaltungshinweise.

www.bundesforum-maenner.de

Deutsches Studentenwerk: Informationen für Studierende mit Kind

www.studentenwerke.de/de/node/1649

Deutsches Studentenwerk: Studieren mit Kind – Ein Mutmacher (PDF)

www.studentenwerke.de/sites/default/files/broschuere_studieren_mit_kind_-_ein_mutmacher.pdf

 

Ausbildung mit Kind

Berufsausbildung dank Teilzeitmodell

Die 25-jährige Irina Schmidt absolviert eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement – und zwar in Teilzeit. So bringt sie Berufsausbildung und Kindererziehung gut unter einen Hut.

Den Start ins Berufsleben mit einem kleinen Kind zu meistern, ist eine große Herausforderung: „Überhaupt eine Ausbildungsstelle zu finden, ist gar nicht so einfach, von einem Betreuungsplatz für das Kind mal ganz abgesehen“, erzählt Irina Schmidt. Diese Erfahrung musste die 25-Jährige machen, die zunächst auf eigene Faust versuchte, einen Ausbildungsplatz zu finden. Nach ihrem Abitur hatte sie zunächst ein philologisches Studium an der Ruhr-Universität Bochum aufgenommen und nebenbei immer viel gearbeitet, um ihr Studium zu finanzieren. Als dann ihre Tochter zur Welt kam, setzte sie eineinhalb Jahre mit dem Studium aus. Dann entschied sie sich für einen Neustart und damit für eine Ausbildung.

Dank TEP zum Ausbildungsplatz

Ein Porträt-Foto von Irina Schmidt

Irina Schmidt

Foto: privat

Bei der Bochumer Agentur für Arbeit erfuhr sie vom Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP), das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. „Das ist ein Projekt für Menschen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen“, erzählt Irina Schmidt. Mithilfe einer TEP-Betreuerin hat sie innerhalb von zwei Monaten eine Ausbildungsstelle gefunden. Bei der Bochum Wirtschaftsentwicklung wird sie nun zur Kauffrau für Büromanagement ausgebildet.

In der Praxis bedeutet die Teilzeit-Ausbildung, dass sie die Berufsschule ganz regulär genauso wie andere Auszubildende zweimal in der Woche besucht. Ihre Arbeitszeiten im Unternehmen sind jedoch verkürzt. Möglich sind bei ihrer Form der Teilzeitausbildung, je nach Absprache mit dem Arbeitgeber, insgesamt zwischen 25 und in der Regel etwa 32 Stunden (Schule plus Arbeitszeit im Unternehmen). Die Ausbildung wird aber dadurch insgesamt nicht länger. Im Gegenteil: Aufgrund ihres Abiturs kann Irina Schmidt die Dauer ihrer Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen. Es gibt auch andere Varianten der Teilzeitausbildung. Beträgt etwa die Arbeitszeit weniger als 20 Wochenstunden, verlängert sich die Ausbildungszeit insgesamt. Irina Schmidt hat sich für eine 32-Stunden-Woche entschieden: „Ich habe mir das anfangs sehr schwierig vorgestellt, aber die ersten Monate liefen richtig gut“, erinnert sie sich.

Straffer Zeitplan

Ihr Alltag mit Kind ist sehr strikt geplant: Bevor sie abends schlafen geht, bereitet sie die Tasche für die Kleine sowie ihre eigenen Sachen für den nächsten Tag vor. Um kurz nach halb sieben verlässt sie ihre Wohnung, ab sieben Uhr kann sie ihre Tochter bei der Tagesmutter abgeben: Um 7:30 Uhr ist sie dann bei der Arbeit. „Zum Glück habe ich kurze Wege von meiner Wohnung bis zur Tagesmutter und zur Arbeit“, erzählt sie. Der Weg zur Berufsschule ist zwar etwas weiter, aber zu spät gekommen sei sie noch nie.

Inhaltlich gefällt ihr die Ausbildung sehr: „Ich habe schon während des Studiums gerne Bürojobs übernommen. Mir gefällt die Arbeit in der Verwaltung. Während der Ausbildung durchlaufe ich mehrere Abteilungen, etwa IT-Organisation, Kommunikation, Finanzwesen, Personalwesen, Immobilienmanagement. Ich bin erst seit drei Monaten dabei und möchte diese Ausbildung unbedingt schaffen“, erzählt sie. Die Vor- und Nachbereitung für den Berufsschulunterricht erledigt sie abends, wenn ihre Tochter schläft.

 

Studium mit Kind

Erst Sandmann, dann Schreibtisch

Ein verlässlicher Partner, den Fokus stets auf das nächste Etappenziel gerichtet und viel Humor: So haben Anneke Siedke (24), ihr Mann und ihre kleine Tochter den Weg durchs Bachelorstudium geschafft.

Um sechs Uhr aufstehen, die zweijährige Tochter wecken, gemeinsam frühstücken, dann rauf aufs Fahrrad. Bis zur Kita sind es 30 Minuten, der Campus liegt zum Glück gleich ums Eck. Anneke Siedke und ihr Mann studieren beide in Potsdam; sie ist an der Uni im zweiten Mastersemester Germanistik, er studiert an der FH „Urbane Zukunft“. Mit den morgendlichen Fahrten in die Kita wechseln sich die Eltern ab. Nach maximal sieben Stunden holt einer der beiden die Kleine wieder ab. Dann ist Familienzeit – spielen, essen, Geschichten lesen, Sandmann schauen. Ab acht Uhr abends widmen sich die beiden meist wieder ihrem Studium.

Den Kitaplatz haben sie erst seit wenigen Monaten. „Ich weiß selbst nicht mehr, wie das vorher ohne Kita gegangen ist – verrückt“, lacht Anneke Siedke. Vorher, das war in Kiel, wo sie ihren Bachelor in Deutsch und Geschichte absolviert hat und ihr Mann zur Uni nach Bremen gependelt ist.

Mit Baby in die Vorlesung

Ganz am Anfang nahm sie das Baby mit in die Uni. „In kleineren Seminaren und in einer Vorlesung, in der der Professor kein Problem damit hatte, war das möglich. Die Kleine hat die meiste Zeit geschlafen“, erinnert sich die 24-Jährige. Ansonsten haben sie und ihr Mann sich stunden- oder tageweise abgewechselt, so dass jeder seine Veranstaltungen an der Uni besuchen konnte. „Wir mussten quasi jeden Tag genau vorausplanen.“
Alles machbar, auch wenn sie sehr flexibel sein mussten und nicht immer alles reibungslos geklappt hat. „Als wir beide unsere Bachelorarbeit geschrieben haben und das Leben quasi aus Schreibtischarbeit und Baby bestand, war das schon sehr anstrengend“, gibt sie zu. Immerhin werden die beiden von ihren Familien unterstützt. Aber die wohnen nicht in Kiel und auch nicht in Potsdam und müssen erst einmal anreisen.

Die Kita war ein großer Schritt

Die Eingewöhnung in die Kita war ein großer Schritt für die junge Familie. Flexible Angebote der Hochschulen sind deshalb besonders wichtig für sie. „Wenn es an der Uni zum Beispiel Anwesenheitspflicht gibt, ist das für uns ein echter Stolperstein“, sagt Anneke Siedke. Und mit Blick auf Prüfungs- und Abgabetermine, die sie wegen ihrer Tochter verschieben musste: „Manche reagieren kulant, andere schicken einen direkt zum Prüfungsamt.“

Es gibt Universitäten, da können Studierende mit Kind etwa ihre Kurse früher wählen als andere, was für Planungssicherheit sorgt. Abgesehen davon sind Gleichstellungsbeauftragte der Hochschulen eine gute Anlaufstelle. Auch beim Studentenwerk oder Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) können sich studierende Eltern beraten lassen, wenn es beispielsweise um ein Urlaubssemester, Wohngeld oder Sozialhilfe fürs Kind geht.

Fokussiert durchs Studium

Finanzielle Unterstützung braucht die junge Familie nicht. Beide Eltern hatten schon bevor es ihre Tochter gab Stipendien und Nebenjobs. Auch aktuell arbeitet Anneke Siedke als studentische Hilfskraft an der Uni.

Dass das Studium unter der Situation leidet, kann sie nicht behaupten: „Mit Kind läuft alles fokussierter ab, weil ich einfach weniger Zeit habe. Die nutze ich aber umso effektiver.“

 

Vater in Elternzeit

„Diese Zeit kann man nicht nachholen“

Immer mehr Väter nutzen die Möglichkeit einer Elternzeit. Tim Schöne (39) ist promovierter Philosoph sowie Vater von zwei Kindern – und hat die Chance beide Male für jeweils fünf Monate genutzt. „Ich kann das nur jedem Vater empfehlen“, findet er.

An den ersten Monat nach der Geburt seines ersten Kindes erinnert sich Tim Schöne noch genau: „Da steht mal kurz die Welt Kopf“, sagt er. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, ist ein zweites Kind hinzugekommen und alles läuft in geregelten Bahnen – soweit das eben mit einem einjährigen und einem dreijährigen Kind möglich ist.

Bei den Schönes war von Anfang an klar, dass sich beide in der Kindererziehung engagieren. „Ich wollte das ‚Vater werden‘ nicht so nebenbei mitbekommen. Ich denke, dass heute viele Väter diesen Wunsch haben“, sagt er – und die Statistik gibt ihm recht. Wobei die Mehrheit der Väter „nur“ zwei Monate in Elternzeit geht. Grund dafür ist die Regelung beim Elterngeld: Paare bekommen zwölf Monate lang das volle Elterngeld, wenn nur einer zu Hause bleibt. Geht der Partner ebenfalls mindestens zwei Monate in Elternzeit, erhöht sich der Anspruch auf vierzehn Monate.

Finanzielle Gründe und Sorgen um die Karriere

Ein Porträt-Foto von Tim Schöne

Tim Schöne

Foto: Friedhelm Albrecht

„Dass Väter oft nur zwei Monate nehmen, hat sicherlich finanzielle Gründe“, glaubt Tim Schöne. Das Elterngeld beträgt zwischen 65 und 67 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, maximal aber 1.800 Euro – damit ersetzt es den Lohn nur zum Teil. Hinzu kommt die Sorge um die eigene Karriere: „Darüber habe ich mir natürlich auch Gedanken gemacht“, gibt Tim Schöne zu.

Bei beiden Kindern entschied er sich, den ersten Monat nach der Geburt Elternzeit zu nehmen sowie die letzten vier Monate der Anspruchszeit. Doch während er beim ersten Kind einen Monat lang gemeinsam mit seiner Frau in Elternzeit war, haben sie sich beim zweiten quasi die Klinke in die Hand gegeben. „Ich hatte freitags meinen letzten Arbeitstag, sie am Montag ihren ersten“, erinnert er sich. Beim ersten Kind sei aber auch der Stresspegel höher gewesen: „Beim zweiten Kind lief das entspannter ab.“

Positive Reaktionen aus dem beruflichen Umfeld

Tim Schönes Frau arbeitet als Lehrerin, er selbst ist promovierter Philosoph und an der Universität Tübingen im Gebiet Qualitätsentwicklung für Studium und Lehre tätig. Dass er im öffentlichen Dienst arbeitet, sei sicherlich ein Vorteil: „Familienfreundlichkeit wird bei uns groß geschrieben“, sagt er. Sein berufliches Umfeld habe jedenfalls entsprechend positiv reagiert und versucht, mit ihm gemeinsam eine Lösung für seine Abwesenheitszeiten zu finden. So hat er mit beiden Elternzeiten gute Erfahrungen gemacht.

Nach Ablauf der zweiten Elternzeit möchte Tim Schöne wieder in Vollzeit in seinen Beruf einsteigen. Zum Glück kann seine Frau als Lehrerin Stunden reduzieren und später wieder aufstocken. „Zweiteilen kann man sich nicht. Aber je mehr Flexibilität man Eltern einräumt, umso besser“, findet er.

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Übersicht

Übersicht: Arbeitszeitmodelle

Inzwischen gibt es eine Reihe von Arbeitszeitmodellen, die Arbeitnehmern dabei helfen, Job, Familie und Privatleben besser unter einen Hut zu bekommen. abi>> stellt die gängigsten vor.

Teilzeit

Grundsätzlich wird bei Teilzeit die Arbeitszeit reduziert. Vereinbart werden können dabei sowohl fixe als auch flexible Arbeitszeiten. Es kann zum Beispiel eine wöchentliche Mindeststundenzahl abgesprochen werden, ohne feste Anwesenheitszeiten. Genauso ist es möglich, die Anzahl der Arbeitstage zu reduzieren, an den Anwesenheitstagen aber Vollzeit zu arbeiten. Unterschieden wird zwischen vollzeitferner und vollzeitnaher Teilzeit (ab einer wöchentlichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 30 Stunden). Letztlich ist die Absprache mit dem Arbeitgeber für die Ausgestaltung der Teilzeit entscheidend.

Job-Sharing

Job-Sharing bietet viele Freiheiten, erfordert aber auch viel Absprache mit den Kollegen, mit denen man sich die Arbeitsstelle teilt. Während sich beim klassischen Job-Sharing zwei Kollegen eine Stelle teilen, gibt es auch das „Job-Splitting“, bei dem ein Arbeitsplatz unter mehreren aufgeteilt wird. Damit immer alle auf dem Laufenden bleiben, ist Kommunikation hier besonders wichtig.

Arbeitszeitkonto

Arbeitszeitkonten sind die Grundlage zur Anrechnung und Verwaltung der von den Mitarbeitern geleisteten Arbeitsstunden. Wie und wie viele Stunden gesammelt und abgebaut werden können, wird von dem begleitenden Arbeitszeitmodell festgelegt. Es gibt Jahresarbeitszeitkonten, Langzeitarbeitskonten und Lebensarbeitszeitkonten. Bei auf kurze Dauer angelegten Arbeitszeitkonten können keine Stunden für Sabbaticals oder Kinderpausen angesammelt werden. Arbeitszeitkonten können also je nach Absprache mit dem Vorgesetzten mehr oder weniger flexibel gehandhabt werden. Die Grundregel lautet: Je länger die Laufzeit, desto größer die Flexibilität.

Telearbeit/Homeoffice

Internet, Skype, Telefon- oder Videokonferenz machen es immer leichter, auch teilweise oder ganz von zu Hause aus zu arbeiten. Vorteil ist die räumliche Selbstbestimmung. Ohne den Kontakt zu Kollegen und Büroatmosphäre zu arbeiten, ist jedoch nicht für jeden geeignet.

Gleitzeit

Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sind variabel, wobei es häufig eine Kernarbeitszeit gibt, zu der man anwesend sein muss.

Sabbatical

Bei diesem Arbeitszeitmodell kann je nach Betriebszugehörigkeit und Vereinbarung eine Auszeit von bis zu ein Jahr genommen werden. Für Lehrer, Angestellte im öffentlichen Dienst und Beamte gibt es Regelungen, die das Planen einer Auszeit erleichtern. Aber im Grunde kann jeder eine Auszeit nehmen – ob und zu welchen Modalitäten das möglich ist, hängt dann von den Absprachen mit dem Arbeitgeber ab. So kann man beispielsweise vier Jahre lang in Vollzeit arbeiten, in dieser Zeit aber nur einen Teil des Gehaltes beziehen. Das so erwirtschaftete Guthaben wird dann während des Sabbaticals als monatliches Gehalt ausbezahlt.

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Interview

Warum Familienfreundlichkeit für Unternehmen ein Pluspunkt ist

Das erklärt Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, die Unternehmen hilft, familienfreundliche Konzepte zu entwickeln.

abi>> Was hat sich in punkto Familienfreundlichkeit bei deutschen Unternehmen getan?

Oliver Schmitz: Kurz gesagt: ziemlich viel. Die deutsche Bevölkerung ist überaltert, es werden in den kommenden Jahren mehr Beschäftigte in Rente gehen, als Berufsanfänger nachkommen. Je nach Branche und Region, in der das Unternehmen tätig ist, müssen Arbeitgeber bereits deutlich mehr Mühe und Zeit investieren, um offene Stellen neu zu besetzen. Firmen stellen sich heute also die Frage, wie sie neue Beschäftigte von sich überzeugen und die vorhandenen Mitarbeiter an sich binden können. Und da kommen familienbewusste Angebote ins Spiel. Denn nicht mehr ein hohes Gehalt ist für viele Menschen ein entscheidendes Argument, ein Jobangebot anzunehmen. Stattdessen möchten sie neben dem Beruf auch noch Zeit für die Familie, Freunde und Hobbys haben.

abi>> Was heißt das genau: familienfreundlich?

Ein Porträt-Foto von Oliver Schmitz

Oliver Schmitz

Foto: privat

Oliver Schmitz: Durch welche Maßnahmen die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erleichtert wird, wird unter anderem durch Faktoren wie Durchschnittsalter und Größe der Belegschaft oder auch durch die Struktur des Unternehmens bestimmt. Beispiel: Einen betrieblichen Kindergarten einzurichten, ist in einem großen Unternehmen sinnvoll, in dem genügend Beschäftigte Kinder im entsprechenden Alter haben. Handelt es sich jedoch um einen kleinen Betrieb, der mehrheitlich ältere Beschäftigte zählt oder gibt es in der Region ein ausreichendes Betreuungsangebot, sind andere Angebote besser geeignet.

abi>> Sind es eigentlich nur Frauen, die Wert auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen?

Oliver Schmitz: Keineswegs. Die Zeiten, in denen Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben reine Frauensache war, sind vorbei. Männer haben ebenso den Wunsch, und es wird auch zunehmend von ihnen erwartet, neben dem Beruf, Zeit für Familie und Freunde zu haben.

abi>> Wie profitieren die Unternehmen von familienfreundlichen Konzepten?

Oliver Schmitz: Unternehmen müssen zunächst investieren, um familienbewusst zu sein. Zum Beispiel benötigt ein Home-Office-Platz die passende Technik, und die ist eben nicht umsonst. Ihr Profit: Indem sie ihre Beschäftigten darin unterstützen, Beruf, Familie und Privatleben zu vereinbaren, sind diese zufriedener mit ihrem Job. Sie sind motivierter bei der Arbeit, seltener krank und sehen keinen Grund, den Job zu wechseln. Außerdem kann das Unternehmen mit solchen Angeboten Bewerber von sich überzeugen und gut ausgebildete Absolventen und Azubis für sich gewinnen. Familienbewusstsein ist also ganz klar eine Win-Win-Situation für beide Seiten - Beschäftigte und Unternehmen.


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Berufsausbildung dank Teilzeitmodell

  • Erst Sandmann, dann Schreibtisch

  • Übersicht: Arbeitszeitmodelle

  • Warum Familienfreundlichkeit für Unternehmen ein Pluspunkt ist

Logo Bundesagentur für Arbeit
Stand: 17.01.2018