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„Diese Zeit kann man nicht nachholen“

Mann mit Migrationshintergrund läuft gemeinsam mit seiner Tochter, die einen Schulranzen trägt, zur Schule.
Als Mann zu Hause die Betreuung der Kinder übernehmen: Immer mehr Väter nutzen die Möglichkeit der Elternzeit.
Foto: Martin Rehm

Vater in Elternzeit

„Diese Zeit kann man nicht nachholen“

Immer mehr Väter nutzen die Möglichkeit einer Elternzeit. Tim Schöne (39) ist promovierter Philosoph sowie Vater von zwei Kindern – und hat die Chance beide Male für jeweils fünf Monate genutzt. „Ich kann das nur jedem Vater empfehlen“, findet er.

An den ersten Monat nach der Geburt seines ersten Kindes erinnert sich Tim Schöne noch genau: „Da steht mal kurz die Welt Kopf“, sagt er. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, ist ein zweites Kind hinzugekommen und alles läuft in geregelten Bahnen – soweit das eben mit einem einjährigen und einem dreijährigen Kind möglich ist.

Bei den Schönes war von Anfang an klar, dass sich beide in der Kindererziehung engagieren. „Ich wollte das ‚Vater werden‘ nicht so nebenbei mitbekommen. Ich denke, dass heute viele Väter diesen Wunsch haben“, sagt er – und die Statistik gibt ihm recht. Wobei die Mehrheit der Väter „nur“ zwei Monate in Elternzeit geht. Grund dafür ist die Regelung beim Elterngeld: Paare bekommen zwölf Monate lang das volle Elterngeld, wenn nur einer zu Hause bleibt. Geht der Partner ebenfalls mindestens zwei Monate in Elternzeit, erhöht sich der Anspruch auf vierzehn Monate.

Finanzielle Gründe und Sorgen um die Karriere

Ein Porträt-Foto von Tim Schöne

Tim Schöne

Foto: Friedhelm Albrecht

„Dass Väter oft nur zwei Monate nehmen, hat sicherlich finanzielle Gründe“, glaubt Tim Schöne. Das Elterngeld beträgt zwischen 65 und 67 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, maximal aber 1.800 Euro – damit ersetzt es den Lohn nur zum Teil. Hinzu kommt die Sorge um die eigene Karriere: „Darüber habe ich mir natürlich auch Gedanken gemacht“, gibt Tim Schöne zu.

Bei beiden Kindern entschied er sich, den ersten Monat nach der Geburt Elternzeit zu nehmen sowie die letzten vier Monate der Anspruchszeit. Doch während er beim ersten Kind einen Monat lang gemeinsam mit seiner Frau in Elternzeit war, haben sie sich beim zweiten quasi die Klinke in die Hand gegeben. „Ich hatte freitags meinen letzten Arbeitstag, sie am Montag ihren ersten“, erinnert er sich. Beim ersten Kind sei aber auch der Stresspegel höher gewesen: „Beim zweiten Kind lief das entspannter ab.“

Positive Reaktionen aus dem beruflichen Umfeld

Tim Schönes Frau arbeitet als Lehrerin, er selbst ist promovierter Philosoph und an der Universität Tübingen im Gebiet Qualitätsentwicklung für Studium und Lehre tätig. Dass er im öffentlichen Dienst arbeitet, sei sicherlich ein Vorteil: „Familienfreundlichkeit wird bei uns groß geschrieben“, sagt er. Sein berufliches Umfeld habe jedenfalls entsprechend positiv reagiert und versucht, mit ihm gemeinsam eine Lösung für seine Abwesenheitszeiten zu finden. So hat er mit beiden Elternzeiten gute Erfahrungen gemacht.

Nach Ablauf der zweiten Elternzeit möchte Tim Schöne wieder in Vollzeit in seinen Beruf einsteigen. Zum Glück kann seine Frau als Lehrerin Stunden reduzieren und später wieder aufstocken. „Zweiteilen kann man sich nicht. Aber je mehr Flexibilität man Eltern einräumt, umso besser“, findet er.

abi>> 26.12.2017

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