Vom Suchen und Finden der passenden Stelle

In Sand geschriebenes Wort "Traumberuf"
Um den passenden Job zu finden, muss man zuerst herausfinden, was man von der jeweiligen Stelle erwartet.
Foto: Martin Rehm

Wie finde ich die passende Stelle?

Vom Suchen und Finden der passenden Stelle

Nur wer weiß, was er will und was er kann, findet, was zu ihm passt. Was klingt wie der Kalenderspruch des Monats, ist eine der wichtigsten Grundregeln für eine erfolgsversprechende Stellensuche. Erster Schritt: erst einmal in sich gehen. Hier erfahren Abiturienten und Hochschulabsolventen, was sie sonst noch beachten sollten.

Will ich in einer Groß- oder Kleinstadt leben? Würde ich für einen Job von Hamburg an den Bodensee ziehen? Fühle ich mich eher in einem kleinen Unternehmen wohl, wo ich schnell Verantwortung übernehmen kann, oder soll es doch lieber ein Konzern sein, in dem ich mich eher spezialisieren und auch im Ausland arbeiten kann? Was ist wichtiger: das Gehalt oder Entwicklungsmöglichkeiten? (Siehe hierzu auch die Checkliste: „Was will ich?“)

„Bevor man sich überhaupt auf Stellensuche begibt, sollte man wissen, wonach man sucht, insbesondere welche Branche man anstrebt. Geisteswissenschaftler, die in die Medienbranche möchten, müssen etwa wissen, dass es nur wenige bedeutende Medienzentren gibt“, wendet Dr. Joachim Schulz vom Team Akademische Berufe in Regensburg ein. Und wer lieber eine Ausbildung beginnen möchte, muss natürlich wissen, welchen Ausbildungsberuf er erlernen möchte.

Ein Porträt-Foto von Dr. Joachim Schulz

Dr. Joachim Schulz

Foto: Fr. Stich

Ein Thema, das Bewerber laut dem Experten häufig unterschätzen, ist, wie wichtig es ist, dass die geforderten Qualifikationen aus dem Stellenprofil oder für eine Ausbildung zu den eigenen Stärken passen. „Um seine Stärken herauszufinden, muss man die eigene Biografie unter die Lupe nehmen und sich beispielsweise fragen, welche IT-Kenntnisse man konkret hat. Sinnvoll für Studierende ist es sicherlich auch, sich zu überlegen, mit welchem Bereich man im Studium schwerpunktmäßig in Berührung kam oder welche Erfahrungen man bei Praktika und Nebenjobs gesammelt hat.“ Diese Überlegungen sollte man bei der Suche nach einer Stelle einfließen lassen. Gerade für Geisteswissenschaftler ist es wichtig, sich schon früh im Studium zu überlegen, wohin die Reise gehen soll: „Praxiserfahrung als Eintrittskarte in ein Unternehmen hat für sie mehr Gewicht als in Studiengängen mit starkem Wirtschaftsbezug“, betont Joachim Schulz. Und auch für Ausbildungsplatzsuchende gilt: Möchte man einen Beruf oder ein Berufsfeld besser kennenlernen, kann ein Praktikum helfen. Dabei sammelt man ganz nebenbei auch Erfahrungen, die bei einer Bewerbung von Vorteil sein können.

Hilfe von den Experten

Wer bei der Suche nach einer passenden Stelle professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann sich etwa an die Experten der örtlichen Arbeitsagenturen wenden. „Im persönlichen Gespräch geht es um die individuelle Suchstrategie, um die Herausarbeitung der Stärken und die Optimierung der Bewerbungsunterlagen“, erklärt Joachim Schulz.

Wer für sich geklärt hat, in welche Richtung es gehen soll, sollte den Markt systematisch erschließen: „Eine Übersicht über das Angebot an Stellen bekommt man am besten mithilfe großer Jobportale im Internet. Hierüber ergeben sich auch die meisten Einstellungen“, weiß Joachim Schulz. Hat man eine Branche vor Augen, sei es Biochemie oder Buchhandel, IT oder die Gesundheitswirtschaft, können auch Berufsverbände eine gute Anlaufstelle sein. Dort sind in der Regel nicht nur Listen der Mitgliedsunternehmen zu finden, zum Teil veröffentlichen die Verbände auch konkrete Stellenangebote. Siehe hierzu auch den Beitrag „Wo suchen?“.

Soziale Medien und Jobmessen

Ein Porträt-Foto Miriam S.

Miriam S.

Foto: Privat

Immer beliebter werden auch soziale Medien, die sich gezielt an Berufstätige und solche, die es werden wollen, richten. Bei Xing und LinkedIn sind laut Joachim Schulz Headhunter und Personaler unterwegs, die immer auf der Suche nach potenziellen Mitarbeitern sind. Und wer lieber Kontakte zu möglichst vielen Unternehmen gleichzeitig knüpfen möchte, kann etwa auf einer Jobmesse nach seiner Traumstelle suchen. Termine solcher Messen findest du etwa im abi>> Veranstaltungskalender. Dass persönliche Kontakte oft erfolgsversprechend sind, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von 2011, laut derer nahezu zwei von drei Stellen über diesen Weg besetzt werden.

Über eine spezielle Jobmesse gelangte auch Miriam S. aus Bonn an ihre heutige Position als Mitarbeiterin in einer Personalabteilung. Nach ihrem BWL-Masterstudium an der Technischen Hochschule Nürnberg mit Schwerpunkt Human Resource Management wollte sie gerne zurück in ihre Heimatregion. Als sie über einen E-Mail-Verteiler der Hochschule von der „woman&work“ in Bonn erfuhr, wurde sie hellhörig. Der Messe-Kongress richtet sich gezielt an Frauen, die nach dem Studium oder nach der Elternzeit (wieder) in den Beruf einsteigen, sich beruflich verändern oder sich generell über Karrierechancen informieren möchten. „Eigentlich bin ich kein großer Fan von Messen. Aber man konnte über die Homepage Termine für Vier-Augen-Gespräche vereinbaren und auch gleich einige Unterlagen wie etwa den Lebenslauf hochladen“, erzählt die 26-Jährige.

Am Ende konnte sie mit vier Unternehmen Termine ausmachen: „Ich bin mit einem festen Stundenplan auf die Messe gegangen“, erinnert sie sich. Gleich aus dem ersten Gespräch ergab sich ihre heutige Stelle: „Es hätte gar nicht besser laufen können“, schwärmt sie.

Weitere Informationen

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

BIZ Medien

Berufsporträts quer durch alle Branchen findest du in den Infomappen in deinem Berufsinformationszentrum (BIZ). Einen Überblick über die Mappen kannst du dir hier verschaffen:
www.biz-medien.de/abi

KURSNET der Bundesagentur für Arbeit

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Jobmessen:

abi>> Veranstaltungskalender

www.abi.de/news/events.htm

Veranstaltungskalender der Bundesagentur für Arbeit

https://www.arbeitsagentur.de/apps/faces/home

woman & work

www.womenandwork.de

Karrierenetzwerk XING

www.xing.com

Karrierenetzwerk LinkedIn

https://de.linkedin.com

abi>> Bewerbungsbox

Nützliche Tipss für die Bewerbung findest du in der abi>> bewerbungsbox:
www.abi.de/bewerbung.htm

 

Berufseinstieg: Karriereportal

Zielführende Umwege

Dass Umwege manchmal doch ans Ziel führen, beweist der berufliche Werdegang von Theresa Gollnow. Die 28-Jährige ist Azubi-Trainerin bei der Rewe Group in Teltow und bewarb sich damals über das hauseigene Karriereportal für eine Ausbildung.

Von der Zentrale aus betreut Theresa Gollnow Schülerinnen und Schüler, die sich bei dem Konzern um einen Ausbildungsplatz bewerben. Sie selbst kann sich noch gut daran erinnern, wie es sich anfühlt, nach dem Abi über den weiteren Weg entscheiden zu müssen: „Es gibt so viele Optionen, aber die kannte ich nach der Schule einfach nicht.“ Während viele ihrer Freunde den direkten Weg ins Studium wählten, jobbte sie zunächst in der Systemgastronomie. „Ich hatte einen Crew-Trainerschein, so dass ich Neulinge anlernen konnte“, erzählt sie. Daraus hat sich eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie ergeben, die sie als Abiturientin in zwei statt in drei Jahren durchlaufen konnte. „Die Arbeit an sich hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte mich auf jeden Fall weiterentwickeln“, sagt sie. Auf Dauer war auch der 24-Stunden-Schichtdienst kräftezehrend.

Nach und nach kristallisierte sich aufgrund ihrer Berufserfahrung heraus, dass sie gerne in Richtung Betriebswirtschaft weitermachen wollte. Insbesondere das Personalmanagement reizte sie. „In der Ausbildung hatte ich mit betriebswirtschaftlichen Themen zu tun, nach der Ausbildung habe ich als Teamleiterin Personal angeleitet. Das war mein Anknüpfungspunkt“, erinnert sich Theresa Gollnow

Nach der Ausbildung ist vor der Ausbildung

Ein Porträt-Foto von Theresa Gollnow

Theresa Gollnow

Foto: Privat

Sie besorgte sich eine Liste mit Arbeitgebern, die in den Rankings der Top-Arbeitgeber die vorderen Plätze belegten, und schaute auf deren Internetseiten nach, welche Stellen sie in Berlin anboten. „Auf allgemeinen Stellenportalen habe ich gar nicht erst gesucht. Meiner Erfahrung nach betreiben die meisten großen Unternehmen eigene Karriereportale. Außerdem hat es den Vorteil, dass man gleich einen besseren Eindruck von den Unternehmen bekommt. Auf den Seiten der Rewe Group etwa war sehr detailliert beschrieben, wie der Bewerberprozess abläuft“, denkt sie zurück. Ein Aspekt war ein Einstellungstest, auf den sie sich direkt im Portal vorbereiten konnte. Dort wurden Testaufgaben gestellt. Darauf folgte eine Einladung zum Probearbeiten.

Oder doch ein duales Studium?

Neben den regulären Stellen suchte sie auch nach Angeboten für ein duales Studium und Abiturientenausbildungen. „Unter anderem gab es die Möglichkeit, eine verkürzte Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau zu durchlaufen. Dabei besucht man statt der Berufsschule die REWE Akademie, legt eine Prüfung vor der IHK ab und kann dann direkt den Handelsfachwirt anschließen“, erzählt sie. Für diese Kombination aus Aus- und Weiterbildung hätte sie es in Kauf genommen, eine zweite Ausbildung dranzuhängen. Um ihre Chancen zu erhöhen, hat sie sich dennoch auf mehrere Stellen beworben. „Ich habe für jede Stelle eine eigene Bewerbung erstellt, inklusive Anschreiben“, sagt sie.

Doch dann kam alles anders. Beim Probearbeiten wurde sie in einem der Supermärkte in Bahnhofsnähe eingesetzt. Der Knackpunkt: Durch die zentrale Lage hatte der Laden sehr lange Öffnungszeiten. Das war genau das, was sie eigentlich nicht mehr wollte. „Das habe ich in einem weiteren Gespräch gesagt. Man hat mir dann alternativ ein duales Studium angeboten, Dienstleistungsmanagement. Die Praxiseinheiten habe ich in der Zentrale in Teltow absolviert und daraus hat sich auch meine heutige Tätigkeit ergeben. Natürlich war ich zur rechten Zeit am rechten Ort. Aber es ist auch einfach so, dass ich durch meine Arbeitserfahrung einen anderen Blick auf Themen wie Ausbildung, Studium und Unternehmenskultur entwickelt habe“, findet Theresa Gollnow. Auch wenn sie einige Umwege gegangen ist, hat sie heute das gefunden, was zu ihr passt.

 

Berufseinstieg durch eine Jobmesse

Ein Gespräch auf Augenhöhe

Der Sozialwissenschaftler Robert Anschütz (29) nutzte die Jobmesse SoWi GO!, die von der Uni Göttingen organisiert wird, um Kontakte mit möglichen Arbeitgebern zu knüpfen. Es klappte: Heute ist er Marktforscher mit dem Branchenschwerpunkt Healthcare beim Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos in München.

Deutschlandweit gibt es nur wenige Arbeitgeberkontaktmessen, die sich speziell an Studierende der Sozialwissenschaften richten. Ich kannte die Veranstaltung, weil ich sie als studentische Hilfskraft bereits zwei Mal mitorganisiert hatte. Bei der jährlich stattfindenden Messe stellen sich Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen vor – Marktforschung, Unternehmensberatung, aber auch aus der Erwachsenenbildung und der Sozialberatung.

In meinem letzten Mastersemester habe ich die Messe auch genutzt, um meine eigenen Ziele zu verfolgen. Unter den Ausstellern waren fünf Unternehmen, die mich interessierten, die wollte ich gerne kontaktieren. Mein Schwerpunkt im Masterstudium lag auf quantitativer Forschung, mein Favorit war ganz klar das Marktforschungsunternehmen Ipsos.

Termine vereinbaren und Infos einholen

Ein Porträt-Foto von Robert Anschütz

Robert Anschütz

Foto: Rouven Keller

Im Vorfeld habe ich Termine mit den Referenten ausgemacht und zur Vorbereitung ein paar Stunden investiert, um Informationen über sie und die Unternehmen allgemein einzuholen. Das ist heute dank diverser Jobportale im Internet zum Glück sehr einfach. Ich habe geschaut, was diejenigen studiert haben, über welche Themen sie geforscht haben und für welche Arbeitsbereiche sie heute zuständig sind. Wichtig war es mir, Gemeinsamkeiten oder Themen zu finden, die ich als Aufhänger in das Gespräch einfließen lassen könnte.

Ich wollte aber nicht nur Hintergrundwissen sammeln, um im Gespräch signalisieren zu können, dass ich mich tatsächlich für das Unternehmen interessiere: Ich hatte auch einen Lebenslauf und Zeugnisse dabei, damit es für die Referenten leichter wäre, sich später an mich zu erinnern.

Unternehmen sind interessiert am Gespräch

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nicht als Bittsteller auf so eine Messe geht. Selbst wenn Sozialwissenschaftler auf der Liste der gefragtesten Fachkräfte nicht die vorderen Plätze belegen, sind die Unternehmen ernsthaft an einem Gespräch interessiert.

Aber um das auf Augenhöhe führen zu können, muss man sich eben ein wenig vorbereiten und auch flexibel sein. Mein Gesprächspartner auf dem Messestand zum Beispiel kam aus Hamburg und wir haben eigentlich über Einsatzmöglichkeiten in seiner Abteilung gesprochen. Doch statt Hamburg wurde ich danach nach München weiterempfohlen und erhielt die Möglichkeit, mich dort vorzustellen. Keine Frage, dass ich das gemacht habe.

Drei Kontakte, ein Vorstellungsgespräch

Aus den fünf Gesprächen, die ich auf der Messe geführt habe, haben sich drei Kontakte und ein Vorstellungsgespräch ergeben. Vielleicht auch, weil ich zeitnah telefonisch nachhakte, um mich wieder in Erinnerung zu rufen.

Heute bin ich selbst als Referent auf Messen unterwegs und finde: Es kommt immer positiv an, wenn sich jemand schon vorab informiert und auch Unterlagen dabei hat. Ich glaube aber auch, man sollte nicht allein auf Jobmessen setzen, sondern mehrgleisig fahren.

 

Checkliste

Was will ich?

Um die passende Stelle zu finden, ist es nicht nur wichtig, den Stellenmarkt zu sondieren und zu klären, ob die eigenen Fähigkeiten zu den Anforderungen des Unternehmens passen. Wichtig ist es auch, in sich hineinzuhören und ein paar Fragen für sich selbst zu klären. Diese Checkliste kann dir bei der ersten Orientierung helfen.

Möchte ich einen Vollzeitjob oder eine Teilzeitstelle?

Diese Frage solltest du für dich beantworten, bevor du anfängst, nach passenden Stellenangeboten zu recherchieren. In Vollzeit arbeiten bedeutet bis zu 40 Stunden pro Woche bei der Arbeit zu sein. Arbeitest du in Teilzeit, vereinbarst du eine niedrigere wöchentliche Stundenzahl mit deinem Arbeitgeber.

Wäre Freiberuflichkeit eine Option für mich?

Gerade diejenigen, die in der Medienbranche arbeiten wollen, können das auch als Freiberufler tun und beispielsweise für unterschiedliche Auftraggeber gleichzeitig arbeiten. Wer nicht fest angestellt ist, sollte sich mit dem Thema Existenzgründung auseinandersetzen. Informationen dazu erhältst du beispielsweise in deiner örtlichen Agentur für Arbeit.

Wie wichtig ist mir die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten?

Wenn du aufgrund familiärer Verpflichtungen oder persönlicher Vorlieben gerne mal einen Homeoffice-Tag einlegen möchtest, kannst du bei der Suche nach einer passenden Stelle besonders auf Unternehmen achten, die diese Option anbieten. Häufig werden diese Angebote in Stellenanzeigen jedoch nicht genannt. Vielmehr entwickeln sich diese Gegebenheiten im Arbeitsleben. Wenn es dir besonders wichtig ist, kannst du etwa im Vorstellungsgespräch danach fragen.

Möchte ich ein Einzelbüro oder arbeite ich lieber im Großraumbüro?

Es kann auch hilfreich sein, sich vor einer Bewerbung darüber Gedanken zu machen, ob man lieber alleine in einem Büro sitzt oder mit vielen Kollegen ein Großraumbüro teilt – und die Unternehmensphilosophien genauer unter die Lupe zu nehmen. Daran kann man häufig schon ablesen, wie die Büros organisiert sind.

Möchte ich viel unterwegs sein?

In manchen Bereichen, etwa in der Unternehmensberatung, kann es auch wichtig sein, sich zu überlegen, ob man lieber an einem Ort lebt und arbeitet oder gerne viele Dienstreisen etwa zu Kunden unternimmt.

Wo möchte ich leben: in einer Groß- oder Kleinstadt?

Nicht jeder ist für die Großstadt gemacht – und das muss er auch gar nicht. Auch in ländlicheren Gebieten gibt es viele Unternehmen, die nach Fachpersonal suchen.

Kleines Unternehmen oder Großkonzern?

In einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen kann es sein, dass man schneller Verantwortung für eigene Projekte übernehmen kann. Im Großkonzern hingegen ist die Chance höher, sich auf ein Fachgebiet spezialisieren zu können.

Wie steht es um Entwicklungsmöglichkeiten?

Sicher möchtest du zunächst Berufserfahrung sammeln. Trotzdem lohnt es sich, ein Stückchen weiter zu denken und zu überlegen, ob du langfristig vielleicht eine Weiterbildung oder vielleicht sogar ein (berufsbegleitendes) Weiterbildungsstudium aufnehmen möchtest. Ist dir das besonders wichtig, solltest du bei der Stellensuche darauf achten, dass dein künftiger Arbeitgeber einer Weiterqualifizierung offen gegenübersteht.

Welche Leistungen gibt es seitens des Unternehmens?

Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Leistungen, die über das Gehalt hinausgehen. Sei es eine betriebliche Altersvorsorge oder vermögenswirksame Leistungen. Auch ein Kicker im Aufenthaltsraum oder kostenlose Verpflegung können eine Rolle spielen.

 

Interview

Wie fange ich an?

Wie gehen Abiturienten sowie Hochschulabsolventen am besten vor, wenn sie eine neue Stelle suchen? abi>> hat bei Ullrich Löser, Berater im Team Akademische Berufe in Dortmund, nachgefragt. Der Experte gibt auch Tipps zum richtigen Umgang mit der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit.

abi>> Gibt es einen „richtigen“ Zeitpunkt, zu dem man mit der Suche nach einer Arbeitsstelle anfangen sollte?

Ullrich Löser: Es ist auf jeden Fall wichtig, rechtzeitig mit der Suche zu beginnen. Abiturienten, die nach dem Studium oder der Ausbildung eine Stelle suchen, sollten ein Jahr vorher beginnen.

abi>> Wie helfen Sie mit dem Team für Akademische Berufe bei der Wahl der passenden Stelle?

Ullrich Löser: Wir bieten ganz vielfältige Möglichkeiten: Infoveranstaltungen zu Berufsfeldern und Arbeitsmarkt, Seminare zu Bewerbung und Berufseinstieg, Workshops und Trainings zu berufsrelevanten Soft Skills, Kennenlernen konkreter Arbeitsfelder durch Betriebsbesuche, Veranstaltungen zur erfolgreichen und berufsbezogenen Gestaltung der Studienzeit. Im individuellen Beratungsgespräch geht es etwa um Fragen wie die Entwicklung beruflicher Zielvorstellungen, Hilfe bei der Stellenvermittlung, Karrieremöglichkeiten, Wege und Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme, individuelle Bewerbungsstrategie, die Gestaltung der Bewerbungsunterlagen, Praktika zum Sammeln von Berufserfahrung und den Erwerb sinnvoller Zusatzqualifikationen. An zahlreichen Universitäten ist die Bundesagentur mit einem Beratungs- und Vermittlungsservice direkt auf dem Campus vertreten.

abi>> Wie kann einem die Jobbörse der Bundesagentur helfen?

Ullrich Löser: Zunächst einmal kann man die Jobbörse nutzen, um sich einen Überblick über den Stellenmarkt zu verschaffen. Um alle Instrumente der Jobbörse nutzen zu können, muss man sich registrieren und ein Nutzerkonto anlegen. Dort kann man zum Beispiel Lebenslaufdaten eintragen, einen Katalog mit Fähigkeiten anlegen und Dokumente hochladen, von Zeugnissen über Praktikumsbescheinigungen und Empfehlungsschreiben bis zum Bewerbungsfoto. Es gibt auch einen Bewerbungsmanager, der zum Beispiel beim Erstellen einer Bewerbungsmappe hilft. Mithilfe der Suchfunktion kann man Treffer nach Branchen und Regionen eingrenzen und auch danach, ob man eine Festanstellung, eine Ausbildung oder eine Traineestelle sucht.

abi>> Was zeichnet die Jobbörse aus?

Ullrich Löser: Über die Jobbörse kann man nicht nur im vorhandenen Pool nach passenden Angeboten recherchieren, sondern auch selbst ein Stellengesuch aufgeben. Außerdem kann man sich direkt auf die Angebote bewerben. Sind die Arbeitgeber anonymisiert, wird die Bewerbung über die Arbeitsagentur weitergeleitet. Über das Benutzerkonto kann man dann den Status der Bewerbung verfolgen.

abi>> Welchen Tipp haben Sie abschließend für junge Leute, die auf der Suche nach einer Stelle sind?

Ullrich Löser: Um die Chancen zu erhöhen, sollte man immer mehrere Kanäle nutzen und neben der Jobbörse etwa auch Jobmessen besuchen. Auch Initiativbewerbungen können zum Ziel führen.

 

Wie finde ich die passende Stelle?

Wo suchen?

Egal, ob man nach dem Studium die erste Anstellung sucht, nach einem Ausbildungsplatz fahndet oder nach einer abgeschlossenen Ausbildung das Unternehmen wechseln möchte: In einigen Punkten überschneiden sich die Wege der Suchenden. An manchen Stellen gehen sie aber auch auseinander.

Passende Stellen finden Suchende beispielsweise in den örtlichen Tagesszeitungen, in (spezialisierten) Jobportalen im Internet, in Fachzeitschriften oder in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (siehe hierzu auch das Interview: „Wie fange ich an?“). Auch die örtlichen Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammern unterhalten in der Regel eigene Stellenportale. Wer sich für eine bestimmte Region interessiert, kann sich darüber hinaus über das Branchenverzeichnis und die Lokalzeitung einen Überblick über die Betriebe und Stellenangebote vor Ort verschaffen: „Große Unternehmen sind häufig allgemein bekannt, aber kleinere Ingenieurbüros, Agenturen oder Verlage kennt man nicht unbedingt“, weiß Nicole Jakob, Beraterin beim Career Service der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Stellenbörsen im Internet nutzen

Ein Porträt-Foto von Nicole Jakob

Nicole Jakob

Foto: Giulia Iamicelli

Wer Interesse an einem bestimmten Unternehmen hat, kann sich etwa auf der Website gezielt über offene Stellen oder Ausbildungsangebote informieren. Einige Unternehmen, wie die Rewe Group, betreiben eigene Stellenbörsen, veröffentlichen Jobangebote aber auch in allgemeinen Stellenbörsen. Karriereveranstaltungen und Messen können dabei helfen, Kontakte zu Personalverantwortlichen zu knüpfen – und zwar auch zu mehreren unterschiedlichen Unternehmen gleichzeitig. Und natürlich kann man auch über die sozialen Netzwerke wie etwa XING und LinkedIn fündig werden. Auf Stellen aufmerksam machen beispielsweise Einzelhändler auch über Aushänge in ihren Filialen oder Branchenverbände. Auch Tages- oder Wochenzeitungen haben häufig einen Stellenmarkt.

Ein Porträt-Foto von Dr. Thomas Kürn

Dr. Thomas Kürn

Foto: IHK

„Mit Jobbörsen im Internet kann man sich sehr gut einen Branchenüberblick verschaffen. Jobmessen haben den Vorteil, dass man gleich persönlich ins Gespräch kommt. Auch Social-Media-Plattformen haben sich zu einem wichtigen Kanal entwickelt: Jobangebote und Jobnachfragen verlagern sich zunehmend ins Social Web, sodass auch die Nutzung dieser Plattformen ein erfolgversprechender Weg sein kann“, sagt Dr. Thomas Kürn, Bereichsleiter Berufsausbildung der IHK München.

Akademiker sucht

„Studierende sollten zunächst ihre eigenen Stärken erarbeiten und für sich entscheiden, in welche Richtung sie sich beruflich bewegen möchten. Dann werden konkrete Akteure am Markt recherchiert: Arbeitgeber, Branchen und Institutionen“, erklärt Nicole Jakob. Doch wo finden speziell Akademikerinnen und Akademiker überhaupt passende Stellen? Neben den großen, allgemeinen Jobportalen gibt es etwa auch auf einzelne Branchen zugeschnittene Angebote wie etwa die wöchentliche Publikation des Wissenschaftsladens Bonn für Geistes- und Sozialwissenschaftler, in der Stellenangebote in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengetragen werden.

(Wirtschafts-)Informatiker und Mediziner haben laut Informationen der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit übrigens am schnellsten eine feste Stelle nach dem Studienabschluss: 95 beziehungsweise 90 Prozent von ihnen üben ein Jahr nach dem Abschluss eine reguläre Erwerbstätigkeit aus. Im Mittelfeld liegen Absolventen aus Architektur, BWL und Sozialer Arbeit (jeweils 76 Prozent), Schlusslicht sind die Germanisten mit 58 und die Geschichtswissenschaftler mit 32 Prozent.

Ausbildungsplätze finden

Ein Angebot, das sich gezielt an diejenigen richtet, die nach einem Ausbildungsplatz suchen, ist die IHK-Lehrstellenbörse. Dort können Interessierte die Trefferliste nach Branchen oder Regionen filtern und auch gezielt nach ihrem Wunschberuf oder ihrem Wunschunternehmen suchen. Auch die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist eine gute Anlaufstelle für diejenigen, die nach einem Ausbildungsplatz suchen (siehe dazu auch das Interview „Wie fange ich an?“).

Ein Porträt-Foto von Alexander Pape

Alexander Pape

Foto: Privat

Laut dem Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) liegt der Anteil der Auszubildenden, die nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden, übrigens bei 67 Prozent. Kein Wunder: „Auch wenn wir junge Menschen ausbilden, möchten wir sie gerne behalten, insbesondere wenn sie ihre Ausbildung mit guten Leistungen abschließen“, bestätigt Alexander Pape vom Arbeitgebermarketing der Rewe Group.

Gute Chancen für ausgebildete Fachkräfte

„Dass gut ausgebildete junge Fachkräfte nach der Ausbildung das Unternehmen wechseln, kommt eher selten vor“, weiß auch Dr. Thomas Kürn. Trotzdem kann es natürlich sein, dass fertig Ausgebildete lieber in einem kleineren oder größeren Unternehmen arbeiten oder besondere Schwerpunkte in ihrem künftigen Berufsleben setzen wollen. Selbst wer betriebsbedingt nicht übernommen wird, hat gute Chancen: „Mit einer beruflichen Ausbildung hat man einen sehr guten Zugang zum Arbeitsmarkt. Wenn man mobil ist, gilt das für alle Branchen, auch wenn es in manchen leichter sein mag als in anderen“, sagt der Experte.

Sollte doch ein Stellenwechsel anstehen, rät Alexander Pape: „Bringen Sie Ihre Berufserfahrung als Argument für Sie ins Gespräch. Nutzen Sie Ihr bereits bestehendes berufliches Netzwerk aus Unternehmen, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, und auch Kontakte aus der Berufsschule wie Lehrer und Mitschüler.“

Tipp für die Bewerbung

Einen Tipp für die Bewerbung hat Nicole Jakob: „Nimm die Perspektive des Lesers ein. Er kennt dich nicht, also ist auch nichts selbstverständlich.“ Wichtige Infos zu Studium, Praktika und Nebenjobs müssen – zugeschnitten auf die angestrebte Stelle – im Lebenslauf vermerkt sein, besondere Fähigkeiten, die ebenfalls zum angeforderten Stellenprofil passen und aus der Masse herausstechen, können auch im Anschreiben genannt werden. „Man muss sich überlegen, welche Infos aus dem eigenen Leben relevant sind, was man hervorheben möchte, um überzeugen zu können“, sagt Nicole Jakob. „Auch mit einem Ehrenamt oder einem Kellnerjob kann man bestimmte Fähigkeiten belegen.“ Viele weitere Tipps zum Thema Bewerbung erhältst du in der abi>> bewerbungsbox.


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Stand: 20.04.2018