Bindestrich-Informatiker mit dem gewissen Extra

Eine Frau schreibt etwas an ein Whiteboard.
Unternehmensdaten durch statistische Analysen systematisch untersuchen: Wirtschaftsinformatiker verbinden die wirtschaftlichen Grundlagen und das Programmieren.
Foto: Daniel Karmann

Spezialisierte Informatikberufe

Bindestrich-Informatiker mit dem gewissen Extra

Darf’s ein bisschen mehr sein? Für IT-Interessierte gibt es zahlreiche Möglichkeiten, neben allgemeinem Informatikwissen zusätzliche Spezialkenntnisse zu erwerben. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie damit gefragt.

Wie wäre es mit Wirtschaftsinformatik? Lena Aurnhammer wurde bei einer Infoveranstaltung zu MINT-Berufen auf den Studiengang aufmerksam. Ein Freund von ihr studierte bereits dieses Fach an der Universität Augsburg, wodurch sie einige Einblicke in den Studienalltag bekam. Davon angetan, bewarb sie sich ebenfalls an der Hochschule. „Ich hatte bereits Grundkenntnisse in Informatik und wollte diese gern ausbauen – und ich wollte auf jeden Fall etwas mit Wirtschaft machen“, berichtet die 21-Jährige, die mittlerweile im fünften Semester studiert und die Vertiefungsrichtung Wirtschaft gewählt hat. „In den ersten drei Semestern haben wir wirtschaftliche Grundlagen sowie Programmieren erlernt“, erzählt Lena Aurnhammer. „Ich habe gemerkt, dass mir die wirtschaftlichen Veranstaltungen besser gefallen als das Programmieren. Trotzdem finde ich es wichtig, zu wissen, wie IT eigentlich funktioniert.“

Ein Porträt-Foto von Lena Aurnhammer

Lena Aurnhammer

Foto: privat

Nach ihrem Bachelorabschluss würde die angehende Wirtschaftsinformatikerin gerne in der Beratung arbeiten und sich dort zum Beispiel mit Themen wie Business Analytics beschäftigen. Darunter versteht man die systematische Untersuchung von Unternehmensdaten durch statistische Analysen. „Das logische Denken aus der Informatik und die Kenntnisse aus dem Wirtschaftsteil meines Studiums werden mir dabei sicherlich sehr hilfreich sein“, ist Lena Aurnhammer überzeugt.

Von Umweltschutz bis Medizindokumentation

Wirtschaftsinformatik ist nur eine von vielen spezialisierten Informatikfachrichtungen, mit denen sich Studierende zu Experten eines Fachgebiets entwickeln können – egal, ob bereits im Bachelor oder erst im Master. Weitere Fächer sind etwa Medien-, Verwaltungs-, Medizin-, Geo-, Bio-, Umwelt- oder Sozioinformatik. Sie münden in Berufe wie den des Bioinformatikers, der Daten biologischer Prozesse und Strukturen mithilfe von IT verarbeitet. Umweltinformatiker (siehe auch Berufsreportage „Im digitalen Auftrag der Natur“) agieren hingegen an der Schnittstelle zwischen Management, Informationstechnologie und Umweltschutz. Und Medizininformatiker (siehe auch Berufsreportage „Die vernetzte Klinik“) entwickeln, betreuen, betreiben und vertreiben medizinische Informations- und Dokumentationssysteme – zum Beispiel für Computertomographen. Auch Geoinformatiker, Medieninformatiker und Verwaltungsinformatiker (siehe auch Berufsreportage „Die perfekte Kombination für mich“) arbeiten im IT-Bereich. Im Rahmen einer Ausbildung lernen hingegen beispielsweise IT-System-Kaufleute und Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder Systemintegration ihr „Handwerk“. (siehe Berufsübersicht „IT-Spezialist werden“)

Viele Wege führen zur Spezialisierung

Stephan Puls, Berufs- und Studienberater bei der Agentur für Arbeit Düsseldorf, vermutet, dass künftig noch weitere Spezialisierungen angeboten werden – insbesondere als Studiengänge: „Dabei muss man unterscheiden zwischen Studienabschlüssen, mit denen man in zwei Welten arbeiten kann – also etwa in der IT und der Wirtschaft –, und solchen, mit denen man als spezialisierter Informatiker arbeitet.“ Er fährt fort: „Wenn man sich seiner Richtung sehr sicher ist, zum Beispiel aufgrund von Praktika, halte ich solche spezialisierenden Studiengänge durchaus für sinnvoll. Wenn nicht, können sie auch vorschnell einengen.“

Um als Experte in einem Bereich zu arbeiten, könne man sich allerdings auch erst später auf einen Bereich festlegen, etwa im Master. Egal, ob mit einer IT-Ausbildung oder einem allgemeinen Informatikstudium: Mit einschlägiger Praxiserfahrung und entsprechender Weiterbildung sei das Arbeiten in spezialisierten Informatikberufen eigentlich immer möglich, so der Berufsberater.

Ein Porträt-Foto von Peter Liggesmeyer

Peter Liggesmeyer

Foto: privat

Auf jeden Fall müssen sich spezialisierte Informatiker gern mit theoretischen und komplexen Fragestellungen befassen und sich für Mathematik interessieren, „denn das ist das Handwerkszeug des Informatikers – unabhängig vom Anwendungsbereich“, sagt Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik. Auch Kommunikationsstärke sei wichtig, weil Informatik heute in einem stark arbeitsteiligen Berufsumfeld stattfinde – man arbeitet also sehr häufig im Team (siehe Interview „In vielen Anwendungsbereichen einsetzbar“).

Positiver Trend auf dem Arbeitsmarkt

Gefragt sind die Spezialisten allemal: „Im Jahresdurchschnitt hatte die Bundesagentur für Arbeit 2015 rund 11.400 Jobangebote für IT-Kräfte im Bestand“, erklärt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr und gleichzeitig der höchste Stand seit 2007. „Der positive Trend gilt auch für spezialisierte Informatiker“, betont Ralf Beckmann. Der mit Abstand größte Anteil der Stellenangebote für Informatik-Fachleute kam von Unternehmen der IT-Branche (31 Prozent). Darüber hinaus gab es im Bereich der öffentlichen Verwaltung, bei Unternehmensberatungen, im Groß- und Außenhandel sowie bei Bildungsinstituten und Dienstleistern offene Stellen.

Die Zahl arbeitsloser IT-Kräfte ist 2015 zwar leicht gestiegen, „aber Fachleute mit einem Informatikberuf sind seltener arbeitslos als viele andere Berufsgruppen“, berichtet der Arbeitsmarktexperte. Die Arbeitslosenquote betrug insgesamt etwa drei Prozent. Am niedrigsten fiel sie bei den Experten mit einer mindestens vierjährigen akademischen Qualifikation oder vergleichbaren Kenntnissen aus.

Insgesamt wächst die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Informatik: Sie lag im Juni 2015 bei rund 687.000 IT-Fachkräften – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viele dieser Beschäftigten einem spezialisierten Informatikberuf nachgehen, ist den Statistiken allerdings nicht zu entnehmen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Medizininformatik, Umweltinformatik, Verwaltungsinformatik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Bitkom

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. vertritt die Interessen von mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft.
www.bitkom.org

Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi)

BITMi ist mit 1.500 Mitgliedern der größte Fachverband für ausschließlich mittelständische IT-Unternehmen in Deutschland.
www.bitmi.de

Gesellschaft für Informatik (GI)

Informatiker, IT-Fachleute, Lehrkräfte, Auszubildende und Studierende können sich über die GI vernetzen und austauschen.
www.gi.de

Berufsverband Medizinischer Informatiker (BVMI)

Der BVMI ist Ansprechpartner für berufspolitische Fragen und organisiert Fort- und Weiterbildung im Bereich medizinische Informatik.
www.bvmi.de

 

 

Spezialisierte Informatikberufe: Berufsübersicht

IT-Spezialist werden

Wer sich für einen Informatikberuf abseits der allgemeinen Informatik interessiert, hat die Qual der Wahl – schließlich gibt es eine ganze Reihe an Spezialisierungsmöglichkeiten. abi>> präsentiert eine Auswahl an Ausbildungs- und Studienberufen.

Ausbildungsberufe

Fachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung

Aufgaben: Softwarelösungen für Kunden erarbeiten; Programme entwickeln, erstellen, pflegen, ändern und anpassen; Fehler durch den Einsatz von Diagnosesystemen ermitteln und beheben; IT-Sicherheitsmaßnahmen planen und umsetzen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltung

Fachinformatiker/in – Systemintegration

Aufgaben: kundenspezifische IT-Lösungen durch Integration von Hard- und Softwarekomponenten zu komplexen Systemen planen und realisieren; IT-Systeme verwalten und betreiben; Konzeption, Installation, Erweiterung und Betreuung von Rechnersystemen oder -netzen; Anwenderschulungen organisieren

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltung

IT-System-Elektroniker/in

Aufgaben: Systeme der Informations- und Telekommunikationstechnik planen, konfigurieren und installieren; Service und Support für interne und externe Kunden; Planung, Anpassung und Einführung von IT-Systemen; Projektplanung, -kontrolle und Qualitätssicherung

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der Informations- und Telekommunikationstechnik, Elektroinstallationsbetriebe, EDV-Dienstleister, Einzelhandel, öffentliche Verwaltung

IT-System-Kaufmann/-frau

Aufgaben: Kunden beraten und betreuen; Projekte kaufmännisch, technisch und organisatorisch leiten; Qualitätssicherung durchführen; informations- und telekommunikationstechnische Infrastruktur einrichten oder erweitern; den Markt für IT-Technologien und Systeme, Hard- und Softwareprodukte beobachten; Marketing- und Werbemaßnahmen durchführen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der Softwareberatung und -herstellung, Datenverarbeitungsdienste, Hersteller von Geräten der Informations- und Telekommunikationstechnik, Unternehmensberatungen im Bereich EDV-Beratung

Studienberufe

Bioinformatiker/in

Aufgaben: Verarbeitung von Daten biologischer Prozesse und Strukturen mithilfe der Informationstechnologie

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der pharmazeutischen oder chemischen Industrie, Software- und Datenbankanbieter für naturwissenschaftliche Anwendungen, EDV-Dienstleister, Forschung und Entwicklung

Geoinformatiker/in

Aufgaben: Gewinnung, Verarbeitung und Analyse geowissenschaftlicher raumbezogener Daten; Erstellen von Karten; Entwickeln von Geoinformations- oder Orientierungssystemen

Mögliche Arbeitgeber: Datenverarbeitungsdienste für Geodaten, Behörden, zum Beispiel Landesämter für Geoinformation, Software- und App-Anbieter für Geoinformationssysteme, Ingenieur- und Vermessungsbüros, Forschung und Entwicklung

Medieninformatiker/in

Aufgaben: Planung und Realisierung von IT-Lösungen für die Erstellung gedruckter, elektronischer, digitaler oder interaktiver Kommunikationsmittel; IT-Support für Medieninformationssysteme

Mögliche Arbeitgeber: EDV-Dienstleister, Software- und Datenbankanbieter, Verlage, Marketing-, Werbe- und PR-Agenturen, Filmproduktionsfirmen, Hörfunk- und Fernsehanstalten, Ingenieurbüros, Forschung und Entwicklung

Umweltinformatiker/in

Aufgaben: Schnittstellenfunktion zwischen Management, Informationstechnologie und Umweltschutz; Entwicklung von Umweltinformationssystemen; ökonomische und ökologische Aufgabenstellungen im Bereich der Informationstechnologie

Mögliche Arbeitgeber: EDV-Dienstleister, Software- und Datenbankanbieter, Ingenieurbüros für Umwelttechnik

Medizininformatiker/in

Aufgaben: Entwicklung, Betreuung und Vertrieb von medizinischen Informations- und Dokumentationssystemen, zum Beispiel Krankenhausinformationssystemen, bildgebenden Therapie- und Diagnoseverfahren, computerunterstützten Operationstechniken oder wissensbasierten Systemen

Mögliche Arbeitgeber: EDV-Dienstleister, Software- und Datenbankanbieter, Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, Hersteller medizintechnischer Geräte, Forschung und Entwicklung

Verwaltungsinformatiker/in

Aufgaben: Entwicklung anwendungsbezogener Informatiklösungen zur Organisation und Optimierung von Verwaltungsabläufen; Realisierung von IT-Projekten in der öffentlichen Verwaltung

Mögliche Arbeitgeber: Rechenzentren und Entwicklungsabteilungen der öffentlichen Verwaltung, Hard- und Softwareberatung, EDV-Dienstleister, Software- und Datenbankanbieter

Wirtschaftsinformatiker/in

Aufgaben: Planung und Entwicklung sowie Einsatz und Wartung von betrieblichen Informations- und Kommunikationssystemen; Analyse der internen Organisationsstrukturen von Unternehmen und Verwaltungen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen, die IT-gestützte betriebliche Kommunikations- und Informationssysteme entwickeln; Betriebe nahezu aller Wirtschaftsbereiche, die IT-Systeme zur Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse einsetzen; öffentliche Verwaltung

 

Spezialisierte Informatikberufe: Interview

„In vielen Anwendungsbereichen einsetzbar“

Wie gut die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für spezialisierte Informatiker stehen, klärt abi>> im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI).

abi>> Herr Liggesmeyer, was sind aus Ihrer Sicht mögliche Einsatzgebiete für spezialisierte Informatiker?

Peter Liggesmeyer: Die können sehr vielfältig sein. Nehmen Sie zum Beispiel die Umweltinformatik: Bei der Erzeugung von regenerativen Energien etwa müssen die Systeme intelligent gesteuert werden – und zwar durch Informatik. Ein weiterer Bereich ist die Fahrzeuginformatik: Auch in Anwendungen für autonomes Fahren steckt im Kern viel Informatik. Ich glaube, dass in vielen weiteren Branchen die Informatik an Bedeutung gewinnen wird und entsprechend Spezialisten gesucht werden.

abi>> Können Sie hierzu einen Ausblick auf mögliche Trends geben?

Ein Porträt-Foto von Peter Liggesmeyer

Peter Liggesmeyer

Foto: privat

Peter Liggesmeyer: Die IT wird in der Wirtschaft eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Daher werden technische Spezialisierungen in der Informatik meiner Ansicht nach in Zukunft besonders gefragt sein. Ein Stichwort ist der Begriff Industrie 4.0, also die Digitalisierung von Produktionsprozessen. Hierfür müssen sich Informatiker der Zukunft mit Maschinenbau, Elektrotechnik und Produktionstechnik sowie mit angrenzenden Disziplinen auskennen – von rechtlichen bis zu wirtschaftlichen Fragen.

abi>> Was empfehlen Sie Abiturienten: sich früh zu spezialisieren oder sich zunächst breit aufzustellen und später eine Richtung zu wählen?

Peter Liggesmeyer: Ich denke, dass es bei jeder Spezialisierung darauf ankommt, die richtige Balance aus grundlegenden und spezialisierten Inhalten aller Anwendungsbereiche zu finden. Wenn sich ein angehender Informatiker in eine bestimmte Richtung entwickeln will, kann es sinnvoll sein, sich früh zu spezialisieren, weil er für diesen Anwendungsbereich dann besser vorbereitet ist als jemand, der allgemeine Informatik studiert. Allerdings ist man dadurch unter Umständen eingeschränkter beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Disziplinen. Und diese Flexibilität ist eigentlich der Vorteil, wenn man sich für das breite Fach der allgemeinen Informatik entscheidet.

abi>> Wie steht es um den Frauenanteil in den spezialisierten Informatikfachrichtungen?

Peter Liggesmeyer: Der Studiengang Sozioinformatik zum Beispiel hat einen recht hohen Frauenanteil, ebenso die Wirtschaftsinformatik. Auch Bio-, Medizin- oder Medieninformatik werden häufiger von Frauen gewählt. Leider sind die Kenntnisse von Schülerinnen und Schülern über das, was generell in der Informatik gelehrt wird, meist zu gering, sodass sich viel zu wenige Frauen für einen Informatikstudiengang entscheiden – gleich welcher Richtung. Dabei würden sie gebraucht, denn wir haben ganz klar zu wenige Informatik-Absolventen, um die Nachfrage von Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen zu decken.

 

Fachinformatiker für Systemintegration

Die vernetzte Klinik

Im Bereich der Medizininformatik kann Niclas Theimann (23) seine Fähigkeiten in der IT mit seinen Kenntnissen zu den Abläufen eines Krankenhauses verbinden. Momentan arbeitet der Fachinformatiker an einem Projekt für die Digitalisierung der Helios-Klinik Berlin mit.

„Wir wollen Ärzte, Pflegekräfte und alle am Patientenprozess Beteiligten digital miteinander vernetzen“, erklärt der IT-Berater für klinische Systeme. So sollen zum Beispiel Pflegekräfte die Patientenakten über den PC oder das Tablet führen statt wie bisher handschriftlich oder Ärzte online die Medikamente verordnen. Auch können Aufträge, etwa an die Röntgenabteilung, automatisch versandt werden.

Niclas Theimann ist für das Teilprojekt Medikation verantwortlich. Damit am Ende das Gesamtprojekt perfekt zusammenläuft, stimmt sich der Fachinformatiker häufig mit den Kollegen seines Projektteams ab, die andere Teilgebiete betreuen. Auch finden Meetings mit dem Pflegepersonal und den Ärzten statt, um deren Anforderungen an das System kennenzulernen.

Nicht zuletzt steht der 23-Jährige in engem Kontakt mit dem Hersteller, der die Software für das Projekt liefert. „Soweit es geht, arbeiten unsere eigenen IT-Entwickler die erforderlichen Anpassungen ein. Ist das nicht möglich, gebe ich dem Hersteller an, was wir benötigen.“ Da das Projekt bald in die Umsetzungsphase geht, schult der IT-Experte im Moment die Mitarbeiter des Krankenhauses im Umgang mit der Software und dreht für spätere Schulungen kurze Erklärvideos.

Wissen vermitteln und Trends aufspüren

Ein Porträt-Foto von Niclas Theimann

Niclas Theimann

Foto: Sabine Olschner

Für seine Arbeit ist es wichtig, dass er sich sowohl mit der Informatik als auch mit den Prozessen im Krankenhaus auskennt: „Ich muss wissen, wer welche Informationen benötigt, und muss alle beteiligten Parteien ins Boot holen.“ Dafür braucht Niclas Theimann sehr gute kommunikative Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen. Ebenso ist Fingerspitzengefühl gefragt, wenn es darum geht, Informationen einzuholen und weiterzugeben.

Außerdem muss er sich für Neues interessieren, denn „es kommen fast täglich neue IT-Lösungen auf den Markt. Ich muss alle im Auge behalten, um entscheiden zu können, ob diese von Nutzen für unser Krankenhaus sind.“

Menschen die Arbeit erleichtern

Niclas Theimann ist fasziniert von der IT: „Ich wollte wissen, wie ein Computer funktioniert und wie man damit Menschen die Arbeit erleichtern kann.“ Inspiriert von seiner Mutter, die in einem Krankhaus arbeitet, interessierte er sich für die Spezialisierung Medizininformatik: „Nach dem Abschluss meiner Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Informatik habe ich eine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration bei den Helios-Kliniken absolviert“, berichtet der 23-Jährige.

In seiner Ausbildung in Schleswig lernte er sowohl den Umgang mit der Hardware kennen – zum Beispiel stattete er die Arbeitsplätze von Ärzten mit Computern aus – als auch den mit dem Krankenhaus-Informationssystem. Im Anschluss an seine Ausbildung durchlief er in Berlin ein IT-Traineeprogramm, in dem er Wissen in der Medizininformatik und der Betriebswirtschaft sowie Führungsqualifikationen erwarb.

Weiter spezialisieren

Die Ausbildung in einem Krankenhaus hat Niclas Theimann gut auf seine heutige Arbeit vorbereitet. Er schließt aber nicht aus, nach Abschluss des Projekts Medizininformatik zu studieren: „Damit wäre ich breiter aufgestellt auch für weitere IT-Aufgaben im Krankenhaus und könnte mich zum Medizininformatiker spezialisieren.“

 

Umweltinformatiker

Im digitalen Auftrag der Natur

Unternehmen müssen ihre Emissionen und andere Gefahren für die Umwelt im Blick und vor allem im Griff haben – dabei hilft Marvin Schulze-Quester. Der 34-Jährige kann in seinem Beruf als Nachhaltigkeitsmanager und IT-Berater seine zwei Leidenschaften verbinden: Umwelt und Informatik.

Dabei kam Marvin Schulze-Quester erst auf Umwegen zu seiner Tätigkeit, denn zunächst spezialisierte er sich auf den Bereich Wirtschaftsinformatik. Während seines Studiums an der Technischen Universität Braunschweig war er in einer studentischen Arbeitsgruppe aktiv. Das Thema: Umwelt und Nachhaltigkeit. „Die Arbeit dort hat mein Interesse an Nachhaltigkeitsthemen geweckt“, erinnert er sich.

Nach seinem Diplomabschluss arbeitete er zunächst in einem IT-Unternehmen ohne Umweltbezug und entschied sich, durch das berufsbegleitende Fernstudium „Sustainability Management“ zum Master of Business Administration an der Universität Lüneburg auf sein Interessengebiet hinzuarbeiten. Schon während des Aufbaustudiums zum Nachhaltigkeitsmanager wechselte er zu der Berliner Softwarefirma EcoIntense, die für ihre Kunden eine webbasierte Software für Arbeitssicherheit, Umweltmanagement und Nachhaltigkeit anbietet.

Enge Zusammenarbeit mit den Kunden

Ein Porträt-Foto von Marvin Schulze-Quester

Marvin Schulze-Quester

Foto: Natalja Stseglova

Seither ist Marvin Schulze-Quester dort als Berater tätig. „Ich helfe unseren Kunden bei allen inhaltlichen und technischen Fragen – von der Auswahl der Software-Module und der Abbildung von Umweltdaten im System bis zur Erarbeitung von Lösungen für komplexe Aufgaben im Arbeits- und Umweltschutz.“ Viele Unternehmen unterliegen gesetzlichen Auflagen, müssen zum Beispiel Emissionsgrenzwerte einhalten und ihre Anlagen darauf technisch prüfen lassen oder Gefährdungen für die Umwelt minimieren.

Die Software von EcoIntense erfasst die hierfür nötigen Informationen und Daten zentral, dokumentiert sie und wertet sie aus. „Es ist sehr spannend, die Anwender über mehrere Jahre zu betreuen und zu sehen, wie sie immer mehr Aufgaben immer besser mit unserer Software erledigen“, berichtet Marvin Schulze-Quester.

Auf Kundenseite muss der Informatiker verschiedenen Ansprechpartnern sowohl die Software als auch das Management von Umweltaspekten im Betrieb erklären können. So schult er beispielsweise die Mitarbeiter der Kundenfirmen im Umgang mit der Anwendung. Dafür ist Kommunikationsstärke gefragt.

Gute Organisation ist das A und O

Intern hat Marvin Schulze-Quester mit unterschiedlichen Abteilungen zu tun: Für das Marketing schreibt er über umwelt- und nachhaltigkeitsrelevante Themen. Den Vertrieb begleitet er für die Produktvorstellung zu potenziellen Kunden. Mit den Kollegen aus der IT steht er vor allem bei der Einrichtung der Software in engem Kontakt. Und mit dem Produktmanagement bespricht er neue Ideen, die er von seinen Beraterterminen mitbringt. „Tiefergehende Programmierkenntnisse brauche ich für meine Arbeit nicht, das machen die IT-Entwickler. Aber ich muss natürlich verstehen, was unsere Software leistet, und mich stets über aktuelle Technologien informieren“, erklärt er.

Als Berater betreut Marvin Schulze-Quester immer mehrere Kunden und Projekte gleichzeitig, daher muss er sich selber gut organisieren können. Je nach Größe des Projekts arbeitet er auch mit Kollegen in einem Beraterteam. „Ich freue mich, dass ich dank meines Aufbaustudiums Unternehmen helfen kann, ein Nachhaltigkeitsmanagement aufzubauen oder ein bestehendes zu verbessern“

 

Verwaltungsinformatikerin

„Die perfekte Kombination für mich“

Wie München digital tickt, lernt Jasmin Imam-Halil. Die 22-Jährige absolviert für ihr Studium der Informatik sowie der Allgemeinen Inneren Verwaltung ihre Praxisphasen bei der Verwaltung der Landeshauptstadt.

„Schon zu Schulzeiten stand für mich fest, dass ich Informatik studieren wollte. Die Theorie reichte mir aber nicht: Gleichzeitig wollte ich einen starken Bezug zur Praxis haben“, erinnert sich Jasmin Imam-Halil an ihre Studienwahl. Auf Anraten einer Verwandten, die bei der Landeshauptstadt München arbeitet, bewarb sie sich als angehende Beamtin ebenfalls bei der Behörde.

Nach der Zusage ihres Dienstherrn nahm sie ihr Studium zur Diplom-Verwaltungsinformatikerin (FH) an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Hof auf. Die Informatikausbildung, die den Schwerpunkt ihres Studiums bildet, erfolgt in Kooperation mit der Hochschule Hof; die Praxisphasen absolviert sie in der Behörde. „Das Studium ist für mich eine perfekte Kombination“, sagt die Studentin. „Ich erwerbe fundierte Kenntnisse in Informationstechnik und in verwaltungswissenschaftlichen Grundlagen und bekomme einen guten Überblick über die fachlichen Anforderungen der Verwaltung.“

Von Recht über Management bis Informatik

Ein Porträt-Foto von Jasmin Imam-Halil

Jasmin Imam-Halil

Foto: privat

An der FHVR findet der verwaltungsspezifische Teil des Studiums statt, bei dem es um die Grundlagen der Verwaltungsarbeit geht: Staats- und Verwaltungsrecht, Datenschutz, Personalmanagement, Verwaltungsorganisation, Projektmanagement und Wirtschaftsführung in der Öffentlichen Verwaltung sind hier die Themen.

Beim Kooperationspartner, der Hochschule Hof, lernt die 22-Jährige das Handwerkzeug für den technischen Part. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem mathematische, betriebswirtschaftliche und physikalische Grundlagen sowie die Kerninformatik. Diese befasst sich mit Informationsstrukturen, Programmiersprachen, Datenverarbeitungssystemen und Software-Engineering.

Praxiserfahrung sammeln

In den Semesterferien sowie in einem Praxissemester arbeitet Jasmin Imam-Halil in einem Beamtenverhältnis auf Widerruf in verschiedenen IT-Abteilungen der Landeshauptstadt München. „In meinen Praxisphasen war ich bislang in der IT-, der Personal- und der Organisationsabteilung eingesetzt“, berichtet die angehende Beamtin.

Sie führte zum Beispiel Tests für das neue Online-Bewerbungsportal der Stadt durch und stimmte die notwendigen Verbesserungen mit den Programmierern ab. Außerdem drehte sie Schulungsvideos für die Mitarbeiter der Personalabteilung, die die neue Software für das E-Recruitung künftig anwenden werden.

Einblicke in die mögliche Zukunft

Demnächst wird Jasmin Imam-Halil in der Abteilung „it@M“ eingesetzt, dem zentralen IT-Dienstleister der Landeshauptstadt München, der die Server der Stadt betreut. „Durch den Einblick in die verschiedenen Abteilungen kann ich überlegen, welcher Bereich mir für den Einstieg nach meinem Studium am besten zusagt – und ich kann die Kollegen schon kennenlernen“, sagt sie.

Derzeit befindet sich die 22-Jährige im dritten Semester ihres dreijährigen Studiums zur Diplom-Verwaltungsinformatikerin. Schließt sie dieses mit guten Noten ab, „steht meiner Beamtenlaufbahn bei der Landeshauptstadt München wohl nichts mehr im Wege.“


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Stand: 21.07.2018