Freie Zeit für Träume

Blick auf ein Tal in Neuseeland
Sich eine Auszeit gönnen, ferne Länder bereisen, über den Tellerrand blicken - ein Sabbatical bietet die Möglichkeit dazu.
Foto: Antonia Möller

Sabbaticals – Hintergrund

Freie Zeit für Träume

Einmal um die Welt reisen, der Familie mehr Zeit widmen, neue Orientierung finden, sich ehrenamtlich für soziale Projekte engagieren oder dem Burnout entkommen – die Gründe dafür, sich ein paar Monate aus dem Arbeitsleben auszuklinken, sind vielfältig. Ein Sabbatical bietet die Möglichkeit dazu.

Das Wort „Sabbat“ geht auf das hebräische Wort für „aufhören, innehalten“ zurück. In seiner ursprünglichen Form bezeichnet das jüdische Sabbatjahr – im Englischen „sabbatical“ – die Ruhezeit, die alle sieben Jahre eingehalten werden soll.

Den Begriff übernahmen später Professoren in den USA. Sie bezeichneten damit das Forschungs-Freisemester, das man nutzen kann, um einen Perspektivenwechsel zu bekommen – ein Modell, das in der Wissenschaft bis heute weit verbreitet ist. In den 1990er-Jahren übernahmen auch europäische Hochschulen diese Auszeit, die schließlich Einzug in die freie Wirtschaft hielt.

Heute versteht man unter diesem Begriff eine berufliche Auszeit, die in der Regel zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern kann. Bei Unternehmen, die sich als attraktive Arbeitgeber darstellen wollen, gehören Sabbaticals meistens fest zu den Anreizen für die Mitarbeiter. „Bevorzugte Branchen gibt es dabei nicht“, sagt Jutta Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen, die zu personalwirtschaftlichen Fragestellungen forscht.

Vielfalt von Arbeitszeitmodellen

Ein Porträtfoto von Dr. Jutta Rump

Dr. Jutta Rump

Foto: privat

Die Bandbreite an Arbeitszeitmodellen ist mittlerweile groß. Einen rechtlichen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es allerdings nicht. Um die Auszeit zu ermöglichen, eignen sich besonders sogenannte Zeitsparkonten für die gesamte Arbeitszeit, die der Arbeitnehmer im Unternehmen verbringt. Bei diesem Modell werden Überstunden, Urlaubstage oder auch Teile des Gehalts „eingezahlt“ und durch Sabbatical, Bildungsurlaub, Angehörigenpflege oder vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand wieder „eingelöst“.

Ebenfalls sehr beliebt ist die Teilzeitvariante. Dabei wird ein Teilzeitvertrag mit einem entsprechend reduzierten Gehalt vereinbart. Der Mitarbeiter arbeitet jedoch Vollzeit weiter und kann nach einer Weile die angesparten Stunden in einen Freizeitblock verwandeln. Eine weitere Möglichkeit ist, eine Zeit lang auf Urlaub zu verzichten, um ihn dann am Stück für ein Sabbatical zu nehmen. Für die einzelnen Mitarbeiter können dabei unterschiedliche Modelle infrage kommen. „Das perfekte Arbeitszeitmodell ist lebensphasenbezogen“, betont Jutta Rump.

Alle genannten Lösungen haben gemein, dass während der freien Zeit weiterhin der Lohn und die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden und zudem die Krankenversicherung weiter läuft. Schließlich bleibt das Arbeitsverhältnis bestehen und der Mitarbeiter kehrt nach der Auszeit in den alten Job zurück.

Perfekt geplant

Grundsätzlich habe die Nachfrage nach Sabbaticals in den vergangenen Jahren zugenommen, berichtet Jutta Rump. Dabei sei die Auszeit für alle Altersgruppen interessant: „Jüngere haben gerne freie Zeit, zum Beispiel für Reisen“, erläutert die Expertin. „Für die ‚Babyboomer‘ im letzten Drittel ihres Arbeitslebens wiederum hat sich die Lebensarbeitszeit verlängert, sodass sie ihre Ressourcen schonen möchten.“

Entscheidende Basis für die Umsetzung eines Sabbaticals ist eine präzise und rechtzeitige Planung, die mindestens ein halbes Jahr, am besten sogar ein bis eineinhalb Jahre vorher beginnen sollte. Denn der Arbeitgeber braucht ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Mitarbeiter, Vorgesetzte und Personalmanager setzen sich oftmals zusammen und legen in einer Zielvereinbarung fest, wann und wie lange der Mitarbeiter abwesend ist. Die Kollegen sollten so früh wie möglich informiert und die Arbeit des „Urlaubers“ im Team verteilt werden. So kann auch die Rückkehr zum Arbeitsplatz als „sanfte Landung“ gestaltet werden.

Ob und wie der Ablauf eines Sabbaticals gelingt, ist stark von den beteiligten Personen abhängig. So sind fortschrittliche Vorgesetzte eher dafür offen als konservative. „Es bleibt immer eine Einzelfallentscheidung“, betont Jutta Rump und ergänzt: „Die ‚Verhandlungsmacht' der Mitarbeiter ist bei Fachkräftemangel natürlich größer.“

Ein Sabbatical kann Vorteile für beide Seiten mit sich bringen. Arbeitnehmer gewinnen auf einer sicheren Basis kostbare freie Zeit, die sie für sich nutzen können. Die Arbeitgeber wiederum bekommen einen Mitarbeiter voller neuer Eindrücke und Erlebnisse zurück, der nach seiner Auszeit oftmals dankbar für die Möglichkeit einer Auszeit und dadurch noch fester an das Unternehmen gebunden ist.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de
Infos zum Thema Sabbatical der Bundesagentur für Arbeit findest du über das Suchwort : „Sabbatical“.
www.arbeitsagentur.de


Sabbatjahr.org
Informationen und Tipps zur Planung des Sabbaticals.
www.sabbatjahr.org


Manager für Menschen
Manager für Menschen qualifiziert und vermittelt Fach- und Führungskräfte ab 30 Jahren als Berater auf Zeit in soziale Projekte im In- und Ausland. Die Organisation bietet Arbeitnehmern eine sinnvolle Ausgestaltung ihres Sabbaticals und fördert gleichzeitig durch den Einsatz in einem Projekt die berufliche Weiterbildung, die Entwicklung von Soft Skills sowie die Möglichkeit zur persönlichen Neuorientierung.
www.managerfuermenschen.com

 

Sabbaticals – Reportage

Abgesichert dem Ruf der Freiheit folgen

Es ist ein Zauberwort mit dem Duft der Freiheit: „Sabbatical“. Monate lang Freizeit genießen mit der Gewissheit, den sicheren Arbeitsplatz zu behalten – das ist ein Traum, den sich immer mehr Arbeitnehmer erfüllen; so auch Anne Königbauer (31).

Mit dem Sabbatical ging für die 31-Jährige der Traum einer ausgedehnten Reise in Erfüllung: Drei Monate lang war sie unterwegs. Die studierte Betriebswirtin war zu dem Zeitpunkt Senior Manager in der Personalabteilung beim Sportartikel-Hersteller Adidas in Herzogenaurach. Im Herbst 2015 kam sie zusammen mit ihrem Freund, der auch im Unternehmen arbeitet, auf die Idee, die ersehnte Reise zu planen. „Warum nicht jetzt?“, dachte Anne Königbauer und packte die Gelegenheit beim Schopf.

Gründliche Planung ist das A und O

Ein Porträtfoto von Anne Königbauer

Anne Königbauer

Foto: privat

Als sie das Thema an ihren Vorgesetzten herantrug, war er offen und bereit, sie zu unterstützen. Sie solle nicht nur darüber reden, sondern es auch wirklich umsetzen, ermunterte er sie. Anfang 2016 setzten sich die beiden zusammen und bereiteten die Auszeit vor. „Es ist extrem wichtig, sich rechtzeitig mit Chefs, Kollegen und der Personalabteilung abzustimmen“, betont Anne Königbauer. Die anderen Teammitglieder übernahmen einen Teil ihrer Arbeit – das musste gründlich organisiert werden. „Eine gute Voraussetzung ist außerdem, schon etwa fünf Jahre im Unternehmen zu sein, wenn man sich eine Zeit lang ausklinken will“, ergänzt die Personalmanagerin.

Vor der Auszeit hatte Anne Königbauer einen Teil ihres Gehalts über ein spezielles Arbeitszeitmodell in ihr Zeitsparkonto eingezahlt. Es wäre außerdem möglich gewesen, Überstunden und nicht genommene Urlaubstage in die Waagschale zu werfen.

Zum Gipfel aufbrechen

Nachdem alles geregelt war, brach die damals 30-Jährige im November 2016 mit ihrem Freund zum ersten Ziel der Reise auf: Afrika. Sie nahmen sich den Kilimandscharo in Tansania vor, den mit fast 6.000 Metern höchsten Berg des Kontinents. Sieben Tage lang stiegen die beiden aufwärts, bis sie den schneebedeckten Gipfel erreichten. Der Ausblick, die wunderbare Landschaft, der Himmel und das überwältigende Gefühl, es geschafft zu haben – für Anne Königbauer war das ein großartiges Erlebnis.

Die nächste Etappe der Reise war Neuseeland. Fünf Wochen lang fuhren sie mit dem Wohnmobil durch ein atemberaubend schönes Land. „Wir erlebten so viel Freiheit, nur Schafe und Natur“, schwärmt Anne Königbauer.

Ein kompletter Szenenwechsel war die letzte Station: Südamerika. Andere Kulturen zu erleben und zudem Spanisch zu lernen – dazu gab es in Kolumbien und Bolivien ausreichend Gelegenheit.

Lernen, loszulassen

Nach etwa drei Wochen im Sabbatical schaffte es Anne Königbauer nach und nach, den Arbeitsalltag loszulassen, sich nicht mehr im Büro zu melden und die Arbeit ihren Mitarbeitern zu überlassen. Sie erlebte, wie es ist, nichts tun zu müssen und Zeit zu haben, über sich selbst nachzudenken. „Ich bekam einen gesunden Abstand und konnte so meinen Akku wieder aufladen“, erzählt die Personalmanagerin. „Früher hatte ich Bewerbern in Vorstellungsgesprächen die Möglichkeit eines Sabbaticals schmackhaft gemacht. Jetzt erlebte ich selbst, was das bedeutet.“

Eine weitere wichtige Erkenntnis nach ihrem Sabbatical war, dass es ihrer Karriere absolut nicht geschadet hat, sich eine Auszeit zu gönnen. Im Gegenteil: Kurz nach ihrer Rückkehr wurde sie vom Senior Manager zum Director Human Resources befördert.

Das Sabbatical war für Anne Königbauer eine große Bereicherung. Die kostbare freie Zeit half ihr unter anderem, sich selbst zu bestätigen, dass ihr Beruf genau der richtige für sie ist. Zum Ende ihrer Reise freute sie sich wieder auf ihre Arbeit und kehrte hochmotiviert ins Büro zurück.


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Stand: 21.01.2018