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Bunter Berufekosmos in der Klinik

Eine Gesundheitsberaterin sitzt mit einer Patientin bei einem Beratungsgespräch an einem Tisch.
Der Großteil der Beschäftigen in deutschen Krankenhäusern arbeitet im nichtärztlichen Bereich.
Foto: Sonja Brüggemann

Nichtärztliche Berufe im Krankenhaus – Hintergrund

Bunter Berufekosmos in der Klinik

Mehr als Ärztinnen und Krankenpfleger: Ein Krankenhaus bildet einen ganzen Kosmos an Berufen ab. Wer sich für dieses Gebiet interessiert, kann sowohl im therapeutischen, technischen als auch im kaufmännischen Bereich arbeiten.

Wenn ein Mensch nach einem Unfall und mehreren Operationen wieder laufen lernen muss oder zum Pflegefall wird, sieht er sich mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert: Wie geht es nun weiter? Was muss sich ändern – und muss das eigene Leben neu strukturiert werden? Bei diesem Prozess unterstützen Mitarbeiter des Kliniksozialdienstes die Patienten. Mitarbeiter wie Tobias Kreitz vom Sozialdienst der Uniklinik Essen. In der Unfallchirurgie berät der 25-Jährige ganz unterschiedliche Patienten: Unternehmer, Handwerksmeister, Obdachlose, Geflüchtete, alleinstehende Senioren – einen Unfall kann schließlich jeder haben.

Ein Porträt-Foto von Tobias Kreitz

Tobias Kreitz

Foto: privat

Tobias Kreitz berät die Patienten und ihre Angehörigen unter anderem zu möglichen Leistungsansprüchen oder Maßnahmen und tauscht sich mit allen Beteiligten aus, um das Beste für die Patienten zu erreichen. Er spricht mit Physiotherapeuten, Pflegepersonal, Ärzten und Kollegen im Haus ebenso wie mit externen Stellen – etwa dem Jobcenter oder dem Sozialamt, aber auch mit Krankenkassen, Rehaeinrichtungen, Versorgungsämtern oder Schulen, wenn etwa Kinder betroffen sind. „Es ist ein sehr breites Spektrum, in dem ich das Fachwissen aus meinem Studium einsetzen kann und natürlich mit jedem Fall dazulerne“, erzählt er.

Bevor er Soziale Arbeit an der FH Bochum studierte, hatte Tobias Kreitz kurzzeitig in der Pflege gearbeitet und erste Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt. Für ihn ist die Uniklinik ein Arbeitgeber mit vielen Vorteilen: „Ich habe ein breites, abwechslungsreiches Aufgabengebiet, werde nach Tarif bezahlt, habe keinen Schichtdienst und arbeite in einem großen Haus, das sich ständig weiterentwickelt.“

Eine kleine Welt für sich

Beim Stichwort Krankenhaus denken wir meist spontan an Ärzte, Ärztinnen und Pflegepersonal. Doch damit in den 1.956 Krankenhäusern deutschlandweit jährlich über 19 Millionen Patienten stationär und rund 20 Millionen ambulant versorgt werden können, braucht es auch Techniker, Verwaltungskräfte, Therapeuten und Sozialarbeiter wie Tobias Kreitz. Laut Statistischem Bundesamt gehörten im Jahr 2015 rund 937.000 Beschäftige zum nichtärztlichen Personal; davon waren etwa 426.000 Mitarbeiter im Pflegedienst tätig.

„Ein Krankenhaus ist eine kleine Welt für sich, die ein breites Spektrum an Berufen abdeckt“, erklärt Heidi Schneider, Beraterin für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Traunstein. „Wer in einem Krankenhaus tätig sein möchte, könnte mit Zahlen und Anträgen zu tun haben, mit Patienten arbeiten, sich mit IT oder Apparatetechnik befassen oder auch im Labor Proben untersuchen.“

Schließlich ist auch ein Krankenhaus ein Unternehmen mit verschiedenen Abteilungen. „In der Verwaltung arbeiten zum Beispiel Betriebswirte, Fachwirte für Sozialwesen, Kaufleute im Gesundheitswesen oder Medizincontroller“, erklärt die Beraterin. Im medizinisch-technischen Dienst sind Case-Manager, Apotheker, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Diätassistenten, Medizinische Fachangestellte oder auch Medizinisch-Technische Assistenten tätig (siehe auch „Die Geheimnisse des Bluts“). Zum sogenannten Funktionsdienst zählen unter anderem Mitarbeiter, die Operationen vor- und nachbereiten und begleiten, etwa Anästhesietechnische Assistenten. Hinzu kommen Fachkräfte, die sich um die Gebäude und die Technik kümmern – vom IT-Systemelektroniker bis hin zum Medizintechniker. Welche Aufgaben man in den einzelnen Berufen übernehmen könnte, erfährst du in der Übersicht „Von der Apothekerin bis zum Techniker“.

Spezialisten und Generalisten

Die Aufzählungen machen deutlich: Es gibt einerseits Ausbildungs- und Studienberufe, die auf das Gesundheitswesen und speziell den Einsatz in Krankenhäusern zugeschnitten sind, andererseits ganz allgemeine Ausbildungen, die man branchenübergreifend findet. Welche Berufe in einem Krankenhaus gefragt sind, hängt stark von den Schwerpunkten und der Ausrichtung des Hauses ab. In Universitätskliniken gibt es mehr wissenschaftliches Personal, Rehakliniken wiederum brauchen Therapeuten. „In touristischen Regionen sind etwa Marketingfachkräfte gefragt, die spezielle Angebote für Kurgäste entwickeln können“, ergänzt Heidi Schneider.

„In den vergangenen Jahren sind immer mehr Studiengänge entstanden, die das Gesundheitswesen und den Bereich Medizin aus einer bestimmten Perspektive betrachten, angefangen bei der Medizinischen Informatik über das Gesundheitsmanagement bis hin zur Medizintechnik und der Krankenhaushygiene“, erklärt die Berufsberaterin. „Diese Studiengänge kann man im Bachelor studieren, aber auch als Aufbaustudiengang im Master.“ Auf einen Bachelor in BWL kann man Gesundheitsmanagement draufsatteln, auf Maschinenbau Medizintechnik. Letzteres ist eine Nische im Maschinenbau – ein ingenieurwissenschaftliches Studienfach, das aber auch Themen aus den Bereichen Biologie und Chemie beinhaltet.

Fortschreitende Akademisierung

Vor allem in Pflege und Therapie führt zwar der klassische Weg in viele Berufe – etwa Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Hebamme, Heilerziehungspfleger, Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeut – über eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule beziehungsweise einer Schule des Gesundheitswesens. Doch seit einigen Jahren schreitet die Akademisierung in diesem Bereich stetig voran. Allein unter dem Stichwort „Physiotherapie“ beispielsweise listet das Portal studienwahl.de mittlerweile 59 Studiengänge (Stand: Juni 2016).

Gute Arbeitsmarktchancen

So verschieden die Berufe im Krankenhaus sind, so unterschiedlich ist auch die Arbeitsmarktlage: „Bei Physiotherapeuten etwa herrscht bereits Fachkräftemangel“, sagt Ilona Mirtschin von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Auch für Ergotherapeuten und Logopäden ist die Situation ausgesprochen gut. Auf 100 gemeldete Arbeitsstellen kamen 2016 deutlich weniger als 100 Arbeitslose.“ Etwa ein Viertel aller beschäftigten Physiotherapeuten beziehungsweise Ergotherapeuten arbeitet in Krankenhäusern, bei Logopäden ist es knapp ein Fünftel.

Bei vielen Berufen, die überwiegend in Krankenhäusern ausgeübt werden – etwa den Medizinisch-technischen Assistenten (MTA) und den Medizinisch-technischen Radiologieassistenten (MTRA) – ist die Zahl der Arbeitslosen konstant. „Arbeitslose und gemeldete Stellen halten sich etwa die Waage“, erklärt Ilona Mirtschin.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

BERUFE Entdecker

Der BERUFE Entdecker ermöglicht Schülern, sich auf dem Smartphone oder am PC in wenigen Schritten aus hunderten Ausbildungsberufen ihre Favoritenliste zusammenzustellen.

www.entdecker.biz-medien.de

abi>> 17.07.2017

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