Der Ton macht die Musik

Frau singt in ein Mikrofon
Von einer Karriere als Popstar träumen viele - doch nicht jeder schafft es an die Spitze der Charts. Gut, dass es zahlreiche Alternativen gibt.
Foto: Gerhard Blank

Musikalische Berufe

Der Ton macht die Musik

Musik bringt uns durch den Tag: Am Morgen klingelt der Radiowecker, in der Mittagspause gucken wir online die neuesten Musikvideos und zum Einschlafen hören wir das aktuelle Album der Lieblingsband. Einige Menschen machen lieber selbst Musik und wünschen sich einen Beruf in diesem Bereich. Die wenigsten schaffen es zum Schlagerstar oder Stargeiger. Aber das muss auch nicht sein: Wer in einem Orchester spielt, am Mischpult sitzt oder Konzerte organisiert, hat jede Menge Musik im beruflichen Alltag.

Als selbstständige Tonmeisterin ist Ines Kammann Ansprechpartnerin für alle musikalischen Belange bei einer Produktion. Sie plant eine Aufnahme – angefangen bei der Raumbuchung über das Budget für die Instrumente bis zum Auftrag an den Klavierstimmer – und packt dann die Technik ins Auto. Die 35-Jährige ist in ganz Deutschland unterwegs, ein Aufnahmetermin dauert in der Regel drei bis vier Tage. „Im Tonstudio spielen die Musiker das Werk einmal durch und ich höre genau zu. Im anschließenden Gespräch sage ich ihnen, wenn in meinen Ohren zum Beispiel bei einer Passage das Tempo nicht stimmt oder ein anderer Teil durch eine etwas andere Spielweise an Charakter gewinnen würde. Dabei will ich den Künstlern aber ihre eigenen Ideen nicht ausreden“, erklärt sie.

Immer versucht Ines Kammann, den besten Klang herauszuholen – mit getreuer Wiedergabe der Instrumente und natürlich ohne Fehler. Im Anschluss geht es an die Postproduktion, den Schnitt. „Das ist sehr arbeitsintensiv und kann bei einer Klassik-CD schon einmal ein bis zwei Monate dauern“, sagt sie.

Tonmeister-Studium

Ein Porträt-Foto von Ines Kammann

Ines Kammann

Foto: Beckmann

In ihren Beruf gelangte die Tonmeisterin über ein entsprechendes Studium an der Universität der Künste Berlin, das in Kooperation mit der Technischen Universität der Hauptstadt angeboten wurde. Die Aufnahmeprüfung war happig: Sie musste an zwei Instrumenten vorspielen, eine schriftliche Prüfung sowie eine praktische Gehörübung bestehen, einen technischen sowie einen musikalischen Fragenkatalog bearbeiten, der etwa berühmte Jazz-Musiker und Allgemeinwissen abfragte.

Im Studium trainierte sie vor allem Gehörbildung und setzte sich mit Instrumentenkunde und Musikgeschichte auseinander. „In den Veranstaltungen war man oft allein oder zu zweit, es war eine sehr intensive Ausbildung“, erinnert sich Ines Kammann. Sie hat damals noch auf Diplom studiert, 2012 wurde der Studiengang auf ein achtsemestriges Bachelor- und ein zweisemestriges Masterstudium umgestellt.

Berufe mit Musik

Wer wie Ines Kammann sein Geld mit Musik verdienen will, dem bietet sich ein breites Feld an Möglichkeiten. Jessica-Alexandra Voß, Beraterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Essen teilt es in sechs Bereiche ein: Es gibt Berufe, bei denen man Musik gestaltet. Hierzu zählen Berufsmusiker, Sänger, Dirigenten, Komponisten oder Musical-Darsteller. Der Weg zur künstlerischen Karriere führt beispielsweise über Kunst- oder Musikhochschulen. In der Regel sind dort anspruchsvolle Aufnahmeprüfungen zu bestehen. „Wer in diese Richtung will, richtet sein Leben schon vor dem Abitur danach aus“, weiß Jessica-Alexandra Voß. Das war auch bei Annalena Hösel so, die in Hamburg Dirigieren studiert (siehe „Eine eigene Idee von Musik“). Aber auch eine Ausbildung, etwa zum Mediengestalter Bild und Ton, kann später ins Fernseh- oder Tonstudio und zur Gestaltung der Wiedergabe von Musik führen.

Daneben gibt es Berufe, bei denen die Vermittlung von Musik im Fokus steht, etwa bei Musiklehrern, die an städtischen Musikschulen oder staatlichen Schulen unterrichten. Sie müssen mindestens ein Instrument beherrschen, um an einer Hochschule studieren oder sich an einer Berufsfachschule ausbilden lassen zu können. Wie die Ausbildung konkret ablaufen kann, erzählt der angehende Musiklehrer Markus Lautner (siehe „Den Ton vorgeben“).

Mit Musik heilen können Musiktherapeuten. Sie absolvieren eine Aus- oder Weiterbildung, können das Fach aber auch im Rahmen eines Studiums belegen. Voraussetzung ist auch hier, ein Instrument spielen zu können. Dazu kommen Einfühlungsvermögen, Kreativität und Kontaktfreude.

Vermarktung, Wissenschaft und Technik

Bei der Vermarktung von Musik geht es um den Verkauf von Platten, Instrumenten und Noten, um das Marketing bei oder die Organisation von Musikkonzernen. Den Zugang eröffnen beispielsweise ein betriebswirtschaftliches Studium – kombiniert mit Praktika im Musikbereich – oder eines im Kulturmanagement. Alternativ dazu bietet sich die dreijährige Ausbildung zum Musikfachhändler an, die eine spätere Tätigkeit im Fach- und Versandhandel oder bei Musikverlagen ermöglicht.

Nur wenige Menschen arbeiten wissenschaftlich mit Musik. „Die Stellen für Wissenschaftler sind sehr begrenzt“, sagt Jessica-Alexandra Voß. Aber es gibt viele Berufe, die in diese Richtung gehen: Musikjournalisten, Musikarchivare und -bibliothekare, Musikwissenschaftler in Verlagen, Kulturämtern oder beim Rundfunk. In der Regel ist hier ein geisteswissenschaftliches Studium Voraussetzung – die Beraterin empfiehlt Musikwissenschaft in Kombination mit einem anderen Fach. „Diese Berufe muss man sich erarbeiten und sich früh überlegen, in welche Richtung man gehen möchte“, rät sie. Einer, der es geschafft hat, ist Dennis Drögemüller, der als Redakteur bei der Musikzeitschrift „Visions“ arbeitet (siehe „Von Britpop bis Metal“).

Der letzte Berufsbereich nähert sich der Musik von der technischen Seite. Wer hier mit einer Ausbildung durchstarten möchte, kann zum Beispiel Musikinstrumentenbauer, Bogenmacher, Geigenbauer oder Orgel- und Harmoniumbauer werden. Zu Experten für Schall, Licht und Rauch werden hingegen Fachkräfte für Veranstaltungstechnik ausgebildet. Sie arbeiten später unter anderem am Theater. Wer lieber ein Studium absolvieren möchte, entscheidet sich vielleicht für Ton- und Bildtechnik und startet danach als Tonmeister oder -ingenieur in einem Studio ins Berufsleben oder produziert als Audiodesigner Werbejingles.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt tut man sich – je nach Berufsbereich – mitunter etwas schwerer. Festanstellungen sind selten, mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sind selbstständig und Stellenmeldungen äußerst rar. In manchen Berufen kommen im Durchschnitt knapp 3.100 Bewerber auf 100 gemeldete Stellen.

Dennoch hat sich die Lage in den vergangenen Jahren etwas entspannt, in einigen Bereichen ist die Beschäftigung sogar gestiegen. Bei den rund 60.000 Musikjournalisten und -redakteuren im Jahr 2014 gab es einen Zuwachs von über drei Prozent. Die Zahl der Berufsmusiker, zu denen neben Instrumentalisten auch Sänger und Dirigenten gehören, ging hingegen um zwei Prozent zurück. Sie ist mit 69.000 Erwerbstätigen jedoch weiterhin die größte Gruppe.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte z.B. Musikschullehrer/in, Musikredakteur/in, Dirigent/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen (Suchworte z.B. Musiker/in – Rock/Pop, Sänger/in, staatlich geprüfte/r Ensembleleiter/in).

kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe

www.berufe.tv

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 7.2 „Musik, Tanz, Schauspiel, Kulturwirtschaft“ in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter www.biz-medien.de/abi.

Dachverband der Studierenden der Musikwissenschaften e.V. (DVSM)

www.dachverband-dvsm.de

Bundesverband Musikindustrie e.V.

www.musikindustrie.de

Bundesverband Musikindustrie

www.bmu-musik.de

Deutscher Musikrat

www.musikrat.de

Deutscher Chorverband

www.deutscher-chorverband.de

 

Musikjournalist

Von Britpop bis Metal

Der leidenschaftliche Musikfan Dennis Drögemüller (31) konnte sein Hobby zum Beruf machen. Als Redakteur beim Musikmagazin „Visions“ in Dortmund ist er unter anderem für den Online-Auftritt verantwortlich.

„I ch schreibe jeden Tag – aber nicht fürs Heft, sondern für die Website“, erzählt Dennis Drögemüller von seinem Arbeitsalltag. Der Chef der Online-Redaktion plant außerdem Beiträge, vergibt Aufträge an freie Mitarbeiter und führt Interviews mit Musikern. Zudem bereitet er aktuell ein großes Projekt vor: Die Neugestaltung des Internetauftritts der größten deutschen Musikzeitschrift für alternative Musik.

Natürlich hat der 31-Jährige schon Stars interviewt: Billy Corgan von den Smashing Pumpkins etwa, die Grunge-Band Alice in Chains oder Maynard James Keenan von der Metal-Band Tool. „Das ist immer ein kleines bisschen enttäuschend, denn die Realität kann mit dem Mythos nicht mithalten“, gibt er zu. Andererseits findet Dennis Drögemüller es interessant, die Musiker als Menschen kennenzulernen.

Kleine Redaktion, nette Kollegen

Ein Porträt-Foto von Dennis Drögemüller

Dennis Drögemüller

Foto: privat

Die Redaktion des Magazins, das monatlich erscheint und sich Metal, Punk, Alternative und Britpop widmet, ist klein. Fünf Redakteure und eine Volontärin arbeiten dort. „Die Atmosphäre ist kollegial und kumpelhaft“, sagt der Journalist. Das sei einer der Vorteile, die sein „absoluter Traumjob“ mit sich bringt. Die relativ flexible Tageseinteilung ist ein weiterer. Vor allem aber verbringt der Musikredakteur den „ganzen Tag mit einem Thema, das ich sehr liebe“. Er bekommt Einblicke ins Geschäftliche, hat manche Information über Künstler einen Tick früher als normale Fans und kann – zuweilen – exklusive Konzerte besuchen oder mal zu einem Studiobesuch nach Finnland reisen.

Mit Notizbuch durchs Dorf

Schon als Grundschüler marschierte Dennis Drögemüller durch seinen Heimatort nahe Uelzen und notierte, was ihm neu und bemerkenswert vorkam. Den Wunschberuf Journalist vor Augen, machte er nach dem Abitur 2004 und seinem Zivildienst mehrere Praktika, war bei der „Bild“-Zeitung, der „Welt“ und einer Lokalzeitung in der Lüneburger Heide. Dann studierte er Medienwissenschaft, Germanistik und Psychologie an der Uni Trier. „Parallel habe ich weitere Praktika gemacht, etwa bei der Nachrichtenagentur dpa und beim Fernsehmagazin ‚Kulturzeit‘ des Senders 3Sat. Außerdem habe ich alle möglichen Workshops absolviert, zum Beispiel zu Reportage und Radiojournalismus – und für mein eigenes Portal über Musik geschrieben“, erzählt er.

2010 schrieb er – damals noch als freier Journalist – seine erste Rezension eines Albums für „Visions“. Ein Angebot für ein Volontariat schlug er dennoch aus, entschied sich bewusst für den „traditionellen Weg“ und volontierte bei den „Ruhr Nachrichten“. Fertig ausgebildet wechselte er dann aber doch zum Musikmagazin. Das erste halbe Jahr brauchte er, um sich einzugewöhnen, um Organisation, Abläufe und die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen im Verlag, die Konzerte, Events und Partys veranstalten, kennenzulernen. Als verantwortlicher Redakteur sieht Dennis Drögemüller aktuell keinen Anlass, das Magazin zu verlassen. Sollte er sich in ein paar Jahren dennoch anders orientieren, steht fest: „Ich werde weiter über Musik und Kultur berichten, vielleicht jedoch mit anderer Richtung oder in einem anderen Medium.“

 

Dirigieren

Eine eigene Idee von Musik

Weil es ihren Professor von Leipzig nach Hamburg zog, wechselte auch Annalena Hösel die Hochschule. Heute studiert sie Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater in der Stadt an der Elbe und ist im siebten Semester. An den Bachelor will sie in jedem Fall einen Master anschließen und dann zur Oper. „Das finde ich faszinierend“, sagt die 23-Jährige.

Gut erinnert sich Annalena Hösel an das Herzklopfen bei der Aufnahmeprüfung für den Studiengang Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig: Sie musste eine Sängerin mitbringen und drei gestaltete Kunstlieder und einen Oratoriensatz darbieten, am Klavier spielen und Kenntnisse in Gehörbildung nachweisen. Zunächst standen im Studium dann Musiktheorie und -geschichte, Formenlehre, Chor und Chorleitung und Korrepetition auf dem Stundenplan. Das blieb auch so, als sie nach zwei Semestern mit ihrem Professor nach Hamburg wechselte.

Ein Porträt-Foto von Annalena Hösel

Annalena Hösel

Foto: Jürgen Hösel

An der Hochschule für Musik und Theater in der Hansestadt belegt die 23-Jährige im Hauptfach Dirigieren. Als Hauptfachinstrument wählte sie ursprünglich das Klavier, mittlerweile wechselte sie aber zu Trompete. In den Ergänzungsmodulen erwirbt sie darüber hinaus Kenntnisse unter anderem in Chor/Kammerchor, Chorleitung und Partiturspiel. Drei oder vier feste Veranstaltungen hat sie pro Tag, zwischendurch lernt sie Partituren, übt Trompete oder hält Proben ab.

Leiterin eines Laienorchesters

Zudem sammelt sie praktische Erfahrung: Die Hamburger Orchestergemeinschaft, ein altehrwürdiges und schon über 100 Jahre altes Laienorchester suchte 2014 einen neuen Leiter – und Annalena Hösel bekam die Stelle. Einige Stücke des Repertoires – von Romantik über Operette bis hin zu argentinischem Tango – hatte sie zuvor schon dirigiert, anderes eignete sie sich an. „Ich habe so viel gelernt: Den Jargon, wie ich eine Probe plane, wie ich elementare Dinge vermittle und auf schlaue Weise musikalisch viel erreichen kann“, schwärmt sie.

Die Arbeit mit Profi-Orchestern empfindet sie dennoch einfacher: „Man hat allerdings weniger Zeit, die eigene Idee zu vermitteln, gerade bei Stücken, welche die Musiker bereits oft gespielt haben." Sie schätzt das Orchester jedoch als Spiegel: „Wenn ich gut vorbereitet und entspannt bin, ist es der Klangkörper, wie man einen Chor oder ein Orchester in der Fachsprache nennt, ebenso“, lautet ihre Erfahrung.

Konzerte geben

Immer wieder gibt die 23-Jährige auch Konzerte. Zweimal im Jahr dirigiert sie die Hamburger Orchestergemeinschaft, dazu kommen Auftritte mit dem Leipziger Thomanerchor, dem Leipziger Sinfonieorchester und den Hamburger Symphonikern.

Im nächsten Semester, dem achten, wird Annalena Hösel ihren Bachelorabschluss machen. Dann will sie einen Master anschließen und sich weitere vier Semester eingehend mit dem Dirigieren, der Kammermusik und der Korrepetition Oper auseinandersetzen. Eventuell kombiniert sie das weiterführende Studium mit dem Fach Chorleitung.

Die Studentin, die schon im Alter von 16 Jahren als Jungstudentin in die Kapellmeisterklasse an der Folkwang-Universität in Essen aufgenommen wurde, will sich ihre Zukunft offen halten. Eines aber ist ihr wichtig: „Ich möchte auf jeden Fall mit einem aufgeschlossenen, leidenschaftlichen und neugierigen Klangkörper fest zusammenarbeiten, dann ist mir der Ort eigentlich egal.“

 

 

 

Musiklehrer

Den Ton vorgeben

Ein Tag ohne Musik? Das ist für Markus Lautner unvorstellbar. Der 23-Jährige steht kurz vor seiner Abschlussprüfung zum Musiklehrer an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl. Danach darf er an Musikschulen unterrichten.

Die Schule schließt um 22 Uhr. Um diese Zeit ist Markus Lautner oft noch in dem ehemaligen Kloster in Dinkelsbühl zu finden: Er übt dann Gitarre, singt oder spielt im Ensemble mit Mitschülern. Das sei zwar anstrengend und fordernd, andererseits könne er sich der Musik voll und ganz widmen. Bewusst hat er sich für den klassischen Zweig entschieden: „Ich möchte unterrichten, da legt die Klassik bessere Grundlagen als die Popularmusik“, findet er.

Pädagogisches Aufbaujahr

An der Schule in Dinkelsbühl durchlaufen die Schüler in zwei Jahren eine Regelausbildung, in der sie sich für ein Hauptfachinstrument oder Gesang, Chor- und Ensembleleitung entscheiden können. Nach erfolgreicher Prüfung zum staatlich geprüften Ensemble-Leiter/Chorleiter können sie ein pädagogisches Aufbaujahr anschließen, das zu einer Tätigkeit als Musikschullehrer befähigt.

Ein Porträt-Foto von Markus Lautner

Markus Lautner

Foto: Gabriele König

Vor einem Jahr hat Markus Lautner diese Prüfung abgelegt und seine Basisausbildung damit abgeschlossen. Geprüft wurde er in seinem Hauptfachinstrument Gitarre, dazu kamen Gehörbildung, Tonsatz – also die Ergänzung einer Komposition um weitere Stimmen – und Formenlehre, bei der etwa der Aufbau einer barocken Suite analysiert wird. Außerdem gab es Tests in Musikgeschichte, Chorsingen und Ensemblespiel. Im dritten Jahr beschäftigt er sich nun zusätzlich mit Musikpädagogik, Methodik, Didaktik und Unterrichtspraxis. „Hier erhält man Tipps, wie man den Unterricht aufbaut oder wie man mit einem Ensemble umgeht“, erzählt er.

Aufnahmeprüfung in drei Teilen

Staatlich getragene und damit kostenlose Berufsfachschulen, die eine Ausbildung zum Musiklehrer anbieten, gibt es nur in Bayern. Die Plätze sind begehrt, die Auswahl ist streng. Die Aufnahmeprüfung besteht in Dinkelsbühl aus vier Teilen: Zunächst müssen die Bewerber auf ihrem Hauptinstrument vorspielen und in einem Gespräch ihre Motivation schildern. Darauf folgen ein Theorietest in allgemeiner Musiklehre und eine praktische Prüfung zur Gehörbildung sowie zur eigenen Singstimme.

„In der Schule“, gibt der gebürtige Bayreuther gern zu, „war ich kein Überflieger.“ Er ging aufs Gymnasium, wechselte aber die Schule und hat mit 20 auf der Fachoberschule (FOS) die Fachhochschulreife erworben. Sein Berufswunsch ergab sich quasi von selbst: Die Musik begleitet ihn schon seit der Kindheit. Bereits im Alter von acht Jahren lernte er Sopranflöte, später Altflöte und klassische Gitarre. Er spielte im Ensemble, nahm an „Jugend-musiziert“-Wettbewerben teil, wechselte zur E-Gitarre und gründete seine eigene Band.

Vom Stolz des erfolgreichen Lehrers

Er freut sich schon auf die Zeit nach dem Abschluss: „Ich möchte meine Leidenschaft und die Freude an Musik weitergeben“, sagt er. „Und voller Stolz zusehen, wenn einer meiner Schüler bei Konzerten brilliert.“ Der erste Schritt dazu ist getan: Seine schriftlichen Prüfungen in Gehörbildung, Pädagogik und Arrangement hat er bereits hinter sich, die praktische Abschlussprüfung steht bevor.

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Musiklehrer

Typischer Tagesablauf

Für abi>> schildert der angehende Musiklehrer Markus Lautner (23) einen Tag seiner Ausbildung an der Berufsfachschule Dinkelsbühl.

11.30 Uhr

Die Unterrichtsstunden sind bei der schulischen Ausbildung zum Musiklehrer unregelmäßig über die Woche verteilt. Bevor die erste Stunde dieses Tages – eine Doppelstunde Pädagogik – beginnt, hat Markus Lautner schon geübt. Sein Hauptfachinstrument ist die klassische Gitarre, daneben spielt er auch Klavier und singt.

13.15 Uhr

Jetzt steht Gehörbildung auf dem Stundenplan. Dabei lernt Markus Lautner zum Beispiel, Abstände zwischen Tönen zu erkennen. Außerdem übt er hier, Melodien vom Blatt zu singen und verschiedene Tonarten anzustimmen – zur Orientierung setzt er eine Stimmgabel ein.

14 Uhr

Im Anschluss daran geht es zum Fachlehrerseminar. Dabei lernt der Schüler zum Beispiel, wie man sich vor einer Klasse verhält und Wissen transportiert. Ausprobieren kann Markus Lautner das auch: An einem Nachmittag in der Woche unterrichtet er mit seinen vier Jahrgangskollegen eine Grundschulklasse an einer Ganztagsschule.

14.45 Uhr

Weil Markus Lautner später auch an staatlichen Schulen unterrichten will, muss er sich in Rock und Pop auskennen, Kompositionen der Unterhaltungsmusik analysieren und Tonsätze in verschiedenen Stilen anfertigen können. Die Grundlagen dafür erwirbt er im Fach Tonsatz Rock/Pop, das nun auf dem Stundenplan steht.

15.30 bis 17 Uhr

Pause. Die nutzt Markus Lautner, um zu essen und zu entspannen. Manchmal geht er auch für eine Stunde in einen der Übungsräume der Musikfachschule, um seine Fähigkeiten an der Gitarre weiter auszubauen.

17 bis 18.30 Uhr

Im Fach Unterrichtspraxis erfährt er Tricks und Kniffe des Unterrichtens: Wem bringt man was wie bei?

22 Uhr

Die Schule schließt. Bis dahin spielt der Auszubildende mit seinen Mitschülern im Ensemble oder singt in verschiedenen Chören.

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Musikalische Berufe

Die Vielfalt einer Tonleiter

Du möchtest dein Hobby zum Beruf machen und dein Geld mit Musik verdienen? Möglichkeiten dafür gibt es viele. Hier eine Auswahl.

Ausbildungsberufe

Klavier- und Cembalobauer/in – Cembalobau

Nach eigenen Entwürfen oder nach technischen Zeichnungen fertigen Klavier- und Cembalobauer die Rahmen der Instrumente aus Massivhölzern. Sie bearbeiten und verzieren die Oberflächen, montieren Einzelteile und prüfen am Ende die Klangqualität. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, danach arbeiten die Gesellen in Handwerksbetrieben oder in kleinen Instrumentenfabriken.

Musikfachhändler/in

Während der dreijährigen Ausbildung zum Musikfachhändler lernen die Auszubildenden unter anderem welche Vertriebswege und Werbemaßnahmen es im Musikhandel gibt, wie man Waren verkaufswirksam präsentiert und Preise gestaltet. Wer in diesem Beruf tätig sein möchte, sollte Interesse für die Entwicklungen auf dem Musikmarkt mitbringen und bereit sein, die Einflüsse von Mode, Freizeit, Sport und Massenmedien auf die Entwicklung von Musiktrends zu beobachten und zu analysieren.

Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick, aber auch organisatorische Fähigkeiten sind gefordert, um den technischen Ablauf von Konzerten, Theateraufführungen oder Messeveranstaltungen zu planen und diese zu betreuen. Beleuchtung, Projektionen und Ton oder auch Nebelmaschinen gehören zum Alltagsgeschäft der Veranstaltungstechniker, die bei Konzertveranstaltern, bei Rundfunk und Film und bei Theatern angestellt sind oder auch auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Berufe mit Studium

Musicaldarsteller/in

Musicaldarsteller haben Musiktheater oder Musical studiert. Sie übernehmen Sing-, Sprech- und Tanzrollen in Musicals und eignen sich Text und Gesangsnummern an, die sie unter Leitung eines Regisseurs proben und aufführen. Die Engagements wechseln sich ab, oft werden Stücke „en suite“ gespielt – tage- und wochenlang hintereinander.

Musiker/in – Alte Musik

Musiker für Alte Musik spielen Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks. Sie spielen selbst ein Instrument und kennen sich aus mit den Instrumenten der Zeit, deren entsprechender Spielweise und natürlich mit der Musikgeschichte. Regelmäßiges Üben gehört zum Arbeitsalltag, genauso wie die Proben mit Ensembles oder Soloauftritte. Dabei wirken die Musiker auch bei Aufnahmen im Studio mit, verhandeln mit Veranstaltern und Musikverlagen über Honorare und Verträge. Oft sind sie selbstständige Künstler, arbeiten aber auch als Musikjournalisten oder erteilen Musikunterricht. Weitere berufliche Perspektiven haben sie als Arrangeur oder als Lehrer an einer Hochschule.

Musikwissenschaftler/in

Musikwissenschaftler haben in der Regel ein einschlägiges Studium absolviert, beispielsweise der Historischen Musikwissenschaft, der Musikinformation oder der Integrativen Musiktheorie. Sie arbeiten in der wissenschaftlichen Forschung und unterrichten Studierende an Hochschulen, finden aber auch Stellen am Musiktheater oder bei Verlagen, sorgen für die Öffentlichkeitsarbeit bei Konzertveranstaltern oder übernehmen beispielsweise in städtischen Kulturämtern Verantwortung für das Management von Musikreihen.

Berufe mit unterschiedlichen Zugangswegen

Rhythmiklehrer/in

Im Zentrum der Tätigkeit von Rhythmiklehrern steht die Wechselwirkung von Musik und Bewegung, etwa um den Bewegungssinn und die Musikalität von Kindern und Senioren, von Kranken aber auch von Freizeitsportlern zu fördern. Basis der Weiterbildung ist eine musikalische oder tänzerische Aus- und Weiterbildung oder ein Studium, zum Beispiel Musikpädagogik. Rhythmiklehrer arbeiten in Kindergärten und Grundschulen, an Musik- und Volkshochschulen, sie finden Stellen in Fachkliniken mit neurologischen oder psychiatrischen Abteilungen sowie bei Sport- und Freizeiteinrichtungen.

Producer/in

Hier handelt es sich um einen Weiterbildungsberuf, der zu einer Fernsehproduktionsgesellschaft, zum Rundfunk oder in Musik- und Tonstudios führt. Dort planen und realisieren Producer Film-, Fernseh- und Hörfunk- sowie Musikproduktionen. Zugangsvoraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium in einem fachspezifischen Bereich sowie einschlägige Berufspraxis. Während der sechs- bis zwölfmonatigen Weiterbildung werden Fächer wie Dramaturgie, Organisation, Produktion und kaufmännische Inhalte vermittelt.


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Stand: 23.06.2018