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Mehr Mandantenzeit dank Legal Tech

Aktenordner.
Unzählige Akten waren gestern - heute wird alles nach Möglichkeit digital verwaltet.
Foto: Heusel

Jurist im digitalen Wandel

Mehr Mandantenzeit dank Legal Tech

Digitale Akten, Online-Akquise, Automatisierung von juristischen Dienstleistungen: Thorsten Köhn arbeitet in der Legal-Tech-Kanzlei rightmart mit Sitz in Bremen. Der 34-Jährige erläutert abi» die Vorteile von digitalisierten Abläufen für seine Tätigkeit als Anwalt für Verkehrsrecht.

Herr Meier hatte einen Autounfall, ihm ist jemand hinten drauf gefahren. Thorsten Köhn führt ein telefonisches Erstgespräch, nimmt Daten auf: Wer, wann, wo, welches Fahrzeug, war die Polizei da, gibt es Zeugen …? Die Informationen trägt der Rechtsanwalt in ein spezielles Computerprogramm ein. „Dann fängt sozusagen die Legal-Tech-Arbeit an“, erklärt der 34-Jährige. Die Software erstellt automatisch Standardschreiben an die Versicherung, das erste ebenso wie – dank einer Wiedervorlage-Funktion – die Erinnerungsschreiben. Und sie hält Mandant und Anwalt über den Sachstand auf dem Laufenden.

Abläufe beschleunigen

Ein Porträt-Foto von Thorsten Köhn

Thorsten Köhn

Foto: privat

Wie solche Schreiben aussehen müssen, weiß die Software dank Thorsten Köhn. Seit März arbeitet der Rechtsanwalt bei der Legal-Tech-Kanzlei rightmart und ist zuständig für den Aufbau der Verkehrsrechtsabteilung. Mehrere Wochen hat er sich ausschließlich damit beschäftigt, das Programm mit juristischen Informationen zu füttern. Die Informatiker des Online-Rechtsdienstleisters casecheck sitzen im Büro nebenan. Sie haben unter anderem das Programm für Sozialrechtsanfragen entwickelt – inklusive der Möglichkeit, die kostenlose Überprüfung eines Hartz 4-Bescheids über ein Portal oder über eine App in Auftrag zu geben. „Durch Legal Tech sollen nicht nur Verwaltungsabläufe beschleunigt werden“, erklärt der Jurist. Es gehe auch darum, die eigentlichen Rechtsdienstleistungen wie die Dokumentenanalyse so weit wie möglich zu automatisieren: „Dadurch wird die Bearbeitung eines gesamten Falls effizienter und einfacher.“ So habe er mehr Zeit für Gespräche mit dem Mandanten und vor allem für Telefonate mit Versicherungen, denn: „Wenn die sich nicht rühren, ist Legal Tech machtlos.“ Und erfahrungsgemäß erhöhen beharrliche Gespräche die Erfolgsaussichten einer zeitnahen außergerichtlichen Regelung.

Analoger Erfahrungsschatz

Vor rightmart hat Thorsten Köhn viereinhalb Jahre in einer großen Verkehrsrechts-Kanzlei gearbeitet. Die Erfahrungen, die er dort sammelte, flossen in seine Softwarearbeit ein: „Ich habe selbst Standardschreiben formuliert, ich weiß, mit welchen Argumenten Versicherungen oft reagieren und was juristisch möglich ist.“ Die Kanzlei arbeitete weitgehend ohne Legal Tech, lediglich die Akten waren digital. Bereits eine große Erleichterung, wie der 34-Jährige weiß. Während des Referendariats war er in einer kleinen komplett analog arbeitenden Kanzlei. „Wenn man aber 5.000 Fälle im Jahr behandelt, dann braucht man enorm viel Papier und Platz für Ordner – und Zeit, die benötigte Akte und in ihr das Schreiben zu finden, das man gerade braucht.“ Am Computer reiche das Aktenzeichen und eventuell noch ein Stichwort.

Wirtschaftliche Vorteile

Nicht nur fürs Zeitmanagement, auch aus wirtschaftlicher Sicht sei Legal Tech sinnvoll: „Da der Arbeitsaufwand dank der Automatisierungen bei Fällen mit niedrigem Streitwert gering bleibt, müssen wir nicht erst überlegen, ob diese genug Ertrag abwerfen.“ So könnten mehr Menschen zu ihrem Recht kommen. Zumal gerade bei Verkehrsunfällen viele nicht wüssten, welche Ansprüche sie geltend machen können. Die Möglichkeit, ortsunabhängig online mit der Kanzlei in Kontakt zu treten, erleichtere zudem die Mandanten-Akquise – und baue Schwellenängste ab. Zu guter Letzt profitiere auch er persönlich. Denn ihm bleibe Zeit, sich intensiver den Aufgaben zu widmen, die Legal Tech nicht übernehmen kann: knifflige Fälle lösen, vornehmlich im Strafrecht, vertrauliche Mandantengespräche oder Gerichtsverhandlungen führen. Kurz, jenen juristischen Herausforderungen, für die er das lange und komplexe Jura-Studium auf sich genommen habe.

abi>> 06.09.2019

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