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Verantwortung für rund 500 Beschäftigte

Eine Frau leitet eine Besprechung.
Ein Umdenken findet statt: Immer mehr Unternehmen fördern den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen.
Foto: Axel Jusseit

Geschäftsführerin

Verantwortung für rund 500 Beschäftigte

Um die eigenen Produkte auszuprobieren, erklimmt sie auch mal selbst Bergwände: Dr. Antje von Dewitz (45) ist eine Gipfelstürmerin in jeder Hinsicht. Die Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude hat es geschafft, sich als erfolgreiche Unternehmerin zu positionieren.

Antje von Dewitz wurde im Jahr 2017 als jüngste Familienunternehmerin in die „Hall of Fame“ des Handelsblatts aufgenommen – eine Auszeichnung für herausragende Wirtschaftsgrößen. Begründet wurde die Entscheidung unter anderem mit ihrem „Mut zur grünen Mission“, denn sie setzt sich dafür ein, dass die von Vaude hergestellten Zelte, Rucksäcke und Outdoor-Klamotten höchste Umwelt- und Sozialstandards erfüllen. Von 100 Prozent Klimaneutralität über ein ökologisches Firmengebäude bis hin zur hauseigenen Bio-Kantine – die 45-Jährige setzt bei der Führung ihres Unternehmens komplett auf Nachhaltigkeit.

Vor allem strategische Aufgaben

Ein Porträt-Foto von Antje von Dewitz

Antje von Dewitz

Foto: VAUDE

Seit 2009 steht Antje von Dewitz an der Spitze des Familienunternehmens mit Firmensitz im baden-württembergischen Tettnang-Obereisenbach, das rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Bei gemeinsamen Meetings bespricht sie mit ihren Team-, Abteilungs-, Bereichs- und Geschäftsleitern die strategische Ausrichtung. „Es geht zum Beispiel darum, welche Schwerpunkte wir in der Sortimentsplanung setzen wollen. Die Produktmanager stellen uns ihre Pläne vor und wir diskutieren darüber“, erklärt sie.

Auch Themen, die die interne Kommunikation sowie die Entwicklung und Kultur des Unternehmens betreffen, beschäftigen die Geschäftsführerin. Sie nennt ein aktuelles Beispiel: „Wir befinden uns bei Vaude in einem Wandel von einer eher hierarchischen zu einer teamorientierten Führungskultur. Daher benötigen unsere Führungskräfte ein neues Rollenverständnis, das ihnen in Schulungen vermittelt werden soll. Die Inhalte dieser Schulungen, die ich selbst durchführen werde, erarbeiten wir derzeit unter anderem in Gesprächen mit unserer Personalleiterin.“

„Kind und Karriere – geht das?“

Nach dem Abitur hat Antje von Dewitz „Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien“ an der Universität Passau studiert, damals noch auf Diplom. „Die Semesterferien habe ich meistens für mehrwöchige Praktika in NGOs, Medienunternehmen oder Kulturorganisationen genutzt, um herauszufinden, wo ich beruflich hinmöchte. Damals stand noch nicht fest, dass ich einmal das Unternehmen meines Vaters übernehmen würde.“ Bei Vaude stieg sie zunächst als Produktmanagerin ein, arbeitete dann im Marketing, wurde später Marketingleiterin und schließlich Geschäftsführerin. Zwischendurch verbrachte sie für ihre Promotion drei Jahre am Lehrstuhl für Entrepreneurship (Unternehmertum) in Hohenheim.

Mit ersten Hürden wurde Antje von Dewitz schon zu Beginn ihrer Karriere konfrontiert. „Ich hatte gerade im Unternehmen angefangen, als ich schwanger wurde. Da fragte ich mich, Kind und Karriere, geht das überhaupt? Damals gab es in meinem Umfeld keine Frau in einer vergleichbaren Situation.“

Inzwischen ist ihre Tochter 18 Jahre alt und Antje von Dewitz hat noch drei weitere Kinder bekommen. Die damaligen Probleme sind längst gelöst. „Mein Mann hat bei uns zuhause mehr Verantwortung übernommen, außerdem ist Vaude heute so ausgerichtet, dass sich Kind und Karriere gut mit flexiblen Arbeitszeiten und Betreuungsmöglichkeiten vereinbaren lassen. Im Vaude Kinderhaus konnte auch ich schon meine Kinder unterbringen.“

Als einzige Frau in Aufsichtsräten

Bei der Frage, ob sie sich im Laufe ihrer Karriere härter beweisen musste als ihre männlichen Kollegen, wiegelt Antje von Dewitz ab: „Intern ist das bei uns kein Thema, da bei Vaude viel mehr Frauen als Männer arbeiten – das wirkt sich auch im Miteinander aus.“ Extern ist es jedoch etwas anders: „Ich bin die einzige Frau in verschiedenen Gremien und Aufsichtsräten. Da gibt es schon Situationen, die für mich etwas anstrengend sind. Es kommt zum Beispiel öfter mal vor, dass die Kollegen schon einer Meinung sind und ich dann einen völlig anderen Aspekt einbringe, weil die Denkansätze offenbar unterschiedlich sind.“

Doch das Einbringen eigener Ideen sowie „eine Begeisterung für Mensch und Natur, zugleich eine Sorge um unseren Planeten“, treiben die Unternehmerin an. „Ich möchte dazu beitragen, die Welt lebenswert zu erhalten.“

abi>> 05.09.2018

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