Mit Liebe und Herzblut

Eine junge Frau arbeitet in der Werkstatt einer Buchbinderei an einer Buch-Presse.
Im Ausbildungsberuf Buchbinder können Azubis ihre künstlerische Ader ausleben.
Foto: Frank Pieth

Das Hobby zum Beruf gemacht – Hintergrund

Mit Liebe und Herzblut

Wer sein Hobby zum Beruf macht, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Er beschäftigt sich täglich mit Dingen, die ihm wirklich Freude bereiten, und verdient auch noch seinen Lebensunterhalt. Und dafür muss man nicht unbedingt das Talent eines Profifußballers haben. Es gibt viele Wege, wie man die eigenen Interessen in einen Beruf „umwandeln“ kann.

Anna Lorenz (26) war schon immer ein kreativer Typ. Seit sie einen Buntstift halten konnte, hat sie gemalt, später gebastelt, genäht und gestrickt. Dieses künstlerische Interesse kann sie nun auch in ihrer Ausbildung zur Buchbinderin ausleben. In der Universitätsbuchbinderei Fritz Castagne in Kiel lernt sie, wie man Einzel- und Sonderanfertigungen von Büchern herstellt. „Wenn jemand seine Bachelorarbeit binden oder ein altes, geliebtes Kochbuch reparieren lassen möchte, kommt er zu uns“, erklärt die Auszubildende im ersten Lehrjahr. Sie macht sich dann Gedanken über das Buchformat, die Papiersorte, die Art der Bindung oder mögliche Schmuck-Applikationen. Auch die Herstellung von Schachteln und Fotoalben gehört zu ihren Aufgaben. Die kreative Arbeit rund ums Papier begeistert sie.

Ein Porträt-Foto von Anna Lorenz

Anna Lorenz

Foto: privat

Dabei begann Anna Lorenz’ beruflicher Weg zunächst ganz anders. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ihre Eltern arbeiteten ebenfalls als Pfleger im Krankenhaus. „Das war etwas Vertrautes für mich“, erinnert sie sich. Sie merkte jedoch schnell, dass ihr die Tätigkeiten nicht lagen. Ein Zeitungsartikel über eine Buchbinderin hat sie schließlich dazu inspiriert, die Richtung zu wechseln. „Ich habe mir gedacht: Jetzt machst du das, was dir wirklich gefällt!“

Konstante Leistung bringen

Solche Fälle erlebt Nicole Fleischmann, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit im thüringischen Suhl, immer wieder: „Der Grund, weshalb Jugendliche eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen, ist weniger fehlende Leistung, sondern fast immer die falsche Berufswahl.“ Dass man seine Meinung ändert, kommt gar nicht so selten vor: Aktuelle Zahlen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung belegen, dass deutschlandweit rund ein Viertel der Ausbildungen vorzeitig aufgelöst werden und 29 Prozent der Studierenden das Studium abbrechen. Warum also nicht vorbeugen – und einfach das Hobby zum Beruf machen?

Die Vorteile liegen auf der Hand, weiß die Expertin: „Wenn man beruflich etwas macht, für das man wirklich brennt, wird die Arbeit überwiegend als erfüllend und kurzweilig empfunden. Der Beruf entspricht dann häufig den eigenen Stärken und Talenten. Dadurch ist man automatisch gut in seiner Tätigkeit.“ Kann man sich in seinem Beruf selbstverwirklichen, hat das zudem positive Auswirkungen auf die weitere Entwicklung – beruflich wie persönlich.“

Ein weiterer Pluspunkt: „Man hat mehr Durchhaltevermögen und überwindet leichter Blockaden.“ Wichtig ist das beispielsweise bei künstlerischen Berufen, etwa im Handwerk oder Design. Schließlich hat man nicht immer auf Knopfdruck kreative Ideen und muss unter Umständen mit relativ wenig Geld zurechtkommen.

Die Sache scheint also klar. Nicole Fleischmann gibt jedoch zu bedenken: „Ist mein Hobby auch mein Beruf, dann dient es nicht mehr nur meiner gelegentlichen Entspannung. Sobald ich Geld dafür bekomme, muss ich konstant eine Leistung bringen!“ Unter Umständen muss man sich für den Freizeitausgleich ein neues Hobby suchen. Zudem arbeitet man nicht mehr komplett selbstbestimmt, sondern muss sich nach Kundenwünschen und betrieblichen Bedingungen richten.

Soft Skills nutzen

Ein Porträt-Foto von Nicole Fleischmann

Nicole Fleischmann

Foto: privat

Die Berufsberaterin rät außerdem, über den Tellerrand zu blicken. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man zwar eine große Leidenschaft hat, nicht aber das erforderliche Talent mitbringt: „Für Musikinteressierte ist eventuell auch der Bereich Tontechnik interessant. Und künstlerisch veranlagte Menschen fühlen sich vielleicht in der Architektur gut aufgehoben.“

Neben diesen Überlegungen kann es hilfreich sein, das Hobby zu „zerlegen“ und sich zu fragen: Was genau macht mir daran am meisten Freude? Mache ich beispielsweise Sport vor allem wegen des Gesundheitsaspektes? Dann liegt es mir möglicherweise auch, als Physiotherapeut bewegungseingeschränkten Patienten zu helfen. Oder gefällt es mir, im Team die Mitspieler zu motivieren? Dann könnten sich die Berufe Sportlehrer oder Fitnessfachwirt eignen. Welche Berufe zu welchen Tätigkeiten passen, kann man zum Beispiel im BERUFENET recherchieren.

Ein zusätzlicher Ansatzpunkt für die Suche nach Berufen sind persönliche Stärken, etwa Kommunikationsfähigkeit oder Eigeninitiative. Diese Soft Skills können sich auf verschiedene Weisen zeigen. Kreativität etwa schlägt sich nicht nur im handwerklichen sondern auch im organisatorischen Bereich nieder. So erlebt das auch Anna Lorenz in der Buchbinderei: „Ich bin nicht nur mit den Händen kreativ, sondern auch bei meinen Lösungsvorschlägen für die Kunden.“ Nimmt man alle Interessen und Stärken zusammen, ergeben sich meist Überschneidungen mit verschiedenen Berufen. Um sich nun zu orientieren, ist eine persönliche Berufsberatung in einer örtlichen Agentur für Arbeit besonders empfehlenswert.

„Ein Plan B muss sein!“

Im zweiten Schritt ist es wichtig, die Berufe in der engeren Auswahl unter die Lupe zu nehmen. Jetzt heißt es, Ausbildungswege zu finden, Zugangsvoraussetzungen zu prüfen, Modulkataloge von Studiengängen zu sichten oder Praktika zu machen. So bekommt man ein realistisches Bild von der Tätigkeit. „Ein Architekt etwa verbringt seine Zeit nicht nur mit künstlerischen Entwürfen“, erklärt Nicole Fleischmann. „Er muss sich auch in Physik auskennen und mit den Mitarbeitern auf der Baustelle umgehen können.“

Bei der Recherche ist es ratsam, sich zusätzlich nach Alternativen umzusehen. „Ein Plan B muss sein“, betont die Berufsberaterin. Denn die Aufnahmehürden für Studiengänge wie Sport oder Kunst sind hoch. Und wenn es nicht gleich klappt, das Hobby beruflich umzusetzen, sollte man sich nicht entmutigen lassen. „Ich kann ja auch erst eine bodenständige Ausbildung machen und dann mit Weiterbildungen die gewünschte Richtung einschlagen“, gibt Nicole Fleischmann als Tipp. Zudem kann man sich mit einiger Berufserfahrung in der Tasche selbständig machen – vielleicht zuerst nebenberuflich, später komplett.

Die angehende Buchbinderin Anna Lorenz ist nicht direkt in ihrem Traumberuf gelandet, weil sie zunächst gezögert hatte, ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Deswegen rät sie: „Man sollte mehr auf sich hören und dann nach dem aktuellen Motto der Handwerkskammer handeln: Einfach machen!“

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

Hier findest du unter anderem Infos zur Berufsberatung und über die Berufsinformationszentren in deiner Nähe.
www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Studium-Interessentest (SIT)

Der kostenlose Test ist ein gemeinsames Angebot der Hochschulrektorenkonferenz und von ZEIT Online.
www.hochschulkompass.de/studium-interessentest.html

Berufswahlpass

Der Berufswahlpass hilft dir dabei, deine eigenen Stärken zu entdecken.
www.berufswahlpass.de/

BERUFE Entdecker

Der BERUFE Entdecker ermöglicht Schülern, sich auf dem Smartphone oder am PC in wenigen Schritten aus hunderten Ausbildungsberufen ihre Favoritenliste zusammenzustellen.
www.entdecker.biz-medien.de

 

Gamedesignerin

Von der Idee bis zum Game

Super Mario und Co. waren für Katharina Meier (30) als Jugendliche der Einstieg in die Welt der Computerspiele. Heute entwickelt sie als Gamedesignerin bei der Upjers GmbH in Bamberg selbst Spiele und hat auch in ihrer Freizeit noch nicht genug davon.

„Ich bin war keine exzessive Spielerin, aber habe durchaus einige Zeit mit meiner Spielekonsole verbracht“, erinnert sich Katharina Meier. Computerspiele waren vor zehn, fünfzehn Jahren noch nicht so verbreitet wie heute, die Hersteller vor allem im Ausland angesiedelt. Deswegen hatte sie die Gamesbranche erst nicht als potenzielles Berufsfeld im Blick. „Irgendetwas mit Medien“ wollte sie aber schon machen. Sie interessierte sich vor allem für Bewegtbild, etwa Fernsehen, und auch der Technik war sie nicht abgeneigt. So entschied sie sich für den Studiengang Medientechnologie an der Technischen Universität Ilmenau.

Konzepte für Computerspiele

Ein Porträt-Foto von Katharina Meier

Katharina Meier

Foto: Claudia Pilz

Der Studiengang deckt unterschiedliche Medienbereiche ab. Katharina Meier beschäftigte sich unter anderem mit Grafikdesign, Videoproduktion und Webdesign. Gegen Ende des Studiums standen auch Computergames auf dem Stundenplan – und ihr Interesse wurde geweckt. Für ein Praktikum ging sie zum Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau. Dort erstellte sie Konzepte für Computerspielgrafiken. Die Arbeit gefiel ihr so gut, dass sie danach als studentische Hilfskraft am IDMT jobbte.

Mit dem Studienabschluss in der Tasche – damals noch ein Diplom – machte sich Katharina Meier dann gezielt auf Stellensuche in der Gamesbranche. Seit über zwei Jahren arbeitet sie nun bei der Upjers GmbH in Bamberg, die sich auf browserbasierte Online-Spiele und Spiele-Apps spezialisiert hat.

Zwischen Design und Programmierung

Als Gamedesignerin konzipiert und begleitet Katharina Meier die Spiele von der Idee bis zur Markteinführung. Die Anregungen holt sie sich aus verschiedenen Quellen: Sie analysiert, was bei den Usern gerade angesagt ist, setzt sich mit aktuellen Games auf dem Markt auseinander oder schaut sich in der Realität um – etwa wenn ein Spiel im Themenfeld „Krankenhaus“ angesiedelt ist.

Findet die Geschäftsführung ihre Idee gut, wird ein Team mit Projektleiter, Grafikern, Informatikern und Gamedesignern zusammengestellt. Die Aufgabe von Katharina Meier ist es, sich zu überlegen, wie das Spiel aufgebaut ist und welche Features, also Aktionsmöglichkeiten, es geben soll: „Bei einem Farm-Spiel ist zum Beispiel ein Gehege mit Hühnern ein Feature. Ich lege fest, wie oft und wann der Spieler etwa die Eier bekommt.“ Mit einem Grafikprogramm erstellt sie dann Konzeptskizzen, sogenannte Mock-ups. Diese werden von ihren Kollegen visuell und technisch umgesetzt. „Ich bin die Schnittstelle zwischen Grafikdesign und Programmierung“, beschreibt die 30-Jährige ihre Funktion.

Mathekenntnisse sind wichtig

Des Weiteren kümmert sie sich um das Balancing und Scoring, die Punktestände im Verlauf des Spiels. Dafür sind gute Mathekenntnisse unabdingbar. Am Ende testet Katharina Meier alles und passt es gegebenenfalls an. Nach dieser Qualitätssicherung geht das neue Spiel – oder das neue Feature für ein bereits existierendes Spiel – online. „Das ist ein besonderer Moment. Die Download-Zahlen und User-Kommentare zeigen mir, wie es draußen ankommt.“

Meist dauert die Entwicklung eines Spiels sechs bis zwölf Monate. Die Gamedesignerin arbeitet in dieser Zeit parallel an mehreren Projekten. Das erfordert Flexibilität und kann manchmal stressig sein. „Die Abwechslung ist aber auch das Schöne an meinem Job“, freut sie sich. Vor allem aber ist sie glücklich, dass es ihr gelungen ist, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Denn nach wie vor macht sie in ihrer Freizeit eines sehr gerne: Computerspiele.

 

Assistent des Eisenbahnbetriebsleiters

In der Eisenbahnwelt

Für den passionierten Eisenbahn-Fan Michael Lange (41) war schon früh klar, dass er auch beruflich etwas mit Zügen machen wollte. Seine kaufmännische Ausbildung im Speditionsbereich hat ihm dafür die Tür geöffnet.

Mit einer Modelleisenbahn fing alles an. Die hatte Michael Lange als Kind von seinem Opa geerbt und stundenlang mit ihm daran gebastelt. Er sammelte Hefte über Lokomotiven und Züge und unternahm mit der Familie Dampfbahnfahrten in seiner Heimatregion rund um Jena. Schnell stand für ihn fest: „Mein Hobby Eisenbahn will ich zum Beruf machen.“ Er informierte sich über die verschiedenen Möglichkeiten, unter anderem bei der Berufsberatung seiner örtlichen Agentur für Arbeit.
Besonders interessierte sich Michael Lange für Studiengänge im Verkehrswesen. Nach einem Tag der offenen Tür an der Technischen Universität Dresden entschied er sich, dort Verkehrswirtschaft zu studieren. Nach einigen Semestern musste er das Studium aber aufgrund seiner Noten abbrechen. An seinem Berufswunsch änderte das jedoch nichts, weshalb er nach Alternativen suchte.

Umzug für die Ausbildung

Er stieß auf die Stellenanzeige einer Eisenbahngesellschaft aus dem Bereich Güterverkehr in Mannheim. Die hatten einen Ausbildungsplatz für Speditionskaufleute zu vergeben – dem Vorläuferberuf der heutigen Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung. „Also bin ich der Eisenbahn hinterher und nach Mannheim gezogen“, schildert er. Nach der dreijährigen Ausbildung folgten weitere berufliche Stationen in Mainz und im nordrheinwestfälischen Hamm, teils auch im Personenverkehr.

Vor circa vier Jahren ist Michael Lange dann zur Captrain Deutschland CargoWest GmbH gekommen, einem Schienentransportunternehmen mit Standorten in Hamburg, Neu-Ulm sowie in Gütersloh. Seitdem arbeitet er dort als Assistent des Eisenbahnbetriebsleiters, der für die Sicherheit des Bahnbetriebs verantwortlich ist. Als dessen rechte Hand überprüft der 41-Jährige zum Beispiel die Fahrtauglichkeit der Kollegen und organisiert Schulungen für sie. Bei Schadensfällen, in die Züge involviert sind, kümmert er sich um die Abwicklung und Dokumentation.

Austausch mit Eisenbahnern

Außerdem sorgt Michael Lange dafür, dass alle wichtigen Unterlagen in jedem Zug zu finden sind. Dazu gehört etwa der aktuelle Fahrplan der Deutschen Bahn, deren Streckennetz das Unternehmen größtenteils nutzt. „Es gibt zwar im Führerstand eine digitale Anzeige – zur Sicherheit müssen die Fahrpläne aber zusätzlich in Papierform vorliegen“, erklärt er. Bei zwei Fahrplanwechseln im Jahr und etwa 30 Lokomotiven, um die er sich kümmert, muss er da den genauen Überblick behalten.

Neben der Arbeit im Büro kontrolliert er immer wieder die Gleisanlagen und spricht mit den Eisenbahnern vor Ort, welche die Strecken und Fahrzeuge am besten kennen. „Dieser direkte Kontakt zur Eisenbahnwelt macht mir viel Freude. Deswegen vermisse ich es nicht, dass ich selbst keine Züge fahre“, so Michael Lange. Zumal er sich auch in seiner Freizeit nach wie vor gerne mit dem Thema beschäftigt. Da ist er nämlich häufig an Bahnhöfen anzutreffen, um Züge zu fotografieren.

 

Sportpsychologin

Mitten drin im Leistungssport

Ein berufliches Auskommen hätte Katharina Petereit (27) mit ihrem großem Hobby Karate nicht haben können. Stattdessen wurde sie Sportpsychologin und rutschte in die Welt des Fußballs. Aktuell arbeitet sie beim Drittligisten Hallescher FC und betreut dort die Nachwuchsspieler der U15 bis U19.

Wie ihr Arbeitsalltag aussieht, erklärt Katharina Petereit an einem Beispiel: „Ein Spieler kann seine Leistung aus dem Training nicht im Spiel abrufen. Er setzt sich unter Druck und blockiert sich damit immer mehr.“ In persönlichen Gesprächen reden beide über den Sport, aber auch über Schule, Familie oder Freunde – eben alles, was im Leben eines jungen Menschen wichtig ist. So versucht die Sportpsychologin, die Ursache für die Leistungsblockade aufzudecken und gemeinsam mit dem Spieler Lösungsstrategien zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Entspannungstechniken. Selbstreflexion ist ein weiterer Bestandteil der sportpsychologischen Betreuung: Nach jedem Spiel oder Training bespricht der Spieler mit Katharina Petereit, wo er eine Verbesserung gemerkt und was noch nicht geklappt hat.

„Coach the Coach“

Ein Porträt-Foto von Katharina Petereit

Katharina Petereit

Foto: privat

Die Sportpsychologin ist jedoch nicht nur bei Problemen zur Stelle sondern auch präventiv oder wenn es um die Leistungsoptimierung eines Spielers geht. Sie unterstützt ihn mithilfe von sportpsychologischen Übungen und Interventionen dabei, an seiner mentalen Stärke zu arbeiten, damit er noch mehr aus sich herausholen kann.

In ihrer Tätigkeit arbeitet sie eng mit den Trainern zusammen. Die holen sich ebenfalls Rat bei ihr. „Coach the Coach“ heißt das in der Fachsprache. Und sie fungiert im Bedarfsfall auch als Vermittlerin zwischen Trainer und Mannschaft. „Die Sportpsychologie steht nicht abgeschottet für sich, sondern gehört fest zum Trainings- und Spielalltag dazu“, betont sie.

Dass Katharina Petereit in diesem Mikrokosmos fast immer die einzige Frau ist, war dabei nie ein Problem. „Vielleicht fällt es manchen leichter, ihre Probleme einer Frau zu erzählen als einem Mann“, vermutet sie.

Vom Karate zur Psychologie

Dass sie beruflich etwas mit Sport machen wollte, war Katharina Petereit schon früh klar. Mit sechs Jahren fing sie mit Karate an, dann kamen Jazz & Modern Dance sowie Trampolinturnen dazu. „Karate hätte ich gerne beruflich gemacht. Aber in Deutschland kann man von diesem Sport allein nicht leben“, erzählt sie.

Also entschied sie sich für das breit angelegte Bachelorstudium Angewandte Sportwissenschaften an der Universität Paderborn. Dort kam sie unter anderem mit Medizin, Pädagogik, Trainingswissenschaft und auch Psychologie in Kontakt. Im Rahmen einer Projektarbeit betreute sie mehrere Wochen lang eine Kader-Athletin aus dem Karate. „Dabei habe ich gemerkt, wie viel mentale Unterstützung bewirken kann.“ So folgte als nächstes das Masterstudium in Angewandter Sportpsychologie an der Universität Halle.

Bei der Stellensuche für ein Pflichtpraktikum stieß sie auf einen Aushang des Halleschen FCs. Die Zusammenarbeit verlief so gut, dass ihr Praktikum zunächst verlängert und sie in der nächsten Saison für ein fest vereinbartes Stundenkontingent angestellt wurde. Verlängert werden ihre Verträge – wie bei Trainern auch – immer nur für eine Saison.

Offen für alle Sportarten

Seit drei Jahren ist Katharina Petereit nun für den Fußballverein tätig. Ihren Lebensunterhalt hat sie sich in dieser Zeit zusätzlich über ein Promotionsstipendium der Uni Halle finanziert. In ihrer Doktorarbeit, die sie demnächst abschließt, evaluiert sie ein Stressbewältigungsprogramm im Nachwuchsleistungsfußball.

Danach wird Katharina Petereit an der Uni eine halbe Lehrstelle in der Sportwissenschaft antreten. „Ich habe während der sportpsychologischen Arbeit gemerkt, dass mir auch das Anleiten großen Spaß macht.“ Zusätzlich will sie als Sportpsychologin auf selbstständiger Basis arbeiten – was in der Branche häufig vorkommt. „Deswegen ist es wichtig, sich einen Namen im Sport aufzubauen“, erklärt sie und engagiert sich auch aus diesem Grund auf der Plattform www.die-sportpsychologen.de der Universität Halle. Und noch etwas ist relevant für den beruflichen Erfolg: „Man sollte offen sein für alle Sportarten, um mehr Auswahl zu haben. Auch ich muss nicht unbedingt im Fußball bleiben.“

 

Das Hobby zum Beruf gemacht – Checkliste

Schritt für Schritt zum Traumberuf

Du hast eine Leidenschaft, für die du wirklich brennst? Dann lohnt es sich, darüber nachzudenken, das Hobby zum Beruf zu machen. abi» gibt dir Tipps, wie du herausfinden kannst, ob dieser Weg für dich infrage kommt.

1. Ehrlich sein

Zunächst ist Selbstreflexion gefragt: Wie groß ist die Begeisterung für dein Hobby tatsächlich? Ein Indiz kann sein, wie stark du dich dafür engagierst. Nimmst du zum Beispiel an Wettbewerben oder Kursen teil? Außerdem solltest du dir überlegen, ob du immer noch Freude an deinem Hobby hast, wenn du dich beruflich jeden Tag damit beschäftigst und eine konstante Leistung bringen musst. Dein Umfeld hilft dir bestimmt gerne bei der Einschätzung. Frag doch mal deine…

• Familie
• Freunde
• Lehrer

2. Stärken identifizieren

Eine weitere wichtige Frage ist, ob dein Talent groß und vielfältig genug ist, um die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu erfüllen. In einem musikalischen Beruf etwa sollte man eine besondere Musikalität mitbringen. Aber auch ein Blick auf weitere Fähigkeiten lohnt sich: Spielst du in einer Band, hast du vielleicht nicht nur ein Faible für Musik, sondern ebenfalls für Teamarbeit und Organisation. Diese Kompetenzen kommen einem in vielen Berufen zugute. Du kannst den Begriff Hobby natürlich auch weiter fassen und überlegen: Was tust du allgemein gerne in deinem Alltag? Bei der Identifikation deiner persönlichen Stärken kannst du dir vielfältige Unterstützung suchen:

Berufswahlpass
Studium-Interessentest (SIT)
abi>> Rubrik „Testverfahren“

3. Berufe entdecken

Hast du nun eine Vorstellung davon, welche Tätigkeiten du gerne beruflich ausleben möchtest? Dann kannst du dich auf die Suche nach passenden Berufen machen. Dabei helfen dir folgende Anlaufstellen:

Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit
Berufsinformationszentrum (BIZ)
abi>> Rubrik „Ich will was machen mit ...“
BERUFENET „Sucheinstieg über Tätigkeitsfelder“
BERUFE Entdecker

4. Zugangswege finden

Jetzt ist es an der Zeit, dich darüber zu informieren, welche Zugangswege es gibt: Ausbildung, (duales) Studium oder Weiterbildung? Beschäftige dich auch mit den konkreten Inhalten, die du in der Ausbildung oder im Studium lernst. Und überlege dir mindestens eine Alternative, sollte es mit deiner ersten Wahl nicht (gleich) klappen. Hilfe findest du hier:

Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit
abi>> Rubrik „Was studieren?“
abi>> Rubrik „Ausbildung live“
BERUFENET
Studienwahl.de

5. Jobs testen

Die Vorstellung von einem Beruf entspricht nicht immer der Realität. Mit Praktika im gewünschten Tätigkeitsfeld kannst du den Praxis-Check machen. Auch über einen Nebenjob oder ein Ehrenamt kannst du testen, ob dir dein Hobby beruflich zusagen würde – etwa indem du Musikunterricht anbietest oder Kinder im Sportverein trainierst. Und du kannst dich mit Menschen unterhalten, die den Beruf ausüben, der dich interessiert. Inspirationen und Tipps gibt es zum Beispiel hier:

abi>> Rubrik „Praktikum"
abi>> Rubrik „Jobben im In- und Ausland“
abi>> Rubrik „Freiwillige Jahre“


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Stand: 22.07.2018