Lotsen im Dickicht der Berufsmöglichkeiten

Mann mit Brille schreibt etwas an eine Schultafel
Das Lehramtsreferendariat dient dazu, angehende Lehrer auf ihren künftigen Unterricht vorzubereiten.
Foto: Martin Rehm

So unterstützt die Berufsberatung: Hintergrund

Lotsen im Dickicht der Berufsmöglichkeiten

Was soll ich bloß werden? Die vielen Optionen, die sich nach dem Abitur bieten, erschweren die Entscheidung. Doch auch bei konkreten Plänen sind oftmals noch Fragen offen. Bei all diesen Anliegen hilft die Berufsberatung in den örtlichen Agenturen für Arbeit weiter.

Seit Mai 2016 ist Stefan Keutgen ausgebildeter Lehrer für Geschichte und Englisch an der Bischöflichen Liebfrauenschule in Eschweiler. Seine Ausbildungsschule hat ihn übernommen – wenn auch nur angestellt und befristet auf ein Jahr. Jetzt, wo er das Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen hat, ist der 28-Jährige umso glücklicher über seine Berufswahl. Es macht ihm Spaß, Schülern etwas beizubringen.

Schnell Verantwortung übernehmen

Nach seinem Lehramtsstudium in Englisch und Geschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) und dem Ersten Staatsexamen hat er sich für das 18-monatige Referendariat – den sogenannten Vorbereitungsdienst für ein Lehramt – beworben, für den er Anwärterbezüge von rund 1.300 Euro pro Monat erhalten hat.

Ein Porträt-Foto von Stefan Keutgen

Stefan Keutgen

Foto: privat

Anfangs hospitierte er im Unterricht seiner Ausbildungslehrer: Er beobachtete wie die Kollegen den Unterricht strukturieren und machte Notizen. Ab dem zweiten von sechs Ausbildungsabschnitten gestaltete er den Unterricht, während der Lehrer zuhörte und ihm im Anschluss Feedback gab. Nach rund vier Monaten übernahm er schrittweise mehr Verantwortung: „In neun von 14 Stunden unterrichtete ich dann allein, da war kein Lehrer mehr mit dabei.“ Das ist mit großem Aufwand verbunden: Jede Stunde wird im Detail vorbereitet, vor allem die Unterrichtsbesuche, bei denen ein Prüfer den Unterricht des Referendars genau beobachtet. Ein Jahr später wiederum fokussierte sich der Referendar ganz auf seine beiden Examenskurse, in denen er unter Anleitung des Ausbildungslehrers unterrichtete.

Ein Seminartag pro Woche

Zu den vier Tagen an der Schule kam ein Tag pro Woche Seminar am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Aachen. Bei den sogenannten Kernseminaren werden die Referendare aller Fachrichtungen zusammen unterrichtet. Behandelt werden dort allgemeine pädagogische Fragestellungen. „Im Fachseminar geht es dagegen um Themen, die verschiedene Bereiche meiner Fächer abdecken, in Englisch zum Beispiel Shakespeares Macbeth als Beispiel für eine Literaturanalyse“, erzählt Stefan Keutgen.

Zehnmal besuchten die Kern- beziehungsweise Fachleiter den Unterricht der Referendare und benoteten diesen. Die Ergebnisse sowie das Gutachten der Schule machen 50 Prozent der Abschlussnote aus, über die andere Hälfte entscheidet der Prüfungstag, auf den die Referendare lange hinarbeiten. „Letztendlich war das aber auch nichts anderes als zwei Unterrichtsbesuche hintereinander“, sagt Stefan Keutgen rückblickend.

Verpflichtende oder freiwillige Programme

Ein Porträt-Foto von Annedore Bröker

Annedore Bröker

Foto: privat

Annedore Bröker kennt sich mit Berufseinstiegsprogrammen wie Referendariaten aus. Sie ist Beraterin für Hochschulabsolventen im Team Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Hamburg. „Man kann zwischen obligatorischen und freiwilligen Programmen unterscheiden. Obligatorisch sind sie für Lehramtsamtsanwärter oder für angehende Volljuristen. Diese brauchen den Vorbereitungsdienst, um in den Staatsdienst aufgenommen zu werden“, erklärt sie. Natürlich gibt es auch Absolventen, die nicht mehr weitermachen wollen. „Man muss sich aber sehr gut überlegen, ob man nach dem Jurastudium wirklich aufhört. Denn für Juristen ohne abgeschlossenes Referendariat gibt es keinen Arbeitsmarkt – die Konkurrenz ist vor allem in Ballungsgebieten auch so schon relativ groß.“ Die Beraterin empfiehlt daher, sich vorab genau die Studien- und Prüfungsordnungen anzuschauen und sich von Anfang an auf ein langes Studium mit Referendariat einzustellen: „Man braucht auf jeden Fall Durchhaltevermögen.“

Zu den freiwilligen Programmen zählt das Volontariat, der typische Einstieg in den Journalismus, die PR-Branche, Verlage und Museen. „Der Begriff Volontariat ist nicht geschützt, deshalb sollte man sich im Vorfeld genau über Inhalte, Aufbau und Bezahlung informieren“, rät Annedore Bröker. Freiwillig sind auch Traineeprogramme: „Sie sind die Einstiegsalternative im eher wirtschaftswissenschaftlichen Bereich.“ Auch der Ablauf eines Traineeships ist nicht offiziell geregelt. Hier empfiehlt die Beraterin ebenso genau zu prüfen, was angeboten wird, wie die Bezahlung aussieht, ob es einen Mentor gibt und wie viel Verantwortung man übernimmt. Bei manchen Unternehmen ist ein Direkteinstieg gar nicht vorgesehen. „Wenn ein großes Unternehmen seinen Nachwuchs über Traineeprogramme rekrutiert, gibt es keine Alternative. Wem solch eine Ausbildung nicht liegt, sollte dann lieber bei einem kleineren Unternehmen anfangen und später versuchen zu wechseln.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z. B. Journalist/in, Jurist/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Deutscher Bildungsserver

Informationen und Links zu Referendariaten in allen Bundesländern

www.bildungsserver.de/Vorbereitungsdienst-Referendariat-2521.html

Juristenkoffer

Informationen zum Rechtsreferendariat in allen Bundesländern

www.juristenkoffer.de

Deutscher Journalisten-Verband

Informationen zum Volontariat in Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit

www.djv.de/startseite/info/themen-wissen/aus-und-weiterbildung/volontariat.html

Traineegeflüster

Stellen und Informationen zu Traineeprogrammen:

www.trainee-gefluester.de

 

Volontariat

Eigeninitiative erwünscht

Peter Sawicki (29) ist Volontär beim öffentlich-rechtlichen Rundfunksender Deutschlandradio. 18 Monate lang lernt er in verschiedenen Redaktionen die journalistische Arbeit kennen, produziert eigene Beiträge und moderiert.

Inzwischen ist Peter Sawicki schon ein Dreivierteljahr bei dem Sender. Er wird im journalistischen Handwerk ausgebildet und bekommt Gelegenheit, Neues auszuprobieren sowie sich zu profilieren. Während des Volontariats wurde er bisher in Berlin hauptsächlich in zwei verschiedenen Redaktionen eingesetzt: „Hintergrund Kultur und Politik“ sowie „Aktuelle Kultur und Politik“. Dort produzierte er viele Beiträge und moderierte, zum Beispiel ein politisches Magazin mit unterschiedlicher Ausrichtung (Politik, Wirtschaft, Geschichte, Wissenschaft, Literatur), das täglich ausgestrahlt wird. Hinter dem Mikrofon gesessen hat er auch beim „Nachspiel“, einem feuilletonistischen Sportmagazin mit Fokus auf Hintergrundberichten, Sportpolitik und Breitensport. „Man kann eigene Akzente setzen und Themen bearbeiten, die einen interessieren. Eigeninitiative ist ausdrücklich erwünscht“, erzählt er. Seine Ausbildung findet je zur Hälfte in Köln und Berlin statt, wo der Sender seine Standorte hat. Auch das Außenstudio in Brüssel ist eine Station.

Wichtiger Bestandteil des Volontariats ist die Weiterbildung: In einer vierwöchigen, hausinternen Schulung werden alle journalistischen Formen geübt – Nachrichtenminuten ebenso wie Korrespondentengespräche und Probesendungen. Auf dem Programm steht für die Volontäre zudem ein mehrwöchiges externes Multimedia-Training bei der Deutschen Welle in Bonn.

Zentrale Bewerbungstermine

Ein Porträt-Foto von Peter Sawicki

Peter Sawicki

Foto: privat

Für Interessierte gibt es zentrale Bewerbungstermine für das 18-monatige Volontariat. Wer hier die Ausbildung zum Redakteur beginnen will, muss – wie bei öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und größeren Verlagen die Regel – an einem mehrstufigen Auswahlverfahren teilnehmen. Neben den üblichen Unterlagen, zu denen zwingend ein Studienabschlusszeugnis gehört, gilt es zunächst, eine speziell angefertigte Arbeitsprobe sowie ein Motivationsschreiben abzugeben. Ein breites Allgemeinwissen und vielfaches Interesse sind ebenso wichtige Voraussetzungen. „Im Herbst wurde ich zusammen mit etwa 30 weiteren Bewerbern zu den Auswahltagen eingeladen“, erinnert sich Peter Sawicki. Hier galt es, den schriftlichen Wissenstest, verschiedene journalistische Aufgaben sowie ein Einzelgespräch mit der Auswahlkommission zu meistern.

Seit Januar 2016 ist Peter Sawicki nun Volontär beim Deutschlandradio; sein Einstiegsgehalt orientierte sich am Tarifvertrag und lag bei knapp 1.700 Euro brutto. „Im Journalismus habe ich die beste Möglichkeit gesehen, Debatten anzuregen und zu moderieren und mich auf diese Weise politisch einzubringen. Für das Schreiben hatte ich außerdem schon früh eine große Leidenschaft entwickelt“, beschreibt der 29-Jährige seine Motivation für den Beruf.

Praxiserfahrung mitbringen

Praxiserfahrung hat Peter Sawicki, der im vergangenen Jahr seinen Masterabschluss in Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin gemacht hat, bereits reichlich gesammelt: Praktika bei verschiedenen Medien, Mitarbeit beim Hochschulradio, jahrelange freie Mitarbeit bei seinem jetzigen Arbeitgeber in der Redaktionsassistenz und als Autor. Ähnliche Vorerfahrungen haben auch die anderen vier Volontäre vorzuweisen.

Die Übernahme der Volontäre ist nicht garantiert, wird aber angestrebt. Peter Sawickis Ziel ist es, politischer Berichterstatter, langfristig vielleicht auch Auslandskorrespondent zu werden. Was er Bewerbern raten kann? Sich darüber im Klaren zu sein, warum man Journalist werden will und welche Rolle man anstrebt – und dann einen langen Atem beweisen, Augen und Ohren offen halten und konsequent seinen Weg verfolgen.

 

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Referendar, Volo und Trainee

Angehende Lehrer stellen sich darauf ein, mit dem Referendariat nach dem Studium noch eine Ausbildung an einer Schule zu durchlaufen. Nachwuchs-Journalisten beginnen nach ihren Hochschulexamen meist ein Volontariat. Welche Einstiegsprogramme gibt es sonst noch? Was lernt man, was verdient man, wie lange dauern sie?

  

 

Rechtsreferendariat

Ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl

Seit einigen Monaten ist Lea Kuhr (26) Rechtsreferendarin beim Landgericht Stuttgart. Die zweijährige Ausbildung in den unterschiedlichen Praxisstationen wird von wöchentlichem Unterricht und Klausuren begleitet.

Lea Kuhr bearbeitet derzeit Mandate einer großen Anwaltskanzlei in Stuttgart: Sie schreibt Berichte über Gerichtstermine, verfasst Klagen oder Klage-Erwiderungen. Ihre Arbeit bespricht sie hinterher mit ihrem Chef. „Mir wird hier ermöglicht, relativ viel eigenverantwortlich zu arbeiten, nicht nur bloße Recherche. So kann ich die Arbeit eines Rechtsanwalts wirklich kennenlernen“, findet die 26-Jährige. Als Rechtsreferendarin am Landgericht Stuttgart durchläuft sie in zwei Jahren verschiedene Stationen nach einem festgelegtem Ausbildungsplan: Zivilstation, Strafstation, Anwaltsstation I, Verwaltungsstation, Anwaltsstation II und eine Wahlstation. In jeder Station wird sie von einem ausgebildeten Juristen angeleitet – für Richter bereitet sie zum Beispiel Urteile vor, für Staatsanwälte die Anklageschriften. Während ihrer Ausbildung erhalten die Rechtsreferendare in Baden-Württemberg eine monatliche Unterhaltsbeihilfe von circa 1.000 Euro netto.

Urteile bearbeiten

Ein Porträt-Foto von Lea Kuhr

Lea Kuhr

Foto: privat

Parallel zu den ein bis zwei Praxistagen pro Woche nimmt die Rechtsreferendarin am Unterricht teil, der vom ausbildenden Landgericht organisiert wird. „Einmal pro Woche habe ich Unterricht in Arbeitsgemeinschaften: Zivilrecht, Strafrecht, öffentliches Recht, immer im Wechsel und mit Fokus auf die Ausbildungsstation, in der ich gerade bin“, sagt sie. Zu Stationsarbeit und der Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften kommen regelmäßige, zumeist freiwillige Übungsklausuren: Unter Examensbedingungen werden Fälle bearbeitet.

Lea Kuhr wollte immer schon Juristin werden, weil sie gerne mit Menschen zusammenarbeitet und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl hat. „Man muss den Beruf wirklich wollen, weil man sich schon auch durchquälen muss durch die lange Ausbildung mit der ganzen Lernerei“, meint sie. Die Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen findet sie noch schwieriger als auf das Erste: „Man muss alles unter einen Hut bringen, viel aus den Stationen mitnehmen und noch Zeit zum Lernen finden.“ Das erfordert viel Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. „Meine Freunde beneiden mich aber darum, dass ich in alle Berufszweige hineinschnuppern kann. Es ist auch sinnvoll, dass man die Sichtweise von allen Berufsgruppen kennenlernt – als Anwalt hat man ja auch viel mit Richtern zu tun und umgekehrt.“

Zweite juristische Staatsprüfung

Im Sommer nächsten Jahres stehen dann die acht Klausuren der Zweiten juristischen Staatsprüfung an: Vier in Zivilrecht, zwei in Strafrecht und zwei in öffentlichem Recht. Die Bearbeitungszeit beträgt jeweils fünf Stunden. „Man muss nicht alles auswendig können, aber man muss wissen, wo die entsprechenden Paragrafen zu finden sind, die Rechtsprechung und den Aufbau der Urteile kennen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Rechtsgebiete, die abgefragt werden können.“

Allein die Examensergebnisse bestimmen die Abschlussnote. Nach den schriftlichen Prüfungen folgen noch die Wahlstation und der mündliche Teil des Staatsexamens. Dann, nach neun Semestern Studium an der Uni Freiburg und zwei Jahren Rechtsreferendariat, wird Lea Kuhr ausgebildete Juristin sein. „Ich würde gerne in einer Kanzlei anfangen, später dann vielleicht in den Staatsdienst oder in ein Unternehmen gehen“, schildert sie ihre Karrierepläne.

 

Berufseinstiegsprogramme: Umfrage

Mehrwert oder nicht?

Was denken Studierende über Berufseinstiegsprogramme? Halten sie diese für eine gute Möglichkeit, sich zu orientieren, oder für eine unnötige Verlängerung der Ausbildung?

Janis Beenen (19), studiert im dritten Semester im Bachelorstudiengang Wirtschaftspolitischer Journalismus an der Technischen Universität (TU) Dortmund:

Ein Porträt-Foto von Janis Beenen

Janis Beenen

Foto: privat

„Im Journalismus ist ein Volontariat eine gute Möglichkeit, den Beruf zu professionalisieren. Ich denke, so ein Einstiegsprogramm ist generell sinnvoll, um sich in einem Berufsfeld zu orientieren. In meinem Freundeskreis können sich viele nicht vorstellen, warum ein Volontariat notwendig ist. Aber mancher würde sich wünschen, Theorie und Praxis enger zu verknüpfen. Ich selbst habe mich bewusst für das Journalistik-Studium in Dortmund entschieden, weil hier bereits ein einjähriges Volontariat integriert ist – sonst ein gutes Volontariat zu bekommen ist ja gar nicht so leicht. Die Uni arbeitet mit vernünftigen Medienpartnern zusammen, die die Volontäre anleiten und sie in Seminaren ausbilden. Ich würde mein Volontariat am liebsten bei der Süddeutschen Zeitung machen. Das wäre auch mein späterer Wunscharbeitgeber. Ich denke, dass es die Einstiegschancen bei einem Medienhaus erhöht, wenn man dort während des Volontariats bereits gute Arbeit geleistet und Kontakte geknüpft hat.“

Tobias Ehret (21), studiert im sechsten Semester im Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

Ein Porträt-Foto von Tobias Ehret

Tobias Ehret

Foto: privat

„Generell halte ich Berufseinstiegsprogramme für eine gute Sache, weil man im Studium ja meist nur die Theorie lernt. Für mich wäre ein Traineeprogramm interessant. Solch einen langsamen Einstieg finde ich hilfreich, weil man tiefere Einblicke in ein Unternehmen erhält. Außerdem kann man nach dem Studium ja nicht gleich voll mitarbeiten – ich habe gerade ein halbes Jahr Praktikum gemacht, da habe ich gemerkt, dass man schon Zeit braucht, um die Abläufe zu verinnerlichen. Ich finde es auch ok, wenn man im Traineeprogramm zunächst weniger verdient. Mir ist eher wichtig, möglichst hoch im Unternehmen aufzusteigen. Damit verbunden wäre dann ja auch ein höheres Gehalt. Nach konkreten Stellen schaue ich aber noch nicht, bei mir steht im nächsten Jahr erst der Bachelorabschluss an. Danach würde ich gerne einen berufsbegleitenden Master machen und bei einem größeren Unternehmen anfangen.“

Eva Orttenburger (21), studiert im siebten Semester im Bachelorstudiengang Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach:

Ein Porträt-Foto von Eva Ottenburger

Eva Orttenburger

Foto: privat

„Ich bin generell kein Freund von langen Ausbildungswegen. Ich denke, dass man jungen Menschen den Direkteinstieg ermöglichen sollte, vielleicht auch zunächst mit befristeten Verträgen. Referendariate und Rechtsreferendariate von rund eineinhalb Jahren halte ich allerdings für sinnvoll. Bei solchen Berufen steht und fällt es mit der Praxis. Im Journalismus finde ich es schade, dass man in der Regel nur mit Volontariat einsteigen kann. Ich habe bewusst ein sehr praxisorientiertes Journalismus-Studium gewählt, um gleich nach dem Abschluss arbeiten zu können. Wir schreiben ab dem ersten Semester Texte, drehen Filme, machen Fotoprojekte. Außerdem haben wir viele Praktika und ein Praxissemester – ich habe es in der Online-Redaktion der Nürnberger Nachrichten gemacht, wo ich seitdem freie Mitarbeiterin bin. Viele Dinge, die ich im Volo sehen und machen würde, habe ich also schon gemacht, ich sehe da keinen Mehrwert. Ausnahme sind vielleicht Volontariate bei großen Rundfunksendern. Ein Master und ein anschließendes Volontariat würde bei mir die Ausbildungszeit sehr verlängern. Ich möchte aber schnell fertig werden und mit Mitte 20 ins Berufsleben starten.“

Marcel Meister (21), studiert im sechsten Semester im Bachelorstudiengang Maschinenbau an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

Ein Porträt-Foto von Marcel Meister

Marcel Meister

Foto: privat

„Ich bin überzeugt: Praxiserfahrung schadet generell nie. Wenn man Lehrer oder Anwalt werden will, macht ein Einstiegsprogramm schon Sinn. Da lernt man auch fachliche Kompetenzen und erwirbt Soft Skills. Ich hatte selbst überlegt, auf Lehramt zu studieren. Als ich realisiert habe, dass man erst mit circa 30 Jahren in den Beruf startet und der Arbeitsalltag nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht, kam ich davon allerdings wieder ab. Von Traineeprogrammen habe ich schon gehört und finde sie prinzipiell nicht schlecht, je nachdem, wie die anschließende Übernahme geregelt ist. Ich selbst will erst noch meinen Master machen und dann möglichst den Direkteinstieg schaffen. Ich habe vor, einen Job zu finden, der mir gefällt, der zu meinen Qualifikationen passt und den ich möglichst lange machen will. Wenn man länger in einer Firma ist, erlangt man die wichtigen Kenntnisse auch nach und nach im Arbeitsalltag.“

 

Traineeship

Beraten lernen

Nach ihrem BWL-Studium hat Aranka Lohse (27) das Traineeprogramm bei der Software-Beratung SNP AG in Magdeburg durchlaufen. Neun Monate lang wurde sie geschult und in die Projektarbeit eingeführt. Inzwischen ist sie als Junior Consultant beim Unternehmen beschäftigt.

Direkteinstieg oder Traineeprogramm? Aranka Lohse hat sich bewusst für Letzteres, also das Ausbildungsprogramm für Studienabsolventen, entschieden. „Ich denke, da hat man einen leichteren Einstieg. Man wird an die Hand genommen, hat einen Mentor, wird mehr gefördert“, zählt die 27-Jährige die Vorteile auf. Das Beratungshaus, bei dem sie einstieg, wird von Unternehmen damit beauftragt, deren vorhandene Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) anzupassen. Das ist eine Software, mit der man Ressourcen wie Kapital, Personal, Betriebsmittel, Material, Informations- und Kommunikationstechnik sowie IT-Systeme planen und steuern kann.

Viermonatige Schulung

Ein Porträt-Foto von Aranka Lohse

Aranka Lohse

Foto: privat

Bei Aranka Lohses neunmonatigem Einstiegsprogramm lag der Fokus ganz auf der ERP-Software SAP. „Das hat mich gereizt, weil ich das Programm schon während eines Praxissemesters kennengelernt habe und gerne damit arbeiten wollte“, sagt sie. Die Trainees starten alle mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Gleich zu Beginn wird festgelegt, in welchem Bereich sie später einmal arbeiten werden, und das entsprechende Fachwissen vermittelt. „Von September bis Ende Dezember haben wir 13 Trainees aus den unterschiedlichen Standorten gemeinsam an einer Schulung in Magdeburg teilgenommen, deren Fokus auf der Spezialsoftware lag. Jeder Trainee bekommt hier gleich sein künftiges Modul zugewiesen – bei mir sind das Controlling sowie Projektsysteme. Hinzu kam eine einwöchige Soft-Skills-Schulung und ein Praxisprojekt“, erläutert Aranka Lohse.

Die meisten Trainees haben einen Hintergrund in Informatik oder Wirtschaftswissenschaften – so wie Aranka Lohse, die BWL mit den Schwerpunkten Wirtschaftsinformatik sowie Finance and Entrepreneurship an der FH Westküste studiert und anschließend noch einen BWL-Master an der Fernuni Hagen abgeschlossen hat.

Unterstützung durch Mentoren

Nach der Schulung, im zweiten Abschnitt des Einstiegsprogramms, werden die Trainees entsprechend ihrer Modulexpertise verschiedenen Kundenprojekten in ganz Deutschland zugeteilt. „Der jeweilige Senior Consultant übernimmt die Rolle des Mentors, erklärt ganz viel und gibt Aufgaben an die Trainees ab“, erläutert Aranka Lohse. Üblicherweise laufen mehrere Projekte parallel. „Jedes Projekt beginnt mit einem ein- bis zweiwöchigen Workshop beim Kunden, bei dem der Fahrplan für die Umgestaltung ihrer Software-Landschaft mit den Mitarbeitern vor Ort abgestimmt wird. Dann im Büro passen wir die vorhandene Software an die Kundenwünsche an.“

Eigene Projekte betreuen

Vor zwei Monaten hat Aranka Lohse ihr Traineeprogramm beendet. Als Junior Consultant übernimmt sie nun mehr Verantwortung und betreut einfachere Projekte bereits alleine. Was ihr auch gefällt: Trainees und Consultants haben die Möglichkeit, in internationalen Projekten etwa in den USA oder in Australien mitzuarbeiten. „Das ist das Tüpfelchen auf dem i“, freut sie sich.


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Stand: 19.01.2018