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Vergangenes für die Zukunft bewahren

Eine Frau sitzt vor einer großen Glasvitrine und archiviert ein Kreuz mit einer Nummer
Wer sich gerne mit historischen Gegenständen beschäftigt, kann in der Archivierung und Restauration seine Berufung finden.
Foto: Isabella Fischer
Thema der Woche

Berufe rund ums Erhalten und Bewahren

Vergangenes für die Zukunft bewahren

Um historisch bedeutende Dinge oder wertvolles Wissen der Nachwelt zugänglich zu machen, bedarf es verschiedener Spezialisten. Von der Restaurierung bis hin zur Archivierung – rund ums Erhalten und Bewahren gibt es vielfältige berufliche Möglichkeiten.

Auch Sophie Erdmann (28) findet die Beschäftigung mit der Vergangenheit spannend. Sie hat sich für den Bachelorstudiengang „Konservierung und Restaurierung“ an der FH Potsdam und für die Fachrichtung „Stein“ entschieden. „Historische Gegenstände und Architektur haben mich schon immer sehr fasziniert, also habe ich nach dem Abitur Kunstgeschichte studiert“, berichtet sie. „Doch nach zwei Semestern habe ich gemerkt, dass mir das praktische Arbeiten mit den Händen fehlte und ich lieber in den Bereich Restaurierung wollte.“ Sie wechselte in die handwerkliche Ausbildung zur Steinmetzin in einem Denkmalpflegebetrieb und nutzte diese als Vorbereitung für ihr jetziges Studium. Daran gefällt ihr vor allem, dass es facettenreich und praxisnah ist. Auf die Fachrichtung bewirbt man sich hier bereits vor dem Beginn des Studiums – möglich sind auch „Holz“, „Metall“ und „Wandmalerei“.

In der hochschuleigenen Werkstatt

Ein Porträt-Foto von Sophie Erdmann

Sophie Erdmann

Foto: Thomas Gdanitz

„In den ersten Semestern werden vor allem Grundlagen in Bereichen wie Materialkunde, Kunst- und Baugeschichte oder Naturwissenschaften vermittelt“, erklärt Sophie Erdmann. „Es gibt aber auch praktische Seminare, in denen verschiedene Kunst- und Handwerkstechniken gelehrt und ausprobiert werden, zum Beispiel plastisches Gestalten und Vergolden.“ Im vierten Semester steht ein fünfmonatiges Praktikum an. „Ich durfte am Magdeburger Dom zusammen mit einer Gruppe von Freiberuflern ein Sandstein-Epitaph, also ein Grabmal, restaurieren – samt Konzepterstellung, Ausführung und Dokumentation.“

Ab dem fünften Semester bekommen die Studierenden in der hochschuleigenen Werkstatt ein Objekt, das sie in Teamarbeit konservieren und restaurieren. „Bei uns war es ein über 100 Jahre alter Gipsabguss einer ägyptischen Statue aus dem Bestand des Ägyptischen Museums in Berlin“, sagt die Studentin. „Spannend finde ich, dass ich es immer wieder mit neuen Materialen zu tun bekomme.“ So werden nicht nur Objekte aus Naturstein, sondern auch aus Kunststein wie Beton oder Gips untersucht und restauriert.

Sophie Erdmann bereitet sich derzeit auf ihre Bachelorarbeit im kommenden Semester vor. „Das darauf aufbauende Masterstudium möchte ich auf jeden Fall anschließen. Danach kann ich mir gut vorstellen, freiberuflich und selbstständig oder im Angestelltenverhältnis innerhalb eines größeren Restaurierungsbetriebes zu arbeiten.“

Vielfältige Studiengänge

Das Erhalten und Bewahren von geschichtlichen Zeugnissen beinhaltet vielfältige berufliche Möglichkeiten – meist sind diese über ein Studium zugänglich. Wie Interessierte hier das Passende finden können, erläutert Anja Soyke, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Potsdam. „Zunächst sollte man sich fragen: An welcher Stelle sehe ich mich in diesem Prozess? Im Bereich Kunstgeschichte etwa beschäftigt man sich mit dem bereits vorhandenen Hintergrundwissen von historischen Objekten. Praktischer geht es in den Bereichen Archäologie, Konservierung sowie Restaurierung und Denkmalpflege zu. Hier kann man auch Schwerpunkte setzen und sich in den Altertumswissenschaften zum Beispiel auf die Ur- und Frühgeschichte konzentrieren – oder zum Beispiel einen kombinierten Bachelorstudiengang, etwa Archäologie und Geschichte wählen.“ Restauratoren wiederum spezialisieren sich schon im Studium oft auf bestimmte Materialien wie Metall, Holz oder Stein.

„Der nächste Schritt im Prozess des Erhaltens wäre, die Dinge der Öffentlichkeit zu präsentieren“, führt die Berufsberaterin aus. „Hiermit beschäftigen sich Studiengänge wie zum Beispiel Museologie oder Museumskunde (Siehe auch die Studienreportage Museologie „Objekte erforschen, bewahren und ausstellen“). Und schließlich gibt es den Bereich der Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft. „Im Archivwesen spiegelt sich zunehmend der Trend der Digitalisierung wider. Das bedeutet: Wer etwa Bibliothekswissenschaft studieren möchte, sollte sich auch darauf einstellen, mit Datenbanken am Computer umzugehen“, betont die Beraterin.

Aus- und Weiterbildung

Ein Porträt-Foto von Anja Soyke

Anja Soyke

Foto: privat

Eine Ausbildung ist in den verschiedenen Bereichen ebenfalls möglich. Steinmetze und Steinbildhauer zum Beispiel können in Restaurierungsbetrieben, Museumswerkstätten oder Kirchenbauämtern tätig werden. Anja Soyke nennt weitere Beispiele. „Maler und Lackierer etwa können einen Schwerpunkt in der Kirchenmalerei und Denkmalpflege setzen und Fachangestellte für Medien und Informationsdienste sich auf die Fachrichtungen Archiv, Bibliothek oder Information und Dokumentation spezialisieren.“ (Siehe auch die Ausbildungsreportage Fachangestellte für Medien und Informationsdienste „Im Büro und im Lesesaal“.) Möglich sind außerdem schulische Ausbildungen, etwa zum Denkmaltechnischen Assistenten oder zum Technischen Assistenten für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute.

„Wer sich anschließend weiterqualifizieren möchte, könnten sich unter anderem für die Weiterbildung zum Restaurator entscheiden. Hier sind verschiedene Schwerpunkte wie zum Beispiel Maler- und Lackierhandwerk möglich.“ Darüber hinaus gibt es unter anderem die Weiterbildung zum Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerneuerung oder für Grabungstechnik. Im Bereich der Bibliotheken wird die Weiterbildung zum Fachwirt für Medien oder Informationsdienste angeboten.

Für alle, die den Bereich Denkmalpflege interessant finden, hat die Job-Expertin noch einen Tipp. „Hier können Interessierte zur Orientierung ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren oder alternativ Praktika machen. Dabei lernt man schon einmal den Umgang mit verschiedenen Materialien kennen und knüpft Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern oder zum Beispiel für die Bachelorarbeit.“

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt für Berufe rund um das Erhalten und Bewahren hat sich im Zuge des allgemein guten Arbeitsmarktes ebenfalls überwiegend positiv entwickelt. Dazu Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Arbeitslose Akademiker und Akademikerinnen, die eine adäquate Tätigkeit in Berufen der Medien-, Dokumentations- und Informationsdienste suchten, sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr weniger geworden. Zugleich sind Stellenangebote, die sich speziell an diese Zielgruppe wandten, auf niedrigem Niveau gestiegen.“

Zurückgegangen ist laut Claudia Suttner auch die Zahl der arbeitslosen Archäologen. „Hier gibt es mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als noch im Jahr 2013. Ebenso im Bereich Museums- und Ausstellungstechnik. Restauratoren zählen nach den Angaben der Expertin zu der Berufsgruppe der bildenden Künstler und Kunsthandwerker. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist in diesem Berufsfeld leicht rückläufig. Allerdings sind hier mehr als 90 Prozent der Erwerbstätigen selbstständig.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.
berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

 

Hochschulkompass
Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

 

Verband deutscher Archivarinnen und Archivare
www.vda.archiv.net

 

Deutscher Museumsbund
www.museumsbund.de

 

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
www.denkmalschutz.de

 

Deutsches Literaturarchiv Marbach
www.dla-marbach.de

abi>> 12.08.2019

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