Im Einsatz für andere Menschen

Feuerwehrleute eilen an Einsatzfahrzeug vorbei.
Bei Bränden, Unfällen oder Überschwemmungen eilt die Feuerwehr zum Ort des Geschehens.
Foto: Martin Rehm

Berufe mit Blaulicht

Im Einsatz für andere Menschen

Blaulicht verbindet man mit schlimmen Ereignissen – aber auch mit Menschen, die Rettung in der Not bringen. Doch nicht nur bei der Polizei oder im Rettungswagen eröffnen sich beruflich Wege, um anderen in Notfällen zu helfen.

Deborah Blaaß war erst vier Jahre alt, als es passierte: Bremsen quietschten, ein Knall, Blaulicht – sie hatte zusammen mit ihrer Mutter einen Autounfall. Auch die Polizei war da. „Einer der Beamten hat sich besonders um mich gekümmert. In dem Moment habe ich verstanden, dass Polizisten etwas Gutes bewirken“, erinnert sich die 26-Jährige.

Inzwischen ist sie selbst Polizeikommissarin. Bei der Autobahnpolizei Braunschweig ist sie für ein 188 Kilometer umfassendes Streckennetz zuständig. Zusammen mit Kollegen ist sie unterwegs, um Unfälle aufzunehmen, liegengebliebene Fahrzeuge zu sichern, PKW und LKW zu kontrollieren oder sich um die Sicherheit auf der Straße zu kümmern: „An Unfallschwerpunkten überwachen wir Geschwindigkeit und Sicherheitsabstände mit einem zivilen Funkwagen, dem sogenannten Provida-Fahrzeug.“

Ruhe bewahren in kritischen Momenten

Ein Porträt-Foto von Deborah Blaaß

Deborah Blaaß

Foto: Tessarzik, POK

Unangenehme Situationen entstehen, wenn etwa Verkehrssünder mit ihrem Delikt konfrontiert werden. „Manche lassen es einen dann schon spüren, dass sie die Polizei nicht leiden können“, sagt Deborah Blaaß. „Damit muss man ebenso souverän umgehen können wie mit der Tatsache, dass einen an Unfallorten schreckliche Bilder erwarten können. Doch es gibt auch positive Momente. Gerade bei Unfällen sind die Menschen oft sehr dankbar, wenn wir eintreffen.“

Auf die unterschiedlichen Herausforderungen wurde die Polizistin während der Ausbildung vorbereitet. Nach dem Abitur studierte sie drei Jahre lang an der Polizeiakademie Niedersachsen (in Hann. Münden) und konnte mit dem Bachelorabschluss direkt in den gehobenen Dienst einsteigen. „Ich war erst ein Jahr lang bei der Bereitschaftspolizei bis ich zum Autobahnpolizeikommissariat Braunschweig kam. Für die Zukunft könnte ich mir gut vorstellen, als Einsatzführerin noch mehr Verantwortung zu übernehmen“, erzählt Deborah Blaaß.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst

„Für die Polizei interessieren sich viele, die zu uns in die Berufsberatung kommen“, sagt Beate Ebbinghaus von der Agentur für Arbeit Hamburg. In der Metropole gehören Blaulichteinsätze zum Alltag, sei es, wenn für Sicherheit im Fußballstadion gesorgt wird sowie bei Verkehrsunfällen oder Verbrechen aller Kategorien.

„Nah am Geschehen sind natürlich Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste“, erläutert die Berufsberaterin. „Je nach Interesse bieten sich Varianten an wie die Wasserschutzpolizei oder die Bundespolizei, die unter anderem den Grenzschutz, Bahn- und Luftsicherheit, die Küstenwache oder die Spezialeinheit GSG 9 umfasst.“ Wer professionell bei der Feuerwehr aktiv werden möchte, kann zur Berufsfeuerwehr gehen oder bei einer Werkfeuerwehr, zum Beispiel auf einem Flughafen, zum Brandschutz beitragen. (Mehr darüber erfährst du im Beitrag „Fokussiert sein auch in brenzligen Situationen“.)

Viele dieser Berufe haben eine duale oder schulische Ausbildung zur Grundlage. Notfallsanitäter etwa werden an Berufsfachschulen ausgebildet. Der Zugang zum Beruf des Feuerwehrmanns kann über eine duale Ausbildung erfolgen oder über eine Beamtenausbildung im öffentlichen Dienst. Der Einstieg bei der Polizei ist nur im öffentlichen Dienst möglich, entweder über eine Ausbildung oder ein Studium. Das hängt davon ab, ob man in den mittleren oder gehobenen Dienst einsteigen möchte, der in einigen Bundesländern mittlerweile in die Laufbahngruppen 1 und 2 beziehungsweise in vier verschiedene Qualifikationsebenen übergegangen ist.

Im Hintergrund aktiv

Doch es gibt noch weitere Berufe, in denen man Menschen in Not helfen kann (siehe auch „Berufe mit Blaulicht“), zum Beispiel solche, in denen man auch mit Notfällen und Kriseneinsätzen zu tun hat, aber eher administrativ oder vor- und nachbereitend arbeitet. Beate Ebbinghaus nennt einige Beispiele: „Dazu gehören forensische Psychologen oder Profiler, die Kriminalfälle analysieren. Außerdem Fachärzte der Rechtsmedizin oder Ingenieure im Rettungswesen, die den Einsatz von Rettungskräften, Ausrüstung und Hilfsgütern planen und koordinieren.“ (Mehr darüber erfährst du im Beitrag „Gefahren bekämpfen und verhindern“.) Auch in Bereichen wie Katastrophen- und Zivilschutz, Sicherheitsmanagement, Immissions- und Gewässerschutz, Arbeits- und Betriebssicherheit oder bei der Brandursachenermittlung und Risikoanalyse gibt es berufliche Möglichkeiten.

Verschiedene Bachelor- und Masterstudiengänge dienen als Wegbereiter, etwa Rettungsingenieurwesen, Rescue Management, Internationale Not- und Katastrophenhilfe, oder Risiko- und Sicherheitsmanagement (siehe auch „Zur Seite stehen in Not und Leid“). Teils werden Studiengänge wie diese nur von einzelnen Hochschulen angeboten, darunter auch private, bei denen in der Regel Studiengebühren anfallen.

„Teamplayer sind gefragt“

Als eine Grundvoraussetzung, die man für eine Tätigkeit im Notfallbereich mitbringen sollte, nennt Berufsberaterin Beate Ebbinghaus körperliche und psychische Belastbarkeit. „Viele dieser Berufe sind verbunden mit der potenziellen Gefährdung des eigenen Lebens, mit traumatisierenden Momenten, Schichtdiensten und unregelmäßigen Arbeitszeiten. Eine gehörige Portion Überzeugung und Motivation gehören daher dazu“, betont sie.

Ein Porträt-Foto von Karl-Heinz Knorr.

Karl-Heinz Knorr

Foto: Feuerwehr Bremen

„Anderen Menschen zu helfen, ist tief in jedem von uns verwurzelt“, sagt Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. „Nicht ohne Grund engagieren sich mehr als eine Million Frauen und Männer in den Feuerwehren, davon rund 46.000 hauptamtlich.“ Voraussetzung sei hier – wie wohl auch in vielen anderen Blaulicht-Berufen – neben einer überdurchschnittlichen Sportlichkeit und einer stabilen Psyche vor allem Teamfähigkeit. „Ohne diese Eigenschaft geht es gar nicht, denn auch das eigene Leben hängt im Einsatz vom Miteinander aller Einsatzkräfte ab und Erfolge sind nur gemeinsam erreichbar.“ (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges tun“.)

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchworte z.B. Polizei, Feuerwehr, Rettung).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit.

www.berufe.tv

Gewerkschaft der Polizei/Bundespolizeiakademie

www.polizei-einstellung.de

Ausbildung bei der Bundespolizei

www.komm-zur-bundespolizei.de

DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe gGmbH

www.retter-werden.de

Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V.

www.dbrd.de

Deutscher Feuerwehrverband

www.feuerwehrverband.de

„Sicherheit studieren. Studienangebote in Deutschland“

Broschüre des Forschungsforum „Öffentliche Sicherheit“ mit einer ausführlichen Darstellung sämtlicher Studienangebote im Bereich Sicherheit und Gefahrenabwehr

www.sicherheit-forschung.de/publikationen/schriftenreihe_neu/20/index.html

 

Berufsübersicht

Berufe mit Blaulicht

Direkt im Einsatz bei einem Unfall oder in der Organisation von Gefahrenabwehrmaßnahmen: Es gibt unterschiedliche Berufe, die mit Not- und Katastrophensituationen zu tun haben. abi>> zeigt beispielhaft einige Studien- und Ausbildungsberufe auf.

Direkte Notfallhilfe

Studienberufe

Beamt(er/in) – Feuerwehr (gehobener technischer Dienst)

Aufgaben: Leitende Funktion bei der Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Führungskraft im Wachbetrieb

Mögliche Arbeitgeber: Berufsfeuerwehren, Feuerwehren der Bundeswehr, Feuerwehrschulen

Polizeivollzugsbeamt(er/in) (gehobener Dienst)

Aufgaben: Führung unterstellter Einsatzkräfte, Wach- und Streifendienst, andere Polizisten ausbilden, Verwaltung

Mögliche Arbeitgeber: Polizeiinspektionen, -direktionen und -präsidien, Dienststellen der Bereitschafts- oder der Wasserschutzpolizei, Sonderdienststellen der Schutzpolizei, polizeiliche Bildungseinrichtungen

Ausbildungsberufe

Notfallsanitäter/in

Aufgaben: Medizinische Maßnahmen der Erstversorgung, Assistenz bei der ärztlichen Notfallversorgung, Transportfähigkeit von Patienten sicherstellen

Mögliche Arbeitgeber: Rettungs- und Krankentransportdienste, Blutspendedienste, Feuerwehren

Polizeivollzugsbeamte(er/in) (mittlerer Dienst)

Aufgaben: Wach- und Streifendienst, Ansprechpartner für Hilfe suchende Bürger, Verkehr kontrollieren und regeln, Unfall- und andere Gefahrenstellen absichern, Anzeigen und Unfälle aufnehmen, Aufklärung von Straftaten

Mögliche Arbeitgeber: Polizeidienststellen der Länder, Bereitschaftspolizei, Wasserschutzpolizei

Werkfeuerwehrmann/-frau

Aufgaben: Brand- und Gefahrenschutz, Maßnahmen zur Brandbekämpfung, medizinische Notfallversorgung, technische Hilfe

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe mit erhöhtem Gefährdungspotenzial, zum Beispiel größere Industriebetriebe der Chemie-, Metall- und Elektroindustrie, Flughäfen oder Kraftwerke

Verwaltung, Vor- und Nachbereitung

Studienberufe

Forensische/r Psychologe/Psychologin

Aufgaben: Täter- beziehungsweise Tatortprofile erstellen, Schuldfähigkeit von Angeklagten beurteilen, Zukunftsprognosen für Straftäter erstellen, Sachverständiger vor Gericht

Mögliche Arbeitgeber: Justizbehörden, forensische Abteilungen von Kliniken, Kriminalpolizei, Hochschulen

Ingenieur/in Rettungswesen

Aufgaben: Einsätze von Rettungskräften, Ausrüstung und Hilfsgütern koordinieren; Maßnahmen im Rettungsdienst, im Katastrophen- und Zivilschutz sowie zur Gefahrenabwehr

Mögliche Arbeitgeber: Rettungsdienste und -wachen, Berufsfeuerwehren, Hilfswerke, Hersteller von Geräten und Verfahren der Notfallrettung oder Sicherheitstechnik

Beamt(er/in) – Zolldienst (geh. Dienst)

Aufgaben: in schwierigen Fällen den Zollsatz ermitteln und Abgaben erheben, Waren zollamtlich freigeben, Zolllager und sogenannte besondere Zollverkehre überwachen, Zollämter und Zollkommissariate leiten, beim Erstellen von Gutachten bei der zolltechnischen Prüfungs- und Lehranstalt mitwirken

Mögliche Arbeitgeber: Hauptzollämter, Zoll(fahndungs)ämter, Wasserzoll, Generalzolldirektion

Ausbildungsberufe

Beamt(er/in) – Zolldienst (mittl. Dienst)

Aufgaben: Passdokumente kontrollieren, Gepäckstücke durchsuchen, Fahndungsinformationen abgleichen; eingeführte und auszuführende Waren überprüfen, Zollanträge bearbeiten, illegalen Waren- und Personenverkehr über die Grenze unterbinden, ordnungsgemäße Beschäftigung von Erwerbstätigen überprüfen

Mögliche Arbeitgeber: Hauptzollämter, Zoll(fahndungs)ämter, Wasserzoll, Generalzolldirektion

Weiterbildungsberufe

Fachkraft für Arbeitssicherheit (berufliche Weiterbildung)

Aufgaben: Unternehmen in Fragen der Arbeitssicherheit und Unfallverhütung beraten und unterstützen

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe aller Wirtschaftsbereiche, mit Ausnahme von Teilen der Seeschifffahrt

Hinweis: Voraussetzung für die Weiterbildung ist in der Regel ein Ausbildungs- und Weiterbildungsabschluss als Techniker beziehungsweise Meister oder ein Studienabschluss in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach.

 

Werkfeuerwehrfrau

Fokussiert sein auch in brenzligen Situationen

Nach dem erfolgreichen Eignungstest ist der Weg frei für Hannah Netzer: Während ihrer dreijährigen Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau wird die 24-Jährige auf die Herausforderungen kommender Einsätze vorbereitet.

Wegweisend für Hannah Netzer war ein Praktikum bei einer Werkfeuerwehr. Das war Voraussetzung für ein Studium im ingenieurwissenschaftlichen Bereich, das sie zunächst interessierte. Doch ihr Praktikum hatte sie so begeistert, dass sie sich stattdessen für die Ausbildung bei der Feuerwehr entschied. Sie fand einen Ausbildungsplatz bei der Merck KGaA in Darmstadt. Das pharmazeutisch-technische Unternehmen hat eine eigene Feuerwehr mit rund 140 hauptamtlichen Einsatzkräften.

Inzwischen hat Hannah Netzer das dritte und damit letzte Ausbildungsjahr erreicht. Das Besondere an der Ausbildung für Werkfeuerwehrleute ist aus ihrer Sicht, dass dem fachspezifischen Teil zum Thema Feuerwehr ein kompakter handwerklicher Ausbildungsblock vorangeht. „Dabei wurden uns Grundkenntnisse in vielen Bereichen wie Holz, Metall und Elektrotechnik vermittelt“, berichtet sie. „Außerdem haben wir den Betrieb mit allen seinen Bereichen kennengelernt.“ Diese rein handwerkliche Ausbildung erfolgt während der ersten anderthalb Jahre.

Der richtige Umgang mit Löschpumpen und Co.

Die anschließende feuerwehrtechnische Ausbildung fand für Hannah Netzer an verschiedenen Orten statt, etwa draußen auf einem Übungsgelände oder im Ausbildungscenter, wo Feuerwehrleute aus unterschiedlichen Betrieben ausgebildet werden. „In dieser Zeit lernt man alles für den Einsatz, vom Ausrollen des Schlauchs bis hin zum Bedienen von feuerwehrtechnischem Gerät.“ Dazu gehören beispielsweise Feuerlöschpumpen, Atemschutzgeräte oder Stromgeneratoren. Tage im Lehrsaal mit Theorie-Unterricht wechseln ab mit Tagen, an denen die angehenden Werkfeuerwehrleute ausschließlich den Umgang mit diesen Geräten trainieren.

Für die Auszubildende brachte dieser zweite Teil besonders viele und spannende Erfahrungen mit sich: „Es ist ein Erlebnis, das erste Mal mit mehr als 20 Kilogramm Ausrüstung und Schutzkleidung durch die Atemschutzübungsstrecke zu klettern. Platzangst darf man dort nicht haben. In den folgenden Übungen gewöhnt man sich allerdings schnell an das Gewicht und die Belastung und lernt, die Situationen einzuschätzen.“

Besondere Höhepunkte sind die Ausbildungsabschnitte in verschiedenen Brandsimulationsanlagen. „Dort macht man die Erfahrung, wie sich ein Kellerbrand oder eine Rauchgasdurchzündung anfühlt, mit welchen Temperaturen man zu rechnen hat und an welche Grenzen man gehen kann.“ Nach acht Monaten ist dieser Teil der Ausbildung abgeschlossen.

Nach dem Abschluss stehen viele Wege offen

Innerhalb der drei Jahre erwirbt die 24-Jährige außerdem einen LKW-Führerschein und macht eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. „Gegen Ende der Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau lerne ich meine zukünftigen Wachabteilungen kennen, sodass auch der Schichtdienst ein Thema wird“, ergänzt Hannah Netzer.

Verantwortungsbewusstsein wie auch Teamfähigkeit sind Grundvoraussetzungen, da bei Einsätzen immer gemeinsam gearbeitet wird. „Außerdem sollte man in der Lage sein, sich in manchen Situationen selbst zu überwinden, zum Beispiel wenn es um Arbeiten in der Höhe oder in engen Bereichen geht“, schildert die angehende Werkfeuerwehrfrau. „Die körperliche Belastbarkeit wird bereits vor Ausbildungsbeginn in einem Eignungstest festgestellt.“

Nach dem Abschluss bieten sich Hannah Netzer verschiedene Perspektiven: „So kann ich mich an meinem Arbeitsplatz weiter spezialisieren, zum Beispiel auf Arbeiten in der Atemschutzwerkstatt oder im vorbeugendem Brandschutz.“ Es gibt auch Weiterbildungsmöglichkeiten, etwa zum Gruppenführer. Und die Hochschule ist nach wie vor eine Option für sie: „Einem anschließenden Studium im naturwissenschaftlichen Bereich steht nichts im Wege. Vielmehr ist es sogar gern gesehen.“

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Werkfeuerwehrfrau

Typischer Tagesablauf

Für Hannah Netzer (24) ist jeder Ausbildungstag anders, weil in Theorie und Praxis viele verschiedene Stationen durchlaufen werden. Für abi>> schildert die angehende Werkfeuerwehrfrau, wie zum Beispiel ein Tag in der praktischen Ausbildung aussieht.

7.30 Uhr:

Hannah Netzer findet sich im Ausbildungscenter ein, in dem Werkfeuerwehrleute verschiedener Betriebe ausgebildet werden. Die Ausbilder erklären den heutigen Tagesablauf und übergeben die Fahrzeugschlüssel für die Ausbildungslastwagen. Mit ihren Kollegen kontrolliert Hannah Netzer die Fahrzeuge auf Mängel und die Ausrüstung auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit.

8 Uhr:

Die Gruppe fährt zur Übungsanlage. Dort angekommen, bereiten die Auszubildenden ihre Ausrüstung vor. Dann werden sie in die Anlage und die bevorstehende Übung eingewiesen. Heute wird das richtige Vorgehen in einem verrauchten Bereich unter Nullsicht trainiert.

9 Uhr:

Nach einer kurzen Frühstückspause bereiten sich alle auf die Brandübung vor. Nun kommt es in jeder Hinsicht auf Genauigkeit an: Sind die Gruppen eingeteilt? Sind die Geräte in Ordnung? Ist die Schutzkleidung vollständig? Anschließend gehen die Gruppen abwechselnd in den Einsatz und versuchen, das Gelernte erfolgreich umzusetzen. Während die eine Gruppe arbeitet, erholt sich die andere, übt mit den Geräten oder beschäftigt sich mit dem Übungsfahrzeug.

12.30 Uhr:

Die Gruppen machen gemeinsam Mittagspause in der Kantine des Ausbildungscenters.

13.30 Uhr:

Bei einer weiteren kurzen Übung trainiert Hannah Netzer in ihrer Gruppe den Umgang mit dem Strahlrohr, dem Endstück am Feuerwehrschlauch, durch das das Löschmittel fließt. Anschließend wird aufgeräumt und die Einsatzübungen werden nachbesprochen. Dann geht es für die 24-Jährige zurück zum Ausbildungscenter.

Etwa 16.20 Uhr:

Im Ausbildungscenter sind noch einige Dinge zu erledigen, etwa die Fahrzeuge aufzuräumen, die Küche in Ordnung zu bringen, die Spinde aufzuräumen, die Stiefel zu putzen sowie alle benutzten Geräte zu überprüfen und auszutauschen. Danach hat Hannah Netzer Feierabend.

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Rettungsingenieurwesen

Gefahren bekämpfen und verhindern

Jonas Sieger (24) wollte sein Interesse an Technik und sein ehrenamtliches Engagement im Katastrophenschutz beruflich verbinden. Sein Bachelorstudium des Rettungsingenieurwesens an der Technischen Hochschule Köln stellt dafür die Weichen.

Ein technischer Beruf sollte es werden, soweit war sich Jonas Sieger nach dem Abitur sicher. Also entschied er sich für das Studienfach Maschinenbau. Doch ihm fehlte dabei etwas. „Ich bin seit 2011 ehrenamtlich bei den Maltesern aktiv und wollte den Katastrophenschutz gerne auch hauptberuflich einbinden. Doch zunächst dachte ich, es gäbe kein entsprechendes Studium.“ Dann stieß er aber auf den Studiengang Rettungsingenieurwesen an der Technischen Hochschule (TH) Köln.

Hier wird das erforderliche Fachwissen vermittelt, um effiziente Konzepte für die vorbeugende und operative Gefahrenabwehr und die Sicherheitstechnik zu entwickeln: „Das war die Möglichkeit, beide Interessen zu verbinden.“ Jonas Sieger erfüllte die Zulassungsvorrausetzung – einen Notendurchschnitt von damals mindestens 2,5 – und konnte problemlos umsatteln. Sogar einige Leistungen seines Maschinenbaustudiums konnte er sich für die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen seiner neuen Fachrichtung anrechnen lassen.

Rettungs- oder Brandschutzingenieurwesen?

Ein Porträt-Foto von Jonas Sieger

Jonas Sieger

Foto: privat

Heute steht der Student im dritten von insgesamt sieben Semestern und ist ganz in seinem Element – im Gegensatz zu einigen seiner Kommilitonen: „Viele unterschätzen, dass es sich um einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang handelt. So hatten wir in den ersten Semestern vor allem Grundlagenfächer wie Mathe, Chemie und Physik.“ Zunehmend stehen auch rechtliche Aspekte oder Themen wie Einsatzlehre, Großschadenslagen, menschliche und technische Gefahren auf dem Lehrplan.

Ab dem vierten Semester erfolgt eine Spezialisierung in den Studienrichtungen Rettungs- oder Brandschutzingenieurwesen. Jonas Sieger hat sich für Ersteres entschieden. In der Fachrichtung Rettungsingenieurwesen lernen die Studierenden, wie sie unterschiedliche Gefahren – etwa atomarer, biologischer, chemischer und technischer Art – einschätzen können. Darüber hinaus eignen sie sich Fachwissen zu organisatorischen Maßnahmen, um diese Gefahren zu bekämpfen, und den Einsatz technischer Werkzeuge an.

Das fünfte Semester ist ein Praxissemester. Es kann in einem Unternehmen oder dem Bereich absolviert werden, in dem man gern später arbeiten möchte, auch im Ausland. Jonas Sieger schwankt zwischen einem Praktikum bei der Feuerwehr oder in der Höhenrettung.

Arbeiten im Katastrophenschutz

Besonders gut gefallen Jonas Sieger die zahlreichen Praxisbezüge. So machen die Studierenden praktische Versuche etwa in Strömungstechnik oder Physik. Außerdem werden Gefahrensituationen konkret durchgespielt, etwa bei Planspielen in einer Miniaturlandschaft wie bei einer Modelleisenbahn. Dort wird zum Beispiel der Einsturz eines Hauses simuliert und Jonas Sieger muss die zur Verfügung stehenden Rettungsfahrzeuge und -kräfte einteilen.

Nach dem Bachelorabschluss möchte Jonas Sieger das Masterstudium Rettungsingenieurwesen anschließen, das ebenfalls an der TH Köln angeboten wird: „Entsprechend meiner Vertiefung möchte ich mich weiter spezialisieren.“

Und nach dem Studium? Rettungsingenieure werden aufgrund ihrer interdisziplinären Ausbildung häufig in koordinierender Funktion eingesetzt. Sie arbeiten etwa bei Feuerwehren und Rettungsdiensten, aber auch in der freien Wirtschaft, wo sie für die Sicherheit von Unternehmen oder kritischen Infrastrukturen sorgen und zum Beispiel sicherheitstechnische Begutachtungen von Anlagen übernehmen. „Beruflich gibt es etliche Möglichkeiten, sowohl direkt in der Gefahrenabwehr als auch zum Beispiel im planerischen Bereich, etwa beim Katastrophenschutz“, bestätigt Jonas Sieger. „Mal sehen, was mich im Laufe des weiteren Studiums am meisten begeistert.“

 

Krisenmanager

Zur Seite stehen in Not und Leid

Zusammen mit seinem Team ist er da, wenn für einige Menschen die Welt aus den Fugen gerät: Tobias Hahn (31) ist im öffentlichen Dienst für psychosoziales Krisenmanagement zuständig.

Ihn betreffen der Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich genauso wie die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia in Italien oder der Terroranschlag in Istanbul. „Wir werden bei größeren Schadensereignissen aktiv, die im Ausland stattfinden, sobald deutsche Staatsbürger davon betroffen sind“, fasst Tobias Hahn seinen Aufgabenbereich zusammen. Im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) arbeitet er im Referat psychosoziales Krisenmanagement bei der Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH).

Von seinem Schreibtisch aus koordiniert Tobias Hahn zusammen mit Kollegen die Unterstützung und Versorgung für die betroffenen Personen, wenn diese wieder nach Deutschland kommen. Zudem ist er von Anfang an Ansprechpartner für die Angehörigen. „Über eine Hotline sind wir rund um die Uhr erreichbar, um Informationen zu geben und bei jeglichen Fragen zu unterstützen“, erklärt er. „Das umfasst die Notfallseelsorge ebenso wie formelle Fragestellungen, zum Beispiel zur Todesurkunde oder zu finanziellen Hilfen.“

Telefonische Betreuung und direkter Kontakt

Ein Porträt-Foto von Tobias Hahn.

Tobias Hahn

Foto: BBK/Richwin

Tobias Hahn gehört somit zu den ersten Anlaufstellen in den Stunden und Tagen unmittelbar nach dem Ereignis. „In Telefonaten mit den betroffenen Personen werden wir mit dem individuellen Schicksal konfrontiert. Wir führen dann auch schon Entlastungsgespräche, für die wir psychologisch geschult wurden.“ Ist eine weitergehende Unterstützung notwendig, übernimmt eine der Psychologinnen, die zum Team gehören. Für eine längerfristige Betreuung vermittelt der 31-Jährige Betroffene an einen Therapeuten.

Bei organisierten Treffen hat der Krisenmanager auch persönlichen Kontakt mit Angehörigen, Hinterbliebenen oder unmittelbar betroffenen Personen. „Einfühlungsvermögen, Neutralität und Vertraulichkeit gehören zu den Eigenschaften, die man auf jeden Fall mitbringen sollte“, erklärt er. „Weil man mit vielen verschiedenen Akteuren zusammenarbeitet und jedes Ereignis ganz neue Fragen aufwirft, ist es außerdem notwendig, komplexe Sachverhalte zu durchdringen und daraus praktische Lösungen entwickeln und umsetzen zu können.“

Und noch etwas ist relevant für seinen Job: gute Kontakte. Tobias Hahn korrespondiert im Krisenfall unter anderem mit den zuständigen Behörden wie dem Auswärtigem Amt oder dem Bundesamt für Justiz, aber auch mit Fluggesellschaften und Flughäfen, Reiseveranstaltern sowie der Notfallseelsorge, Kriseninterventionsdiensten und Therapeuten. „Es ist wichtig, die Leute zu kennen, mit denen man bei einem Notfall zusammenarbeitet, wenn es etwa um die Einreise der betroffenen Personen geht.“ Ein Grundsatz seiner Arbeit lautet deswegen: „In Krisen Köpfe kennen“.

Master in Katastrophenmanagement

Sein fachliches Wissen erwarb Tobias Hahn zunächst im Bachelorstudium Rettungsingenieurwesen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Wegweisend waren auch Praktika bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Äthiopien sowie im Krisenmanagement bei einer deutschen Fluggesellschaft. Anschließend konnte er beim BBK in seiner heutigen Position einsteigen. Zugleich begann er mit dem berufsbegleitenden Masterstudium Katastrophenvorsorge und -management an der Universität Bonn.

Gerade schreibt der 31-Jährige an seiner Masterarbeit. Darin geht es um das Erleben von und den Umgang mit Belastungen bei Mitarbeitern von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, die nach Schadensereignissen selbst im Einsatz im Ausland waren. „Das Studium möchte ich erst einmal zu Ende bringen und gerne auch beruflich im Bereich Krisenmanagement bleiben“, erklärt Tobias Hahn.

Trotz aller schweren Momente empfindet er seine Aufgaben auch als Bereicherung. „Man kann den betroffenen Personen Leid und Trauer nicht abnehmen, aber ihnen für einen gewissen Zeitraum zur Seite stehen. Oft kommt auch, wenn etwas Zeit vergangen ist, eine Rückmeldung, dass es den Menschen wieder besser geht. Es ist dann schön zu wissen, dass auch unsere Arbeit dazu beigetragen hat.“

 

Interview

„Im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges tun“

Ein typischer Blaulichtberuf ist der Notfallsanitäter. Wer diesen Beruf ergreift, möchte in der Regel etwas Sinnstiftendes tun – wie der ehemalige TV-Moderator Tobias Schlegl. Doch worauf muss man sich in der Ausbildung und im Job einstellen? abi>> hat mit Dr. Rudolf Seiters, ehemals Bundesinnenminister und Vizepräsident des Deutschen Bundestages und jetzt Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), darüber gesprochen.

abi>> Herr Dr. Seiters, im Sommer 2016 sorgte der Moderator Tobias Schlegl für Schlagzeilen. Er kündigte an, seine Karriere beim Fernsehen zu beenden und Notfallsanitäter zu werden. Die Ausbildung hat er inzwischen beim Deutschen Roten Kreuz begonnen. Was halten Sie von dieser Entscheidung?

Rudolf Seiters: Wir freuen uns über jeden neuen motivierten Mitarbeiter. Wenn er außerdem noch prominent ist wie Tobias Schlegl, führt das vielleicht dazu, mehr Aufmerksamkeit für den Beruf des Notfallsanitäters zu gewinnen und dafür, wie verantwortungs- und anspruchsvoll diese Tätigkeit ist.

abi>> Ausschlaggebend war für Tobias Schlegl, dass er „etwas gesellschaftlich Relevantes“ machen wollte, wie er gegenüber dem Magazin Stern sagte. Diesem prominenten Beispiel könnten nun viele folgen. Begrüßt das Deutsche Rote Kreuz diese Möglichkeit oder könnte das auch zu einer Verklärung des Berufes führen?

Rudolf Seiters: Die Arbeit für Menschen in Not ist etwas gesellschaftlich Relevantes. Insofern kann es nicht falsch sein, wenn ein Mensch diesen Beruf ergreift. Eine Verklärung befürchte ich nicht. Die Anforderungen an Notfallsanitäter sind allerdings hoch. Dies wird Herr Schlegl während seiner dreijährigen Berufsausbildung sicher feststellen.

abi>> Birgt eine solch radikale berufliche Veränderung für Menschen, die aus einem völlig anderen Bereich kommen, nicht einige Fallstricke?

Rudolf Seiters: Solch einen beruflichen Wechsel vollzieht man ja nicht einfach so. Spätestens nach dem Bewerbungsverfahren weiß ich, worauf ich mich einlasse. Dazu gehört das selbstständige Arbeiten im Team – auch in Extremsituationen, zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jedem Wetter und in jeder Umgebung. Ebenso ist die Fähigkeit erforderlich, wieder abschalten zu können. Sonst kann man diese verantwortungsvolle Arbeit auf die Dauer nicht machen.

abi>> Trotz aller Herausforderungen: Was sind die schönen Seiten dieses Berufes?

Rudolf Seiters: Mir wird von vielen Mitarbeitern unserer Rettungsdienste immer wieder gesagt, dass sie ihre Arbeit sehr gern machen – eben weil sie das Gefühl haben, etwas im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges zu tun. Sie sehen jeden Tag, wie wichtig ihr Einsatz ist. Und sie bekommen oft sofort eine entsprechende Rückmeldung von Betroffenen und ihren Angehörigen. In dieser Unmittelbarkeit ist das ja nicht bei vielen Tätigkeiten so.

abi>> Wie ist die dreijährige schulische Ausbildung zum Notfallsanitäter aufgebaut?

Rudolf Seiters: Den Auszubildenden werden in erster Linie fachliche, persönliche, soziale und methodische Kompetenzen vermittelt, damit sie eigenverantwortlich und teamorientiert arbeiten. Die Ausbildung gliedert sich in einen schulischen, einen klinischen und einen praktischen Teil. Oft erfolgt zu Beginn die Ausbildung zum Rettungssanitäter in einem Umfang von 520 Stunden. Das ermöglicht den frühzeitigen praktischen Einsatz im Rettungswagen.

abi>> Welche Voraussetzungen sollte man für diesen Beruf erfüllen?

Rudolf Seiters: Jeder Bewerber sollte die richtige Motivation mitbringen, den Menschen in extremen Situationen helfen zu wollen, egal woher sie kommen, wer sie sind – das ist die wichtigste Voraussetzung. Bewerber müssen 18 Jahre oder älter sein, über einen Schulabschluss (vorausgesetzt wird laut dem BERUFENET in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss) und ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge verfügen. Wichtig ist auch die gesundheitliche Eignung. Auf der Homepage www.retter-werden.de finden Interessierte weitere Infos.

abi>> Welche beruflichen Perspektiven haben Notfallsanitäter?

Rudolf Seiters: Sie können sich vielfältig weiterqualifizieren: in der Ausbildung als Praxisanleiter, in der Leitung und Führung des Rettungsdienstes, als Disponent auf Leitstellen oder als Desinfektor. Daneben werden auch einschlägige Studiengänge angeboten.


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Stand: 25.06.2018