Applaus für Ideen und große Leistungen

Schauspieler auf der Bühne
Auf der Bühne stehen und das Publikum mit seiner Darbietung verzaubern - das ist der Traum eines jeden Künstlers.
Foto: Ria Kipfmüller

Berufe auf und hinter der Bühne

Applaus für Ideen und große Leistungen

Ob Schauspiel, Oper, Musical, Tanz oder Performance: Zu einer gelungenen Vorstellung tragen viele bei. Neben den Künstlern, die auf der Bühne stehen und vom Publikum beklatscht werden, sorgt eine ganze Menge Menschen auch im Hintergrund dafür, dass es eine gelungene Vorstellung wird.

Einer, der dem Publikum meist verborgen bleibt und doch das Geschehen auf der Bühne prägt, ist David Bloom (34). Der freiberufliche Choreograf inszeniert vor allem Live-Performances und wählt dafür gern ungewöhnliche Orte, zu denen auch mal eine Sauna gehören kann. „Ich bin wohl ein gutes Beispiel für die zeitgenössische Berliner Arbeitsweise“, erklärt er. Die Bewegungen gibt er nicht vor, sondern entwickelt sie aus der Situation heraus mit den beteiligten Tänzern. „Dabei verschwimmen die Rollen. Es entsteht ein gemeinsames Stück und ich habe meist eine eher organisierende Funktion.“ Während der Proben legt er Spielregeln fest, den sogenannten Improvisationsscore. Innerhalb dieser Struktur kann das Ensemble frei agieren. „Es lässt sich mit Fußball vergleichen, wo die Spielregel, vereinfacht gesagt, elf gegen elf lautet. Ziel ist, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen, doch die Bewegungen entstehen spontan und so ist jedes Spiel anders.“

Um in der Selbstständigkeit bestehen zu können, verbringt David Bloom oft mehr Zeit am Computer als im Tanzstudio, beantragt staatliche und private Fördermittel, verhandelt mit Vermietern oder holt Spielstättenbescheinigungen ein. „Man muss durchaus bodenständig sein in diesem Beruf.“ Der Wahl-Berliner, dessen Eltern aus New York stammen, studierte „Zeitgenössischen und klassischen Tanz“ an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, arbeitete dann vier Jahre als Bühnentänzer und legte noch den Masterstudiengang „Choreografie“ am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT) nach. „Das Studium hat mir auch die Zeit und den Raum gegeben, meinen eigenen künstlerischen Stil zu prägen.“

Teamwork wird großgeschrieben

Ein Porträt-Foto von David Bloom

David Bloom

Foto: Privat

Bühnenberufe lassen sich zunächst grob in zwei Gruppen einteilen. Einen Überblick skizziert Katrin Mey, Berufsberaterin für Abiturienten bei der Jugendberufsagentur Berlin in Marzahn-Hellersdorf: „Es gibt diejenigen, die auf der Bühne stehen und dem Publikum gegenübertreten und diejenigen, die vorab für einen gelungenen Auftritt oder im Hintergrund für reibungslose Abläufe sorgen. Dabei arbeitet man jedoch sehr eng zusammen. Wer zum Theater möchte, sollte also Teamwork lieben.“ Zur ersten Gruppe zählen Schauspieler, Musical-Darsteller, Sänger, Tänzer, Kabarettisten, Komiker und Puppenspieler. Zur zweiten Gruppe gehören unter anderem Bühnenbildner, Choreografen, Dirigenten, Fachkräfte sowie Ingenieure für Veranstaltungstechnik, Intendanten, Korrepetitoren, Kostümbildner, Bühnenmaler, Theaterpädagogen, Theaterwissenschaftler, Tonmeister und Toningenieure (siehe hierzu auch die Berufsübersicht).

Feststellen, wo die „Messlatte“ hängt

Durchsetzungsvermögen und ein eiserner Wille sind häufig entscheidend. „Viele Ratsuchende möchten gern ihr Talent oder eine Leidenschaft für Künstlerisches ausleben, sorgen sich aber, ob sie es schaffen können“, schildert die Beraterin. Sie rät in solchen Fällen, sich der Sache mit voller Energie zuzuwenden und dabei selbstkritisch zu bleiben. „Besonders bei den Berufen auf der Bühne ist die Konkurrenz groß, man muss sich intensiv auf Eignungstests für Studienplätze vorbereiten und riskiert trotzdem nicht genommen zu werden.“ Darum empfiehlt sie auch, sich vorab ein persönliches Bild von der Hochschule und dem favorisierten Studiengang zu machen. „So lässt sich feststellen, wie hoch die Messlatte hängt, wo man sich selbst einordnen würde und wie man sich darauf vorbereiten kann“ (siehe hierzu auch „Vortanzen und andere Voraussetzungen“).

Die Beschäftigungsarten sind bei Bühnenberufen unterschiedlich: Neben Festanstellungen sind freie Tätigkeiten weit verbreitet. Theater vergeben an Schauspieler in der Regel befristete Engagements, die nach der jeweiligen Spielzeit verlängert werden können – spätestens mit einem Wechsel des Intendanten ist dies aus künstlerischen Gründen oft der Fall. „Auch arbeitet man in diesem Berufen auf und hinter der Bühne meist gerade dann, wenn andere frei haben oder Ferien machen“, sagt Tom Wolter, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverband Freie Darstellende Künste e.V. (vormals: Bundesverband Freier Theater).

Möglichst früh Praxisluft schnuppern

Ein Porträt-Foto von Tom Wolter

Tom Wolter

Foto: Anja Beutler

Was die Beschäftigungsverhältnisse angeht, ist nach seiner Einschätzung eine positive Tendenz zu verzeichnen. „In den letzten zehn Jahren hat sich einiges getan, bereits dadurch, dass wir auch stark in den kulturellen Bildungsbereich und die Stadtentwicklung eingebunden sind. So sind arbeitnehmerähnliche und freiberufliche Beschäftigungsfelder entstanden. Kompetenzen und hintergründiges Wissen sind in allen Theaterbereichen gefragt, sei es im Ensemble, in der Technik, im künstlerischen Handwerk oder im Büro.“ Sein Tipp: Möglichst früh Praxisluft schnuppern, etwa beim Schulfach Darstellendes Spiel, als Praktikant oder Hospitant beim Theater. „Solche Erfahrungen sind kaum zu ersetzen. Sie schaffen Verständnis für die Welt der Bühnen, was etwa auch bei Verwaltungsaufgaben von Vorteil ist.“ Der mit der Bundesagentur für Arbeit kooperierende Verband engagiert sich auch im Bereich Weiterbildung und bietet Beratungen an. „Interessierte sollten sich am besten an einen unserer 16 Landesverbände wenden. Die Kontaktinformationen finden sie über die Homepage des Bundesverbands Freie Darstellende Künste.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Bühne, Schauspiel, Veranstaltungstechnik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z.B. Bühne)
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Deutscher Bühnenverein

www.buehnenverein.de

Bundesverband Freie Darstellende Künste e.V.

(vormals Bundesverband Freier Theater)
www.freie-theater.de

Bundesverband Schauspiel e.V.

www.bffs.de

Interessensverband Deutscher Schauspieler e.V.

www.ids-ev.eu

Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer e.V.

www.vdoper.de

Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

www.vplt.org

 

 

Übersicht

Berufe auf und hinter der Bühne

abi>> gibt einen Überblick über Studien- und Ausbildungsberufe, die den Weg zum Theater oder anderen Bühnen ebnen können (Auswahl).

Berufe mit Studium

Bühnenbildner/in

Bühnenbildner und Bühnenbildnerinnen entwerfen und gestalten Bühnenräume und -dekorationen für Theater-, Film- und Fernsehproduktionen. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Bühnen- oder Kostümbild.

Arbeitsbereiche: bei Theatern und Kleinkunstbühnen, in Opernhäusern, in Kulissenwerkstätten von Fernseh- oder Filmstudios

Choreograf/in

Die Entwicklung und Leitung von Tanzinszenierungen (moderne oder klassische Stücke) ist die Aufgabe von Choreografen. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Choreografie oder Tanz.

Arbeitsbereiche: an Opernhäusern, Theatern, Musicalbühnen, in der Filmwirtschaft und in Fernsehstudios, in Balett- und Tanzschulen, bei Tanzsport- oder Eiskunstlaufvereinen, an Sport- oder Musikhochschulen

Ingenieur/in für Veranstaltungstechnik bzw. Theatertechnik

Sie setzen künstlerische Vorgaben um und sorgen dafür, dass die technischen Abläufe auf Veranstaltungen und Events einwandfrei funktionieren. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Veranstaltungstechnik.

Arbeitsbereiche: an Theatern, bei Film und Fernsehen, Messe- und Ausstellungsveranstaltern, bei Event- und Veranstaltungsagenturen, bei Herstellern von Geräten/Anlagen der Veranstaltungstechnik

Kostümbildner/in

Kostümbildner und Kostümbildnerinnen gestalten Kostüme für Theater-, Film-, Fernseh- oder Videoproduktionen und sind verantwortlich für deren Auswahl und Herstellung. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Bühnen-, Kostümbild.

Arbeitsbereiche: bei Theatern und Kleinkunstbühnen, in Opernhäusern, in Kulissenwerkstätten von Fernseh- oder Filmstudios

Tonmeister/in / Toningenieur/in

Von der Planung über die Ausführung bis hin zur Nachbearbeitung - Tonmeister begleiten bei akustischen und audiovisuellen Medienproduktionen den gesamten Herstellungsprozess. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Ton-, Bildtechnik.

Arbeitsbereiche: in Tonstudios, bei Rundfunkveranstaltern oder Filmproduktionsgesellschaften, bei Dienstleistern, die für die Tontechnik in Konzerthallen, Opern- und Schauspielhäusern oder bei Open-Air-Konzerten sorgen, bei Verlagen für audiovisuelle Medien

Ausbildungsberufe

Bühnenmaler/in und Bühnenplastiker/in

Sie malen oder modellieren Bühnen-und Szenebilder nach den Vorgaben der Regie und der Bühnebildner. Für Ausstellungen, Messen, Werbeproduktionen oder Innenausstattungen fertigen sie darüber hinaus Hintergründe, Wandbilder, Dekorationen und Plastiken an. Die dreijährige Ausbildung kann in der Fachrichtung Plastik oder in der Fachrichtung Malerei absolviert werden.

Arbeitsbereiche: an Theatern und Opernhäusern, bei Filmproduktionsfirmen und Fernsehsendern 

Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Fachkräfte für Veranstaltungstechnik entwickeln technische Konzepte beziehungsweise planen den Einsatz technischer Anlagen für Veranstaltungen. Sie bauen die Anlagen auch auf und bedienen sie. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Arbeitsbereiche: bei Messe- oder Kongressveranstaltern, bei Event oder Veranstaltungsagenturen, in Unternehmen der Rundfunk- und Filmbranche, bei kulturellen Einrichtungen, in großen Ferienhotels und auf Kreuzfahrtschiffen.

Maskenbildner/in

In Zusammenarbeit mit Regie, Kostüm- oder Bühnenbild gestalten sie maskenbildnerische Konzepte für Bühnen- sowie Film- und Fernsehproduktionen und setzen sie um. Sie schminken und frisieren Darsteller und betreuen deren Maske während der Vorstellung oder Dreharbeiten. Maskenbildner ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf.

Arbeitsbereiche: an Theatern und Opernhäusern, bei Fernsehanstalten, bei Filmstudios

Berufe mit unterschiedlichen Zugängen

Bühnentänzer/in

Nach einer vorgegeben Choreografie gestalten und interpretieren Bühnentänzer Tanzrollen für Ballett, Oper oder Musical. Die Tanzstile reichen vom klassischen Balett bis hin zu modernen Bühnentanzformen. Sie tanzen im Ensemble oder als Solisten. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes grundständiges Studium im Bereich Tanz oder eine abgeschlossene Ausbildung als Bühnentänzer.

Arbeitsbereiche: an Theatern, bei Film- und Fensehproduktionen

Dramaturg/in

Sie bearbeiten Theaterliteratur und Drehbücher, schlagen geeignete Stoffe vor und erarbeiten Theaterspielpläne oder Rundfunkprogramme. In der Regel benötigt man einen Abschluss im Bereich Dramaturgie, entweder in Form eines Hochschulabschlusses oder im Rahmen einer Ausbildung.

Arbeitsbereiche: an Theatern, Opernhäusern und Kleinkunstbühnen, bei Hörfunk- und Fernsehsendern, bei Filmproduktionen, in Theatern- und Buchverlagen, an Hochschulen

Sänger/in

Sänger interpretieren solo oder im Chor Vokalmusik unterschiedlicher Art. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Gesang oder eine abgeschlossene Ausbildung als Sänger.

Arbeitsbereiche: an Opern- und Schauspielhäusern, Musicalbühnen, bei Konzertveranstaltern und in Musikclubs, an Konservatorien, bei Film- und Videofilmherstellern, in kirchlichen Einrichtungen 

Schauspieler/in

Sie verkörpern Charaktere in Bühnenaufführungen und Filmen. Dabei setzen sie Gestik, Mimik, Körpersprache und Stimme als künstlerische Ausdruckmittel ein. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium im Bereich Schauspiel oder eine abgeschlossene Ausbildung.

Arbeitsbereiche: bei Film, Fernsehen, Hörfunk, beim Sprechtheater, an Musical- oder Kleinkunstbühnen, an Schauspielschulen

Theaterpädagoge/in

Theaterpädagogen erstellen Konzepte in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenarbeit und setzen sie um. Sie leiten Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Theaterspielen an und vermitteln Kenntnisse über die Institution Theater und über das Theaterspiel.

Arbeitsbereiche: an Schauspielhäusern, Theatern und anderen kulturellen Einrichtungen, in kommunalen Kulturreferaten und -ämtern, in Einrichtungen der Erwachsenenbildung, in sozialen Einrichtungen, in Justizvollzugsanstaltungen und Resozialisationseinrichtungen, in Vorsorge- und Rehabilitationskliniken

 

Ingenieur für Theatertechnik

Der große Auftritt der Mechanik

Jakob Kerscher (33) konstruiert Bühnenteile, die sich per Maschinenkraft bewegen lassen, findet das optimale Material für einen Boden und noch so manch andere Lösung. Als Ingenieur für Theatertechnik ist er für die technische Entwicklung und Konstruktion von Bühnenbildern am Hamburger Schauspielhaus zuständig.

Ein Luxusdampfer füllt die Bühne des Hamburger Schauspielhauses, zehn Meter breit und sechs Meter hoch, gestaltet als überdimensionales Regal, dessen offene „Fächer“ die Kabinen darstellen. Im dramatischen Finale sinkt das „Schiff der Träume“ – so der Titel der Inszenierung nach Federico Fellini. Ein Moment, der Jakob Kerscher reichlich Kopfzerbrechen bereitet hatte. „Bis kurz vor der Premiere haben wir an der Konstruktion getüftelt“, erinnert er sich. „Das Schiff kann komplett zusammenklappen, da musste jede Verriegelung und jede Sicherheitsvorrichtung sitzen.“

Von der Bauprobe bis zur „Bühnenreife“

Ein Porträt-Foto von David Kerscher

Jakob Kerscher

Foto: Christine Lendt

In seinem Büro in der obersten Etage des Theaters zeichnet der Ingenieur die Konstruktionen per CAD-Software, recherchiert und bestellt das passende Material. Er kontrolliert auch den Bau des Bühnenbilds in den hauseigenen Werkstätten, die er durch große Glasfenster im Blick hat. Seine Arbeit an einem Projekt beginnt mit der sogenannten Bauprobe. „Dabei bekommen wir das jeweilige Modell und Zeichnungen vom Bühnenbildner und bauen zunächst mit einfachem Material einen Entwurf in Originalgröße.“ Im Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Schreinerei, Schlosserei oder Deko-Werkstatt wägt Jakob Kerscher dann ab, was technisch und finanziell machbar ist. Da kollidieren seine Ergebnisse auch mal mit den Vorstellungen der Künstler. „Bei einer Inszenierung hätte die Regie gern einen glänzenden Boden gehabt, auf dem loser Sand verteilt werden kann“, nennt er ein Beispiel. „Ein Glanzboden, der das dauerhaft verkraftet, wäre sehr teuer geworden, während ein günstigerer Boden schnell zerkratzt.“ Als Lösung im Rahmen des Budgets einigte man sich darauf, nur in einem Bereich Sand zu verteilen und dort einen härteren Boden zu verwenden. Auch Aspekte wie Sicherheit, Zeitrahmen und Bauteilabmessungen sind bei den Konstruktionen zu beachten.

Hat auch die Regie die Bauprobe zufrieden gestellt, erfolgt die Werkstattabgabe durch den Bühnenbildner. Dann kann das endgültige Bühnenbild konstruiert und gebaut werden. Bei der „Technischen Einrichtung“, so der Fachjargon, werden die fertigen Dekorationsteile schließlich erstmals zusammengesetzt und Details angepasst. Das Bühnenbild ist nun startklar für die Premiere.

Die Premiere als Finale

Seine Fachkenntnisse erwarb der 33-Jährige im Bachelorstudium Theatertechnik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. „Zuvor hatte ich bereits ein BWL-Studium abgeschlossen und zwei Jahre lang im Vertrieb gearbeitet. Doch dann wollte ich meinen Jugendtraum umsetzen und bin ans Theater gegangen.“ Während des Studiums sammelte er weitere Praxiserfahrung, etwa als Praktikant bei der Komischen Oper und als Bühnenmeister bei den Schwetzinger SWR Festspielen. Anschließend fand Jakob Kerscher seinen Platz im Hamburger Schauspielhaus. Die technische Karriereleiter steht ihm nach oben hin offen. „Langfristig wären höhere Positionen denkbar wie Werkstattleiter, Produktionsleiter oder schließlich Technischer Direktor.“

 

 

Berufe auf und hinter der Bühne

Vortanzen und andere Herausforderungen

Der Weg auf die Bühne führt oft über ein Studium, verbunden mit einem anspruchsvollen Aufnahmeverfahren. Hier werden großes Talent, die Bereitschaft, hart an sich zu arbeiten, und ein unbedingter Wille erwartet. In einigen Berufen kann auch eine Ausbildung oder der Quereinstieg Türen öffnen.

Alicia Ruben hat geschafft, wovon viele Jugendliche träumen: Sie studiert Bühnentanz an der Staatlichen Ballettschule Berlin, nun im fünften von insgesamt sechs Fachsemestern. „Ich habe als Kleinkind mit dem Tanzen begonnen und wusste damals schon, dass ich dies auch beruflich machen möchte“, begründet sie ihre Wahl. Bereits seit der fünften Klasse besucht die heute 18-Jährige die Ballettschule, an der man auch das Abitur machen kann. Tanzunterricht gehörte von Beginn an dazu. „In der zehnten Klasse hatten wir die Möglichkeit, die Zulassungsprüfung für das Bachelorstudium abzulegen, das in Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst ‚Ernst Busch‘ durchgeführt wird.“

Zu der Zugangsprüfung mit Bewerbern aus der ganzen Welt gehörten intensive Darbietungen klassischer und moderner Variationen sowie ein schriftlicher Test zur Tanzgeschichte und -kultur. Alicia Ruben überzeugte und konnte das Studium parallel zu den noch verbleibenden Schuljahren beginnen. „Täglich haben wir Tanztraining in Fächern wie Repertoire, Pas de deux – also klassischem Paartanz –, Modern Dance, Contemporary Dance oder Improvisation“, erzählt sie. Im Wechsel dazu wird Theorie in spezifischen Fächern wie Fachanatomie und Tanztheorie erteilt, außerdem in den Abiturfächern wie Mathe, Deutsch und Englisch. Als Leistungskurse hat die 18-Jährige Tanz und Biologie gewählt. Schule und Studium werden außerdem von regelmäßigen Proben und Auftritten vor Publikum in Opernhäusern begleitet. Nach dem mit dem Abitur gepaarten Bachelorabschluss möchte Alicia Ruben hauptberuflich als Tänzerin arbeiten. „Ich könnte mich dabei auch in Richtungen wie Musical oder Modern Dance orientieren, möchte aber wohl erst einmal beim klassischen Ballett bleiben.“

Auf und hinter die Bühne mit Studium

Ein Porträt-Foto von Alicia Ruben

Alicia Ruben

Foto: Eileen Meyer

Viele, die in einem Bühnenberuf arbeiten, haben ein Studium absolviert. „Wer selbst aktiv auf der Bühne stehen möchte, kann zum Beispiel konkret Schauspiel studieren, um am Sprechtheater arbeiten zu können“, sagt Katrin Mey von der Jugendberufsagentur Berlin. „Studiengänge wie Bühnentanz oder Gesang wiederum bereiten darauf vor, beim Musiktheater mitzuwirken, also unter anderem bei Opern oder Musicals.“ Der Studiengang Darstellendes Spiel bereitet auf Aufgaben in der Theaterpädagogik vor und lässt sich auch mit einem Lehramtsstudium verbinden.

Wer eine Inszenierung mit entwickeln möchte, könnte sich für Regie, Dramaturgie oder Choreografie entscheiden – Studiengänge, die an zahlreichen Hochschulen in Deutschland angeboten werden. Hinzu kommen handwerklich oder technisch ausgerichtete Studiengänge wie Bühnenbild, Kostüm und Maske oder Veranstaltungstechnik – sie sind interessant für alle, die für das Theater brennen, aber lieber im Hintergrund wirken möchten. Und dann gibt es noch „exotische“ Studienfächer wie beispielsweise zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, Figurentheater an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart oder Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin.

Ein hart umkämpfter Bereich

Bundesweit ist der Bereich hart umkämpft. „Besonders bei den Berufen auf der Bühne stehen viele Bewerber nur wenigen Studienplätzen gegenüber“, gibt die Berufsberaterin zu bedenken. Wer es an einer der Hochschulen schaffen will, muss sich ordentlich ins Zeug legen und in der Regel eine Aufnahmeprüfung bestehen. „An den staatlichen Hochschulen ist der Andrang oft besonders groß, für ein Studium an privaten Bildungseinrichtungen sind oft hohe Gebühren fällig.“

Ausbildung am Theater

Alternativ bietet sich besonders für die Berufe hinter der Bühne eine duale oder schulische Berufsausbildung an. Einige davon sind konkret auf Theater oder Events im Allgemeinen ausgerichtet, etwa Berufe wie Bühnenmaler/in, Maskenbildner/in oder Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Bei anderen kann man sich (zunächst) breiter aufstellen, etwa im Handwerk. „So könnte man sich also auch für eine Ausbildung zum Zimmerer oder Schneider entscheiden und dann versuchen, in einer Theaterwerkstatt unterzukommen“, nennt Katrin Mey ein Beispiel. „Ohnehin gibt es in diesem Bereich auch einige Quereinsteiger, wie etwa Physiotherapeuten beim Ballett oder IT-Fachkräfte, die an der hauseigenen Internetpräsenz mitwirken.“ Unterschiedlich gestaltet sich der Zugang zu Bühnenberufen wie Dramaturg/in, Intendant/in oder Souffleur/in, die teils auch mit Weiterbildung zu erreichen sind. Sie setzen neben einem passenden Studium oder entsprechender Erstausbildung einschlägige Praxiserfahrungen voraus (siehe hierzu auch die Berufsübersicht).

In jedem Fall ist es sinnvoll, schon vor dem Studium oder währenddessen Bühnenluft zu atmen. „Neben Hospitanzen und Praktika kann auch eine Tätigkeit als Statist oder Komparse beim Film Einblicke in Regie und Schauspiel gewähren“, gibt Katrin Mey einen Tipp. „Solche Jobs werden etwa über die ZAV Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit angeboten.“

 

Gesang

Stimmsicher bis zum hohen C

Mit Leidenschaft sang sie sich durch das fordernde Aufnahmeverfahren und hatte Erfolg: Julie Grutzka (22) studiert Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Im Einzelunterricht Arien oder andere Gesangsstücke einstudieren, bis jeder Ton sitzt, und unermüdlich üben: Das Hauptfach Gesang hat den größten Anteil an Julia Grutzkas Studium und wird in den Modulprüfungen gleich sechsfach gewichtet. Doch es gehört noch mehr dazu, ein Publikum zu verzaubern. „Im Fach Körperbildung lernen wir, wie man Bühnenpräsenz erreicht und geeignete Atemtechniken anwendet“, berichtet die 22-Jährige, die bereits im siebten Semester studiert. Auch Unterricht in Fechten, Bühnenkampf und Italienisch bereitet sie auf eine mögliche Karriere als Opernsängerin vor. Das insgesamt acht Semester umfassende Bachelorstudium vermittelt außerdem Grundlagen der Gesangspädagogik, Kenntnisse im Klavierspiel sowie ein breites Basiswissen in den musiktheoretischen und musikwissenschaftlichen Fächern.

Auftritt bei den Burgfestspielen

Ein Porträt-Foto von Julie Krutzka

Julie Grutzka

Foto: Privat

Bei Workshops und ersten Engagements sammelt die Studentin zudem Bühnenerfahrung. Die Hochschule ist gut vernetzt mit Theatern und anderen Kultureinrichtungen. „So konnte ich schon früh in das Konzertwesen einsteigen, hatte Gelegenheiten in Kirchen, Konzerthäusern und bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen aufzutreten“, erzählt Julia Grutzka.

Schon von Kindesbeinen an war Gesang ihre große Leidenschaft, die sie im Chor und privat pflegte. Damit war sie gut vorbereitet auf das Aufnahmeverfahren, das Bewerbern einiges abverlangt. An mehreren Tagen wurde sie zunächst zwei Mal im Hauptfach Gesang geprüft, wobei Lieder und Arien aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichem Charakter vorzutragen waren. Sie nahm die Hürde und wurde zum nächsten Prüfungsteil zugelassen. Dieser besteht aus schriftlichen Prüfungen in Hörfähigkeit und Musiktheorie/Musikalische Allgemeinbildung und dem Vortragen eines Stückes am Klavier.

Der persönliche Eindruck

Weil die Anzahl der Studienplätze sehr begrenzt und der Andrang der Bewerber groß ist, hatte Julie Grutzka sich vorsorglich gleich bei sechs Hochschulen beworben. „Geholfen hat mir sicherlich auch, dass ich schon vor den Aufnahmeprüfungen die jeweiligen Dozenten für Gesang kontaktiert und darum gebeten hatte, einmal probeweise am Unterricht teilnehmen zu können.“ Dabei zeichnete sich schon eine Tendenz ab, ob es passen könnte. „Stimmbildung ist eine sehr persönliche Sache und da es sich um Einzelunterricht handelt, muss die ‚Chemie‘ zwischen den Studierenden und Dozenten stimmen“, findet sie.

Nach dem Bachelorabschluss möchte die 22-Jährige ein vertiefendes Masterstudium anknüpfen. Langfristig ist sie für vieles offen. „Der Markt ist hart umkämpft und die Konkurrenz groß, also bleibt abzuwarten, welche Möglichkeiten sich herauskristallisieren. Ich könnte mir gut vorstellen, im Opernbereich zu bleiben, gern mit einem festen Engagement an einem Konzerthaus oder Theater.“


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Stand: 18.01.2018