Anlaufstelle fürs Leben

Ein junger Mann steht an einem großen Tisch auf dem Karten und der Modellentwurf einer Wohnanlage mit verschiedenen Häusern liegt.
Die Kommunalverwaltung versucht unter anderem Stadtstruktur und Wünsche der Verkehrsteilnehmer bestmöglich in Einklang zu bringen.
Foto: Ralph Hölzer

Arbeitgeber Rathaus – Hintergrund

Anlaufstelle fürs Leben

Wohnsitz melden, Pass beantragen, heiraten oder einen Kitaplatz finden: In diversen Lebenslagen führt der Weg ins Rathaus. Denn dort sitzt die Kommunalverwaltung, die für alle Behördenangelegenheiten der Bürger zuständig ist. Kein Wunder, dass sie in der Regel einer der großen Arbeitgeber vor Ort ist.

Auch Oliver Klaholz arbeitet für die Kommunalverwaltung. Der 31-Jährige ist bei der Stadt Köln angestellt und dort im Amt für Straßen und Verkehrstechnik in der Abteilung Verkehrsplanung/Radverkehrswesen tätig. Sein Team steht vor einer großen Herausforderung: Köln wächst – und damit nimmt auch die Zahl der Verkehrsteilnehmer zu. „Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung mit der zum Teil beengten mittelalterlichen Stadtstruktur in Einklang zu bringen“, erklärt er.

Verkehrspolitisch ist es gewollt, mehr Menschen fürs Fahrradfahren zu begeistern. Deswegen setzen Oliver Klaholz und seine Kollegen insbesondere Radverkehrsprojekte um. „Beispielsweise sorgen wir dafür, dass die Radfahrwege besser in die Verkehrsführung integriert werden“, erzählt er und fügt hinzu, dass das nur eine Aufgabe von vielen ist: Die Fachgruppe beteiligt sich auch an Forschungsprojekten zum Thema Mobilität in der Stadt, kümmert sich um Bike-and-Ride-Stationen und beantwortet Fragen von Bürgern.

Ein Porträt-Foto von Oliver Klaholz

Oliver Klaholz

Foto: Hendrik Weischet

Für den passionierten Radfahrer ist die Stelle das Beste, was ihm passieren konnte. Ohnehin sieht Oliver Klaholz in seinem Beruf mehr als nur einen Job – schließlich hat die Stadt einen hohen Identifikationsfaktor. Für sie etwas Positives bewegen zu können, war für den gebürtigen Kölner ein starker Antrieb, sich nach seinem Masterstudium der „Raumplanung“ an der Technischen Universität (TU) Dortmund eine Stelle in seiner Heimatstadt zu suchen. Ihm gefällt, dass es bei seiner Arbeit nicht um Umsatzmaximierung geht, „sondern gesellschaftliche Aufgaben im Vordergrund stehen“.

Die Struktur der Verwaltung

Und da jedes Rathaus viele gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen hat, überrascht es nicht, dass es gut strukturiert ist. Ganz „oben“, sprich an der Spitze der Verwaltung, steht ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. In größeren Städten gibt es neben diesem Amt weitere Bürgermeister für spezielle Aufgabengebiete, etwa einen Sozialbürgermeister.

Des Weiteren sind Stadtverwaltungen in verschiedene Referate unterteilt: Zu nennen sind hier etwa die Bereiche Finanzen, Recht/Sicherheit/Ordnung, Bauen, Soziales/Jugend/Gesundheit, Schule/Kultur, öffentliche Einrichtungen, Wirtschaft/Verkehr sowie die Allgemeine Verwaltung. Diesen Referaten sind wiederum verschiedene Ämter untergeordnet. Zum Bereich Soziales/Jugend/Gesundheit können zum Beispiel ein Amt für Soziales, für Jugend, für Sport und für Gesundheit sowie ein kommunales Krankenhaus gehören.

Bunter Berufekosmos

„Wie sich eine Stadt oder Gemeinde organisiert, hängt aber natürlich auch von ihrer Größe und Struktur ab“, weiß Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Städtetag. Demnach sind in verschiedenen Rathäusern verschiedene Berufsgruppen vertreten. Überschneidungen gibt es trotzdem: Häufig anzutreffen sind Ingenieure und Architekten, die im Hoch- und Tiefbau arbeiten oder in der Stadtplanung tätig sind, Anlagenmechaniker und Elektrotechniker, die sich um die Energieversorgung und die Infrastruktur der städtischen Gebäude kümmern oder auch Kaufleute für Tourismus und Freizeit. Ebenso werden in der Regel Bauzeichner, Vermessungstechniker, Mediziner (Amtsärzte), IT-Fachkräfte und Sozialpädagogen gebraucht – um nur einige Berufe zu nennen.

Andere Fachleute werden seltener angestellt, Archäologen oder Museumspädagogen zum Beispiel. Zudem wirken sich regionale Besonderheiten aus. So hat die Stadt München ein großes Hauptfundbüro, das sich um all die Gegenstände kümmert, die auf dem Oktoberfest liegengeblieben sind. Spezialisierte Aufgaben finden sich auch im höheren und gehobenen technischen Dienst. In der Umweltverwaltung arbeiten beispielsweise Inspektoren, die sich um Belange der Wasser- und Abfallwirtschaft oder um den Immissions- und Bodenschutz kümmern.

Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten

Aufgrund der vielfältigen Berufe führen unterschiedliche Bildungswege zu einer Anstellung im Rathaus. Auf klassische Verwaltungstätigkeiten bereiten sowohl Studiengänge als auch Ausbildungsberufe vor: Ein typischer Ausbildungsberuf ist der des Verwaltungsfachangestellten. Zu den Studiengängen gehören Public Management, Verwaltungsökonomie, Verwaltungswissenschaft, aber auch der Bachelor of Law mit dem Schwerpunkt öffentliches Recht. Diese findet man an Verwaltungsfachhochschulen und an allgemeinen Hochschulen.

„Viele Städte bieten Ausbildungsplätze auch im Rahmen eines dualen Studiums an. Ebenso gibt es Traineeprogramme für klassische Quereinsteiger wie etwa Juristen, BWLer, Ingenieure und Architekten“, erklärt Helmut Dedy. „Juristen zum Beispiel finden sich in fast allen Bereichen – in der Kämmerei, in den Rechts- und Ordnungsämtern ebenso wie im Jugendamt.“

Wenig Beamte, viele Angestellte

Kommunalverwaltungen sind wichtige Arbeitgeber vor Ort – und seit 2009 nimmt die Zahl der Beschäftigten zu. Mitte 2016 waren es 1,46 Millionen Beschäftigte, zwei Prozent mehr als 2015. Das besonders starke Wachstum im Jahr 2016 ist zum Teil Folge der Flüchtlingszuwanderung. So wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem in kommunalen Kindereinrichtungen sowie im sozialen Bereich der Kommunen mehr Personal eingestellt.

Der Anteil der Verbeamteten lag laut dem Statistischen Bundesamt 2016 im kommunalen Bereich bei lediglich 13 Prozent. Der weitaus größere Teil ist angestellt. „Beamte nehmen in der Regel hoheitliche Aufgaben wahr. Die findet man eher in den klassischen Ordnungsbereichen, überwiegend bei der Feuerwehr, in den Ordnungsämtern und in der Rechnungsprüfung“, sagt Helmut Dedy.

Gute Arbeitsbedingungen

Für den Experten sprechen vor allem die guten Arbeitsbedingungen für den öffentlichen Dienst. „Es gibt meist Kernarbeitszeiten und Gleitzeiten. Viele Teilzeitmodelle erleichtern es, Familie und Beruf zu vereinbaren“, erläutert er. „In den Verwaltungen gibt es in der Regel ein betriebliches Gesundheitsmanagement, vernünftiges Büroequipment – und da, wo es passt, immer häufiger auch die Option, im Homeoffice zu arbeiten.“

Zudem betont Helmut Dedy, dass man in der Kommunalverwaltung die Möglichkeit hat, sämtliche Lebensbereiche aktiv mitzugestalten: „Vor allem für Abiturienten bieten sich Stellen im höheren und gehobenen Dienst, wo auch wichtige Entscheidungen für das Leben in der Stadt getroffen werden.“

Weitere Informationen

BERUFSFELD-Medien der Bundesagentur für Arbeit

In der Infomappe 16.2 findest du Informationen rund um die Themen „Recht und Verwaltung“.
www.biz-medien.de/16-2-finanzen-marketing-recht-und-verwaltung

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Der deutsche Städtetag

Der Deutsche Städtetag vertritt rund 3.400 Städte und Gemeinden mit fast 52 Millionen Einwohnern.
www.staedtetag.de

beamtenbund und tarifunion (dbb)

Die deutsche Interessenvertretung ist für Beamte und

Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst und im privaten Dienstleistungssektor zuständig.
www.dbb.de

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)

Die VKA regelt die Arbeitsbedingungen für die kommunalen Beschäftigten und schließt Tarifverträge mit den zuständigen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ab.
www.vka.de

 

Verwaltungsfachangestellte

Von Akte bis Zuschuss

Wie wird in einer Millionenstadt die Kinderbetreuung organisiert? Als Verwaltungsfachangestellte im Referat Bildung und Sport der Stadt München kennt Alexandra Schwarz (23) die Abläufe hinter den Kulissen.

In der Oberstufe machte Alexandra Schwarz ein Praktikum in der Gemeindeverwaltung in ihrem Heimatort im Landkreis Erding. „Mir hat der Umgang mit Menschen schon damals gefallen“, erinnert sie sich. Da aber kleinere Gemeinden nicht jedes Jahr Verwaltungsfachangestellte ausbilden, bewarb sie sich bei der Stadt München – und überzeugte.

Gleich zu Beginn ihrer Ausbildung bekam sie drei dicke Schmöker mit Gesetzestexten überreicht. „Die rechtliche Seite unterschätzen viele an der Ausbildung“, weiß die 23-Jährige, der das Thema Recht gefällt. „Wenn man gerne damit arbeitet, ist die Ausbildung genau richtig“, betont sie. Vom Grundgesetz und der Bayerischen Verfassung über die Verwaltungsverfahrensgesetze und die Gemeindeordnung bis hin zum Beamtenstatusgesetz lernte sie in den drei Ausbildungsjahren eine Fülle an Rechtsvorschriften kennen. Wie diese angewendet werden, übte sie in der Bayerischen Verwaltungsschule anhand von Fallbeispielen.

Förderung für Kitas organisieren

Ein Porträt-Foto von Alexandra Schwarz

Alexandra Schwarz

Foto: Jürgen Liebheer

Während der Ausbildung machte Alexandra Schwarz sechs Praktika in verschiedenen Referaten der Landeshauptstadt. Anschließend wurde sie vom Referat für Bildung und Sport übernommen. Ihre Abteilung ist insbesondere für Kindertageseinrichtungen zuständig. Und in der Region kommen einige zusammen: Es gibt rund 400 städtische Kitas und 900 in freier Trägerschaft. Insgesamt bieten diese rund 83.000 Plätze.

„Bei uns dreht sich alles um die Zuschüsse“, erklärt die junge Frau den Schwerpunkt ihrer Arbeit. „Man unterscheidet freiwillige und gesetzliche Zuwendungen von der Stadt – wobei es in der gesetzlichen Förderung auch einen staatlichen Anteil vom Land gibt.“ Um gefördert zu werden, müssen die Einrichtungen bestimmte Voraussetzungen erfüllen – und die ändern sich hin und wieder. „Wenn es Neuerungen gibt, die Auswirkungen auf die Zuschüsse haben, laden wir die Mitarbeiter der Kitas zu Informationsveranstaltungen ein“, erzählt die Verwaltungsfachangestellte. Für sie heißt das: Einladungen entwerfen, Termine festlegen, Räume buchen, Empfangsbestätigungen verwalten und Schulungsunterlagen versenden.

Auch wenn eine neue Kita eröffnet, ist Alexandra Schwarz gefragt. Sie legt die Einrichtung in einer Online-Datenbank an, in welche die Träger die förderrelevanten Daten einpflegen – das können Angaben zum pädagogischen Personal sein oder auch die Buchungszeiten der Kinder.

Überblick als Teamassistenz

Hinzu kommen Tätigkeiten, die sie in ihrer Funktion als Teamassistenz erfüllt: „Dadurch habe ich sehr viele organisatorische Aufgaben, die zum Tagesgeschäft gehören wie etwa die Verwaltung von Urlauben, Fortbildungen oder Dienstreisen“, sagt sie. „Gerade in diesem Bereich summieren sich die Kleinigkeiten. Da ist es wichtig, den Überblick zu behalten.“

Die 23-Jährige erlebt ihren Berufsalltag als sehr kommunikativ und vielseitig. Und sie freut sich über die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren. Aktuell besucht sie einen berufsbegleitenden Angestelltenlehrgang, um in den gehobenen Dienst aufzusteigen.

 

Beamter im höheren bautechnischen Dienst

Eine Stadt mitgestalten

Als Bauamtsleiter der niedersächsischen Stadt Einbeck sitzt Frithjof Look (30) an der Schnittstelle zwischen Politik, Bürgerwünschen und Verwaltung. Das Beste an seinem Job: Er kann die städtebauliche Zukunft seiner Region entscheidend mitprägen.

Einbeck ist mit seinen Fachwerkhäusern und seiner Brautradition ein charmanter Ausflugsort. Die Stadt in Südniedersachsen hat knapp über 27.000 Einwohner. Hier ist Frithjof Look Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bauen, kurz: Bauamtsleiter. Sein Büro befindet sich im Rathaus, das – wie in vielen anderen Städten auch – ein geschichtsträchtiges Gebäude im Zentrum der Stadt ist.

„Ich habe mit konkreten Bauprojekten zu tun, kann das Stadtbild mitgestalten und habe zudem einen engen Draht zu den Bürgern, die – wo möglich – in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden“, umreißt er sein Aufgabengebiet. Seit einiger Zeit kümmert er sich auch um die Wirtschaftsförderung und das Gebäudemanagement. Zudem trägt er Personalverantwortung.

Referendariat für den höheren Dienst

Ein Porträt-Foto von Frithjof Look

Frithjof Look

Foto: privat

Dass er mit seinen gerade mal 30 Jahren bereits Bauamtsleiter ist, hat Frithjof Look seiner Zielstrebigkeit zu verdanken: „Ich wusste bereits im Studium, dass ich an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung tätig sein möchte.“

Sowohl sein Bachelor- als auch sein Masterstudium der Stadtplanung hat er an der HafenCity Universität Hamburg abgeschlossen. Gleich im Anschluss absolvierte er im Regierungspräsidium Darmstadt ein technisches Verwaltungsreferendariat, um eine Laufbahn in den höheren bautechnischen Dienst einzuschlagen. „Ich hätte mit dem Abschluss sicherlich auch anderen interessanten Tätigkeiten nachgehen können“, erklärt er. „Meine Priorität lag aber auf dem Verwaltungsreferendariat, weil mich sowohl die Inhalte als auch die Option, Führungsaufgaben zu übernehmen, gereizt haben.“

Kein Nine-to-five-Job

Nach dem zweijährigen Referendariat bewarb sich Frithjof Look in Einbeck – und bekam die Stelle. In seiner Funktion als Bauamtsleiter betreut er ganz unterschiedliche Projekte: Mal geht es um die Umgestaltung der innerstädtischen Straßen und Plätze, mal um den Erhalt historischer Fachwerkhäuser oder um den Bau von Parkanlagen.

Dazu werden in der Verwaltung Leitlinien, Pläne und Entwürfe ausgearbeitet, die dann in diversen Ausschüssen und Stadtratsversammlungen als Arbeitsgrundlage eingebracht werden. „Wir nehmen Ideen, Anregungen und Wünsche auf und entwickeln daraus eine umsetzbare Form“, schildert der junge Mann den interaktiven Prozess. Da Sitzungen auch gerne mal in die Abendstunden fallen, ist es kein Nine-to-five-Job.

Vorgaben, Grenzen – und Spielräume

Frithjof Look betont, dass eine Verwaltung anders funktioniert als ein freies Planungsbüro: „Wir haben sehr viele rechtliche Vorgaben und auch der Haushalt der Kommune setzt Grenzen.“ Zudem gilt es, die unterschiedlichen Interessen diverser Akteure wie Politiker, Stadträte und Bürger zu berücksichtigen. „Die kleinen Spielräume zu nutzen, um das Beste rauszuholen, kann aber auch sehr spannend sein“, sagt der 30-Jährige über die Herausforderung.

Verwaltungsjuristische Themen stehen zwar im Vordergrund, ohne sein städtebauliches Fachwissen könnte er jedoch keine fundierten Entscheidungen treffen. Und diese stehen regelmäßig an, etwa wenn er als Juror Wettbewerbsentwürfe beurteilen muss. Auch wenn er dabei von seinem Team unterstützt wird, liegt die Verantwortung letzten Endes bei ihm.

 

Volontariat in der Pressestelle des Bürgermeisteramtes

Mit Informationen jonglieren

Lisa Eichhorst (25) ist Volontärin in der Pressestelle des Bürgermeisteramtes der Stadt Chemnitz. In ihrem Arbeitsalltag dreht sich alles um Menschen, Veranstaltungen und Neues aus der Stadtverwaltung. Für sie heißt das: Informationen recherchieren, aufbereiten, weitergeben und texten.

Die Deutschen Straßenradsportmeisterschaften in Chemnitz waren ein Riesenevent – sowohl für die 300 Radfahrer und die 25.000 Zuschauer als auch für Lisa Eichhorst. Sie arbeitete an den drei Wettkampftagen im Pressezentrum vor Ort. Gemeinsam mit ihren Kollegen von der Stadtverwaltung betreute sie Journalisten, verteilte die vorbereiteten Pressemappen, fotografierte und beantwortete unermüdlich Fragen.

Auch wenn nicht ständig so große Events anstehen, ist der Berufsalltag der 25-Jährigen sehr abwechslungsreich. Dafür sorgen allein schon die unterschiedlichen Publikationen, die die Pressestelle erstellt. Ein Beispiel ist die Reihe „Macher der Woche“ im Amtsblatt: „Das sind Porträts, in denen wir Menschen aus Chemnitz vorstellen, die etwas Besonderes für die Stadt machen, das Stadtbild entscheidend prägen oder verändern“, erklärt die Volontärin. Mal ist es der Organisator eines Slackfestes, mal eine Frau, die in ihrem kleinen Laden alte DDR-Produkte vertreibt. Auch Künstler, die mit ihrer Street-Art brachliegende Industriegelände umgestalten, wurden schon porträtiert.

Guten Draht zu Menschen

Trotz der Vielseitigkeit gibt es feste Strukturen. So beginnt der Arbeitstag in der Pressestelle normalerweise mit einer gemeinsamen Presseschau: Was ist passiert? Worauf müssen wir reagieren? Und welche Informationen müssen für das Amtsblatt aufbereitet werden? Die Twitter- und Facebook-Seiten wollen ebenfalls gefüttert werden.

Die konkreten Aufgaben von Lisa Eichhorst reichen von Recherchetätigkeiten über das Auswerten und Weitergeben von Informationen bis hin zum Schreiben von Texten. Um all das leisten zu können, braucht sie einen guten Draht zu Menschen und eine gute Schreibe. Über die zeitliche Einteilung ihrer Arbeit sagt die Volontärin: „Wenn nicht gerade Veranstaltungen anstehen, haben wir geregelte Arbeitszeiten und auch die Option auf Gleitzeit.“

Studieren, was interessiert

Dass ihr die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Spaß macht, merkte Lisa Eichhorst während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Pressestelle des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Damals riet man ihr – sollte sie beruflich diese Richtung einschlagen wollen – etwas zu studieren, was sie wirklich interessiert. Den Rat nahm sie sich zu Herzen: Statt eines Studiums, das sich inhaltlich mit Medien- oder Kommunikationswissenschaften befasst, entschied sie sich für den Bachelorstudiengang „Europa-Studien“ der Technischen Universität (TU) Chemnitz. „Das Gute an dem Studiengang war, dass ich mich zwei Semester lang mit kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Themen befassen konnte, bevor ich mich für einen Schwerpunkt entscheiden musste“, erzählt sie. Das kam ihr sehr entgegen, denn damals war sie noch unsicher, was ihr Fachgebiet sein könnte.

Da sie schließlich das Thema Wirtschaft für sich entdeckte, absolvierte sie nach ihrem Bachelorstudium ein Masterstudium der Volkswirtschaftslehre – ebenfalls an der TU Chemnitz. Nebenbei sammelte sie journalistische Erfahrungen, etwa bei einer Zeitschrift für Studierende sowie durch Praktika in verschiedenen Pressestellen.

Überzeugende Bewerbung

Noch während ihres Studiums schaute sich Lisa Eichhorst nach passenden Jobs in Chemnitz um. Als sie sah, dass das Bürgermeisteramt ein Volontariat im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu vergeben hat, bewarb sie sich. Neben ihren Zeugnissen musste sie der Bewerbung auch Arbeitsproben beifügen. „Das war meine wichtigste Eintrittskarte“, betont die 25-Jährige. Auch nach dem Volontariat möchte sie weiter in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit arbeiten.

 

Arbeitgeber Rathaus – Berufsübersicht

Berufe bei der Stadt

Ob Umzug, Heirat oder Hausbau – die Kommunalverwaltung einer Stadt ist zentrale Anlaufstelle für sämtliche Belange. So überrascht es nicht, dass dort unterschiedliche Berufsgruppen beschäftigt sind. Beispiele, welche Ausbildungs- und Studienwege ins Rathaus führen können, zeigt folgende Übersicht. Dabei werden auch alternative Arbeitgeber genannt.

Ausbildungsberufe

Verwaltungsfachangestellte/r – Kommunalverwaltung

Aufgaben: Übernehmen Büro- und Verwaltungsaufgaben in Behörden und Institutionen der Kommunen, erarbeiten Verwaltungsvorschriften und -entscheidungen, arbeiten an der Umsetzung von Beschlüssen mit, beraten Bürger/innen

Arbeitgeber: Gemeinde- und Kreisverwaltungen, kommunale Ämter und Behörden – zum Beispiel Bau-, Gesundheits- oder Kulturämter

Beamte/Beamter im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst

Aufgaben: Kennen sich mit Gesetzen, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften aus, bearbeiten etwa Anträge, entscheiden über Leistungen und beraten Bürger

Arbeitgeber: Stadt-, Gemeinde- und Bezirksverwaltungen, verschiedene Referate, etwa die allgemeine innere Verwaltung, die Justizverwaltung oder die Sozialverwaltung

Kaufmann/-frau – Büromanagement

Aufgaben: Erfüllen bürowirtschaftliche und kaufmännische Aufgaben wie Auftragsbearbeitung, Rechnungswesen, Marketing und Personalverwaltung

Alternative Arbeitgeber: Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche sowie Verbände, Organisationen und Interessensvertretungen

Immobilienkaufmann/-frau

Aufgaben: Im Kommunalreferat zum Beispiel zuständig für Vermietung, Verwaltung, Bewirtschaftung, Controlling, Entwicklungsstrategien und Rechnungswesen

Alternative Arbeitgeber: Wohnungsbauunternehmen, Immobilienmakler, Immobilienabteilungen von Banken, Bausparkassen oder Versicherungen

Vermessungstechniker/in

Aufgaben: Mit modernen Messinstrumenten Städte, Häuser und Grundstücke vermessen, Daten im Büro am PC weiterverarbeiten

Alternative Arbeitgeber: Kataster- und Vermessungsämter, Ingenieurbüros, Betriebe der Bauwirtschaft

IT-System-Elektroniker/in

Aufgaben: Planen und installieren Systeme der Informations- und Telekommunikationstechnik, beraten rund um Bedienung, Zubehör, Stromversorgung und Netzwerkeinbindungen, passen Hard- und Software an und beheben Störungen

Alternative Arbeitgeber: Unternehmen aller Branchen

Fachinformatiker/in

Aufgaben: Programmieren, richten Datenbanken ein, entwickeln Systeme

Alternative Arbeitgeber: Unternehmen aller Branchen

Fachkraft – Veranstaltungstechnik

Aufgaben: Planen, realisieren und betreuen Veranstaltungen, insbesondere in Sachen Licht-, Ton- und Bühnentechnik; übernehmen im Kulturreferat einer Stadt technische, organisatorische und gestalterische Aufgaben

Alternative Arbeitgeber: Event- und Veranstaltungsagenturen, Messe- und Kongressveranstalter, Unternehmen der Rundfunk- und Filmbranche, Hotels, Kreuzfahrtschiffe

Studienberufe

Betriebswirt/in mit Schwerpunkt Public Management

Aufgaben: Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung, etwa Strategieentwicklung, Rechnungslegung, Finanzplanung und Budgetierung, Qualitätsmanagement und Steuerung der Verwaltungsabläufe

Alternative Arbeitgeber: Behörden des Bundes und der Länder, Ministerien, Privatunternehmen, Stiftungen, Parteien, Vereine

Informatiker/in

Aufgaben: Entwickeln IT-Lösungen, Standardprogramme, spezielle Betriebsprogramme

Alternative Arbeitgeber: Unternehmen aller Branchen

Ingenieur/in – Bau

Aufgaben: Wickeln Neu- und Umbaumaßnahmen ab, etwa von Museen, Theatern, Kirchen oder Rechenzentren, arbeiten eng mit Architekten und Bauleitern zusammen

Alternative Arbeitgeber: Architektur- und Ingenieurbüros, Bauindustrie, Immobilienwirtschaft

Verwaltungsinformatiker/in

Aufgaben: Arbeiten in Entwicklungsabteilungen und Rechenzentren von öffentlichen Verwaltungen mit, betreuen Anwender bei Soft- und Hardwarefragen

Alternative Arbeitgeber: Öffentliche oder privatwirtschaftliche Unternehmen, Non-Profit-Organisationen

 

Arbeitgeber Rathaus – Interview

„Nah dran am Leben“

Marian Schreier (27) ist seit 2015 Bürgermeister von Tengen, einer kleinen Gemeinde in Baden-Württemberg nahe der schweizerischen Grenze mit gut 4.500 Einwohnern. Im Gespräch mit abi>> berichtet er, wie die Digitalisierung die Arbeit im Rathaus verändert und was der Reiz seines Berufs ist.

abi>> Sie haben Politik- und Verwaltungswissenschaften in Konstanz studiert. Hatten Sie zu Beginn des Studiums ein bestimmtes berufliches Ziel vor Augen?

Marian Schreier: Nein, ich konnte mir gut vorstellen im politischen Bereich zu arbeiten, war aber nicht konkret festgelegt. Ich habe mich bewusst für diesen Studiengang in Konstanz entschieden, weil er zum einen einen hohen Praxisbezug aufweist. Zum anderen wollte ich mich mit der Kombination Politik- und Verwaltungswissenschaften breiter aufstellen und mich nicht ausschließlich auf den Politikbetrieb festlegen.

abi>> Sie haben im Berliner Bundestagsbüro des SPD-Politikers Peer Steinbrück gearbeitet und sind dann in Tengen zur Wahl des Bürgermeisters angetreten. Wie kam es dazu?

Marian Schreier: Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass in Tengen das Amt des Bürgermeisters nach 42 Jahren frei wird. Ich bin dann dorthin gefahren, habe mir den Ort angeschaut und konnte mir das gut vorstellen. Über Gespräche vor Ort ist dann nach und nach der Entschluss gereift, zu kandidieren.

abi>> Mit 25 Jahren von Berlin nach Tengen, vom Bundestagsbüro in ein kleines Rathaus – das ist eine komplett andere Welt. Was hat Sie gereizt?

Marian Schreier: Die Arbeit in Berlin hat viel Spaß gemacht. In Tengen kann ich allerdings selbst Schwerpunkte setzen. Vor allem zwei Dinge machen den Reiz der Kommunalpolitik aus: einerseits die Bandbreite an Themen, die die Arbeit sehr abwechslungsreich macht – Wirtschaftsförderung, Unterbringung von Flüchtlingen, Tourismus; mit all diesen Themen hat die Gemeinde zu tun. Andererseits der persönliche Kontakt. Anders als auf Landes- und Bundesebene bekommt man sehr schnell Rückmeldung von den Bürgern: Was läuft gut, was kommt nicht gut an? Man sieht das Ergebnis seiner Arbeit und ist nah dran an allen Lebensbereichen.

abi>> Ihr Vorgänger hat das Amt 42 Jahre lang inne gehabt. Was machen Sie anders?

Marian Schreier: Das möchte ich weniger in der Abgrenzung zur Person festmachen. Es ist vielmehr eine Frage der Generationen. Ich nutze zum Beispiel digitale Medien in der Kommunikation und wir sind dabei, die Digitalisierung auch in der Verwaltung voranzutreiben. Das betrifft einzelne Verwaltungsdienstleistungen sowie neue Angebote, etwa unser digitales Anregungs- und Beschwerdemanagement. Bürger können dieses nutzen, um unkompliziert auf Mängel wie etwa Schlaglöcher aufmerksam zu machen und ganz allgemein ihre Anregungen in die Kommunalpolitik einzuspeisen.
Mir persönlich ist es zudem wichtig, die Bürger stärker in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Deshalb haben wir jüngst mit breiter Bürgerbeteiligung ein Leitbild entwickelt, wie die Stadt Tengen im Jahr 2030 aussehen soll.

abi>> Wird die Digitalisierung die Arbeitswelt in den Kommunen verändern?

Marian Schreier: Ja, ganz grundlegend. Manche Vorgänge lassen sich leicht standardisieren. Zum Beispiel können einfache Meldebescheinigungen via Internet erledigt werden. Die Zeit, die dafür in der Verwaltung frei wird, kann für die Lösung komplexerer Sachverhalte genutzt werden. Was in Zukunft eine viel stärkere Rolle spielen wird, ist die Flexibilität: Verwaltungen müssen agiler werden, um mit dem hohen Veränderungstempo umgehen zu können. Mitarbeiter werden nicht mehr über einen so langen Zeitraum an einer Stelle die gleiche Tätigkeit ausüben. Dafür brauchen sie neue Kompetenzen. Das betrifft nicht nur den Umgang mit digitalen Medien, sondern auch die Bereitschaft, sich weiterzubilden, sich auf Neues einzulassen.

abi>> Wie haben sich die Aufgaben in der Kommunalverwaltung außerdem gewandelt?

Marian Schreier: Ich glaube, es gibt drei grundsätzliche Veränderungen: Auf der einen Seite sind neue Aufgabenfelder dazugekommen. Auf der anderen Seite sind bestehende Aufgaben umfangreicher und komplexer geworden, beispielsweise die Kinderbetreuung. Und schließlich steigen die rechtlichen Anforderungen und damit die Abhängigkeit von Entscheidungen auf Landes-, Bundeseben und Europaebene. Wir müssen stärker mit dem umgehen, was dort passiert.

abi>> Für wen ist ein Arbeitsplatz in der Kommunalverwaltung interessant?

Marian Schreier: Wer heimatverbunden ist, das Gemeindeleben mitgestalten möchte und den persönlichen Kontakt schätzt, ist hier gut aufgehoben. Welche fachliche Ausbildung jemand mitbringt, spielt dabei weniger eine Rolle, denn die Kommunalverwaltung berührt alle wesentlichen Aspekte des Lebens und hat viele nachgeordnete Bereiche, in denen ganz unterschiedliche Fachkräfte gefragt sind: vom Schulsozialarbeiter über den Ingenieur in den Stadtwerken bis hin zum Techniker beim Vermessungsamt.


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Stand: 20.09.2018