Was ist eine NGO?

Eine Gruppe aus drei Frauen und zwei Männern sitzt an einem Tisch spielt ein Gesellschaftsspiel.
Bei der Arbeit für Nichtregierungsorganisationen - sogenannte NGOs - steht der soziale und gemeinnützige Zweck im Vordergrund.
Foto: Julien Fertl

Arbeitgeber NGO – Hintergrund I

Was ist eine NGO?

„Non-governmental organization“ – das steckt hinter der Abkürzung „NGO“. Tätig sind die Nichtregierungsorganisationen oft in sozialen Bereichen wie Menschenrechte, Gesundheit und Umweltschutz. Doch inwieweit unterscheiden sie sich von anderen Unternehmen? abi>> hat beim Dachverband Venro (Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.) nachgefragt.

Der Begriff „Nichtregierungsorganisation“ sagt es bereits: NGOs sind private Organisationen. In Deutschland agieren sie oft als eingetragener Verein, Stiftung oder gemeinnützige GmbH. Insgesamt 8.976 NGOs registrierte die Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2015. Was aber macht eine seriöse NGO aus? „Zunächst einmal Transparenz“, erläutert Venro-Geschäftsführerin Heike Spielmans. „Die Organisation sollte auf der Homepage oder auch in einem Jahresbericht veröffentlichen, was sie genau macht und mit ihrer Arbeit erreicht, wo finanzielle Mittel herkommen und wofür sie eingesetzt werden.“ Ein weiteres Kriterium ist die Trennung von Aufsicht und Leitung. „Hierzu sprechen wir als Verband klare Empfehlungen und Vorgaben für unsere Mitglieder aus.“

Non-Profit-Ansatz und Projektarbeit

Ein Porträt-Foto von Heike Spielmans

Heike Spielmans

Foto: Venro

Zu den Merkmalen einer NGO gehört der Non-Profit-Ansatz. Die Organisationen arbeiten also für einen gemeinnützigen Zweck und nicht für einen privatwirtschaftlichen Gewinn. „Non-Profit bedeutet jedoch keineswegs, dass man nicht effizient arbeiten müsste“, betont die Expertin. „Vielmehr müssen auch NGOs betriebswirtschaftlich handeln – zumal sie die große Aufgabe haben, Fördermittel einzuwerben und entsprechend einzusetzen. Sie sind zudem den Geldgebern gegenüber in der Rechenschaftspflicht und müssen daher sogar ganz besonders auf Effizienz achten.“

Bei vielen dieser Organisationen ist die Arbeit in Projekten Standard, denn oftmals sind Hilfsmaßnahmen aus organisatorischen Gründen oder wegen der finanziellen Mittel zeitlich begrenzt. Weil die Förderung durch private Mittel wie Spendengelder erfolgt, ist auch die Finanzierung durch professionelles Fundraising gerade bei größeren NGOs üblich. Die Projekte können ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben. Sie setzen sich etwa für den Umweltschutz, die Demokratie oder Menschenrechte ein, unterstützen Flüchtlinge in Krisenregionen oder bauen Krankenhäuser in Entwicklungsländern auf.

Ein weiteres Kennzeichen ist die Herausforderung, die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen zu organisieren. „Wie umfangreich sich diese Aufgabe gestaltet, ist jedoch unterschiedlich“, sagt die Geschäftsführerin. „Positionen im Projektmanagement werden beispielsweise oft mit Hauptamtlichen besetzt, während sich in Aktions- oder Ortsgruppen eher Ehrenamtliche aktiv einbringen.“

Etwas „Sinnvolles“ machen

Wer sich für eine NGO als Arbeitgeber entscheidet, sollte sich mit ihren Zielen identifizieren können. „Bei NGOs spielt das eine noch stärkere Rolle als bei Unternehmen der freien Wirtschaft und wird oft auch explizit in Stellenausschreibungen verlangt“, erklärt Heike Spielmans. „Bewerber sollten also hinter dem Leitbild der NGO stehen. Die meisten Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, tun es auch gerade deswegen – weil sie die Arbeit als sinnstiftend empfinden.“ Allerdings bedeutet dies oftmals, Abstriche beim Gehalt zu machen.

„Viele NGOs bezahlen deutlich weniger als große Arbeitgeber in der Wirtschaft, weil die Mittel begrenzt sind. Die Menschen arbeiten hier aus einer anderen Motivation heraus“, weiß die Expertin. Es gehe nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Auch wenn beispielsweise die Aufgaben in Entwicklungsländern anstrengende und emotional belastende Tätigkeiten sein können, sind sie für viele eine Bereicherung. „Hier kann man zu positiven Veränderungen beitragen – sei es auf politischer Ebene oder konkret vor Ort, wo Menschen geholfen wird“, erzählt sie. „So erreichen uns auch Anfragen von Menschen, die schon eine Karriere in der Wirtschaft hinter sich haben und sagen, sie möchten nun ‚etwas Sinnvolles‘ machen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 ausführliche Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Die Datenbank zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit listet mehr als 500.000 Bildungsangebote auf.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit erleichtert mit mehr als 350 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe den Einstieg in die Berufsorientierung.
www.berufe.tv

NachhaltigeJobs.de

Auf der Job- und Karriereplattform werden Stellenanzeigen, Veranstaltungen und Artikel rund um Nachhaltigkeit, NGO und Umwelt veröffentlicht.
www.nachhaltigejobs.de

Venro e.V.

Der Dachverband der entwicklungspolitischen und humanitären NGOs in Deutschland hat das Ziel, die Globalisierung gerecht zu gestalten.
www.venro.org

Deutsche Welthungerhilfe e.V.

Die konfessionell und politisch unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Hilfsorganisation führt Projekte in Afrika, Lateinamerika und Asien durch.
www.welthungerhilfe.de

World Wide Fund For Nature (WWF)

Die Natur- und Umweltschutzorganisation setzt sich unter anderem für Nachhaltigkeit, biologische Vielfalt und die Eindämmung umweltschädigenden Verhaltens ein.
www.wwf.de

Terre des Femmes e.V.

Der gemeinnützige Verein macht sich für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben von Mädchen und Frauen weltweit stark.
www.frauenrechte.de

 

Arbeitgeber NGO – Hintergrund II

Im Beruf die Welt verbessern

Arbeiten – und damit Gutes tun: Diese Möglichkeit steht vielen offen. Denn bei sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind Abiturienten und Hochschulabsolventen aus unterschiedlichen Fachbereichen gefragt. Auf die engagierten Mitarbeiter warten oft besondere Herausforderungen.

Auch Ines Harmuth hat sich für eine Tätigkeit bei einer NGO entschieden. Sie arbeitet in Elternzeitvertretung beim WWF (World Wide Fund For Nature) Deutschland. Als Kampagnenassistentin hilft sie dabei, die Themen der Stiftung in die breite Öffentlichkeit zu bringen – zum Beispiel mithilfe eines Foodtrucks. „Mit ihm sind wir in zehn Städte gefahren, um darüber aufzuklären, dass durch die heutige Lebensmittelherstellung die biologische Vielfalt zerstört wird“, berichtet die 28-Jährige. „Ich war vor Ort, um Passanten anzusprechen und ihnen das Projekt zu erläutern. Außerdem habe ich verschiedene Schulklassen eingeladen und mit ihnen ein leckeres und gesundes Frühstück zubereitet, während ein Kollege über ökologische Landwirtschaft gesprochen hat.“

Menschen erreichen und begeistern

Ein Porträt-Foto von Ines Harmuth

Ines Harmuth

Foto: Benjamin Knispel

Für Ines Harmuth waren Erfahrungen während ihres Studiums wegweisend. An der Freien Universität Berlin erlangte sie den Bachelorabschluss in ‚Publizistik- und Kommunikationswissenschaft‘ mit dem Nebenfach Geschichte. Anschließend absolvierte sie das Masterstudium ‚Medien und Politische Kommunikation‘. Bei Praktika und Werkstudentenjobs im Bereich Journalismus, PR und Social Media entdeckte sie ihr Faible für die Kampagnenarbeit. „Ich wollte wissen, wie man erfolgreich und langfristig für Themen begeistert. Zudem wollte ich eine Arbeit finden, mit der ich Menschen erreiche und etwas bewirken kann“, erinnert sie sich. „Also habe ich online gezielt nach entsprechenden Stellen gesucht.“

Voraussetzungen für ihre heutige Position waren nicht nur der Hochschulabschluss und die Erfahrungen im Assistenzberuf. „Im Bewerbungsgespräch wurde rasch klar, dass auch viel Wert auf Soft Skills und ein freundliches Miteinander gelegt wird. Das hat mir gefallen“, erzählt sie. „Außerdem liegt mir der Umweltschutz sehr am Herzen. Der WWF passte daher als wissenschaftsbasierter, internationaler Arbeitgeber, der mit Unternehmen kooperiert, um sie nachhaltiger zu machen, wunderbar zu mir und meiner Einstellung.“

Umweltschutz, Gesundheit, Entwicklungspolitik

Ein Porträt-Foto von Dr. Thomas Neubacher-Riens

Dr. Thomas Neubacher-Riens

Foto: privat

Die Kombination aus soliden Qualifikationen und Engagement ist es, worauf es den NGOs ankommt. „Hinter dem Ziel, die Welt zu verbessern, stecken oft eine komplexe Verwaltung und Organisation“, bringt es Dr. Thomas Neubacher-Riens von der Arbeitsagentur Berlin Süd auf den Punkt. „Hier geht es auch um die Akquise von Mitteln, politische Netzwerkarbeit und darum, die Öffentlichkeit zu erreichen. Dafür werden keine Abenteurer gebraucht, sondern zum Beispiel Betriebswirte. Zudem fordert die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen vor Ort Spezialisten mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen.“ Der Bereich ist riesig, denn die NGOs bilden nach dem privaten und öffentlichen Sektor den drittgrößten Arbeitsmarkt. Kein Wunder, dass hier das gesamte Spektrum an Berufen und Arbeitsfeldern vertreten ist wie in der freien Wirtschaft.

Aktiv sind die Organisationen vor allem in Bereichen wie Umweltschutz, Menschenrechte, Entwicklungspolitik und Gesundheit. Die konkreten beruflichen Möglichkeiten hängen oft mit dem jeweiligen Schwerpunkt der NGO zusammen. „Bei Hilfsprojekten in Entwicklungsländern können Naturwissenschaftler, die Daten erheben, und Ingenieure, die technisches Know-how einbringen, genauso gefragt sein wie Raumplaner, die sich konkret mit der Verdrängung der Bevölkerung von angestammten Ackerflächen beschäftigen“, erläutert der Berufsberater. „Auch für IT-Experten, Geisteswissenschaftler, Ärzte, Juristen, Sozialpädagogen, Lehrer und Menschen mit ganz anderen Abschlüssen bieten sich Möglichkeiten.“ So können etwa regionale Sprach- und Kulturkenntnisse förderlich sein, wie sie etwa beim Studium der Afrika- oder Asienwissenschaften vermittelt werden.

Frühzeitig gezielt aufstellen

„Wer sich schon im Studium gezielt in Richtung NGO aufstellen möchte, könnte im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) oder Social Entrepreneurship fündig werden“, sagt Thomas Neubacher-Riens. „Hier werden auf einer BWL-Basis Marketingstrategien mit sozialen Aspekten verknüpft, teils auch in ganz konkreten Bachelorstudiengängen wie zum Beispiel ‚Management von Non Profit Organisationen‘ an der Fachhochschule Wismar.“

In einigen Bereichen kann auch eine duale Berufsausbildung Türen öffnen. „Dies gilt vor allem für die Verwaltung. Kaufmännische Abschlüsse sind hier gefragt“, betont der Experte. „Für Hilfsprojekte werden außerdem Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Handwerker, Meister und Techniker gesucht.“

Evaluierung gewinnt an Bedeutung

Ein Porträt-Foto von Heike Spielmans

Heike Spielmans

Foto: Venro

„Es gibt bei NGOs nicht den klassischen Karriereweg“, bestätigt auch Heike Spielmans, Geschäftsführerin von Venro – dem Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. „Als Ärztin oder Gesundheits- und Krankenpfleger bei ‚Ärzte ohne Grenzen‘ zu arbeiten, ist etwas völlig anderes, als die Social-Media-Kanäle einer Umweltschutzorganisation zu betreuen“, sagt sie.

Ein Aspekt hat nach ihrer Einschätzung an Bedeutung gewonnen: die Frage, was NGOs faktisch erreichen und bewirken. „Für die Evaluierung sind zunehmend Fachkräfte gefragt, die Kenntnisse über Messinstrumente und Methoden mitbringen“, erklärt sie. „Große Organisationen haben dafür eigene Abteilungen. Weitere Möglichkeiten bieten sich in Agenturen, die entsprechende Consultings anbieten oder durch eine selbstständige Tätigkeit als Evaluierer.“ Hierzu gibt es auch spezielle Masterstudiengänge, etwa ‚Evaluation‘ an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Mit Erfahrung punkten

Für den Einstieg in eine NGO nennt die Expertin ebenfalls verschiedene Wege, entscheidend ist dabei vor allem eins: „Erfahrungen – sei es durch Praktika, ehrenamtliches Engagement, Freiwilligendienste, Projektassistenzen oder andere Beschäftigungen. Hat man erst einmal Kontakte geknüpft, ergeben sich intern oft weitere Möglichkeiten.“

 

Arbeitgeber NGO – Personalerstatements

Das erwarten NGOs von Bewerbern

Welche beruflichen Möglichkeiten bieten sich bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs)? Und auf welche Abschlüsse und Qualifikationen legt man dort Wert? abi>> hat bei Personalverantwortlichen nachgefragt.

Florian Landorff, Head of Human Resources bei der Deutschen Welthungerhilfe e. V. Bonn:

Ein Porträt-Foto von Florian Landorff

Florian Landorff

Foto: privat

„Hinsichtlich der Abschlüsse haben wir eine ziemlich diverse Belegschaft. Darunter finden sich Agrarökonomen genauso wie zum Beispiel Geographen oder Philosophen. Gerade bei Hilfsprojekten im Ausland ist für uns die formale Ausbildung weniger relevant. Der beste Abschluss bringt wenig, wenn jemand nicht in dem Umfeld zurechtkommt. Wir setzen daher vielmehr auf schon vorhandene Arbeitserfahrung im Ausland, möglichst in Entwicklungsländern.

Wichtig ist uns außerdem eine Leidenschaft für soziales Engagement – konkret die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo Hilfe benötigt wird, und sich dabei für Menschen einzusetzen. Dabei erwarten wir auch ein gewisses Maß an Flexibilität sowie Teamfähigkeit, interkulturelles und internationales Denken. Wir suchen keine Abenteurer, sondern gefestigte Persönlichkeiten. Leute, die bereit sind, in jeder Situation Verantwortung zu übernehmen und die für unsere Vision brennen, die mit einem afrikanischen Bauern genauso respektvoll umgehen können wie mit einem deutschen Diplomaten. Bei den Fremdsprachen ist Englisch eine Grundvoraussetzung, mit zusätzlichen Sprachen hat man besonders gute Karten. Ein absolutes Plus ist bei uns Französisch. Fast alle unserer Mitarbeiter sind im Ausland tätig. Im Verwaltungsbereich unserer Geschäftsstelle in Bonn bieten sich vereinzelt ebenfalls Möglichkeiten.“

Michaela Stemplinger, Mitglied im Vorstand von Peace Brigades International – Deutscher Zweig e.V.

Ein Porträt-Foto von Michaela Stemplinger

Michaela Stemplinger

Foto: privat

„Peace Brigades International (pbi) entsendet Friedensfachkräfte/Freiwillige in konfliktgebeutelte Regionen in den Ländern Kolumbien, Mexiko, Guatemala, Honduras, Kenia, Nepal und Indonesien. Die Mitarbeitenden im Büro der deutschen Geschäftsstelle, pbi Deutschland, unterstützen die Tätigkeit in den Projektländern durch Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsarbeit, Projektbegleitung, Fundraising und Freiwilligenbegleitung. Mit diesen diversen Arbeitsbereichen stellt die Organisation eine Vielzahl an unterschiedlichen Anforderungen an potenzielle Bewerber.

Unabhängig von einer bestimmten Stellenausschreibung legt pbi Wert auf bereits bestehende Kenntnisse der NGO-Welt sowie der Friedens- und Menschenrechtsarbeit und ihren aktuellen politischen Diskursen. Für Bewerber ist es ebenfalls hilfreich, bereits Erfahrungen durch ehrenamtliches Engagement zu besitzen. Aufgrund der Präsenz in Lateinamerika, Afrika und Asien und aufgrund des regelmäßigen Austauschs mit den Mitarbeitenden im Büro, müssen Bewerber sehr gute Englischkenntnisse mitbringen, gute Spanischkenntnisse sind wünschenswert. Ein Studium oder eine Berufsausbildung sind, abhängig vom Arbeitsbereich der Stellenausschreibung, notwendig für eine Bewerbung. Grundsätzlich ist es uns wichtig, engagierte, motivierte und teamfähige Menschen dafür begeistern zu können, sich bei pbi zu bewerben.“

Sabine Wittenbrink-Daut, Leiterin Personalwesen und Büroorganisation beim WWF (World Wide Fund For Nature) Deutschland:

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Sabine Wittenbrink-Daut

Foto: Janna Frohnhaus

„Wir suchen Menschen mit Lust auf Naturschutz. Der WWF ist eine der größten Umweltschutzorganisationen weltweit. Unsere Einsatzgebiete reichen vom Regenwald in Brasilien und Indonesien über den Kampf gegen die Elefantenwilderei in Afrika bis hin zum Klima-, Meeres- und Artenschutz in Deutschland. Das beinhaltet aber auch viel Verwaltungsarbeit. Einstiegsmöglichkeiten gibt es sowohl mit einem abgeschlossenen Studium als auch mit einer Berufsausbildung. Um auf Fach- und Führungsaufgaben vorzubereiten, haben wir gerade ein Trainee-Programm im Naturschutz gestartet.

Viele Universitäten bieten Studiengänge mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an, die auch auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet sind. Sie beinhalten neben Naturschutzwissen auch Kurse in Projektmanagement, Kommunikation, Fundraising und Marketing. Das ist aber kein Muss. Gefragt sind beispielsweise auch Absolventen der Naturwissenschaften. Generell suchen wir einen Mix aus Persönlichkeit, fachlichem Know-how und Berufserfahrung, Praktika oder Ehrenamt. Darüber hinaus zählen für uns Teamfähigkeit, ganzheitliches Denken, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Lernbereitschaft sowie Begeisterungsfähigkeit. Sprachkenntnisse, insbesondere Englisch, sind von Vorteil. Erfahrungsgemäß sind Masterabsolventen für unsere anspruchsvollen Stellen geeigneter. Bachelorstudenten konnten sich oft noch nicht tiefgehend genug mit einem Thema befassen. Sehr wertvoll sind außerdem erste Erfahrungen mit Naturschutz-Projekten im Feld.“

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes e.V.:

Ein Porträt-Foto von Christa Stolle

Christa Stolle

Foto: Terre des Femmes

„Ein guter Einstieg bei Terre des Femmes ist ein Praktikum während des Studiums oder zwischen Bachelor- und Masterstudium. Ein erstes Praktikum nach dem Masterstudium ist bei uns nicht möglich. Masterabsolventen, die zuvor schon bei uns ein Praktikum gemacht haben, bringen jedoch beste Voraussetzungen mit. Für die Mitarbeit bei Projekten machen wir in der Regel zunächst interne Ausschreibungen. Hierzu haben wir einen eigenen Verteiler für unser Netzwerk mit ehemaligen Praktikanten eingerichtet.

Bezüglich der Fachbereiche sind wir sehr offen. Es passen beispielsweise Abschlüsse in den Sozialwissenschaften, Jura / Rechtswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften – am besten gepaart mit Erfahrungen in der Wirtschaft. Auch Quereinsteiger aus anderen Fachbereichen oder ohne Hochschulabschluss haben gute Chancen, wenn sie Engagement, Praxiserfahrung und gleichwertige Qualifikationen mitbringen.

Bei den Soft Skills kommt es auch auf die jeweilige Stelle an. Bei leitenden Positionen achten wir natürlich sehr auf Führungsqualitäten, bei Projektstellen auf Organisationstalent und Erfahrungen im Projektmanagement. Und: Es bewerben sich zwar vorwiegend Frauen bei uns, doch wir schreiben Stellenangebote geschlechtsneutral aus. So kommen selbstverständlich auch männliche Bewerber infrage, wenn sie die gewünschten Qualifikationen mitbringen und unser Leitbild vertreten.“

 

Arbeitgeber NGO – Berufsübersicht

Berufe bei NGOs

Du möchtest mit deiner Arbeit einen wesentlichen Beitrag für eine gerechtere, sozialere und nachhaltigere Welt leisten? Dann könntest du dich bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) wohlfühlen. Hier werden Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen gebraucht, bestimmte Fachbereiche sind allerdings besonders gefragt. abi>> stellt einige der Möglichkeiten vor.

Afrikanist/in

Aufgaben: sich mit der Kultur, Sprache und Literatur Afrikas beschäftigen; redaktionelle Tätigkeiten übernehmen; übersetzen; lehren
Mögliche Arbeitsbereiche: Hilfsprojekte in Afrika, Erwachsenenbildung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzungsagenturen, Wirtschaftsberatung

Betriebswirt/in

Aufgaben: Wirtschafts- und Verwaltungsvorgänge sowie Geschäftsaktivitäten planen, organisieren und überwachen; Arbeitsabläufe optimieren
Mögliche Arbeitsbereiche: Controlling, Evaluierung, Finanzen, Logistik, Management, Marketing, Materialwirtschaft, Personal

Informatiker/in

Aufgaben: Anforderungen an informationstechnische Systeme analysieren; Hard- und Software entwickeln, programmieren und modifizieren
Mögliche Arbeitsbereiche: IT-Management, IT-Systemadministration, Projektleitung, IT-Sicherheit, Marketing, Mediendesign, Produktentwicklung, Forschung

Ingenieur/in Agrarwirtschaft

Aufgaben: landwirtschaftliche Betriebe mit Know-how unterstützen; landwirtschaftliche Erzeugnisse verarbeiten; planende und verwaltende Aufgaben
Mögliche Arbeitsbereiche: Beratung, Energieversorgung, Entwicklungszusammenarbeit, Forschung, Tierhaltung, Werkzeugbau, Verwaltung

Jurist/in

Aufgaben: sich mit Gesetzen und Rechtsnormen befassen, die das gesellschaftliche Miteinander regeln; rechtlich beraten; juristische Streitfälle klären
Mögliche Arbeitsbereiche: Rechts- und Personalabteilungen, Beratung

Sozialpädagoge/Sozialpädagogin

Aufgaben: soziale Probleme bewältigen und lösen; Personen, Gruppen und Familien in schwierigen Situationen beraten und betreuen
Mögliche Arbeitsbereiche: Beratung, Bildung und Erziehung, Prävention, Entwicklungsarbeit, Interessenvertretungen

Sprachwissenschaftler/in

Aufgaben: sich mit der menschlichen Sprache, ihrer Herkunft und Wirkung befassen; redaktionelle Aufgaben übernehmen; lehren; Daten ermitteln und nutzbar machen

Mögliche Arbeitsbereiche: Kommunikation, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Erwachsenenbildung, Medien, Wissenschaft

 

Projektreferentin einer Menschenrechtsorganisation

Integration dank Patenschaften

Geflüchtete Frauen und ehrenamtliche Patinnen zusammenbringen, ihr Miteinander fördern und damit die Integration erleichtern – darum geht es in dem Projekt „Connect“, das Naïla Chikhi (37) für die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V. mitentwickelt hat und nun betreut.

Gewalt gegen Frauen wie Genitalverstümmelung, andere Benachteiligungen im oftmals patriarchalisch geprägten Herkunftsland und keinen Zugang zur Bildung: Viele geflüchtete Frauen teilen ein ähnliches Schicksal. Für sie ist es besonders schwierig, sich in Deutschland zurechtzufinden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Unterstützung bietet das Projekt „Connect“. Es stellt geflüchteten Frauen nach ihrer Ankunft in Berlin ehrenamtliche Patinnen zur Seite.

Vom Konzept bis zur Umsetzung

Ein Porträt-Foto von Naïla Chikhi

Naïla Chikhi

Foto: Terre des Femmes

Die Projektreferentin Naïla Chikhi erinnert sich noch gut an die Entstehung des Programms: „Meine erste Aufgabe bestand darin, es auf die Beine zu stellen“, erzählt sie. „Dazu habe ich mich mit bereits aktiven Ehrenamtlichen oder Sozialarbeitern ausgetauscht und Notunterkünfte besucht, um herauszufinden, wie hier am besten geholfen werden kann.“ Auf der Basis ihrer Rechercheergebnisse entwickelte sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen ein Schulungskonzept für Patinnen. Die entstandenen Kurse führt die 37-Jährige nun selbst durch. „Dabei bekommen die Patinnen grundlegende Informationen über die Lage der geflüchteten Frauen und erfahren, wie sie sie am besten unterstützen können.“

Hilfreich sind beispielsweise die Begleitung bei Behördengängen und der Beistand bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, einem Wohnraum oder Sprachkurs. Aber auch gemeinsame Unternehmungen und der Aufbau eines sozialen Netzwerks sind von großer Bedeutung.

Die Realität im Blick

Naïla Chikhi betreut die Patenschaften von Anfang an. Mit potenziellen Patinnen, die sich bei ihr melden, führt sie erste Gespräche zum Kennenlernen und um die zeitlichen Kapazitäten auszuloten. Es folgen die Schulung und das sogenannte „Matching“ der Patin mit der geflüchteten Frau. „Die Patenschaft wird dann von den beiden selbstständig geplant. Bei Fragen oder Problemen bin ich aber weiterhin für sie da“, erklärt sie. Auch organisiert sie regelmäßig Gruppentreffen, bei denen sich die Patinnen untereinander austauschen können.

Die geflüchteten Frauen kommen aus unterschiedlichen Ländern. Um ihnen das Projekt vorzustellen, besucht die 37-Jährige ihre Unterkünfte. „Es ist wichtig, auch vor Ort zu sein, um immer den Bezug zur Realität zu haben“, betont sie. Außerdem kommuniziert sie mit Akteuren anderer Initiativen und macht auf Veranstaltungen auf das Projekt aufmerksam. So gewinnt sie weitere Patinnen und Unterstützer. All dies erfolgt in engem Austausch mit ihren Kolleginnen, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern, die Homepage www.connect-women.de betreuen und Berichte zu den Aktivitäten verfassen.

Umfassend qualifiziert

„Als Projektreferentin hat man immer Ideen, wie etwas aussehen sollte oder könnte. Aber man arbeitet hier für Menschen und muss daher auch flexibel und anpassungsfähig sein“, erläutert Naïla Chikhi. Sie stammt selbst aus Algerien und die Erfahrung, im Alter von 19 Jahren zugewandert zu sein, hilft ihr sehr. Und auch die Kenntnisse aus ihrem Studium der Angewandten Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Mainz kommen ihr zugute. Darin hat sie sich auf die Sprachen Deutsch, Französisch und Arabisch sowie den Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation konzentriert. Zudem engagierte sie sich im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule als Frauenreferentin.

Nach ihrem Diplomabschluss unterrichtete Naïla Chikhi zunächst in Integrationskursen Deutsch als Fremdsprache, anschließend kam sie zu Terre des Femmes. Mit ihren Qualifikationen konnte sie die Projektstelle im Referat „Flucht und Frauenrechte“ der Bundesgeschäftsstelle antreten. Eine wesentliche Voraussetzung für ihre Arbeit ist, dass sie komplett hinter der Organisation und dem Projekt steht. „Besonders gefällt mir die Möglichkeit, dass sich Patinnen und geflüchtete Frauen im Tandem direkt kennenlernen und auf diese Weise besser ihre jeweiligen Lebensweisen verstehen können“, sagt sie und resümiert: „So kann Integration funktionieren.“


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Stand: 22.07.2018