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Gesetzestexte in verschiedenen Sprachen

Gebäude des Europäischen Parlaments
Wer beim Europäischen Parlament arbeiten möchte, muss zunächst den Aufnahmetest Concours erfolgreich bestehen. Erst das Assessment-Center entscheidet über eine Zusage.
Foto: Annika Voßen

Rechts- und Sprachsachverständige

Gesetzestexte in verschiedenen Sprachen

Jura und Sprachen kombinieren: Das war bereits im Studium der Wunsch von Eva Ulbrich (33). Heute arbeitet sie als Rechts- und Sprachverständige beim Europäischen Parlament in Straßburg.

Zu den Aufgaben von Eva Ulbrich gehört es, die Qualität von Rechtsakten sicherzustellen. „In meiner Abteilung wird geprüft, ob Gesetzestexte in verschiedenen Sprachen sprachlich und juristisch übereinstimmen. Ich bin für die deutschen Texte zuständig, die ich mit den anderen Sprachfassungen abgleiche“, erzählt sie. Außerdem nimmt die Juristin als Koordinatorin für Rechtsakten an interinstitutionellen Verhandlungen teil, die auf Englisch stattfinden, und steht dabei den Abgeordneten mit ihrem sprachjuristischen Sachverstand beratend zur Seite.

Ein Porträt-Foto von Eva Ulbrich.

Eva Ulbrich

Foto: Jan VAN DE VEL

Wie alle Beamten bei europäischen Institutionen musste auch Eva Ulbrich den Aufnahmetest Concours absolvieren. Die Bewerbung läuft über das Europäische Amt für Personalauswahl (EPSO). Interessierte müssen sich entscheiden, ob sie sich für einen allgemeinen oder einen speziellen Concours interessieren – die Auswahlverfahren sind je nach Stelle etwas unterschiedlich angelegt. Eva Ulbrich entschied sich für den speziellen Test für angehende Rechts- und Sprachsachverständige. „Ich habe bei EPSO einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben eingereicht und anschließend einen computerbasierten Test durchlaufen“, erinnert sie sich. Getestet wurde dabei unter anderem ihr Sprachverständnis. Um die Fremdsprachenkenntnisse zu überprüfen, verlangte der Test auch eine Übersetzung. In einem zweiten, allgemeinen Teil ging es um Zahlenverständnis sowie sprachlogisches und abstraktes Denken.

Assessment-Center in Brüssel

Wer den Computertest besteht, wird zu einem Assessment-Center nach Brüssel eingeladen. „Hier musste ich in einem weiteren Test mein logisches Denkvermögen unter Beweis stellen, einen Vortrag vorbereiten und halten, ein strukturiertes Gespräch mit der Prüfungskommission führen sowie an einer Gruppenübung teilnehmen. All das fand auf Französisch statt“, erinnert sich Eva Ulbrich. Außerdem musste sie einen Text auf Englisch zusammenfassen. Eine große Hilfe waren für sie die Seminare des Auswärtigen Amtes, die Bewerber auf den Concours vorbereiten (siehe hierzu auch das Interview „Den europäischen Geist spüren“).
Nachdem sie den Auswahltest erfolgreich bestanden hatte, kam Eva Ulbrich auf eine Liste, von der der Rat der EU sowie das Europäische Parlament bei Bedarf passende Kandidaten auswählen. „Um die Zeit bis zu einer freien Stelle zu überbrücken, habe ich ein Jahr bei der Bayerischen Staatskanzlei als Referentin für Europapolitik gearbeitet“, erzählt sie. Bei der Suche nach dieser Stelle unterstützte sie das Auswärtige Amt.

Schon im Studium quer durch Europa

Eva Ulbrich arbeitete schon früh auf eine Tätigkeit in einer europäischen Institution hin: Bereits in ihrem Jura-Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Universität Panthéon-Assas in Paris wählte sie den Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht und absolvierte nebenbei ein Magisterstudium in germanistischer Linguistik. Unter ihren zahlreichen Praktika während des Studiums absolvierte sie auch welche in Frankreich. Den Master machte sie in Dublin und Barcelona, ihre Wahlstation im anschließenden Referendariat verbrachte sie bei der Europäischen Kommission in Brüssel. „Nun habe ich meine Traumstelle gefunden, bei der meine juristische Sachkenntnis und mein Sprachgefühl gleichermaßen gefordert sind“, freut sie sich.

abi>> 03.04.2018