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Das große Ganze erkennen

Auf einem Tisch liegen ein Taschenrechner und Versichertenkarten.
Versicherungen sind darauf angewiesen, belastbare Prognosen über Versicherungsfälle und Finanzen treffen zu können - hier sind Wirtschaftsmathematiker gefragt.
Foto: Martin Rehm

Wirtschaftsmathematiker

Das große Ganze erkennen

Christoph Mühling arbeitet als Wirtschaftsmathematiker beim Versicherungskonzern HUK Coburg in Oberfranken. Der 32-Jährige sorgt mit seiner Arbeit dafür, dass den Versicherten im Schadensfall geholfen wird.

Zunächst reizte Christoph Mühling die Bankenbranche für seinen späteren Berufsweg. Doch dann kam die Finanzkrise und sein Wunsch wandelte sich während der letzten Semester seines Diplomstudiums an der Uni Leipzig. Die Suche nach einer Alternative führte ihn vor rund sechs Jahren in die Versicherungswirtschaft und damit zu seinem heutigen Arbeitgeber, der HUK Coburg. „Ich habe mich damals gefragt, welche Branche es immer geben wird und Versicherungen gehören wohl dazu“, ist er sich sicher.

Heute ist der gebürtige Leipziger froh über seine damalige Entscheidung. In der „Versicherungsmathematischen Abteilung für die Schaden-/Unfallversicherungen“ kümmert er sich unter anderem um die Bilanzierung und ermittelt zusammen mit seinen Kollegen die sogenannten versicherungstechnischen Rückstellungen. „Wir achten also darauf, dass der Konzern ausreichend Geld zurücklegt, um seinen Verpflichtungen aus den noch nicht abgewickelten Versicherungsfällen nachzukommen – auch solche, die erst Jahre nach der ersten Bearbeitung bei uns eingehen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine bei einem Verkehrsunfall verletzte Person wegen Folgeschäden unerwartet noch an einer Rehamaßnahme teilnehmen muss“, erklärt der 32-Jährige.

Mehr als Zahlenakrobatik

Porträtbild von Christoph Mühling

Christoph Mühling

Foto: Karolin Holland

Dabei schaut das Team mit Hilfe einer speziellen Schadenreservierungssoftware nicht nur auf die reinen Zahlen, sondern muss auch Zusammenhänge mit anderen Kennziffern der HUK herstellen – das große Ganze erkennen. Besonders wertvoll sind dabei die Erfahrungen der Mitarbeiter. „Wir haben beispielsweise in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, das Winterstürme große Schäden hervorgerufen haben“, erklärt Mühling: „Passiert das zum Jahresende, gehen aufgrund der Feiertage nicht alle Schadensmeldungen sofort bei den Sachbearbeitern ein. Wir müssen also damit rechnen, dass einige erst Wochen oder Monate später ankommen – und dafür gilt es, ausreichend finanzielle Rücklagen zu bilden.“

Arbeiten im Team

Das ist eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe, schließlich verlassen sich die Vorstände an der Konzernspitze auf die Aussagen von Christoph Mühling und seiner Kollegen. „Darum arbeiten wir auch immer im Team an solchen Berechnungen. Ein zweiter Blick und eine zweite Meinung sind elementar“, betont er.

Findet das Team bei seinen Berechnungen Auffälligkeiten, wie die Zahlung ungewöhnlich hoher Summen an einer Gruppe von Kunden, hält es Rücksprache mit den Mitarbeitern der entsprechenden Abteilung. Sie gehen dann gemeinsam der Frage auf den Grund, woran diese Entwicklung liegen kann. „Das kann durchaus kniffelig sein, da fühlt man sich manches Mal fast wie ein Detektiv“, erzählt der 32-Jährige. „Vor einigen Monaten waren zum Beispiel die Zahlungsdurchschnitte auffällig stark angestiegen, ohne dass wir uns das erklären konnten. Nach einigem Herumfragen und Überlegen fanden wir heraus, dass die Preise für Fahrzeugersatzteile gestiegen waren – und das merkt natürlich auch die Versicherung. Sie muss dann ihren Kunden nach Unfällen höhere Summen zurückerstatten.“

Seit drei Jahren absolviert Christoph Mühling neben seiner Arbeit als Wirtschaftsmathematiker die Weiterbildung zum Aktuar. In dieser vertieft er sein Wissen über die aktuelle Entwicklung in Themen wie Versicherungswirtschaftslehre, Finanzmathematik oder Risikomanagement. Dadurch verbringt er wieder regelmäßig Zeit mit Lehrbüchern und Klausuren – „eine Herausforderung, die ich gerne annehme, um in meinem Beruf auf dem neuesten Stand zu sein.“

abi>> 20.12.2017