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Pestiziden auf der Spur

Junge Frau wiegt eine Substanz ab.
Häufig werden Lebensmittel im Labor verflüssigt, um anschließend die einzelnen Bestandteile bestimmen und auswerten zu können.
Foto: Nicole Schwab

Lebensmittelchemiker

Pestiziden auf der Spur

Chemisches Verständnis, analytische Fähigkeiten und detektivisches Gespür braucht Dr. Sören Meyer für seine Arbeit als Lebensmittelchemiker. Der 34-Jährige ist in einem Labor der Eurofins Dr. Specht Laboratorien GmbH in Hamburg beschäftigt und untersucht dort Produkte auf Pestizidrückstände.

Seit knapp eineinhalb Jahren arbeitet der staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker Dr. Sören Meyer bei dem international agierenden Handelslabor, das sich auf die Analytik von Pestiziden spezialisiert hat, unter anderem in Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Tee und Kräutern sowie Babynahrung. Mit modernster Analysetechnik und Spürsinn geht der 34-Jährige der Konzentration von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln auf den Grund, die Kunden zur Analyse einreichen.

Labor, Messtechnik, Kontrolle

Ein Porträt-Foto von Dr. Sören Meyer

Dr. Sören Meyer

Foto: Sebastian Schöl

Soll er für einen Kunden beispielsweise Äpfel untersuchen, stellt er dem Labor mehrere davon als Probe zur Verfügung. „Diese werden von den Laboranten zu einer flüssigen Lösung aufgearbeitet, die in Messgeräte eingespritzt wird“, erklärt Sören Meyer. Die Apparaturen liefern Diagramme, in denen Peaks, also signifikante Werte des zu bestimmenden Stoffs, verzeichnet sind. Die Messtechniker gleichen die Werte mit denen von Vergleichslösungen ab und berechnen die Konzentration. Der Lebensmittelchemiker beurteilt die Ergebnisse nach ihrer Plausibilität, indem er sie beispielsweise in Datenbanken mit Werten ähnlicher Analysen vergleicht. „Wir müssen entscheiden, ob es sich bei den Peaks wirklich um das gesuchte Pestizid handelt. Eventuell enthielt der Extrakt zu viele störende Begleitstoffe, die zu sogenannten Fremdpeaks führen können.“ Wenn er ein Ergebnis für plausibel erklärt, verfasst er einen Bericht für die Kundenberater. Wenn nicht, kommen weitere Methoden zur Überprüfung und Klärung zum Einsatz: „Dabei kommt die gesamte analytische Bandbreite ins Spiel.“

Stippvisiten im Labor

90 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Sören Meyer am Computer. Im gleichen Büro wie er arbeiten noch fünf Kollegen. Den Laborräumen stattet er lediglich Stippvisiten ab, wenn es Nachfragen gibt, oder um schnell zu erledigende Aufgaben selbst durchzuführen. Im Gegensatz dazu verbrachte Sören Meyer im Studium, das er an der Uni Münster absolvierte, viel mehr Zeit im Labor.

Staatsexamen oder Bachelor-Master

Neben dem Staatsexamen kann Lebensmittelchemie ebenso im Bachelor-Master-Programm studiert werden. Mit dem Master ist es möglich, direkt ins Berufsleben einzusteigen, was Sören Meyer als Vorteil sieht. Er rät jedoch dazu, das Praktische Jahr (PJ) zu absolvieren, dem der Dritte Prüfungsabschnitt folgt. Im PJ wird sich intensiv mit juristischen Aspekten beschäftigt: „Man lernt, Gesetzestexte zu lesen, herauszufinden, wann eine Probe verkehrsfähig ist – also verkauft werden darf, und Gutachten zu verfassen.“ Und diese Fähigkeiten und Kenntnisse seien gleichermaßen in der freien Wirtschaft gefragt.

Nachdem er zunächst promoviert und als Postdoktorand an der Uni Potsdam gearbeitet hatte, entschied Sören Meyer sich schließlich für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft. „Ich hatte überlegt, auf der wissenschaftlichen Schiene zu bleiben“, sagt er. Da es aber ohne Professur fast nur befristete Stellen gebe, schlug er einen anderen Karriereweg ein. Die richtige Entscheidung, denn die „Detektivarbeit“, wie er es nennt, macht ihm Spaß: „Die Technik kann zwar viel – aber wir kommen immer wieder an Punkte, an denen wir überlegen müssen, wie wir die ermittelten Messergebnisse überprüfen können. Man muss querdenken und mithilfe der erhobenen Daten, aber auch unserer Erfahrung, unserem Wissen und detektivischem Gespür Wege finden, das Ergebnis ein Stück sicherer zu machen.“

abi>> 29.07.2019