Kommunikationstalente mit Faible für Zahlen

Frau mit Headset
Der heiße Draht zum Kunden: Das wichtigste Arbeitsmittel für Kaufleute für Dialogmarketing ist das Telefon.
Foto: Martin Rehm

Kaufleute für Dialogmarketing – Hintergrund

Kommunikationstalente mit Faible für Zahlen

Telefonieren, chatten, soziale Medien bedienen – wer gerne kommuniziert und dabei auch klare Ziele verfolgen kann, für den bietet sich eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Dialogmarketing an.

Dialogmarketing heißt: Mit Kunden kommunizieren, Marketingkampagnen planen, deren Erfolge kontrollieren und – für Führungskräfte natürlich auch – Angestellte koordinieren. Nachdem in der wachsenden Branche der Call-, Service- und Kundencenter über lange Zeit hinweg vor allem Ungelernte tätig waren, gibt es hier seit 2006 zwei Ausbildungsberufe: In zwei Jahren können sich junge Menschen zur Servicekraft für Dialogmarketing ausbilden lassen, oder sie eignen sich in einem zusätzlichen Jahr auch kaufmännisches Wissen an und werden Kaufmann bzw. Kauffrau für Dialogmarketing. „Allein im Bundesverband Industrie Kommunikation (bvik) sind 1.100 Firmenmitglieder organisiert – potenzielle Arbeitgeber bietet die Branche also zu Genüge!“, betont Michael Hümmer, Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Fürth.

Darum geht’s in der Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt dual, das heißt im Unternehmen und in der Berufsschule. Auszubildende lernen dabei praktisch und theoretisch, zielgerichtet mit den Instrumenten Stimme und Sprache zu kommunizieren. Darüber hinaus setzen sie sich mit der Erhebung und Auswertung von Kennzahlen auseinander, wie etwa Zustell- oder Klickraten von ausgesandten E-Mails oder die Kosten per Anfrage bzw. Interessenten, sowie mit Themen der Mitarbeiterführung und des Coachings „Jede Marketingkampagne hat unterschiedliche Ziele. Einige setzen darauf, qualifiziert und zielgruppengenau möglichst viele Kunden anzusprechen. Bei anderen werden deutlich längere und tiefer ins Detail gehende Gespräche geführt. Wichtig ist es, Kennzahlen und Ergebnisse auslesen zu können“, erklärt Beate Scholz, Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die beiden Dialogmarketingberufe bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Porträt von Michael Hümmer

Michael Hümmer

Foto: privat

„Es geht uns nicht unbedingt um gute Noten in Mathematik. Aber man muss ein Gefühl dafür besitzen, Kennzahlen zu lesen und auszuwerten“, sagt sie. Dies erfordere eine Affinität zu und Freude an Zahlen. „Dann gilt es die daraus entsprechenden Maßnahmen abzuleiten, zum Beispiel Coachings und Schulungen durchzuführen, um die Kundenansprache oder Mitarbeitermotivation zu verbessern. Ebenso fallen Themen wie zielgruppengenaue Teambesetzung und Optimierung der technischen Gegebenheiten mit hinein“, merkt sie zu den Aufgabengebieten an.

Außerdem: Nur wer gut und gerne kommuniziert – vor allem mündlich und am Telefon – sei im Beruf gut aufgehoben. „Darüber hinaus gilt es, erfolgs- und ergebnisorientiert zu arbeiten, auch mal Ärger über einen frustrierten Kunden wegstecken zu können und offen für neue technische Trends zu sein, wie etwa die Kommunikation über soziale Medien“, ergänzt Michael Hümmer. Beate Scholz wünscht sich von angehenden Kaufleuten für Dialogmarketing darüber hinaus gute Umgangsformen, weil Auszubildende auch vor Ort beim Kunden souverän agieren können sollten.

Und so kann es danach weitergehen

Wer sich in einem Unternehmen weiterentwickeln möchte, kann mithilfe entsprechender Zusatzqualifikationen in Richtung Teamleitung oder Training gehen. Darüber hinaus ist es möglich, eine Weiterbildung zum Fachwirt Marketing zu absolvieren oder einen betriebswirtschaftlichen bzw. kommunikationswissenschaftlichen Studiengang anzuschließen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg beispielsweise bietet auch duale Studiengänge im Bereich Medien- und Kommunikationswirtschaft an.

Michael Hümmer geht davon aus, dass die fortschreitende Digitalisierung sich auch zunehmend auf die Dialogmarketing-Branche auswirken wird: „Künstliche Intelligenz und Voice-over-IP ersetzen die menschliche Kommunikation bereits bei simplen Themen und neben dem Telefon spielen zunehmend auch Kommunikationskanäle wie die sozialen Medien eine Rolle. Hier ist es nicht mehr die menschliche Stimme, sondern ein bestimmter Algorithmus, der Einfluss auf die Kunden nehmen soll.“ Beate Scholz dagegen bezweifelt, dass sich diese Trends vollständig durchsetzen werden: „Im Vertrieb ist es schwieriger, mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten, denn wir sind überzeugt: Auch in Zukunft kauft Mensch von Mensch!“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. Suche: entweder über das Stichwort „Dialogmarketing“ oder über „Suche nach Berufsfeldern > Wirtschaft, Verwaltung > Berufe rund um Marketing und Werbung"

www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchbegriffe z. B. Dialogmarketing, Vertrieb)

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

International anerkannte Einrichtung zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Hier findest du unter anderem Statistiken zu den Ausbildungsberufen, aber auch die Ausbildungsrahmenpläne.
www.bibb.de

DDV Deutscher Dialogmarketing Verband

www.ddv.de

Bundesverband Industrie Kommunikation (bvik)

www.bvik.org

 

Kauffrau für Dialogmarketing

Immer im engen Kundenkontakt

Als Kauffrau für Dialogmarketing beim Klebeproduktspezialisten 3M kommuniziert Kathrin Pouwels (31) tagtäglich mit ihren Unternehmenskunden. Sie unterstützt damit auch ihre Vertriebskollegen im Außendienst.

Ich habe die Bedürfnisse meiner Kunden stets im Blick. Und wenn 3M Produktneuheiten auf den Markt bringt, die für sie interessant sein können, kontaktiere ich sie gezielt über diverse Kommunikationskanäle wie das Telefon, per E-Mail, mithilfe eines Newsletters, aber zum Beispiel auch über den Besuch von Fachmessen“, umreißt Kathrin Pouwels ihr Aufgabengebiet. Regelmäßig stößt die Kauffrau für Dialogmarketing aber auch spezielle Verkaufskampagnen für ihre Kundengruppe an und führt sie durch.

Portär von Kathrin Pouwels

Kathrin Pouwels

Foto: privat

Früher hätte man sie als Innendienstmitarbeiterin bezeichnet, heute nennt sich ihre Position Inside Sales Representative, das heißt, sie tritt regelmäßig von ihrem Büro aus in Kontakt mit einem eigenen, festzugeordneten Kundenstamm – um zum Beispiel neue Produkte vorzustellen. „Produktneuheiten können etwa grafische Klebefolien oder auch Sonnenschutzlösungen sein, die in der Außenwerbung eingesetzt werden“, erklärt die 31-Jährige.

Erreichbar für den Kunden

Bei den Kunden handelt es sich in ihrem Fall um mittelgroße Werbetechnikbetriebe. Diese unterstützt sie auch bei der Planung und Umsetzung von anstehenden Projekten, berät sie technisch in enger Abstimmung mit den Kollegen aus der Anwendungstechnik und versendet Muster sowie Produktinformationen. Und manchmal, eher selten, fährt sie auch mit einem Außendienstmitarbeiter raus zum Kunden, um diesen auch einmal persönlich kennen zu lernen.

„Grundsätzlich ist aber mein Kollege vom Außendienst dafür zuständig, sich die Gegebenheiten vor Ort anzusehen“, sagt sie. Ist der zuständige Außendienstmitarbeiter aber gerade mal nicht erreichbar, weil es unterwegs zum Beispiel ein Funkloch gibt, dann unterstützt Kathrin Pouwels in einer Art Tandembetreuung bei dringenden Anliegen. „Soll der Kunde vor Ort zum Beispiel mit Produktmustern versorgt werden, so kann ich das schon auf den Weg bringen“, ergänzt sie.

Im Vertrieb zuhause

Die wichtigste Voraussetzung für ihre Tätigkeit sieht Kathrin Pouwels in der Freude am Umgang mit Kunden und am Telefonieren. „Ich habe zwar nicht den ganzen Tag nur den Hörer am Ohr, aber eine Affinität zum Telefon sollte man für diesen Beruf auf jeden Fall mitbringen. Und es ist auch etwas anderes, ob ich privat mit einem Freund telefoniere oder mit einem Kunden“, betont die Kauffrau für Dialogmarketing. Da sie die Kunden, mit denen sie gerne sprechen möchte, nicht immer auf Anhieb erreicht, braucht sie zudem eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen. Darüber hinaus muss sie ihre Arbeitstage gut strukturieren und wohlüberlegt entscheiden, wie oft sie welchen Kunden kontaktiert und wann ein guter Zeitpunkt dafür sein könnte.

Die Grundlagen für diese Tätigkeit hat Kathrin Pouwels in ihrer Ausbildung gelernt, die sie als erste Kauffrau für Dialogmarketing bei 3M absolvierte und aufgrund ihrer guten Leistungen auf zweieinhalb Jahre verkürzen konnte. Aktuell absolviert sie berufsbegleitend zudem ein BWL-Studium. Anschließend möchte sie bei 3M bleiben und gegebenenfalls auch noch andere Produktbereiche kennenlernen: „Im Vertrieb fühle ich mich aber einfach zuhause“.

 

Kaufmann für Dialogmarketing

Das A und O: ein guter Draht zum Kunden

Telefonieren, E-Mails schreiben, Marketingkampagnen konzipieren – diese Tätigkeiten prägen den Berufsalltag von Lion Löwe beim Telekommunikationsunternehmen Vodafone. Der 23-Jährige absolviert dort eine Ausbildung zum Kaufmann für Dialogmarketing.

Wer sich für eine Ausbildung zum Kaufmann für Dialogmarketing entscheidet, muss wissbegierig sein und gerne eigenverantwortlich arbeiten. Davon ist Lion Löwe überzeugt. „Uns wird das Vertrauen in die Hand gelegt, dass wir fehlerfrei arbeiten und sorgfältig mit den Kundendaten umgehen“, sagt der 23-Jährige. Zurzeit ist er in einer Abteilung eingesetzt, die sich um Telekommunikationslösungen für mittelständische Unternehmen kümmert. „Früher wurden hier Schnurtelefone eingesetzt. Jetzt entwickeln wir Apps, mit denen die Außendienstmitarbeiter ihre Anrufe beim Betreten des Büros vom Handy auf den PC weiterleiten können, ohne dass der Anrufer das merkt“, erklärt der Azubi, der aktuell im zweiten Lehrjahr ist. Seine Aufgabe hier ist die kaufmännische Umsetzung, also die Betreuung der Kunden während der gesamten Auftragsabwicklung.

Porträt von Leon Löwe

Lion Löwe

Privat

Seine erste Station bei Vodafone war die Firmenhotline, die grundsätzliche Fragen rund um die Themen Mobilfunk und Festnetz beantwortet. „Dort rufen Projektmanager an, die sich in ihrer Firma mit Technikthemen beschäftigen“, erklärt der Azubi. Anfangs war er vor allem dafür zuständig, Kunden-E-Mails zu bearbeiten. Später stand er dann auch telefonisch in Kontakt mit den Kunden. „Die Kunden wollten beispielsweise SIM-Karten in Auftrag geben, die Rufnummer tauschen oder sich erkundigen, wie der Stand der Aktivierung ihres Anschlusses ist. Wir haben ihre Anliegen aufgenommen und Fragen beantwortet. Anfangs musste ich noch häufiger im Team nachfragen, um die Systeme von Vodafone kennenzulernen. Nach und nach konnte ich aber immer selbständiger arbeiten“, erinnert sich Lion Löwe.

Werbung per SMS

Gerne denkt er auch an ein besonderes Highlight zurück: die Mitarbeit an einem Event, das von seinem Ausbildungsbetrieb gesponsert wurde. Er durfte dabei die Projektkoordinatorin der Veranstaltung unterstützen und sich eigenverantwortlich um die Betreuung der Social Media-Maßnahmen kümmern, also Fotos sammeln und Posts schreiben. Auch für die Vorbereitung und Durchführung eines Gewinnspiels war der Azubi zuständig: „Die Besucher konnten sich auf dem Event mit einem Vodafone-Logo fotografieren lassen. Ich habe die Bilder mitbewertet und war auch dafür zuständig, die Person auf dem besten Foto zum Gewinner zu küren und ihr ein Werbegeschenk von Vodafone zu überreichen“, erzählt der 23-Jährige, der auch schon andere Promotion-Aktionen betreut hat. „Während des Oktoberfests habe ich mir zum Beispiel überlegt, wie wir Kunden in unsere Vodafone-Shops locken können. Ich habe also zünftige SMS-Nachrichten mit direktem Bezug auf das Oktoberfest getextet und rausgeschickt.“

Vom Headset auf den PC

Drei Tage pro Woche verbringt Lion Löwe im Unternehmen, an zwei Tagen besucht er die Berufsschule mit Fächern wie Sozialkunde, Kommunikation, Wirtschaftslehre oder Rechnungswesen. „Das Niveau entspricht dem normalen Schulunterricht der zehnten Klasse. Im Rechnungswesen arbeiten wir viel mit dem Dreisatz, wir müssen aber auch Buchungen ausführen und analysieren“, erklärt der Azubi.

Als einer der wenigen im 50-köpfigen Jahrgang hat sich Lion Löwe zudem dafür entschieden, eine Zusatzqualifikation zum Europakaufmann zu absolvieren, die seine Berufsschule anbietet. Er besucht zusätzlich SAP-Kurse, lernt Spanisch auf B1-Niveau sowie Business-Englisch, um nach Abschluss der Module eine IHK-Prüfung abzulegen und dann noch ein vierwöchiges Auslandspraktikum in einem spanischen Unternehmen zu absolvieren. „Ich muss dafür zwar mehr lernen, aber das macht Spaß. Und ich freue mich auf die Zeit in Spanien, in der ich meine Fremdsprachenkenntnisse festigen und Auslandserfahrungen in einem Unternehmen sammeln möchte“, erklärt er. Nach Abschluss seiner Ausbildung hofft er, eine attraktive Stelle angeboten zu bekommen. Wenn das nicht klappt, möchte er direkt weiterlernen und sein kaufmännisches Wissen in einem BWL-Studium erweitern.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>


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Stand: 18.08.2019